Können Sie sich zunächst kurz vorstellen und uns etwas über Ihren juristischen Werdegang erzählen?
Mein Name ist Nina Fangmann. Ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen. Schon im Schwerpunktstudium in Münster fand ich den Gewerblichen Rechtsschutz und die umliegenden Rechtsgebiete sehr spannend. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Zwischen dem 1. Staatsexamen und dem Referendariat habe ich einen LL.M. in Bristol in Großbritannien absolviert, da ich gerne einmal für eine gewisse Zeit in England leben wollte. Zum Berufseinstieg habe ich zunächst einige Jahre in einer IP-Boutique-Kanzlei gearbeitet. Seit 2023 bin ich Fachanwältin für Gewerblichen Rechtsschutz und als Senior Associate bei Hoffmann Liebs tätig.
An welchem Gericht haben Sie Ihr Referendariat absolviert und was war ausschlaggebend für Ihre Wahl?
Mein Referendariat habe ich am Oberlandesgericht Düsseldorf absolviert. Ich wurde dem Landgericht Krefeld zugeteilt, habe aber – wie die meisten meiner AG-Kolleg:innen – in Düsseldorf gewohnt. In Münster habe ich mich sehr wohlgefühlt, aber nach dem Examen war es für mich Zeit für einen Wechsel in eine größere Stadt, nicht zuletzt auch aufgrund der größeren Auswahl an möglichen Arbeitgebern. Hierfür war Düsseldorf die naheliegende Wahl.
Wie haben Sie sich auf das Referendariat – fachlich sowie organisatorisch – vorbereitet?
Eine besondere Vorbereitung auf das Referendariat habe ich nicht vorgenommen, sondern bin zeitnah nach dem Studium in England ins Referendariat gewechselt. Damals gab es in Nordrhein-Westfalen in den meisten Städten aber auch recht kurze Wartezeiten. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass mir die „Pause“ durch den Auslandsaufenthalt gutgetan hat und ich persönlich nicht direkt nach dem 1. Staatsexamen in das Referendariat starten würde.
Wann haben Sie begonnen, sich auf Referendarstellen für die Stationen zu bewerben?
In Nordrhein-Westfalen wird die Zivilstation und Strafstation unmittelbar vom zuständigen Gericht zugeteilt. Deswegen habe ich mich für die anschließende Verwaltungsstation und Anwaltsstation erst nach dem Start des Referendariats beworben. Meine Bewerbungen für die abschließende Wahlstation habe ich während der Anwaltsstation vorbereitet. Damit hatte ich jeweils einen Vorlauf von ca. 7 bis 12 Monaten vor dem jeweiligen Stationsbeginn. Gerade wenn man Stationen bei sehr beliebten Arbeitgebern absolvieren möchte wie z. B. in der Rechtsabteilung von Großkonzernen, bei Fußballclubs oder bei besonderen Behörden wie der Polizei oder Bundesbehörden, sollte man sich aber frühzeitig bewerben.
Bei welchen Arbeitgebern haben Sie Ihre Stationen absolviert und nach welchen Kriterien haben Sie die Ausbildungsstätten ausgewählt?
Ich habe meine Stationen beim Amtsgericht Krefeld sowie der Staatsanwaltschaft Krefeld, in der Verwaltung des Landtags Nordrhein-Westfalen, der IP-Boutique-Kanzlei Weber Sauberschwarz sowie in der Konzernrechtsabteilung der Otto Group in Hamburg absolviert.
Die Ausbildungsstätten habe ich dabei vor allem nach meinen Interessensschwerpunkten ausgewählt. Während der Anwalts- und Wahlstation wollte ich gerne weitere praktische Erfahrungen im Gewerblichen Rechtsschutz sammeln. Auch die Verwaltungsstation im Landtag habe ich aufgrund meines Interesses an einer politisch geprägten Arbeit ausgewählt. Andererseits wollte ich aber auch gerne die Chance nutzen, unterschiedliche Arten von Tätigkeiten, wie z. B. die eines Legal Counsels im Unternehmen, kennenzulernen.
Wie haben Sie die Betreuung durch Ausbilder:innen sowie Mentor:innen in Ihren Stationen erlebt?
Ich muss sagen, dass ich mit meinen Einzelausbilder:innen immer sehr zufrieden war. Alle waren sehr hilfsbereit und motiviert. Besonders ist mir die Betreuung durch meine Ausbilderin bei der Staatsanwaltschaft in Erinnerung geblieben, die sich viel Zeit für mich genommen hat.
Mehr über Hoffmann Liebs erfahren:
Mittelständische Kanzlei
Hoffmann Liebs
Wie hilfreich waren die stationsbegleitenden Arbeitsgemeinschaften für Ihre Examensvorbereitung?
Das war sehr unterschiedlich. Die von den Richter:innen geleiteten AGs in der Zivilstation waren am Landgericht Krefeld überwiegend gut. Auch die dazugehörigen Unterlagen haben sehr bei der Vorbereitung geholfen. Weniger Glück hatten wir teilweise mit den anderen AGs, insbesondere während der Strafstation und während der Anwaltsstation.
Insgesamt bin ich aber trotzdem immer gerne zur AG gegangen, auch weil das gemeinsame Lernen und der Austausch mit den anderen Teilnehmer:innen motivierend war. Schließlich ist man in einer Referendariats-AG so eine Art Schicksalsgemeinschaft.
Wie haben Sie die Balance zwischen Stationsarbeit, Lernen und Freizeit organisiert?
