Der ultimative LL.M.-Ratgeber
Ein LL.M. (Master of Laws) ist ein juristischer Aufbaustudiengang, der in der Regel ein bis zwei Jahre dauert und nach dem Ersten Staatsexamen oder einem gleichwertigen Abschluss begonnen wird. Die Gesamtkosten liegen je nach Zielland zwischen rund 2.000 Euro in Kontinentaleuropa und über 100.000 Euro an US-Eliteuniversitäten. Wer an eine renommierte US-Law-School will, braucht in der Praxis mindestens ein vollbefriedigendes Examen; für zahlreiche andere gute Programme genügt aber auch eine niedrigere Punktzahl mit einem überzeugenden Gesamtprofil. Dieser Ratgeber beantwortet die wichtigsten Fragen zur Auswahl, Finanzierung und Bewerbung – und verweist für die Einzelheiten auf unsere Detailseiten.
Warum sich ein LL.M. im Ausland lohnt
Ein LL.M. im Ausland bietet jungen Juristinnen und Juristen die Möglichkeit, sich nach dem ersten Staatsexamen fachlich zu spezialisieren und gleichzeitig internationale Erfahrungen zu sammeln. Oft wird er in Kanzleien und Unternehmen als Pluspunkt gesehen, der – abhängig von Noten und Umfeld – sich durchaus auch finanziell positiv auswirken kann. Hinzu kommen praktische Erfahrungen mit einer anderen Rechtsordnung, die Verbesserung der Fremdsprachenkenntnisse und der Kontakt zu Studierenden aus verschiedenen Ländern.
Für viele Nachwuchsjuristinnen und -juristen ist ein LL.M. deshalb der nächste logische Schritt nach dem Examen und nicht nur eine zusätzliche akademische Qualifikation. Doch warum entscheiden sich Jahr für Jahr so viele Nachwuchstalente für einen LL.M. im Ausland? Die Gründe gehen weit über das reine Fachwissen hinaus.
1. Sprachkenntnisse auf Verhandlungsniveau und Legal English
Ein wesentlicher Vorteil eines LL.M. im Ausland liegt in der Perfektionierung der Fremdsprachenkenntnisse. Bei englischsprachigen Programmen geht es dabei nicht nur darum, im Alltag sicherer Englisch zu sprechen. Die Studierenden setzen sich regelmäßig mit juristischen Fachbegriffen, englischsprachiger Fachliteratur und der Kommunikation über rechtliche Fragestellungen auseinander.
Gerade Legal English kann für Juristinnen und Juristen von großer Bedeutung sein, wenn sie später in internationalen Kanzleien, Unternehmen oder grenzüberschreitenden Mandaten arbeiten möchten. Ein LL.M. im englischsprachigen Ausland kann daher eine sinnvolle Möglichkeit sein, vorhandene Sprachkenntnisse praktisch anzuwenden und das juristische Fachvokabular zu erweitern.
2. Einblicke in andere Rechtssysteme
Ein weiterer zentraler Vorteil ist die Auseinandersetzung mit einer anderen Rechtsordnung. Wer sein Jurastudium in Deutschland absolviert hat, kennt vor allem das deutsche, kontinentaleuropäische Recht und dessen systematische Besonderheiten. Ein LL.M. im Ausland eröffnet die Möglichkeit, rechtliche Fragestellungen aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Besonders interessant kann dies für Studierende sein, die sich für das Common Law interessieren. Länder wie die USA, Großbritannien oder Australien bieten zahlreiche LL.M.-Programme an, in denen die Studierenden mit einer anderen juristischen Methodik und einem anderen Umgang mit Rechtsprechung und Präzedenzfällen vertraut werden. Dieses Verständnis einer fremden Rechtsordnung kann für eine spätere Tätigkeit mit internationalem Bezug unglaublich wertvoll sein.
3. Internationale Kontakte und Netzwerke
Ein Studium an einer internationalen Universität bringt ambitionierte Studierende aus der ganzen Welt zusammen. Das Netzwerk, das man während eines LL.M. im Ausland aufbaut, hält oft ein Leben lang. Diese internationalen Kontakte sind später eine unschätzbare Ressource, wenn es darum geht, in grenzüberschreitenden Mandaten mit Kanzleien aus anderen Jurisdiktionen zusammenzuarbeiten.
