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Handels- und Gesellschaftsrecht: Interview mit Angelina Weiskirch (FPS)

Angelina Weiskirch ist Rechtsanwältin im Bereich Handels- und Gesellschaftsrecht sowie Unternehmenskäufe und Unternehmenstransaktionen bei FPS in Frankfurt. Im Interview spricht sie über ihren Weg in dieses wirtschaftlich geprägte Rechtsgebiet, den abwechslungsreichen Arbeitsalltag zwischen Beratung, Vertragsgestaltung und Verhandlungen sowie die Fähigkeiten, die Nachwuchsjurist:innen für einen erfolgreichen Einstieg mitbringen sollten.
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Handels- und Gesellschaftsrecht: Interview mit Angelina Weiskirch (FPS)

Könnten Sie sich zu Beginn bitte kurz vorstellen?

Mein Name ist Angelina Weiskirch und ich bin seit 2023 als Rechtsanwältin im Bereich Corporate/M&A bei FPS am Standort Frankfurt tätig. Ich habe in Marburg studiert und mein Referendariat am Landgericht Frankfurt absolviert. FPS und einen großen Teil meines Teams habe ich bereits vor dem Berufseinstieg im Rahmen einer Wissenschaftlichen Mitarbeit und als Referendarin in der Anwaltsstation kennengelernt und mich von Beginn an fachlich wie persönlich wohl und wertgeschätzt gefühlt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Jurist:innen im Handels- und Gesellschaftsrecht aus?

Einen typischen Arbeitstag gibt es im Handels- und Gesellschaftsrecht kaum, der Tagesablauf wird maßgeblich durch die aktuellen zumeist vielschichtigen Projekte bestimmt. Die Arbeit ist abwechslungsreich, oft dynamisch und erfordert ein hohes Maß an Eigenverantwortung – kein Mandat gleicht dem anderen und genau das macht die Tätigkeit so spannend. 

Als Berufseinsteigerin oder Berufseinsteiger wird man bei FPS von Beginn an eng in die laufenden Projekte eingebunden und arbeitet in kleinen, schlagkräftigen Teams direkt mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen sowie den verantwortlichen Partnern zusammen. So erhält man früh Einblicke in anspruchsvolle Mandate und übernimmt schrittweise eigene Verantwortung.

Der Tag beginnt meist mit einem Blick in die E-Mails: Mandantenanfragen, Abstimmungen mit Kolleginnen und Kollegen und kurzfristige Entwicklungen in laufenden Projekten. Der Schwerpunkt unserer Tätigkeit liegt in der Beratung von nationalen Unternehmen zu allen Fragen des Gesellschaftsrechts sowie bei Transaktionen und Joint Ventures.

Außerdem begleiten wir gesellschaftsrechtliche Maßnahmen wie Gründungen, Umstrukturierungen und Kapitalmaßnahmen. Auch streitige Auseinandersetzungen und Verhandlungen mit der Gegenseite gehören zum Alltag und sind oft der Bereich, in dem es am spannendsten wird, weil man kreative Lösungen finden muss, die für alle Beteiligten funktionieren. Die außergerichtliche Streitbeilegung hat hierbei Priorität, wir vertreten unsere Mandanten aber auch in Mediations-, Gerichts- und Schiedsverfahren. 

Insgesamt spielt vor allem die strategische Beratung eine wichtige Rolle: Wir analysieren Risiken, entwickeln Gestaltungsmöglichkeiten und helfen Mandanten, rechtssichere und wirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Das erfordert nicht nur juristisches Know-how, sondern auch ein gutes Verständnis für unternehmerische Zusammenhänge.

Was hat Sie dazu bewogen, sich für eine Tätigkeit im Handels- und Gesellschaftsrecht zu entscheiden?

Meine Entscheidung für das Handels- und Gesellschaftsrecht hat sich tatsächlich schon früh im Studium abgezeichnet. Ich habe meinen Schwerpunkt bewusst im Unternehmensrecht gewählt, weil ich die Verbindung von juristischen Fragestellungen mit wirtschaftlichen Zusammenhängen besonders spannend fand. Es geht nicht nur um die rechtliche Bewertung eines abgeschlossenen Sachverhalts, sondern oft um die aktive Mitgestaltung unternehmerischer Entscheidungen. 

