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Referendariat & Berufseinstieg: Interview mit RAin Dunkel (Hoffmann Liebs)

Julia Dunkel, Rechtsanwältin bei Hoffmann Liebs, berichtet über ihre Erfahrungen im Referendariat und ihren Berufseinstieg in der mittelständischen Kanzlei. Dabei gibt sie angehenden Referendar:innen und Berufseinsteiger:innen wertvolle Tipps mit auf den Weg.

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"Das Referendariat kann total viel Spaß machen, wenn man es als das begreift, was es ist: die Möglichkeit in kurzer Zeit verschiedenste Berufe und Spaten auszuprobieren."

Rechtsanwältin Julia Dunkel

Können Sie sich zunächst kurz vorstellen? 

Zur Juristerei kam ich erst über einen Umweg: Nach dem Abitur und einem Gap-Year in Australien und Neuseeland habe ich meinen interdisziplinären Bachelorabschluss in Politik und Recht gemacht. Statt vertiefend in die Politikwissenschaft einzusteigen, habe ich mich dann für einen Wechsel zum Jurastudium entschieden. 

Schon im Studium habe ich meine Liebe für guten Kaffee entdeckt und nebenbei zwei Jahre lang als Barista gearbeitet.

An welchem Gericht haben Sie Ihr Referendariat absolviert? Was war für Ihre Wahl entscheidend?

Mein Referendariat habe ich am Landgericht Duisburg absolviert. Da ich an der Uni Münster studiert habe und daher im NRW-Landesrecht sattelfest war, stand für mich fest, dass ich mein Referendariat im gleichen Bundesland machen würde. Freunde und Bekannte aus höheren Fachsemestern haben dann sehr positiv vom LG Duisburg berichtet und meinten, dass die AG-Leitenden den Examensstoff gut vermitteln und eine gute Ausbildung gewährleistet sein würde. – Etwas, das ich nur bestätigen kann.

Haben Sie sich auf das Referendariat vorbereitet? Wenn ja, wie?

Die Antwort mag verwundern, aber meine Vorbereitung bestand in „Pause machen“. Nach dem ersten Examen habe ich mir und meinem rauchenden Kopf eine Pause gegönnt, durchgeatmet und Jura Jura sein lassen.

Wann haben Sie sich auf die Referendarstellen beworben?

In den ersten Monaten des Referendariats habe ich mich um alle Stationen gekümmert. Während der zivilgerichtlichen Station, die die erste war, habe ich meine Anwalts- und Verwaltungsstation unter Dach und Fach gebracht. Nachdem die Stage bei der Staatsanwaltschaft abgeschlossen war, habe ich mich dann um die Wahlstation gekümmert.

Bei welchen Arbeitgebern haben Sie Ihre Stationen absolviert? Nach welchen Kriterien haben Sie die Ausbildungsstätten ausgewählt?

In der Verwaltungsstation war ich bei der Bezirksregierung Düsseldorf in einer Allgemeinen Abteilung tätig. Eine Allgemeine Abteilung schien mir der Ort zu sein, an dem ich mit möglichst vielen verschiedenen Gesetzen in Berührung kommen würde, um so die „Angst“ vor dem Umgang mit mir unbekannten Gesetzen zu verlieren. Schließlich ist man im Examen oft mit neuen und einem bis dato unbekannten Gesetz konfrontiert.

Bei Kapellmann in Düsseldorf habe ich dann meine Anwaltsstation absolviert. Mir war wichtig, dass ich einerseits einen guten Einblick in die anwaltliche Tätigkeit, den Alltag einer Anwältin erhalten und meine zivilrechtlichen Kenntnisse vertiefen würde, andererseits jedoch ausreichend Zeit für meine individuelle Examensvorbereitung haben würde.

Für die Wahlstation war ich noch mal bei der Staatsanwaltschaft Duisburg. Die dreimonatige StA-Station im regulären Verlauf des Referendariats hat mir nicht gereicht, um sicher zu wissen, ob ich diesen Berufsweg einschlagen wollen würde.

Wie war die Begleitung durch die Ausbilder:innen in Ihren Stationen?

Durchweg gut. Insbesondere in den Teams, in denen junge Anwält:innen waren, konnte ich auch abseits der konkreten Aufgaben meine examensbezogenen Fragen stellen. 

Wie waren Ihre Erfahrungen mit den stationsbegleitenden Arbeitsgemeinschaften?

Insbesondere die F-AGs, die die Stationen im zweiten Ref-jahr begleiten, waren wirklich gut. Hierbei habe ich viele motivierte Dozierende erlebt, die den Stoff rund um Zwangsvollstreckung und beidseitige Erledigungserklärungen super erklärt haben. Da es jedoch sehr verschiedene (Lern-)typen gibt, denke ich, dass die Erfahrung mit den AGs sehr individuell ist.

Wie haben Sie sich die Zeit zum Arbeiten und Lernen eingeteilt?

Anfangs gab es keine feste Tageseinteilung. Das schien mir auch deshalb nicht möglich zu sein, da in Woche 1 die Sitzungsvertretung am Donnerstag war und in Woche 2 am Dienstag. Daher habe ich in den ersten Monaten Woche für Woche geschaut, was anliegt und den Stoff dann auf die Tage verteilt.

In der F-AG habe ich die Inhalte der AG am darauffolgenden Tag (oder jedenfalls kurz danach) nachgearbeitet. An den Tagen, an denen ich in der Kanzlei gearbeitet habe, habe ich nur gearbeitet und nicht gelernt. 

Wie haben Sie sich auf das 2. Examen vorbereitet? Welche Materialien haben Sie zur Vorbereitung auf das 2. Examen genutzt?

Während der ersten 15 Monate habe ich versucht, in allen AGs immer „auf dem Stand“ zu bleiben. Das bedeutet, dass ich das, was wir in den AGs behandelt haben, nachbereitet, in Kaiserskripten nachgelesen und mir thematische Karteikarten dazu geschrieben habe. In dieser Zeit habe ich nicht eine meiner geschriebenen Karteikarten wiederholt. Die Wiederholungen fingen erst ca. 5 Monate vor den Klausurterminen an. In dieser heißen Lernphase habe ich die ganzen geschriebenen Karteikarten hervorgekramt und mit Ihnen gelernt. 

Wichtig war mir auch, das Schreiben von Klausuren zu üben, sodass ich Klausuren teilweise ausgeschrieben und ausformuliert habe, oft aber auch nur skizzierte, um möglichst viele Klausuren zu lösen. 

Ein detaillierter Lernplan hat mir geholfen den Überblick zu behalten und mir die nötige Ruhe gegeben, da ich wusste, dass ich jedes Thema behandeln würde und genügend Zeit haben werde.

In dem Zeitraum von 5-2 Monate vor den Klausuren habe ich mir Kaiserseminare angehört und an den Inhalten der Seminare kontrolliert, ob ich den Stoff konnte. Falls nicht, hätte ich noch 2 Monate bis zu den Klausuren gehabt. Die Seminare hatten für mich eher die Funktion einer Checkliste, als dass ich mit ihnen erstmalig gelernt hätte.

Haben Sie eine stationsbegleitende Nebentätigkeit ausgeübt?

Nein.

Zu welchem Zeitpunkt im Referendariat fiel Ihre Entscheidung, als Anwältin tätig werden zu wollen und warum?

Diese Entscheidung fiel mit Abschluss meiner Wahlstation. Ich habe gemerkt, dass ich ein Arbeitsumfeld suche, in dem ich neue Ideen vorantragen kann, kreativ sein darf und beratend tätig sein würde. Mir gefiel es, Probleme zu antizipieren und vertragliche Lösungen zu entwickeln.