4. Spezialisierung und fachliche Profilbildung
Das deutsche Jurastudium ist zunächst generalistisch angelegt. Ein LL.M. kann deshalb eine Möglichkeit sein, sich gezielt auf ein bestimmtes Rechtsgebiet zu konzentrieren. Das Angebot reicht von International Business Law, Wirtschaftsrecht und Steuerrecht über IT-Recht, Datenschutzrecht und Legal Tech bis hin zu Menschenrechten, internationalem Handelsrecht oder Schiedsverfahrensrecht.
Die Wahl des richtigen Studiengangs sollte dabei vor allem von den eigenen Interessen und beruflichen Zielen abhängen. Wer bereits weiß, in welchem Rechtsgebiet er oder sie später arbeiten möchte, kann den LL.M. gezielt zur fachlichen Profilbildung nutzen. Andere entscheiden sich bewusst für ein breiter angelegtes internationales Programm, um verschiedene Rechtsgebiete kennenzulernen.
Fazit: Ist die Investition in einen LL.M. im Ausland gerechtfertigt?
Die Studiengebühren und der organisatorische Aufwand für ein internationales Aufbaustudium können zweifellos hoch sein. Dennoch zahlt sich die Investition in den allermeisten Fällen aus. Ein LL.M. im Ausland fungiert auf dem modernen Rechtsmarkt als echter Karriereturbo, der nicht nur das juristische Fachwissen erweitert, sondern vor allem die unerlässlichen Soft Skills, das internationale Netzwerk und die Sprachkenntnisse liefert, die Top-Arbeitgeber heute erwarten.
Unsere Redaktion hat im Folgenden eine Auswahl spannender Universitäten und LL.M.-Studiengänge für euch zusammengestellt und gibt euch die wichtigsten Infos an die Hand. Ob ehrgeiziger Karrierejunkie oder entspannter Sonnenanbeter – irgendwo auf der Welt wartet die passende Universität und genau das LL.M.-Programm, das zu euren Plänen, eurer Energie und eurem ganz eigenen Lebensstil passt!

LL.M. Länder & Orte im Überblick
Disclaimer: Alle preislichen Angaben sind ohne Gewähr. Die genauen Bezeichnungen der LL.M. Programme, deren Voraussetzungen und die Dauer können abweichen.

Was ist ein LL.M genau?
Der LL.M. ist ein postgradualer juristischer Masterabschluss, der weltweit angeboten wird und in Deutschland vor allem als Zusatzqualifikation nach dem Ersten Staatsexamen genutzt wird. Er ersetzt weder das Staatsexamen noch die Promotion, sondern ergänzt sie um internationale Fachkenntnisse und Fachsprache.
Wofür steht die Abkürzung LL.M.?
LL.M. steht für das lateinische Legum Magister, also Magister der Rechte. Die doppelte Schreibung „LL.“ ist die lateinische Art, den Plural abzukürzen – gemeint sind die Rechte in der Mehrzahl, nicht ein einzelnes Gesetz. Deshalb schreibt man LL.M. mit zwei L und zwei Punkten, nicht „LLM“ oder „L.L.M.“.
Welche verwandten Abschlüsse gibt es?
Neben dem LL.M. begegnen dir im deutschsprachigen Raum mehrere ähnliche Bezeichnungen. Sie unterscheiden sich in Zielgruppe und Anerkennung. Im Berufsleben ist der LL.M. die mit Abstand bekannteste dieser Bezeichnungen. Die anderen sind nicht schlechter, aber erklärungsbedürftiger.
| Abschluss | Was dahintersteckt | Für wen |
| LL.M. | international etablierter juristischer Master, meist ein Jahr | Volljuristen und Absolventen eines juristischen Erststudiums |
| LL.M. Eur. | Schwerpunkt Europarecht, häufig an deutschen Fakultäten | wer europarechtlich arbeiten will |
| M.L.E. /MLB | Wirtschaftswissenschaften- oder europarechtliche Programme deutscher Hochschulen | Studierende parallel oder direkt nach dem Studium |
| Master of Legal Studies | juristisches Aufbaustudium, oft für Nichtjuristen geöffnet | Fachfremde mit Rechtsbezug im Beruf |
Für wen lohnt sich ein LL.M. und für wen nicht
Ein LL.M. lohnt sich vor allem dann, wenn er zu einem konkreten Berufsziel passt. Ohne ein solches Ziel ist er eine teure Verlängerung der Ausbildungszeit, die im Lebenslauf zwar gut aussieht, aber weder Gehalt noch Einstiegschancen spürbar verbessert.