Nach dem ersten Staatsexamen hatte ich die Möglichkeit, als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Corporate-Team bei FPS einzusteigen. Diese Zeit war prägend, weil ich früh Einblicke in die anwaltliche Praxis bekommen und an konkreten Mandaten mitarbeiten konnte. Ich habe schnell gemerkt, wie abwechslungsreich die Tätigkeit ist – von der Vertragsgestaltung über gesellschaftsrechtliche Strukturmaßnahmen bis hin zur Begleitung von Transaktionen. 

Die Anwaltsstation im Referendariat habe ich dann bewusst im selben Team absolviert, um diese Erfahrungen zu vertiefen. Dass ich anschließend auch meinen Berufseinstieg bei FPS gemacht habe, war für mich ein konsequenter Schritt. Besonders überzeugt hat mich neben den spannenden Mandanten auch die enge Zusammenarbeit im Team und die Möglichkeit, früh Verantwortung zu übernehmen. 

Rückblickend war es also weniger eine einzelne Entscheidung als vielmehr ein Prozess, in dem sich mein Interesse immer weiter gefestigt hat – durch die Kombination aus universitärem Schwerpunkt und praktischer Erfahrung.

Welche Soft Skills sind für eine anwaltliche Tätigkeit in diesem Gebiet besonders wichtig?

Für die anwaltliche Tätigkeit im Handels- und Gesellschaftsrecht sind neben fundierten fachlichen Kenntnissen ausgeprägte Soft Skills entscheidend, da wir häufig an der Schnittstelle zwischen Recht, Wirtschaft und strategischen Unternehmensentscheidungen arbeiten. 

Zu den wichtigsten Fähigkeiten zählen zunächst die kommunikative Stärke und unternehmerisches Denken. In unserer Beratungspraxis bereiten wir komplexe rechtliche Sachverhalte verständlich und präzise für unsere Mandanten auf, damit diese fundierte Entscheidungen treffen können. Gute gesellschaftsrechtliche Beratung beschränkt sich dabei nicht auf die rein juristische Bewertung, sondern behält stets auch wirtschaftliche Zusammenhänge und strategische Ziele der Mandanten im Blick. 

Ebenso wichtig sind Verhandlungsgeschick, Teamfähigkeit und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Gerade bei Transaktionen arbeiten wir eng mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachbereichen sowie mit Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern zusammen. Gespräche mit der Gegenseite erfordern Verhandlungsgeschick, um die Interessen der Mandanten durchzusetzen, ohne die Gesprächsbasis zu verlieren.


Nicht zu unterschätzen sind schließlich auch Belastbarkeit und Flexibilität. Transaktionen und gesellschaftsrechtliche Projekte verlaufen oft dynamisch und erfordern die Fähigkeit, sich schnell auf neue Situationen einzustellen und auch in intensiven Arbeitsphasen präzise und zuverlässig zu arbeiten.

Bewerberinnen und Bewerber sollten sich daher fachlich auf ein anspruchsvolles Rechtsgebiet einstellen, das ein solides Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge voraussetzt. Persönlich sollten sie Neugier, Eigeninitiative und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein mitbringen. Wer Freude daran hat, komplexe Sachverhalte zu durchdringen und Mandanten lösungsorientiert zu begleiten, findet im Gesellschaftsrecht ein sehr spannendes und vielseitiges Tätigkeitsfeld.

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Welche Bedeutung messen Sie dem Fachanwaltstitel für Handels- und Gesellschaftsrecht bei?

Der Fachanwaltstitel für Handels- und Gesellschaftsrecht hat aus meiner Sicht noch immer eine hohe Bedeutung – sowohl für die persönliche und fachliche Entwicklung als auch für die Außenwirkung gegenüber Mandantinnen und Mandanten. 

Der Fachanwaltslehrgang bietet die Möglichkeit, die eigenen Kenntnisse zu vertiefen und auch in angrenzenden Bereichen zu schärfen. Gleichzeitig bietet er die Möglichkeit, sich mit anderen Juristen auszutauschen und zu vernetzen. Ich habe den Lehrgang im vergangenen Jahr selbst absolviert und konnte dabei viele Themen noch einmal fundiert durchdringen. 