Warum haben Sie sich nach dem Referendariat für Ihren jetzigen Arbeitgeber entschieden? Warum fiel Ihre Entscheidung auf eine mittelständische Kanzlei? 

Kurz um: Es passte einfach. Die zwei Dinge, die ich suchte, fand ich bei Hoffmann Liebs: Ein klasse Team und ein Umfeld, das mich zu einer guten Anwältin machen würde. 

Ein junges Team, in dem man sich gegenseitig wertschätzt, den juristischen Austausch nicht scheut und humorvoll miteinander umgehen kann, waren mir besonders wichtig. 

Die Open-Door-Kultur in unserem Team trägt dazu bei, dass meine Fragen immer beantwortet werden und sich abseits des konkreten Mandats Zeit für meine generellen Fragen genommen wird.

Ich wollte weder die Anonymität noch die Arbeitszeiten einer Großkanzlei zu meinem Arbeitsalltag machen. Der Mittelstand zeichnet sich für mich durch bedarfsgerechte und breite Kompetenz aus. Durch die kurzen Wege zum nächsten Kompetenzbereich, ist ein schneller Austausch und ein kollegiales Miteinander immer möglich.

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Wie sieht der Arbeitsalltag als Anwältin in den ersten Monaten des Berufseinstiegs aus? Wie hat Hoffmann Liebs Sie hier unterstützt?

PC hochfahren, Wasser holen, E-Mails checken, Kolleg:innen begrüßen, schauen was ansteht. 

Abseits dieser morgendlichen Routine, sahen meine Tage immer anders aus. Entweder hatte ich einen Mandantentermin, auf den ich mich vorbereiten musste, einen Schriftsatz fertigzustellen, eine Inhouse-Schulung zu geben oder an Seminaren teilzunehmen. 

In den ersten Monaten konnte ich mir Seminare anhören, um mich in das Rechtsgebiet und die Themen der Vertragsgestaltung einzuarbeiten. Darüber hinaus konnte ich mir an einzelnen Rechtsfragen ein Gesamtbild erarbeiten, ohne vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen. 

Ich konnte (und kann auch heute noch) immer Fragen stellen und meine Ideen mit meinen Kolleg:innen austauschen. Offene Türen, offene Ohren und ein ehrliches Interesse an meiner Meinung und meinen Vorschlägen waren die Pfeiler, auf die ich immer bauen konnte und kann.

Welche Tipps würden Sie angehenden Referendar:innen zur Vorbereitung auf das Referendariat und den Berufseinstieg mit auf den Weg geben?

Setzt Euch nicht zu sehr unter Druck. Ihr habt das Erste Examen in der Tasche und damit schon eine Riesenleistung erbracht. Das Referendariat kann total viel Spaß machen, wenn man es als das begreift, was es ist: die Möglichkeit in kurzer Zeit verschiedenste Berufe und Spaten auszuprobieren. Ihr könnt in diesen zwei Jahren eine bessere Juristin/ein besserer Jurist werden und Freundschaften schließen.

Rein fachlich empfehle ich Euch: schnappt Euch am besten direkt zu Beginn die aus den Bibliotheken ausgemusterten Kommentare, um hiermit von Anfang an Lernen zu können.

Was den Berufseinstieg angeht rate ich Euch offen zu sein. Für neue Kolleg:innen, neue Abläufe, neue Arbeitsweisen. Wenn Ihr in einem Nischenrechtsgebiet anfangt, schadet es sicherlich nicht, sich vorab mal ein Handbuch zu nehmen und darin zu blättern. Ansonsten macht Euch bereit eine steile Lernkurve hinzulegen. Wenn ihr Euch 5 Tage die Woche mit einem Thema beschäftigt, werdet Ihr besser und im Handumdrehen fallen Euch Dinge leichter, gehen schneller und machen richtig Spaß.

Vielen Dank für das Interview und die Zeit, Frau Dunkel!


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