Könnten Sie sich zu Beginn bitte kurz vorstellen?
Mein Name ist Marcella Woppert und ich bin seit 2022 als Rechtsanwältin bei LUTZ | ABEL tätig. Nach Abschluss meines Studiums der Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München habe ich mein Rechtsreferendariat am Oberlandesgericht München absolviert und im selben Jahr die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft erhalten. Seit 2024/2025 befinde ich mich zudem in der Weiterbildung zur Fachanwältin – die schriftlichen Prüfungen habe ich bereits erfolgreich abgelegt, aktuell fehlen noch die für die Titelvergabe notwendigen praktischen Fälle. Anfang 2026 wurde ich zur Senior Associate ernannt und bin seither in dieser Funktion bei LUTZ | ABEL tätig.
Was hat Sie dazu bewogen, sich für eine Tätigkeit in diesem Rechtsgebiet zu entscheiden?
Die Entscheidung, mich auf das private Baurecht zu konzentrieren, fiel im Rahmen meines Bewerbungsprozesses. Bereits zuvor hatte ich großes Interesse an Immobilien entwickelt – insbesondere an Häusern und Wohnungen – und fand die Schnittstellen zu technischen Fragestellungen immer spannend. Die Zusammenarbeit mit Technikern und Ingenieuren im Rahmen komplexer Bauprojekte fasziniert mich ebenso wie die Möglichkeit, an großen, namhaften Mandaten mitzuwirken. Besonders wertvoll empfinde ich auch den fachlichen Austausch, da meine beiden Brüder im Baugewerbe tätig sind und mir so ein Zugang zu technischen Aspekten und praktischen Erfahrungen ermöglicht wird.
Was empfinden Sie als die spannendsten, aber auch als die größten Herausforderungen in diesem Tätigkeitsgebiet?
Am spannendsten und zugleich herausforderndsten empfinde ich die technischen Aspekte im privaten Baurecht. Es ist anspruchsvoll, sich das notwendige technische Basiswissen anzueignen, um die rechtlichen Fragestellungen fachlich korrekt und praxisnah bearbeiten zu können. Eine weitere Herausforderung bildet dabei die Zusammenarbeit mit Technikern und Ingenieuren, da deren Herangehensweise und Denkweise teils von der juristischen abweicht. Gerade an diesen Schnittstellen ist es essenziell, ein Verständnis für sein Gegenüber zu entwickeln, um Probleme zu erkennen, Missverständnisse zu vermeiden und gemeinsam tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Dass technisches Wissen auch privat von Vorteil sein kann, macht diesen Aspekt für mich zusätzlich reizvoll. Sehr spannend finde ich außerdem Ortstermine mit gerichtlichen Sachverständigen, bei denen man technische Details direkt vor Ort betrachten und diskutieren kann.
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Welche Soft Skills sind für die anwaltliche Tätigkeit in diesem Rechtsgebiet besonders wichtig?
- Kommunikationsfähigkeit: Die Verständigung mit Mandanten, Technikern, Sachverständigen und oft auch mit Richtern erfordert die Fähigkeit, komplexe rechtliche und technische Sachverhalte klar, verständlich und adressatengerecht zu vermitteln.
- Lernbereitschaft: Das Verständnis für technische Abläufe und Denkweisen sowie die Offenheit, sich in neue Themengebiete einzuarbeiten, sind unverzichtbar.
- Sorgfalt und Struktur: Gerade bei komplexen Bauprojekten ist es wichtig, den Überblick zu behalten, strukturiert zu arbeiten und Details im Blick zu behalten.
- Konflikt- und Verhandlungsfähigkeit: Das Baurecht ist oft konfliktbeladen; daher sind Verhandlungsgeschick und ein souveräner Umgang mit unterschiedlichen Interessen wichtig.
Welche Aus- und Weiterbildungen würden Sie Junganwält:innen in diesem Rechtsgebiet empfehlen?
Für eine erfolgreiche Tätigkeit im privaten Baurecht halte ich sowohl den Erwerb des Fachanwaltstitels als auch kontinuierliche Fortbildungen für sehr empfehlenswert. Der Fachanwaltstitel bietet eine fundierte theoretische Vertiefung der Materie und stärkt die eigene Position am Markt. Darüber hinaus ist es besonders wichtig, regelmäßig an Fortbildungen teilzunehmen, um bei der aktuellen Rechtsprechung auf dem neuesten Stand zu bleiben – hierfür bieten zahlreiche Anbieter spezialisierte Seminare an.
Ebenso sinnvoll sind Schulungen und Weiterbildungen mit Bezug zur Bautechnik, etwa durch Bausachverständige oder aus dem Ingenieurwesen. Das Verständnis technischer Zusammenhänge erleichtert nicht nur die Mandatsarbeit, sondern verbessert auch die Zusammenarbeit mit Fachleuten aus dem Baugewerbe.
Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten für Berufseinsteiger:innen in diesem Tätigkeitsgebiet ein?
Die Zukunftsaussichten für Berufseinsteiger:innen im privaten Baurecht sind nach meiner Auffassung insgesamt positiv einzuschätzen. In der Bauwirtschaft gibt es kontinuierlich neue Projekte – gebaut wird immer, und damit ergeben sich zwangsläufig auch juristische Fragestellungen und Konflikte, die rechtlich begleitet werden müssen. Auch technische und gesellschaftliche Entwicklungen wie die Digitalisierung im Bauwesen, steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit oder der Wandel von Wohn- und Arbeitswelten sorgen dafür, dass das private Baurecht dynamisch bleibt und immer wieder neue Herausforderungen bereithält.
Welchen Ratschlag würden Sie Nachwuchsjurist:innen mit auf den Weg geben, die sich für eine Tätigkeit in diesem Rechtsgebiet interessieren?
Mein wichtigster Ratschlag für Nachwuchsjurist:innen, die sich für eine Tätigkeit im privaten Baurecht interessieren, ist: Seien Sie offen für interdisziplinäres Arbeiten und scheuen Sie sich nicht, sich technisches Basiswissen anzueignen. Je besser Sie die technischen Hintergründe verstehen, desto fundierter können Sie Mandanten beraten und mit Fachleuten aus dem Bauwesen auf Augenhöhe kommunizieren. Nutzen Sie die Gelegenheiten zur praktischen Weiterbildung – sei es durch Fortbildungen, Gespräche mit Sachverständigen oder Ortstermine auf Baustellen. Bleiben Sie neugierig, flexibel und bereit, über den juristischen Tellerrand hinauszublicken. Das macht die Arbeit nicht nur abwechslungsreich, sondern hilft auch dabei, komplexe Sachverhalte lösungsorientiert zu bearbeiten.
Vielen Dank für das Interview und die Zeit, Frau Woppert!
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