| Deine Situation | Einschätzung |
| Du willst in eine internationale Großkanzlei | Sehr sinnvoll. Bei vielen US und UK-Kanzleien ist der LL.M. faktisch Standard, weil Mandatsarbeit auf Englisch stattfindet. |
| Du willst in eine mittelständische deutsche Kanzlei | Selten entscheidend. Ein Fachanwaltstitel oder einschlägige Praxiserfahrung bringt hier meist mehr. |
| Du strebst Justiz oder höheren Dienst an | Nachrangig. Hier zählen die Examensnoten deutlich stärker; eine Promotion wird traditionell höher bewertet. |
| Du willst in-house in einem international tätigen Unternehmen arbeiten | Sinnvoll, besonders bei einem fachlich passenden Schwerpunkt wie IT-Recht, Compliance oder Steuerrecht. |
| Dein Examen liegt knapp unter dem Prädikat | Kann helfen, das Profil aufzuwerten – ersetzt das Prädikat in den strengen Einstellungsrastern deutscher Top-Kanzleien aber selten. |
| Du weißt noch nicht, wohin es beruflich gehen soll | Der teuerste Zeitpunkt für diese Entscheidung. Erst das Ziel klären, dann das Programm wählen. |
| Du willst vor allem ins Ausland und Sprachen lernen | Legitimes Motiv, aber ein sehr teurer Weg. Auslandsstation im Referendariat oder ein Sprachkurs kosten einen Bruchteil. |
Was kostet ein LL.M.
Die Gesamtkosten für ein einjähriges LL.M.-Studium liegen zwischen rund 3.000 Euro in Kontinentaleuropa und über 100.000 Euro an US-Eliteuniversitäten. Enthalten sind Studiengebühren und Lebenshaltung
| Zielland | Studiengebühren | Lebenserhaltungskosten (pro Monat) |
| USA | 35.000 – 70.000 EUR | 2.200 – 3.100 EUR |
| Afrika | 4.000 – 6.000 EUR | 450 – 800 EUR |
| Großbritannien | 29.000 – 49.000 EUR | 1.750 – 2.600 EUR |
| Niederlande und übriges Europa | 2.500 – 18.000 EUR | 1.000 – 1.500 EUR |
| Australien und Neuseeland | 22.000 – 32.000 EUR | 1.300 – 1.700 EUR |
| Deutschland | 300 – 2.500 EUR (oft nur der Semesterbeitrag) | 800 – 1.300 EUR |
Welche Kosten werden regelmäßig übersehen?
Neben Studiengebühren und Miete fallen Posten an, die in keiner Broschüre stehen und zusammen schnell einen vierstelligen Betrag ergeben: Bewerbungsgebühren pro Hochschule, die Gebühren des zentralen US-Bewerbungsportals, der Sprachtest samt eventueller Wiederholung, beglaubigte Übersetzungen der Zeugnisse, Visumsgebühren, die vorgeschriebene Auslandskrankenversicherung, Kaution und Ersteinrichtung der Wohnung sowie Lehrbücher.
Welche Note brauche ich für einen LL.M.?
Für die international führenden Law Schools sind in der Praxis zweistellige Examensnoten nötig. Für zahlreiche gute und anerkannte Programme reichen dagegen 7,5 bis 9 Punkte, wenn Praxiserfahrung, Sprachnachweise und Motivationsschreiben überzeugen. Ein Studium unterhalb der Prädikatsgrenze ist also keineswegs ausgeschlossen.Viele Hochschulen betonen ausdrücklich, dass sie die Bewerbung als Gesamtbild betrachten. Eine knapp verfehlte Note lässt sich durch Berufserfahrung, ein klares fachliches Profil und ein überzeugendes Motivationsschreiben teilweise ausgleichen.
