Ablauf des Referendariats und Bewerbung

Worauf man im Besonderen achten sollte, wie genau das Referendariat in der Regel abläuft und einige nützliche Tipps möchten wir Euch mit diesem Beitrag aufzeigen.

Die Planung für das Referendariat

Ablauf des Referendariats und Bewerbung

Nachdem der eisige Berg des ersten Staatsexamens erklommen wurde, überkommt den frischgebackenen
Juristen zunächst die Welle der Erleichterung, gepaart mit einem heroischen Gefühl des Sieges. Man hat
es geschafft! Die Theorie ist besiegt! Doch was ist mit der Realität? Der zweite Berg, so lautet die Antwort -
auch genannt Rechtsreferendariat - ist bereits in Sicht.
Im Einklang mit der Entscheidung die juristische Ausbildung fortsetzen zu wollen, sollte der junge Jurist
sich zunächst Gedanken über den Ort der zukünftigen Ausbildungsstelle machen.
Je nach OLG-Bezirk unterscheidet sich nämlich unter anderem die Wartezeit, die Höhe der Unterhaltsbeihilfe
und der Ablauf der Stationen in der Ausbildung. Worauf man im Besonderen achten sollte, wie genau das Referendariat in der Regel abläuft und einige nützliche Tipps möchten wir Euch mit diesem Beitrag aufzeigen.

Alles eine Frage der Organisation → Vorfeldmaßnahmen
Wo, Wann, Wie?
Dies sind die wichtigsten Fragen, die man sich im Vorfeld der Bewerbung für einen OLG-Bezirk stellen sollte.
Denn die Kapazitäten für Rechtsreferendare sind je nach Wunschort äußerst unterschiedlich. Während man in Frankfurt am Main keine Wartezeiten hat, muss man in Berlin mit einer Wartezeit von bis zu 22 Monaten rechnen, es sei denn man gehört zu den Spitzenkandidaten und auch die müssen sich bis zu 14 Monate gedulden.
Dementsprechend sollte man sich gegebenenfalls auch auf längere Wartezeiten gefasst machen und finanziell gewappnet sein. Auch haben die OLG-Bezirke divergierende Einstellungstermine, sodass die persönliche Planung auch diese Termine berücksichtigen sollte. Auf den Homepages der OLG-Bezirke werden die Einstellungs- und Wartezeiten genannt. Natürlich haben wir für euch ebenfalls einige begehrte Bezirke mit ihren Einstellungsterminen
auf den kommenden Seiten zusammengetragen. Hat man sich für einen OLG-Bezirk entschieden, geht es sodann an
die Bewerbung!

Bewerbungsvoraussetzungen
Die Bewerbung für den juristischen Vorbereitungsdienst erfolgt nicht derart kompliziert, wie es sich die meisten Absolventen vorstellen. Natürlich unterscheiden sich die OLG-Bezirke auch hier erneut in Sachen Bewerbungsvoraussetzungen und Unterlagen, diese sind jedoch meist mühelos und mit geringem Zeitaufwand aufzutreiben. Kriterien, welche die Bezirke aufstellen können, um den Andrang der Bewerber zu regulieren, sind die Examensnote, die Verbundenheit mit dem Oberlandesgerichtsbezirk, Wartepunkte etc.. Erfüllt man die Kriterien nicht, so sollte man sich erst gar nicht die Mühe der Bewerbung machen. Derart starre Regelungen haben
diesbezüglich zum Beispiel die OLG-Bezirke Köln oder Düsseldorf. Hier wird die Verbundenheit mit dem Bezirk in Form von längerem Wohnsitz oder sonstigen engeren Beziehungen vorausgesetzt.

Bewerbungsunterlagen
Mit geringer Abweichung oder Ergänzung werden von jedem OLG-Bezirk folgende Unterlagen verlangt:
• Eine öffentlich beglaubigte Ablichtung des Zeugnisses über die
erste juristische Staatsprüfung
• Ein tabellarischer und mit Unterschrift versehener Lebenslauf
• Eine Geburtsurkunde oder zumindest standesamtlich beglaubigte
Ablichtung
• 3 Lichtbilder
• die Erklärung über den Gesundheitszustand, zu Vorstrafen und zu
Schulden
• Angaben zur Person
• Führungszeugnis zur Vorlage bei einer Behörde
• ggf. Heiratsurkunde und Geburtsurkunde der eigenen Kinder.

Meist kann man die Aufnahme zum nächstmöglichen Termin oder zu einem bestimmten Termin wünschen. Beim nächstmöglichen Termin ist große Achtsamkeit hinsichtlich der fristgerechten Einreichung der Unterlagen zu leisten, da eine Verspätung den Verfall der Bewerbung zur Folge haben kann. Nach Überreichung des vollständigen Gesuchs erhält man regelmäßig eine unverbindliche Mitteilung über den Einstellungstermin, der sich aus der aktuell bestehenden Warteliste ergibt. Erst wenn der Einstellungstermin feststeht, erfolgt die Zuweisung
zu einem konkreten Landgericht. Der aktuelle Stand der Warteliste kann meist telefonisch bei der entsprechenden Referendarabteilung erfragt werden.

Auch besteht die Möglichkeit den Wunschtermin noch während des laufenden Bewerbungsverfahrens zu ändern, falls noch kein konkretes Ausbildungsangebot erfolgt ist. Hierbei gibt es jedoch auch Fristen, die beachtet werden müssen.
Sodann bekommt man ca. 4-8 Wochen vor Beginn der Ausbildung je nach OLG-Bezirk das konkrete Ausbildungsangebot. Wichtig ist hierbei jedoch, dass das Angebot nur ergehen kann, wenn bis zum Ende des dritten Monats vor dem Einstellungstermin alle Bewerbungsunterlagen einschließlich Führungszeugnis vorliegen.

Ablauf der Stationen

• Zivilstation 3-5 Monate
• Strafstation 3-4 Monate
• Verwaltungsstation 3-4 Monate
• Anwaltsstation 8-10 Monate
• Schriftliches Examen
• Wahlstation 3 Monate

Mit vereinzelt geringen Abweichungen ist die Reihenfolge der Stationen in den Bundesländern gleich. Zu Beginn des Referendariats wird der Frischling nicht sogleich ins kalte Wasser geworfen, sondern zunächst im Zuge eines Einführungslehrgangs im Hinblick auf die bürokratischen und organisatorischen Begebenheiten herangeführt. Die Einführungslehrgänge dauern in der Regel je nach Bundesland und Oberlandesgericht 2-4 Wochen und werden unter anderem genutzt, um die neuen Referendare in die ZPO einzuführen und ihnen den Urteilsstil nahezubringen. Am Ende der Einführungsphase findet die Zuteilung zum Amts- oder Landgericht und dem Einzelausbilder statt. In einigen Bundesländern ist es möglich, sich vorher mit einem Richter/Richterin in Verbindung zu setzen und anzufragen, ob diese ihre Einzelbetreuung übernehmen möchten. Dies wird dann in der offiziellen Zuteilung oftmals berücksichtigt.

Tipp
Da die Zuteilung an die Einzelausbilder in der Zivil- und Strafstation durch die Gerichte erfolgt, ist hier keine gesonderte Mühewaltung seitens der Referendare notwendig. Hier stellt sich im Einzelfall allein die Frage, ob man die Station beim Amts- oder Landgericht bzw. bei der Staatsanwaltschaft oder beim Strafgericht absolviert. Anders ist es jedoch hinsichtlich der Verwaltungs- Anwalts- und Wahlstation. Hier sollte man sich frühzeitig über die in Frage kommendenInstitutionen informieren und eine Bewerbung anstrengen. Begehrt sind beispielsweise in der Verwaltungsstation das Auswärtige Amt, die Polizei oder die Justizvollzugsanstalten. Bereits zu Beginn der Zivilstation sollte man sich daher für derartige Stellen bewerben. Um die Anwaltsstation sollte man sich spätestens in
der Strafrechtsstation kümmern. Zu den verschiedenen Stationen haben wir für Euch jeweils auch einige Erfahrungsberichte zusammengestellt.

Mit einer guten Organisation, Planung und Selbstdisziplin, sollte auch dieser Berg zu erklimmen sein!

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