Planung für die Zukunft: Welcher akademische Grad ist für mich sinnvoll?

Zusatzqualifikationen

LL.M. oder Promotion – Welcher Titel nützt mir?

Ein Zeitpunkt, den sich alle Jurastudenten erträumen – das erste Examen ist geschafft und bestanden! Doch nach der Erholungspause geht es gleich weiter mit der Planung für die Zukunft. Soll ich direkt mit dem Referendariat starten?

Oder gibt es noch andere Möglichkeiten, die mir weitere Qualifikationen einbringen? Zwei davon stellen wir euch heute vor, den LL.M. und die Promotion (Promovieren für Juristen).

Eine gute Examensnote (die juristische Notenskala) ist wichtig und eröffnet einem Berufseinsteiger gute Möglichkeiten, soviel ist jedem klar. Dass die Kanzleien (Arbeitgeberfinder) jedoch mehr und mehr auch auf andere Fähigkeiten, Titel und Qualifikationen achten, sollte auch beachtet werden. So kann man beispielsweise mit verhandlungssicheren Fremdsprachenkenntnissen und Auslandsaufenthalten punkten.

Hier stellt mittlerweile der Master of Laws (Legum Magister, kurz: LL.M.) als akademischer Grad eine sinnvolle und in bestimmten juristischen Bereichen sogar die nützlichere Alternative zur Promotion dar. Ein LL.M. wird in einem meist zwei- oder mehrsemestrigen Studiengang mit diversen Prüfungen erlangt und verhilft zu einem vertieften fachspezifischen Wissen in einem bestimmten Rechtsgebiet. Bei der Doktorwürde (Dr. jur.) handelt es sich um einen akademischen Grad, der aufgrund einer wissenschaftlichen Arbeit verliehen wird.

Die Vorteile der jeweiligen Titel:

Das LL.M.-Programm

Im Rahmen eines LL.M.-Programms werden Prüfungen abgelegt und wissenschaftliche Arbeiten geschrieben, zum Schluss erfolgt die Anfertigung einer Masterarbeit, die in ihrem Umfang weit hinter einer Doktorarbeit zurückbleibt. Der LL.M. stellt dabei einen Kompromiss zwischen der reinen Wissensvertiefung und dem wissenschaftlichem Arbeiten dar. Er ist für alle diejenigen zu empfehlen, die eine praktische Arbeit bevorzugen.

Wer später gerne in einer international orientierten Wirtschaftskanzlei arbeiten möchte, für den wird Englisch zur Alltagssprache werden. Dafür können die englischsprachigen LL.M.- Programme in den USA, im Vereinigten Königreich, in Australien oder anderen Ländern sehr nützlich sein.

Für Wirtschaftsjuristen dürften insbesondere Programme aus dem Bereich International Business Law renommierte Universitäten wie die Middlesex University, die London South Bank University, die University of Essex oder die Newcastle University in Großbritannien von Interesse sein. Überdurchschnittlich gute Englischkenntnisse, am besten nachgewiesen durch ein LL.M.-Studium, sind häufig eine Einstellungsvoraussetzung.

Aber nicht nur diese sind von Vorteil. Bei einem LL.M. aus dem Ausland schätzen Kanzleien ebenfalls die internationalen Erfahrungen sowie das Selbstbewusstsein, für einen längeren Zeitraum ins Ausland zu gehen. Nicht zuletzt beweist man Organisationstalent, denn ein solches Jahr erfordert Planungsgeschick und persönlichen Einsatz.

Deshalb ist es vorteilhafter, seinen LL.M. im Ausland zu absolvieren, auch wenn es diese Möglichkeit mittlerweile in Deutschland gibt. Doch auch ein in Deutschland erworbener LL.M. kann sinnvoll sein. So zum Beispiel, wenn man überwiegend vertiefende Kenntnisse des deutschen Rechts sammeln möchte, was für das spätere Tätigkeitsfeld praktisch sein kann. Außerdem fallen die Kosten für ein deutsches LL.M.-Programm oft nicht so hoch aus.

Die Promotion

Hat der Absolvent, der sich für eine Promotion entscheidet, einen Hochschulprofessor gefunden, der sich der Promotion annimmt, steht die Themenfindung an, die mit dem Doktorvater besprochen wird. Anschließend wird die eigentliche Doktorarbeit angefertigt, über die nach Abgabe noch eine mündliche Prüfung abgelegt werden muss.

Die im Rahmen der Promotion erworbenen Fähigkeiten sind für die praktische Arbeit als Rechtsanwalt wichtig. Sauberes wissenschaftliches Arbeiten, juristisch kreatives und analytisches Denken sowie ein gutes Sprachgefühl sind für einen Rechtsanwalt entscheidende Fähigkeiten. Diese sind für die Qualität der Beratung gegenüber den Mandanten maßgeblich.

Den Arbeitgeber sprechen beide Titel an

„Für uns ist sowohl der LL.M. als auch die Promotion eine willkommene Zusatzqualifikation aber keinesfalls ein festes Einstellungskriterium“, so Christine Herzog von Beiten Burkhardt.

Dort werden diese Qualifikationen dahin gehend gefördert, dass Promotionsbegleitende Tätigkeiten angeboten werden. es wurden auch schon Kolleginnen und Kollegen für ein Jahr freigestellt, damit sie sich den Traum vom LL.M. erfüllen können.

„Bei Oppenländer honorieren wir eine abgeschlossene Promotion insoweit, als das Einstiegsgehalt um 10.000,00 € höher ist. Im Laufe der Zeit passt sich allerdings das Gehalt der nicht promovierten Juristen an, so dass nach 5 Jahren ein Gleichklang erzielt ist“, erklärt Christina Koppe-Zagouras von der Kanzlei Oppenländer.

Grund für das höhere Einstiegsgehalt ist für die Arbeitgeber dort, dass derjenige der promoviert hat, letztlich gezeigt hat, dass er sich intensiv mit einem Thema auseinandersetzen kann und dieses von allen Seiten durchdrungen hat. Dieses Investment möchten sie honorieren. Darüber hinaus kann eine Promotion – zumindest in der Anfangszeit – die anwaltliche Tätigkeit erleichtern. Insbesondere dann, wenn in dem einschlägigen Rechtsgebiet promoviert worden ist.

Kanzleien unterstützen Teilnehmer individuell

„Wir bieten darüber hinaus ein sog. Promotionsprogramm an. Hier können Junganwälte/-anwältinnen vor ihrem Berufsstart bereits unsere Infrastruktur nutzen und sich bei finanzieller Unterstützung in der Regel ein Jahr ihrer Promotion widmen.“ Voraussetzung dafür ist, dass ein Anstellungsvertrag über eine nachfolgende Tätigkeit als Anwalt bei der Kanzlei besteht.

Bei einem Promovenden gehen die Arbeitgeber davon aus, dass er sehr gut recherchieren kann und in der Lage ist, sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen. Zusammengefasst: Der Doktortitel gilt als Ausdruck besonderen Wissens auf einem bestimmten Fachgebiet und signalisiert die Fähigkeit zu selbstständigem wissenschaftlichem Arbeiten, persönlichem Organisationstalent und Durchhaltevermögen.

„Bei uns gibt es ein „Zwei-aus-vier“-System“, informiert Ivonn Nicole Barkholz von Taylor Wessing. „Von den vier Voraussetzungen LL.M., Promotion und zwei Prädikatsexamen reicht es uns, wenn zwei davon erfüllt sind. Dabei haben wir keine besonderen Vorlieben, welche Kriterien erfüllt sind. Die Unterstützung dabei erfolgt bei uns individuell. Es wird von Fall zu Fall entschieden, was für den Kandidaten und die Kanzlei am meisten Sinn macht.“

Nicht zu vernachlässigen ist bei der Wahl außerdem der persönliche Aspekt: Nie mehr sonst hat man als Student eine derart große Freiheit in der Freizeit- und Urlaubsgestaltung. Natürlich sollte die Promotion diszipliniert betrieben werden, aber solange die regelmäßigen Deadlines eingehalten werden, ist man auf der sicheren Seite.

Mit welchen Kosten muss ich rechnen?

Ein weiterer zu berücksichtigender Punkt sind die finanziellen Aspekte. Beide Qualifikationen erfordern einen besonderen finanziellen Aufwand. Für den Erwerb eines LL.M. können allein die Studiengebühren je nach Land zwischen 1.000 € und weit über 10.000€ für eine Eliteuniversität betragen.

Ohne Stipendium ist die Finanzierung des LL.M.-Studiums eine große Hürde. Die meisten amerikanischen Law Schools liegen mit ihren Studiengebühren für LL.M.-Programme jenseits der 30.000 US-Dollar. Hinzu kommen Lebenshaltungskosten, die deutlich höher als in deutschen Städten sind. Ein Gesamtkostenaufwand in Höhe von 50.000 US-Dollar ist hier noch eher wenig.

Für die Promotion als solche fallen zwar keine Kosten an, jedoch ist zu bedenken, dass von
Beginn der Ausarbeitung der Dissertation bis zum Tag der mündlichen Prüfung regelmäßig mindestens zwei Jahre vergehen, die man finanziell überbrücken muss.

Welche Voraussetzungen müssen vorliegen?

Während die Promotionsordnungen der juristischen Fakultäten meistens ein erstes Staatsexamen im Bereich „vollbefriedigend“ verlangen, genügt für den LL.M. eine Anmeldung. In manchen Fällen werden auch Kandidaten mit „befriedigendem“ Examen zur Promotion zugelassen, wenn sie bestimmte weitere Zusatzvoraussetzungen erfüllen. Diese sind von Universität zu Universität unterschiedlich. Im Grundsatz bleibt es jedoch dabei: Die Zulassungshürden zum LL.M.-Studium sind niedriger als die zu einer Promotion.

Fazit: Auf den Berufsweg kommt es an

Bei der Frage, welcher Titel der richtige ist, sollte man sich also zuerst darüber klar werden, welchen Karriereweg man einschlagen möchte. Wer in den Staatsdienst möchte, braucht keinen Titel. Bei internationalen Großkanzleien ist ein Trend hin zum LL.M. erkennbar, der mittlerweile als „gehaltsfördernder“ als eine Promotion eingestuft werden kann. Bei mittleren und kleinen Sozietäten ist die Promotion nach wie vor der Erfolg versprechendere Titel. Für Unternehmensjuristen oder Juristen in Führungspositionen in Unternehmen wird die Promotion der sinnvollere Karrieremotor sein.

[Quellen: „Promovieren für Juristen„, rsw.beck.de; bildung.sueddeutsche.de]