Disclaimer: Öffentliche Mindestnoten veröffentlichen die meisten Hochschulen nicht. Die folgenden Werte sind Erfahrungswerte aus unserer Recherche zu den einzelnen Programmen.
| Erstes Examen | Realistisch erreichbar | Was zusätzlich zählt |
| ab 12 Punkten | die weltweit selektivsten Programme, teilweise mit sehr kleinen Jahrgängen | klar erkennbare fachliche Ausrichtung, herausragende Essays |
| 10 – 12 Punkte | die bekannten US-Spitzenuniversitäten und führende britische Programme | Empfehlungsschreiben von Professoren, präzises Personal Statement |
| 8 – 10 Punkte | nahezu alle übrigen Programme | einschlägige Praktika, Berufserfahrung, gute Sprachwerte |
| 7 – 8 Punkte | breites Angebot in Afrika und Europa | Nachweise über Praxis und Engagement werden teils ausdrücklich verlangt |
| unter 7 Punkten | viele afrikanische und europäische Angebote | Berufserfahrung und ein starkes Gesamtprofil werden entscheidend |
Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen LL.M.?
Der häufigste Zeitpunkt ist direkt nach dem Ersten Staatsexamen, weil sich das Jahr bis zum Referendariat gut nutzen lässt. Zwingend ist das nicht – jeder Zeitpunkt hat eigene Vor- und Nachteile.
| Zeitpunkt | Spricht dafür | Spricht dagegen |
| Direkt nach dem ersten Examen | Wartezeit auf den Referendariatsplatz wird genutzt, Lernrythmus ist noch da | Das Examensergebnis liegt bei Bewerbungsschluss oft noch nicht vor |
| Zwischen Erstem Examen und Referendariat, verzögert | mehr Zeit für Stipendienanträge und Sprachtest | Referendariatsplatz muss zeitlich passend geschoben werden |
| Nach dem Referendariat | beide Examina in der Tasche, ein schwaches erstes Examen kann kompensiert werden | Berufseinstieg verschiebt sich um ein weiteres Jahr |
| Nach einigen Berufsjahren | fachlich klares Ziel, teilweise Förderung durch den Arbeitgeber | Verdienstausfall wiegt schwerer, private Bindungen erschweren das Auslandsjahr |
Wie läuft die Bewerbung ab?
Plane für die Bewerbung mindestens zwölf, besser fünfzehn Monate Vorlauf ein. Der Engpass ist selten die Bewerbung selbst, sondern der Sprachtest und die Stipendienfristen – die liegen deutlich vor den Bewerbungsfristen der Hochschulen.
| Zeitpunkt vor Studienbeginn | Was ansteht |
| 15 – 12 Monate | Zielrichtung klären, Hochschulen recherchieren, Sprachtest buchen und ablegen, Stipendienfristen notieren |
| 12 – 10 Monate | Konto beim Bewerbungsportal anlegen, Empfehlungsschreiben anfragen, Stipendienanträge einreichen |
| 10 – 8 Monate | Personal Statement schreiben und überarbeiten, Zeugnisse übersetzen und beglaubigen lassen |
| 8 – 6 Monate | Bewerbungen absenden |
| 6 – 3 Monate | Zusagen vergleichen, Finanzierung endgültig klären, Visum beantragen |
| 3 – 0 Monate | Unterkunft, Versicherung, Flug, Einführungswoche |
Wie finanziere ich den LL.M.?
Kaum jemand zahlt einen LL.M. vollständig aus eigener Tasche. In der Praxis ist es fast immer eine Mischung aus mehreren Bausteinen – und der wichtigste davon wird am häufigsten übersehen: das Stipendium der Zielhochschule selbst.
| Baustein | Worum es geht |
| Stipendien der Hochschule | Viele Law Schools erlassen einen erheblichen Teil der Gebühren. Der Antrag läuft meist zusammen mit der regulären Bewerbung – wer ihn vergisst, verschenkt Geld. |
| Öffentliche Förderung | Jahresstipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, PROMOS, Erasmus + und länderspezifische Programme. |
| Begabtenförderungswerke und Stiftungen | Fördern teils auch Aufbaustudiengänge. Sehr lange Vorlaufzeiten. |
| Auslands-BAfÖG | Wird häufig übersehen; der Kreis der Berechtigten ist größer als angenommen. Ein Antrag lohnt sich fast immer. |
| Kanzleistipendien | Wirtschaftskanzleien vergeben Teilstipendien, meist verbunden mit einer späteren Tätigkeit. |
| Bildungsfonds und Studienkredite | Rückzahlung teils einkommensabhängig. Konditionen genau vergleichen, |
| Steuerliche Geltendmachung | Nach abgeschlossener Erstausbildung kommen die Kosten als vorweggenommene Werbungskosten in Betracht und können über einen Verlustvortrag die Steuerlast der ersten Berufsjahre senken. |
Was bringt der LL.M. für die Karriere?
