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Energie- und Energiewirtschaftsrecht: Interview mit Alexandra Mützelburg (Bird & Bird)

Im Rahmen unserer Interviewreihe "Berufsspecials" gibt Alexandra Mützelburg, Partnerin bei Bird & Bird, spannende Einblicke in ihren Weg ins Energie- und Energiewirtschaftsrecht sowie in die anwaltliche Praxis eines der dynamischsten Rechtsgebiete. Sie spricht über die Auswirkungen der Energiewende, die Anforderungen an Berufseinsteiger:innen und verrät, worauf es für einen erfolgreichen Einstieg besonders ankommt.

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Energie- und Energiewirtschaftsrecht: Interview mit Alexandra Mützelburg (Bird & Bird)

Könnten Sie sich zu Beginn bitte kurz vorstellen?

Mein Name ist Alexandra Mützelburg, ich bin 41 Jahre alt, lebe in München und bin seit
Februar 2026 Partnerin bei Bird & Bird im Bereich Energie- und Energiewirtschaftsrecht und
bin dabei Mutter eines achtjährigen Sohnes.

Nach meinem Jurastudium in Düsseldorf und Spanien habe ich mein Referendariat in Niedersachsen und Hamburg absolviert. In meiner Wahlstation war ich in einer namhaften kanadischen Kanzlei in Toronto. Neben dem Referendariat habe ich seit 2011 bereits als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer internationalen Großkanzlei in Hamburg im Energierecht gearbeitet; die erneuerbaren Energien steckten 2010 noch in ihren Kinderschuhen im Vergleich zu heute und ich konnte einem Team großartiger Juristen und Menschen bei echter Pionierarbeit zuschauen und einen kleinen anfänglichen Beitrag leisten. Dieses Kribbeln, wenn mal wieder „alles neu“ ist und keiner weiß, wie es geht, treibt und erfreut mich bis heute. So habe ich mich dem Energie- und Infrastrukturbereich und der Leidenschaft für die Erkenntnis, dass wir nur wissen, dass morgen alles anders sein kann, verschrieben und durfte über zwei Stationen als Rechtsanwältin in zwölf Jahren zu Bird & Bird als Partnerin dazustoßen.

Neben dem Job liebe ich das Lesen von Literatur zur persönlichen Weiterentwicklung, wandere und jogge gerne und habe einen kleinen Fabel für Nachwuchsförderung.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Jurist:innen im Energie- und
Energiewirtschaftsrecht aus?

Einen „typischen“ Arbeitstag gibt es im Energierecht eigentlich nicht – und genau das macht dieses Rechtsgebiet so reizvoll. Mein Tag beginnt häufig mit der Durchsicht aktueller regulatorischer Entwicklungen, etwa neuer Verordnungsentwürfe auf EU-/nationaler Ebene oder Beschlüsse der Bundesnetzagentur. Im Laufe des Tages berate ich Mandanten zu den unterschiedlichsten Fragestellungen: von der Genehmigung großer Wind- und Solarparkprojekte über die Vertragsgestaltung bei Power Purchase Agreements (PPAs) bis hin zu Fragen der Netzregulierung und des Energiehandels. Häufig führe ich Telefonate mit Mandanten, koordiniere mich mit Kolleg:innen aus anderen Jurisdiktionen – Bird & Bird ist hier als internationale Kanzlei besonders gut aufgestellt – und arbeite an Stellungnahmen und Gutachten zu laufenden Gesetzgebungsverfahren. Kein Tag gleicht dem anderen, weil die Energiewende ständig neue rechtliche Fragestellungen aufwirft und kreative Lösungen dieser verlangt.

Was hat Sie dazu bewogen, sich für eine Tätigkeit im Energie- und Energiewirtschaftsrecht zu entscheiden?

Die Initialzündung kam während meines Referendariats, als ich im beruflichen Kontext erstmals mit dem Energierecht in Kontakt kam. Mich hat fasziniert, wie eng Recht, Wirtschaft, Technik und Politik in diesem Bereich miteinander verwoben sind. Das Zusammenspiel von gesellschaftlicher Relevanz und juristischer Komplexität hat mich nicht mehr losgelassen.

Inwieweit haben sich Ihre Erwartungen an die praktische Arbeit im Energie- und Energiewirtschaftsrecht erfüllt?

Rückblickend haben sich meine Erwartungen in vielerlei Hinsicht erfüllt – und wurden in mancher Hinsicht sogar übertroffen. Was mich überrascht hat, ist die enorme Dynamik dieses Rechtsgebiets. Als ich angefangen habe, standen die Förderung erneuerbarer Energien durch das EEG und klassische Fragen der Netzregulierung im Vordergrund. Heute beraten wir zu Wasserstoffstrategien, Speichertechnologien, Carbon Capture and Storage und dem europäischen und nationalen Emissionshandel – Themen, die vor zehn Jahren kaum eine Rolle spielten. Besonders gefordert hat mich die zunehmende Politisierung des Energierechts: Gesetzgebungsverfahren werden immer spontaner, Konsultationsfristen kürzer, und die Mandanten erwarten zu Recht, dass wir regulatorische Entwicklungen nicht nur nachvollziehen, sondern antizipieren.

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Was empfinden Sie als die spannendsten, aber auch als die größten Herausforderungen im Energie- und Energiewirtschaftsrecht?

Am spannendsten finde ich die unmittelbare gesellschaftliche Relevanz unserer Arbeit. Wenn wir ein großes Batteriespeicherprojekt rechtlich begleiten oder an der Strukturierung eines Wasserstoff Infrastrukturprojekts mitwirken, dann gestalten wir die Energiewende ganz konkret mit. Die größte Herausforderung liegt in der Komplexität und Vielschichtigkeit der Materie: Man muss europäisches und nationales Recht, technische Zusammenhänge und wirtschaftliche Rahmenbedingungen gleichzeitig im Blick behalten. Hinzu kommt die bereits erwähnte Geschwindigkeit regulatorischer Änderungen – das Energierecht ist ein „moving target“, und man muss bereit sein, sich permanent weiterzubilden und flexibel auf neue Entwicklungen zu reagieren.

Welche Soft Skills sind für die anwaltliche Tätigkeit im Energie- und Energiewirtschaftsrecht besonders wichtig?

Neben einer soliden juristischen Ausbildung sind vor allem drei Eigenschaften entscheidend: Erstens die Fähigkeit, komplexe technische und wirtschaftliche Sachverhalte schnell zu durchdringen und für Mandanten verständlich aufzubereiten. Unsere Gesprächspartner sind häufig Ingenieur:innen, Ökonom:innen oder Politiker:innen – man muss ihre Sprache verstehen und die eigene juristische Analyse in deren Kontext übersetzen können. Zweitens ist Teamfähigkeit unerlässlich, da wir fast immer in interdisziplinären und internationalen Teams arbeiten. Drittens braucht man eine hohe Ausdauer: Genehmigungsverfahren für Großprojekte können sich über Jahre hinziehen, und regulatorische Rahmenbedingungen ändern sich mitunter über Nacht.

Würden Sie Nachwuchsjurist:innen eine Promotion als Vorbereitung auf die Praxis empfehlen?

Diese Frage kann meiner Meinung nach nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantwortet werden. Im Ergebnis kann man sagen, je theoretischer und wissenschaftlicher der spätere Traumjob ist, desto vorteilhafter ist eine Promotion. Möchte man also vorzugsweise am Lehrstuhl oder in der Politik aktiv werden, ist eine Promotion wichtig. Je mehr man jedoch in die anwaltliche Beratungspraxis eintaucht, desto unwichtiger wird der Titel – gerade im internationalen Bereich: während bei der Gutachtenerstellung die wissenschaftliche Arbeitsweise mit Sicherheit Anwendung findet, ist sie bei Vertragsgestaltung, -verhandlung und im direkten Mandantenkontakt nicht notwendig. Gerade der zu theoretische Umgang mit Alltagsproblemen der Mandanten kann sogar hinderlich sein. Hier hilft einem die frühe anwaltliche Praxis durch wissenschaftliche Mitarbeit, Referendariat und die ersten Berufsjahre mehr als eine Promotion.

Welche Aus- und Weiterbildungen würden Sie Junganwält:innen in diesem Rechtsgebiet empfehlen?

Grundsätzlich gibt es keinen goldenen Weg in der Aus- und Weiterbildung im Energierecht. Aus meiner Sicht ist am wichtigsten, dass junge Anwält:innen ein Interesse an der nichtjuristischen Materie mitbringen – genau diese macht den Job interessant. Darüber hinaus empfehle ich neben der juristischen Ausbildung die Aneignung möglichst guter Englischkenntnisse. Ob dies durch ein Auslandssemester, einen Auslandsaufenthalt während des Referendariats oder einen LL.M. erfolgt, ist zweitrangig. Daneben können Fachlehrgänge oder auch technische Vorträge und Veranstaltungen von Vorteil sein. Fachübergreifend gilt in heutigen Zeiten immer: lernen Sie möglichst schnell den Umgang mit KI-Tools. Der Einsatz ist nicht nur nicht mehr aus dem Arbeitsalltag hinwegzudenken, sondern wird sich in Zukunft noch verstärken. Kenntnisse, die Sie in diesem Umfeld vorweisen können, werden Sie von anderen Bewerbern abheben.

Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten für Berufseinsteiger:innen im Energie- und Energiewirtschaftsrecht ein?

Die Zukunftsaussichten sind aus meiner Sicht besser, als in anderen Rechtsgebieten – ich würde sogar sagen, es gab selten einen besseren Zeitpunkt, um in dieses Rechtsgebiet einzusteigen. Die Energiewende ist das zentrale wirtschafts- und klimapolitische Projekt unserer Zeit, und sie erzeugt einen enormen Beratungsbedarf. Der European Green Deal, das „Fit for 55″-Paket, das novellierte EEG, das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz, die Reform des Strommarktdesigns – all das schafft einen regulatorischen Rahmen, der juristisch begleitet werden muss. Hinzu kommen Milliarden an Investitionen in erneuerbare Energien, Netzinfrastruktur, Speichertechnologien und grünen Wasserstoff, die transaktionsrechtlich und regulatorisch betreut werden wollen. Auch die geopolitische Dimension – Stichwort Versorgungssicherheit und Diversifizierung der Energiequellen – hat dem Rechtsgebiet zusätzliche Bedeutung verliehen. Die Nachfrage von Mandanten nach spezialisierten Energierechtler:innen ist höher als in anderen Rechtsgebieten, und ich sehe nicht, dass sich das in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren ändern wird.

Man muss hier aber auch ganz klar sagen, dass der Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger:innen aktuell insgesamt sehr angespannt ist. Gerade durch die wirtschaftlich herausfordernde Lage in Deutschland, die auch bei Kanzleien angekommen ist, und den vermehrten Einsatz von KI- Tools, werden die Einstellungszahlen vermutlich noch eine Weile stagnieren.

Welchen Ratschlag würden Sie Nachwuchsjurist:innen mit auf den Weg geben, die sich für eine Tätigkeit im Energie- und Energiewirtschaftsrecht interessieren?

Mein wichtigster Ratschlag: Seien Sie neugierig – und zwar über die Grenzen des rein Juristischen hinaus. Das Energierecht lebt davon, dass man technische, wirtschaftliche und politische Zusammenhänge versteht und in rechtliche Lösungen übersetzen kann. Suchen Sie sich frühzeitig eine Kanzlei oder ein Unternehmen, das Ihnen die Möglichkeit gibt, an vielfältigen Mandaten mitzuarbeiten und internationale Erfahrung zu sammeln. Scheuen Sie sich nicht, auch einmal Mandate zu übernehmen, die außerhalb Ihrer Komfortzone liegen – gerade daran wächst man am meisten. Und schließlich: Vernetzen Sie sich. Die Energierechtscommunity in Deutschland ist überschaubar und kollegial. Besuchen Sie Fachtagungen, engagieren Sie sich in Arbeitskreisen und bauen Sie sich ein Netzwerk auf – das wird Ihnen über Ihre gesamte Karriere hinweg zugutekommen.

Vielen Dank für das Interview und die Zeit, Frau Mützelburg!


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