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Notariat: Interview mit RA Bock (Oppenhoff)

Im Rahmen unserer Interviewreihe "Berufsspecials" berichtet Rechtsanwalt Moritz Bock von Oppenhoff über die Anforderungen und Perspektiven einer anwaltlichen Tätigkeit im Bereich des Notariats und teilt seine Erfahrungen.

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Notariat: Interview mit RA Bock (Oppenhoff)

Womit müssen Jurist:innen an einem typischen Arbeitstag im Bereich des Notariats in einer Großkanzlei rechnen? Wie sieht die Tätigkeit aus?

Üblicherweise haben Notariate in Großkanzleien einen Schwerpunkt im Gesellschaftsrecht oder im Immobilienrecht. Im Gesellschaftsrecht sind die typischen Aufgaben Zuarbeit für den Notar bei den Entwürfen von Dokumenten, etwa Vorbereitung von Geschäftsführerwechseln, Satzungsänderungen, Gründungen vom GmbHs oder schlichte Geschäftsanteilskauf- und abtretungsverträge. Darüber hinaus gehören meist mehr oder weniger umfangreiche und komplexe Umwandlungen, Beteiligungs- und Gesellschaftervereinbarungen, Kapitalerhöhungen oder sonstige Umstrukturierungsmaßnahmen zum täglichen Geschäft. Entweder entwirft dies das Notariat selbst oder die Entwürfe kommen von Externen. Typische Aufgaben sind dabei die Vorbereitung der Unterlagen und die Prüfung der zur Verfügung gestellten Dokumente. Im Immobilienrecht gilt das oben Gesagte entsprechend. Dort gehören Vorgänge zu den typischen Aufgaben, die mit einer Eintragung im Grundbuch verbunden sind, z. B. Bestellung von Grundschulden, Grundstückskaufverträge oder Bestellung von Dienstbarkeiten.

Was hat Sie dazu bewogen, sich für eine Tätigkeit in diesem Rechtsgebiet zu entscheiden?

In kaum einem anderen Bereich erhält man so vielseitige Einblicke in verschiedene Fachbereiche wie in einem Notariat. Neben dem Gesellschafts- und Immobilienrecht, kommt man auch mit den Bereichen Erb- und Familienrecht in Berührung. Darüber hinaus birgt der Bereich einen hohen Lernfaktor durch den Einblick in die praktische Abwicklung.

Inwieweit sind Ihre Erwartungen an die praktische Arbeit im Notariat erfüllt worden? Was waren Ihre größten Überraschungen?

Die größte Überraschung war der teilweise erhebliche Bearbeitungsaufwand, soweit Beteiligte wenig oder gar nicht anwaltlich beraten sind. Dieser Aspekt gestaltet die Arbeit des Notars und seiner Zuarbeiter wiederum abwechslungsreich und spannend. Auch verbietet sich meist die strikte Verwendung von Mustern, da jeder Fall meist in kleinen Nuancen von früheren Fällen abweicht. Weniger überraschend waren dann hingegen die rechtlichen Berührungspunkte mit einem Notariat, da die gesetzlichen Fälle, die eine notarielle Beurkundung vorschreiben, doch überschaubar sind.

Was sind Ihrer Meinung nach die spannendsten bzw. schwierigsten Herausforderungen in dem Rechtsgebiet?

Besonders spannend sind Transaktionen mit mehreren gesellschaftsrechtlichen Strukturierungsmaßnahmen wie z. B. Kapitalerhöhungen, mehreren Abtretungen und/oder Beteiligungs- und Gesellschaftervereinbarungen, d. h. bei denen eine möglichst effiziente und schnelle Struktur und Abwicklung gefragt ist. Die schwierigste Herausforderung ist meines Erachtens die Trennung zwischen anwaltlicher Beratung und dem Notariat. In Hessen gibt es das sog. Anwaltsnotariat, welches Notaren erlaubt weiterhin als Anwalt tätig zu sein, was Notare in Großkanzleien in der Regel auch wahrnehmen. Das Gesetz schreibt vor, dass der Notar hier „zwei Hüte“ tragen muss und notarielle und anwaltliche Arbeit nicht miteinander vermischen darf. Dies ist nicht immer leicht, insbesondere, wenn Mandanten beide „Dienstleistungen“ in Anspruch nehmen.

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Welche Soft Skills sind für eine Tätigkeit in diesem Rechtsgebiet vorteilhaft bzw. notwendig? Auf welche Anforderungen der Branche müssen sich Bewerber:innen hier einstellen?

Man sollte ein hohes Maß an Kommunikationsfreude mitbringen, gerade bei anwaltlich nicht beratenen Beteiligten, die mit vielen rechtlichen Punkten nicht vertraut sind und gewisse Aspekte nicht kennen. Darüber hinaus sollte man fundierte Grundkenntnisse in den Bereichen des Immobilien-, Gesellschafts-, Familien- und Erbrecht haben bzw. mitbringen.

Welche Aus-/Weiterbildung in dem Rechtsgebiet würden Sie Junganwält:innen ans Herz legen?

Man sollte auf jeden Fall die Möglichkeit der Notarvertretung wahrnehmen, falls dies möglich ist.

Welche Zukunftsaussichten sehen Sie für Berufseinsteiger:innen in diesem
Rechtsgebiet?

Wie jeder andere Bereich, wird sich auch die notarielle Tätigkeit in den nächsten Jahren ändern. Insbesondere wird der Einsatz technischer Hilfsmittel zunehmen. Aktuell nehmen noch nicht viele Personen die erlaubten online-Beurkundungen oder Beglaubigungen wahr. Dies wird sich jedoch ändern.

Welchen Ratschlag würden Sie am Notariat interessierten Nachwuchsjurist:innen mit auf den Weg geben?

Ich kann jedem empfehlen einmal in einem Notariat mitzuarbeiten und sich die tägliche Arbeit und die Tätigkeiten anzusehen. Erst dann kann man sich konkret Gedanken machen, ob einem dieser Fachbereich liegt und ob man Gefallen an ihm findet. Dies kann klassischerweise im Rahmen einer Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter oder im Rahmen des Referendariats erfolgen.

Vielen Dank für die Zeit und das Interview, Herr Bock!


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