Der LL.M. wirkt am stärksten dort, wo täglich auf Englisch und über Rechtsordnungen hinweg gearbeitet wird. In internationalen Wirtschaftskanzleien gehört er vielerorts zum Standardprofil, teilweise wird er nach dem Berufseinstieg sogar von der Kanzlei finanziert. In Unternehmen mit internationalem Geschäft ist er ein klarer Vorteil, besonders in Kombination mit einem gefragten Fachgebiet.
Weniger stark wirkt er im rein national geprägten Umfeld. In der Justiz, in Ministerien und in vielen mittelständischen Kanzleien zählen Examensnoten, Praxiserfahrung und Fachanwaltstitel mehr. Wer dorthin will, sollte die Investition nüchtern gegenrechnen.
Die sieben häufigsten Fehler bei der LL.M.-Planung:
Aus den Erfahrungsberichten, die uns erreichen, wiederholen sich einige Fehler auffällig oft. Sie kosten Geld, Zeit oder den Studienplatz.
- Zu spät um Stipendien kümmern. Die großen Förderer haben Fristen, die rund ein Jahr vor Studienbeginn liegen – lange vor der Zusage der Hochschule.
- Nicht bei der Zielhochschule selbst nach einem Nachlass fragen. Ein erheblicher Teil der internationalen Studierenden erhält einen Gebührenerlass. Der Antrag läuft meist zusammen mit der Bewerbung.
- Die Universität nach dem Namen statt nach dem Fach wählen. Für ein spezielles Rechtsgebiet ist eine fachlich führende Hochschule oft wertvoller als ein bekannter Name ohne passenden Schwerpunkt.
- Ein Online-Programm wählen, obwohl später das US-Anwaltsexamen angestrebt wird. Online-Abschlüsse berechtigen in der Regel nicht zur Zulassung.
- Den Sprachtest zu spät ablegen. Termine sind knapp, das Ergebnis braucht Zeit, und eine Wiederholung muss eingeplant werden können.
- Den geforderten Finanzierungsnachweis unterschätzen. Für das Visum muss die Finanzierung des gesamten Jahres belegt werden.
- Das Personal Statement als Lebenslauf in Prosa schreiben. Gefragt ist eine Begründung, warum genau dieses Programm an genau dieser Hochschule.
Noch offene Fragen zu Ihrem Master of Laws?
Ein LL.M. im Ausland ist ein großer Schritt für die juristische Karriere, der gut geplant sein will. In unseren nachfolgenden FAQs beantworten wir die häufigsten Fragen angehender Juristinnen und Juristen – von den Voraussetzungen und Kosten bis hin zum optimalen Zeitpunkt für Ihre Bewerbung und den Möglichkeiten eines Stipendiums.
FAQ: Häufige Fragen zum LL.M.
Was ist ein LL.M. und wann lohnt sich der Master of Laws?
Der LL.M. (Master of Laws) ist ein weiterführender juristischer Masterabschluss nach dem ersten Staatsexamen. Er ermöglicht eine fachliche Spezialisierung, etwa im Wirtschaftsrecht, Steuerrecht oder internationalen Recht, und wird häufig auch zur internationalen Ausrichtung genutzt. Besonders lohnenswert ist der LL.M., wenn du deine Karriere gezielt ausrichten möchtest – etwa in internationalen Kanzleien, Unternehmen oder spezialisierten Rechtsgebieten oder Nischen. Zusätzlich kann der Abschluss deine Jobchancen und dein Gehalt verbessern. Ohne klare berufliche Zielsetzung ist der Nutzen jedoch oft begrenzt.
Wann ist der beste Zeitpunkt für einen LL.M.?
Der optimale Zeitpunkt für einen LL.M. ist meist direkt nach dem ersten Staatsexamen oder nach dem Referendariat. Nach dem Examen nutzen viele Studierende den LL.M., um Wartezeiten bis zum Referendariat sinnvoll zu überbrücken oder Auslandserfahrung zu sammeln. Nach dem Referendariat dient der LL.M. häufig der gezielten Karriere- und Spezialisierungsphase vor dem Berufseinstieg. Welche Option besser ist, hängt stark von deinen persönlichen Karrierezielen ab.
Was kostet ein LL.M. und wie kann man ihn finanzieren?
Die Kosten eines LL.M. variieren stark: In Deutschland liegen sie oft im niedrigen vierstelligen Bereich, während internationale Programme – insbesondere in den USA oder Großbritannien – zwischen ca. 10.000 € und über 50.000 € kosten können, zuzüglich Lebenshaltungskosten.
Zur Finanzierung stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, darunter Auslands-BAföG, Studienkredite und eigene Ersparnisse. Besonders wichtig sind Stipendien wie vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), Erasmus+, PROMOS oder Begabtenförderungswerke wie die Studienstiftung des deutschen Volkes. Auch Großkanzleien bieten teilweise spezielle LL.M.-Förderprogramme an.
Was ist der Unterschied zwischen LL.M. und M.L. (Master of Laws)?
Der LL.M. (Master of Laws) ist der international etablierte juristische Masterabschluss und weltweit anerkannt. Der Begriff „M.L.“ (Master of Legal Studies) wird hingegen seltener verwendet und richtet sich häufig auch an Nicht-Juristen oder alternative Studienprogramme. Im Berufsleben gilt der LL.M. als deutlich bekannter und relevanter, insbesondere bei internationalen Kanzleien und Unternehmen. Ein M.L. ist nicht automatisch schlechter, wirkt jedoch oft weniger eindeutig eingeordnet und teilweise erklärungsbedürftig.
Kann man einen LL.M. auch berufsbegleitend studieren?
Ja, ein LL.M. kann auch berufsbegleitend absolviert werden. Viele Universitäten bieten Teilzeit-, Executive- oder Block-Programme an, die sich besonders für Berufstätige eignen. Dadurch ist es möglich, Berufserfahrung und Weiterbildung zu kombinieren. Allerdings ist die Belastung hoch, da Job und Studium parallel organisiert werden müssen. Berufsbegleitende LL.M.-Programme erfordern daher gutes Zeitmanagement.
Sind alle LL.M. – Abschlüsse gleich angesehen?
Nein, die Anerkennung eines LL.M. hängt stark von der Universität, dem Land, der Spezialisierung und dem Ruf des Programms ab. Besonders renommierte Hochschulen und klar spezialisierte Programme im Wirtschaftsrecht oder internationalen Recht genießen einen höheren Stellenwert. Im Berufsleben ist jedoch auch entscheidend, wie gut der LL.M. zum angestrebten Tätigkeitsbereich passt – die fachliche Passung ist oft wichtiger als der reine Universitätsname.
Wie zeitaufwendig und stressig ist ein LL.M.-Studium?
Ein LL.M. ist in der Regel weniger stressig als das juristische Staatsexamen, aber dennoch arbeitsintensiv. Je nach Universität umfasst das Studium Vorlesungen, Seminare, Hausarbeiten und eine Masterarbeit. Der durchschnittliche Aufwand liegt häufig bei 30 bis 40 Stunden pro Woche, kann aber je nach Programm variieren. Besonders im Ausland kommen zusätzliche Herausforderungen wie Sprache und kulturelle Anpassung hinzu. Insgesamt gilt der LL.M. als gut planbar, aber anspruchsvoll.
Wie bekommt man den LL.M.-Abschluss?
Den LL.M. erhält man durch das erfolgreiche Absolvieren aller Studienleistungen des Programms. Dazu gehören in der Regel Prüfungen, Seminararbeiten, ggf. mündliche Leistungen sowie eine Masterarbeit. Zusätzlich müssen meist eine bestimmte Anzahl an ECTS-Punkten erreicht werden. Nach erfolgreichem Abschluss aller Anforderungen wird der akademische Grad „Master of Laws (LL.M.)“ verliehen.
Ist ein spezialisierter oder allgemeiner LL.M. besser?
Ein spezialisierter LL.M. ist in den meisten Fällen vorteilhafter, da er ein klares berufliches Profil schafft und gezielt auf bestimmte Rechtsgebiete vorbereitet. Ein allgemeiner LL.M. bietet zwar breitere Einblicke, ist jedoch im späteren Berufsleben oft weniger eindeutig positioniert. Wenn du bereits ein Karriereziel hast, ist ein spezialisierter LL.M. klar zu empfehlen. Ein allgemeiner LL.M. eignet sich eher zur Orientierung, wenn du dich noch nicht festgelegt hast.
