Frau von Girsewald, könnten Sie sich bitte kurz vorstellen und uns einen Einblick in Ihren beruflichen Werdegang geben?
Mein Name ist Anna-Catharina von Girsewald und ich bin Partnerin im Bereich Corporate/M&A bei Oppenhoff. Neben Transaktionen leite ich hier mit viel Engagement die Sektorgruppe Versicherungen.
Nach meinem Studium in Konstanz und dem Referendariat in Köln, inklusive Stationen bei Oppenhoff und Alston & Bird in New York, habe ich 2011 meine Karriere als Associate bei Oppenhoff begonnen. Ab Ende 2014 war ich ein paar Jahre bei Freshfields in München tätig, bevor es mich wieder zurück in die Heimat nach Köln und zu Oppenhoff geführt hat. Im Jahr 2021 habe ich im Rahmen eines Secondments die Konzernrechtsabteilung eines Versicherers geleitet. Diese Erfahrung hat meinen Blick für Mandantenbedürfnisse und Führung geschärft.
Besonders prägend waren für mich die Wahlstation in New York und die Möglichkeit, im Laufe meiner Karriere verschiedene Perspektiven kennenzulernen. Eine tägliche Herausforderung und zugleich große Bereicherung ist es, meinen Beruf mit dem Familienleben und meinen Kindern zu vereinbaren. Das gelingt mal besser, mal schlechter, aber mit Leidenschaft, Teamgeist und einer guten Portion Humor klappt es meistens.
Wie sind Sie auf Oppenhoff aufmerksam geworden – und was hat Sie damals überzeugt, dort einzusteigen?
Oppenhoff ist mir schon früh als Kanzlei mit exzellentem Ruf und spannenden Mandaten aufgefallen. Während meines Referendariats hat mich insbesondere die offene, kollegiale Atmosphäre überzeugt. Ich hatte sofort das Gefühl, Teil des Teams zu sein und eigene Ideen einbringen zu können.
Bis heute begeistert mich die Kombination aus fachlicher Exzellenz und echter Teamarbeit: Hier zählt Persönlichkeit ebenso wie Leistung. Das gibt Raum, sich individuell zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen.
Wie viel Zeit lag zwischen Ihrem Einstieg bei Oppenhoff und Ihrer Ernennung zur Partnerin – und war dieser Schritt von Beginn an Ihr Ziel?
Vom Einstieg als Associate bei Oppenhoff bis zur Equity-Partnerschaft vergingen rund vierzehn Jahre. Die Partnerschaft war immer ein Ziel, doch mein Weg dorthin war alles andere als geradlinig. Auf meinem Weg habe Chancen genutzt, mich beispielsweise in der Versicherungswirtschaft spezialisiert, Umwege in Kauf genommen und auch mal Neues ausprobiert, wie ein sehr erfolgreiches Jobsharing mit einer Kollegin bei Oppenhoff.
Wichtig war mir dabei immer, authentisch zu bleiben, Freude an der Arbeit zu haben und Wege zu finden, Familie und Karriere zu vereinbaren.
Welche Entwicklungsschritte waren auf Ihrem Weg zur Partnerschaft besonders entscheidend?
Für meinen weiteren Weg war es entscheidend, dass ich frühzeitig Verantwortung in M&A-Transaktionen übernehmen durfte. Bereits als Associate hatte ich dadurch engen Mandantenkontakt und konnte mich mit Kolleg:innen aus verschiedenen Fachbereichen vernetzen. Auch der gezielte Aufbau eines eigenen Netzwerks, innerhalb und außerhalb der Kanzlei hat mich weitergebracht und war die Basis für die erfolgreiche Akquise eigener Mandate. Ein wichtiger Meilenstein war zudem das Secondment im Versicherungskonzern. Es hat zu einem Perspektivwechsel geführt und meinen Blick für Mandantenbedürfnisse und Führung nachhaltig geschärft. Heute ermöglicht mir die Leitung der Sektorgruppe Versicherungen, gemeinsam mit einem interdisziplinären Team innovative Strategien und maßgeschneiderte Lösungen für unsere Mandanten zu entwickeln.
Weitere wichtige Schritte auf meinem Weg zur Partnerschaft waren Sichtbarkeit, etwa durch Vorträge oder Publikationen, gezieltes Business Development und die Profilschärfung im Bereich Versicherungswirtschaft.
Wie hat Oppenhoff Sie konkret auf dem Weg zur Partnerschaft unterstützt?
Oppenhoff hat mich auf meinem Weg durch gezieltes Mentoring der jeweiligen Leitpartner, eine offene Feedbackkultur sowie flexible Arbeitsmodelle wie Jobsharing sehr unterstützt. So konnte ich an spannenden Transaktionen mitwirken und gleichzeitig meinen Arbeitsumfang mit den Bedürfnissen meiner Familie abstimmen.
Besonders schätze ich die Förderung von Eigeninitiative und die Offenheit für neue, innovative Ansätze – auch im Hinblick auf die eigene Karrieregestaltung. Programme wie das Business Development Forum, in dem Senior Associates Marketingideen und Business Development in der Peer-Group austauschen und eigene Businesspläne entwickeln, haben mir sehr dabei geholfen, Ziele zu definieren und unternehmerische Verantwortung zu übernehmen. Die Möglichkeit, sich in Sektorgruppen einzubringen und sich über aktuelle Branchenthemen auszutauschen, hat zudem meine Spezialisierung und Profilbildung nachhaltig gefördert.
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Welche fachlichen, unternehmerischen und persönlichen Fähigkeiten sind aus Ihrer Sicht entscheidend, um Partner:in zu werden?
Für mich sind neben exzellenten juristischen Kenntnissen, unternehmerisches Denken, Branchenkompetenz, Kommunikationsstärke und Teamfähigkeit entscheidend. Wer Freude daran hat, Mandantenbeziehungen aufzubauen, strategisch zu denken und Verantwortung zu übernehmen, ist auf einem sehr guten Weg. Mut zur eigenen Persönlichkeit und Authentizität machen zudem den Unterschied.
Was sind für Sie die größten Vorteile – und die größten Herausforderungen – der Partnerschaft?
Die Partnerschaft bietet viel Gestaltungsspielraum und die Möglichkeit, eigene Schwerpunkte zu setzen. Besonders spannend finde ich die Vielfalt der Aufgaben und die Chance, die Zukunft der Kanzlei aktiv mitzugestalten.
Gleichzeitig wächst natürlich auch die Verantwortung für Mandate, das Team und die strategische Entwicklung der Kanzlei. Das ist mitunter herausfordernd, macht den Beruf aber auch so abwechslungsreich und erfüllend.
Wie lässt sich die Partnerschaft mit unterschiedlichen Lebensphasen und einer ausgewogenen Work-Life-Balance vereinbaren?
Als Mutter weiß ich, wie wichtig Flexibilität und Prioritäten sind. Die Partnerschaft bringt Phasen hoher Belastung mit sich, bietet aber auch Gestaltungsspielraum. Bei Oppenhoff werden flexible Arbeitsmodelle unterstützt und eine Kultur gelebt, in der unterschiedliche Lebensentwürfe Platz haben.
Für mich sind Offenheit im Team und gegenseitige Unterstützung der Schlüssel zur Vereinbarkeit – und manchmal helfen auch einfach ein gutes Zeitmanagement, Disziplin und ein bisschen Humor.
Welchen Ratschlag würden Sie Berufseinsteiger:innen geben, die langfristig das Ziel einer Partnerschaft verfolgen?
Gerade am Anfang ist der Weg oft steinig und nicht immer leicht. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen! Bleiben Sie neugierig, suchen Sie sich frühzeitig Mentor:innen oder Vorbilder, übernehmen Sie Verantwortung und entwickeln Sie ein Gespür für wirtschaftliche Zusammenhänge. Netzwerken Sie, bringen Sie Ihre Ideen ein und bleiben Sie authentisch – auch bei Rückschlägen. Am wichtigsten ist, dass Sie nie den Spaß und die Begeisterung an der Arbeit verlieren. Rückblickend würde ich mir manchmal wünschen, noch mutiger eigene Wege gegangen zu sein. Authentizität und Freude am Beruf sind der beste Karriere-Booster.
Vielen Dank für das Interview und die Zeit, Frau von Girsewald!
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