Gleichzeitig ist der Fachanwaltstitel auch ein Qualitätssignal nach außen – Mandanten verbinden damit eine besondere Expertise und praktische Erfahrung. In einem beratungsintensiven Bereich wie dem Gesellschaftsrecht schafft das Vertrauen und kann bei der Mandatsentscheidung eine Rolle spielen.

Welche Aus- und Weiterbildungen würden Sie Junganwält:innen im Handels- und Gesellschaftsrecht empfehlen?

Neben dem bereits erwähnten Fachanwaltstitel bieten sich vor allem LL.M.-Programme mit einem wirtschaftlichen Schwerpunkt an. Darüber hinaus können praxisnahe Fortbildungen und Workshops sehr wertvoll sein. 

FPS bietet Associates und Senior Associates mit „How to FPS“ und „How to FPS advanced“ ein breit gefächertes Aus- und Fortbildungsprogramm, das sowohl juristische Themen als auch Softskills vermittelt und fachliche sowie persönliche Kompetenzen fördert. 

Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten für Berufseinsteiger:innen im Handels- und Gesellschaftsrecht ein?

Die Nachfrage nach qualifizierter gesellschaftsrechtlicher Beratung bleibt hoch, nicht zuletzt, weil Unternehmen sich zunehmend mit komplexen Herausforderungen konfrontiert sehen – von der Internationalisierung ihrer Geschäftstätigkeit über regulatorische Anforderungen bis hin zu Corporate Governance und ESG-Themen.

Gleichzeitig verändert die Digitalisierung die anwaltliche Tätigkeit wesentlich. Legal Tech und insbesondere der Einsatz von Künstlicher Intelligenz automatisieren zunehmend Standardprozesse und sind auch bei FPS bereits ein fester Bestandteil der täglichen Arbeit. Sie machen Standardprozesse effizienter, ersetzen eine individuelle Beratung jedoch nicht. 

Das führt vielmehr dazu, dass sich der Fokus stärker hin zu strategischer, gestaltender und beratungsintensiver Tätigkeit verschiebt, während repetitive Aufgaben tendenziell zurückgehen. Das Handels- und Gesellschaftsrecht bleibt daher ein zukunftssicheres und spannendes Tätigkeitsfeld mit guten Perspektiven.

Welchen Ratschlag würden Sie Nachwuchsjurist:innen mit auf den Weg geben, die sich für eine Tätigkeit im Handels- und Gesellschaftsrecht interessieren?

Wer in diesem Bereich arbeiten möchte, sollte früh anfangen sich nicht nur mit Normen und Kommentaren zu beschäftigen, sondern auch mit unternehmerischen Zusammenhängen. Zu verstehen, wie Unternehmen funktionieren, wie Entscheidungen getroffen werden und welche Interessen die Beteiligten verfolgen, hilft enorm dabei, praxisnahe und überzeugende Lösungen zu entwickeln. 

Ebenso hilfreich ist es, frühzeitig praktische Erfahrungen zu sammeln und ein berufliches Netzwerk aufzubauen – sei es durch Praktika, eine Wissenschaftliche Mitarbeit oder eine Referendariatsstation in einer Wirtschaftskanzlei wie FPS. Im Gesellschaftsrecht lernt man viel „on the job“, etwa bei der Gestaltung von Verträgen oder der Begleitung von Transaktionen.

Die Bereitschaft, frühzeitig Verantwortung zu übernehmen und sich in komplexe Sachverhalte einzuarbeiten zahlt sich aus. Gesellschaftsrechtliche Mandate sind häufig vielschichtig und stehen oft unter erheblichem Zeitdruck, was gerade am Anfang herausfordernd sein kann. Gleichzeitig bietet es aber die Chance, schnell zu lernen und an spannenden Projekten mitzuwirken. 

Mein wichtigster Ratschlag: Arbeiten Sie an Ihren kommunikativen Fähigkeiten. Gute Beratung bedeutet nicht nur, die richtige Lösung zu finden, sondern sie auch klar, strukturiert und adressatengerecht zu vermitteln – sei es gegenüber Mandanten, Kollegen oder Verhandlungspartnern.

Vielen Dank für das Interview und die Zeit, Frau Weiskirch!


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