Während der ersten Stationen hatte ich nach meiner Erinnerung eher wenig Zeit dafür, nebenher intensiv für das Staatsexamen zu lernen. Man sollte den Arbeitsaufwand auch schon während der Zivil- und Strafstation nicht unterschätzen. Ich war beispielsweise in der Zivilstation zweimal pro Woche bei Gericht, weil mein Ausbilder am Amtsgericht wöchentlich zwei Verhandlungstage hatte. Teilweise reichten diese bis in den späten Nachmittag. Dies wird allerdings abhängig vom Gericht, Kammer und Ausbilder:in sehr unterschiedlich gehandhabt. Dazu mussten die Stationsarbeiten fertiggestellt werden und es gab ja auch regelmäßige AG-Termine. Ähnliches gilt für die Strafstation, in der der Sitzungsdienst viel Zeit einnehmen kann. Zudem musste ich in den ersten Monaten noch meine Dissertation für den LL.M. fertigstellen. Dennoch habe ich versucht, schon während der ersten Stationen regelmäßig den Stoff nachzuarbeiten. Die intensive Vorbereitung hat für mich aber erst in der F-AG und dann in der anschließenden Tauchphase begonnen.
Ich würde im Nachhinein versuchen, früher und häufiger Probeklausuren zu schreiben. Das ist natürlich sehr zeitintensiv und anstrengend, aber hilft bei der Vorbereitung sehr, auch um das Zeitmanagement zu verinnerlichen.
Wie sah Ihre konkrete fachliche Vorbereitung auf das 2. Examen aus?
Vor dem Examen konnte ich einige Monate „Tauchen“, sodass ich mich in dieser Phase vor den schriftlichen Prüfungen intensiv auf das Examen vorbereiten konnte. Hierzu habe ich oft, auch gemeinsam mit AG-Kolleg:innen, in der Bibliothek gelernt. Während der Vorbereitung habe ich unterschiedliche Repetitorien besucht, unter anderem einen Abend-Kurs bei Alpmann Schmidt und die Wochenendkurse von Kaiser. Hierbei haben mir insbesondere bestimmte Seminare, z. B. materielles Zivilrecht, und auch die „Kaiser-Skripte“ sehr bei der Vorbereitung geholfen. Neben dem Lernen habe ich zudem Probeklausuren geschrieben.
Haben Sie während des Referendariats eine stationsbegleitende Nebentätigkeit ausgeübt?
Ja, für eine gewisse Zeit habe ich einen Tag pro Woche als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Kanzlei gearbeitet, in der ich auch meine Anwaltsstation absolviert habe. Hierbei erhält man gerade zu Beginn des Referendariats bereits einen wertvollen Einblick in die Anwaltstätigkeit und kann das Referendarsgehalt etwas aufbessern.
Sie sind nach dem Referendariat zunächst in der Kanzlei geblieben, in der Sie bereits eine Station absolviert hatten, und haben dort mehrere Jahre Berufserfahrung gesammelt, bevor Sie 2023 zu Hoffmann Liebs gewechselt sind. Welche Erkenntnisse aus Referendariat und Berufseinstieg haben diese Entscheidung geprägt?
Mir wurde unmittelbar nach dem Examen eine Stelle als Rechtsanwältin angeboten und da ich sowohl die fachliche Ausrichtung der Kanzlei interessant fand und mich auch im persönlichen Umgang wohlgefühlt habe, habe ich nicht lange nachgedacht. Ich kannte die Abläufe und alle Kolleg:innen, sodass mir das den Berufseinstieg doch sehr erleichtert hat. Dies zeigt auf jeden Fall, dass man im Referendariat wertvolle Kontakte knüpfen und hier schon die Grundlage für den Berufseinstieg legen kann.
Nach einigen Jahren in einer vergleichsweise kleinen Boutique-Kanzlei hat mich der Wechsel in eine größere Einheit gereizt. Für mich war schnell klar, dass eine mittelständische Kanzlei wie Hoffmann Liebs den richtigen Zuschnitt bieten würde, um mich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln. Als besonders wertvoll empfinde ich gerade im Vergleich den Austausch mit meinen Kolleg:innen aus verschiedenen Fachbereichen und Senioritätsstufen.
Welche drei Tipps würden Sie (angehenden) Referendar:innen mit auf den Weg geben – insbesondere mit Blick auf eine Ausbildungsstation oder den Berufseinstieg in einer Kanzlei wie Hoffmann Liebs?
- Das Referendariat ist eine einzigartige Gelegenheit, verschiedene Tätigkeitsbereiche und Berufsbilder in relativ kurzer Zeit kennenzulernen. Auch kann man bereits wertvolle Kontakte für die berufliche Zukunft knüpfen. Diese Chance würde ich auf jeden Fall nutzen und Stationen insbesondere nach Interesse und der Bedeutung für den weiteren persönlichen Berufs- und Lebensweg und nicht ausschließlich nach Examensrelevanz auswählen.
- Eine Station bei einer kleineren oder mittelständischen Kanzlei bietet den großen Vorteil, dass man als Referendar:in vielfach intensiver in die Mandatsarbeit eingebunden wird und eigene, vielfach verwertbare Arbeitsergebnisse beisteuern kann. Dies sollte man bei der Wahl der Kanzlei für die Anwaltsstation mitberücksichtigen.
- Aus meiner Erfahrung sollte man sich keinesfalls darauf verlassen, wenn im Repetitorium Statistiken zu Rechtsgebieten oder Klausurentypen genannt werden. In meinem Klausurdurchgang stimmte leider keine davon.
Vielen Dank für das Interview, Frau Fangmann!
Plane jetzt deine Anwaltsstation!
Highlights und Stellenangebote für dich…
Wir legen großen Wert darauf, dich in allen Phasen der juristischen Laufbahn bestmöglich zu begleiten. Daher findest du hier spezielle Empfehlungen, die sich an den unterschiedlichen Ausbildungsphasen orientieren: