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Das Referendariat - Ein Interview mit Rechtsanwalt Moritz Schmitz von Oppenhoff

Wertvolle Erfahrungen und Ratschläge über das Referendariat teilt Rechtsanwalt Moritz Schmitz in unserer neuen Interviewreihe "Mentoren für Referendare".

Die Klausurpraxis ist ein essentieller Faktor

Rechtsanwalt Moritz Schmitz

Oppenhoff

Iurratio: An welchem Gericht haben Sie Ihr Referendariat absolviert? Was war für Ihre Wahl entscheidend?

Moritz Schmitz: Ich habe mein Referendariat am Landgericht Marburg im Bezirk des Oberlandesgerichtes Frankfurt absolviert. Entscheidend für meine Wahl war in erster Linie die diesem Gericht von vorherigen Absolventen zugesagte - und von mir auch so wahrgenommene - „familiäre Atmosphäre“, welche von den Beamten an der Eingangsschleuse bis zum jeweiligen Einzelausbilder reichte.

Zudem war mir - aus retrospektiver Sicht zutreffend - berichtet worden, dass die Anzahl an Referendaren und somit die Größe der Arbeitsgemeinschaft in Marburg erfahrungsgemäß überschaubar sei und somit eine produktive Arbeitsatmosphäre bestehe. Abrundend war die schon aus Studienzeiten vertraute Umgebung und die insgesamt kurzen „Dienstwege“ zwischen dem Juristischen Seminar und den jeweiligen Gerichtsgebäuden in Marburg sicherlich mitausschlaggebend.

Iurratio: Bei welchen Arbeitgebern haben Sie Ihre Stationen absolviert?

Moritz Schmitz: Verwaltungsstation – Rechtsabteilung einer Krankenkasse

Anwaltsstation – Internationale Sozietät (Praxisgruppe: Healthcare/Pharma)

Wahlstation – Lokale Sozietät

Iurratio: Nach welchen Kriterien haben Sie die Ausbildungsstätten ausgewählt?

Moritz Schmitz: Ich habe die Auswahl meiner Ausbildungsstationen einerseits nach meinen Interessensschwerpunkten im Bereich des Medizin- und Pharmarechts und andererseits auch strategisch nach dem von mir für den Aktenvortrag in der mündlichen Prüfung präferierten strafrechtlichen Bereich ausgerichtet. Entsprechend habe ich meine Verwaltungsstation in der Rechtsabteilung einer Krankenkasse absolviert und dort vertiefte Einblicke in das praktische Zusammenspiel von gesundheits- und sozialrechtlichen Aspekten erhalten dürfen.

In der Anwaltsstation sammelte ich in der Praxisgruppe Healthcare/Pharma einer international agierenden Sozietät Erfahrungen. Um mich in der abschließenden Phase des Referendariats in ausreichender Weise auf die mündliche Prüfung und insbesondere den Aktenvortrag vorbereiten zu können, habe ich diesen Zeitraum in einer kleineren Sozietät absolviert, die mir einerseits ein praxisorientiertes strafrechtliches Programm mit Hinblick auf den Aktenvortrag und andererseits eine ausreichende Lernzeit gewährleistete.

Iurratio: Wie war die Begleitung durch die Ausbilder?

Moritz Schmitz: Die Begleitung durch die Einzelausbilder - von der Richterin bzw. dem Staatsanwalt über den Leiter der Rechtsabteilung bis hin zum Partner einer international agierenden Sozietät - war durchweg hervorragend. Die jeweiligen Einzelausbilder haben sich sehr darum bemüht, Arbeitsaufträge gemäß dem Ausbildungsstand zu erteilen und deren Ergebnisse anschließend - auch im Detail - zu besprechen und zu diskutieren. Positiv ist mir bei allen meinen Einzelausbildern in Erinnerung geblieben, dass diese sich - zur Gewährleistung einer Konsistenz - regelmäßig auch nach dem in der Arbeitsgemeinschaft vermittelten Kontext erkundigt haben.

Iurratio: Haben Sie eine stationsbegleitende Nebentätigkeit ausgeübt?

Moritz Schmitz: Ich habe in den ersten Monaten des Referendariats noch eine Nebentätigkeit an einem Lehrstuhl der Fachbereichs Rechtswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg ausgeübt. Während der Anwaltsstation bin ich dann einer Nebentätigkeit in einer international agierenden Sozietät nachgegangen.

Iurratio: Wie waren Ihre Erfahrungen mit den stationsbegleitenden AGs?

Moritz Schmitz: Die Qualität der stationsbegleitenden Arbeitsgemeinschaften unterlag insgesamt sehr starken Schwankungen, jeweils in Bezug auf den AG-Leiter und die zur Verfügung gestellten Materialien. Allgemein lässt sich aus meiner Wahrnehmung (leider) festhalten, dass eine umfassende Ausbildung für die Praxis, insbesondere aber im Hinblick auf die schriftliche und mündliche Prüfung des zweiten juristischen Staatsexamens, im Rahmen der Arbeitsgemeinschaften durchweg nicht gewährleistet war.

Iurratio: Wie haben Sie sich die Zeit zum Arbeiten und Lernen eingeteilt?

Moritz Schmitz: Von Beginn des Referendariats an habe ich versucht, mir den Lernstoff in Blöcken einzuteilen, um möglichst tageweise ohne Unterbrechung lernen zu können. Ich habe aus diesem Grund versucht, die Stationsarbeit stets an den Tagen einzuplanen, an denen ich durch die Arbeitsgemeinschaft oder durch Termine mit dem jeweiligen Einzelausbilder ohnehin nicht am Stück hätte lernen können.

Iurratio: Wie haben Sie sich auf das 2. Examen vorbereitet? Welche Materialien haben Sie zur Vorbereitung auf das 2. Examen genutzt?

Moritz Schmitz: Zur Vorbereitung habe ich mich aufgrund des immensen Umfangs weitestgehend auf ein Lehrbuch je Rechtsgebiet beschränkt und die dort zumeist sehr theoretisch dargestellten Inhalte anhand von klausurnahen Schemata aus Skripten zu Übungszwecken aber auch im Rahmen von Arbeitsgemeinschafts-/Stationsarbeiten verschriftlicht. Ferner habe ich einen kommerziellen Klausurenkurs genutzt und auch an Wochenendseminaren eines kommerziellen Repetitoriums teilgenommen.

Iurratio: Welche Tipps würden Sie angehenden Referendaren zur Vorbereitung auf das Referendariat mitgeben?

Moritz Schmitz: Neben den allgemein gültigen Ratschlägen die Fülle des Stoffes nicht zu unterschätzen und bestenfalls von Beginn des Referendariats an einem kontinuierlichen Lernplan nachzugehen, lautet mein persönlicher Ratschlag, dass man insbesondere bei den Stationen, die man selbst gestalten darf, ein großes Augenmerk auf die Auswahl der Ausbildungsstätte legen sollte.

Ich habe mich ganz bewusst aus Vorbereitungsgründen auf die schriftlichen wie auch die mündliche Prüfung(en) gegen einen Gang ins Ausland entschieden, kenne aber viele Kolleginnen und Kollegen, die diese sehr wertvolle Erfahrung im Rahmen des Referendariats gesammelt haben. Aber auch ohnedem gibt es jede Menge spannende Ausbildungsmöglichkeiten, die einem die Arbeit in einem persönlich nicht unbedingt präferierten Rechtsgebiet erleichtern.

Abschließend verbleibt der wiederum allgemeine Ratschlag, der zumeist bereits aus der Vorbereitung auf das 1. Staatsexamen bekannt sein dürfte: Die Klausurpraxis ist, vor allem aufgrund der Fülle an Formalia und der Bedeutung, die diesen von Korrektoren zugemessen wird, gerade in der Vorbereitung auf die Klausuren ein essentieller Faktor und sollte nicht außer Acht gelassen werden.

Iurratio: Warum haben Sie sich letztendlich für Ihren jetzigen Arbeitgeber entschieden?

Moritz Schmitz: Ausschlaggebend für die Entscheidung zugunsten meines jetzigen Arbeitgebers war, dass ich die Sozietät am Standort Frankfurt und die dortigen Kolleginnen und Kollegen bereits aus meiner vorherigen Zeit als juristischer Mitarbeiter kannte und das Arbeitsumfeld im beruflichen wie auch sozialen Bereich sehr schätzte und nach wie vor schätze.

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