Wie lange dauert ein LL.M.?
Die meisten Programme dauern neun bis zwölf Monate in Vollzeit. Berufsbegleitende und
Teilzeitprogramme laufen in der Regel über zwei Jahre.
Welche Note brauche ich für einen LL.M.?
Für die selektivsten Programme sind zweistellige Examensnoten nötig. Für zahlreiche gute Programme reichen 7,5 bis 9 Punkte, wenn Praxiserfahrung, Sprachnachweise und Motivationsschreiben stimmen. Offizielle Mindestnoten veröffentlichen die meisten Hochschulen nicht.
Kann ich einen LL.M. ohne Prädikatsexamen machen?
Ja. Zahlreiche europäische Hochschulen und viele US-Law-Schools außerhalb der Spitzengruppe lassen Bewerber mit befriedigenden Noten zu, wenn das Gesamtprofil überzeugt.
Wie früh muss ich mit der Bewerbung anfangen?
Mindestens zwölf, besser fünfzehn Monate vor Studienbeginn. Der Engpass sind nicht die Bewerbungsfristen der Hochschulen, sondern der Sprachtest und die deutlich früher liegenden Stipendienfristen.
Welches TOEFL- oder IELTS-Wert brauche ich?
Führende Hochschulen verlangen meist rund 100 bis 105 Punkte im TOEFL iBT oder ein IELTS-Ergebnis ab etwa 7,0, teilweise mit Mindestwerten in jedem Teilbereich.
Wird der Duolingo Test akzeptiert?
Einige Hochschulen akzeptieren ihn, andere nicht. Er ist günstiger und schneller verfügbar als TOEFL oder IELTS, verlassen sollte man sich darauf aber nicht.
Welche Unterlagen brauche ich für die Bewerbung?
In der Regel Zeugnisse in beglaubigter englischer Übersetzung, Lebenslauf, Personal Statement, zwei bis drei Empfehlungsschreiben, den Sprachnachweis und – bei US-Programmen – einen Finanzierungsnachweis.
Kann ich mich bewerben, bevor mein Examensergebnis vorliegt?
Häufig ja. Viele Hochschulen akzeptieren zunächst vorherige Leistungsnachweise und lassen das Examenszeugnis nachreichen.
Welche Stipendien gibt es?
Stipendien der Zielhochschule, Jahresstipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, PROMOS, Erasmus+, Begabtenförderungswerke und Stiftungen, Kanzleistipendien sowie Auslands-BAföG. Der wirksamste und am häufigsten übersehene Weg ist der Antrag bei der Hochschule selbst.
Kann ich den LL.M. steuerlich absetzen?
Nach abgeschlossener Erstausbildung kommen die Kosten als vorweggenommene Werbungskosten in Betracht und können über einen Verlustvortrag die Steuerlast der ersten Berufsjahre senken. Welche Posten in welchem Umfang abziehbar sind, hängt vom Einzelfall ab und sollte steuerlich beraten werden.
Werden Online-Programme anerkannt?
Akkreditierte Online-Programme werden fachlich anerkannt, vermitteln aber kein Auslandsjahr und kein internationales Netzwerk.
Wie hoch ist die Arbeitsbelastung?
In der Regel geringer als in der Examensvorbereitung, aber durchaus fordernd. Üblich sind neun bis zehn Wochenstunden Lehrveranstaltungen plus mindestens ebenso viel Vor- und Nachbereitung.
Wie darf ich den LL.M. – Titel in Deutschland führen?
Ausländische Grade dürfen grundsätzlich in der verliehenen Form geführt werden; je nach Herkunftsland und Bundesland kann die Angabe der verleihenden Hochschule erforderlich sein. Für Anwältinnen und Anwälte kommen berufsrechtliche Anforderungen hinzu.
Lohnt sich ein LL.M. finanziell?
Das hängt vom Berufsziel ab. Wer anschließend in einer internationalen Großkanzlei einsteigt, holt die Investition vergleichsweise schnell wieder herein. Wer in einem national geprägten Umfeld arbeitet, sollte nüchtern gegenrechnen.
Disclaimer: Alle preislichen Angaben sind ohne Gewähr. Die genauen Bezeichnungen der LL.M. Programme, deren Voraussetzungen und die Dauer können abweichen.
(Stand: 09/26, Autorin: Anja Solmecke)