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Vergaberecht: Interview mit Lorenz Käppeler (LUTZ | ABEL)

In diesem Interview gibt Lorenz Käppeler von LUTZ | ABEL Einblicke in das Vergaberecht und erklärt, warum das Rechtsgebiet die Verbindung von juristischer Beratung, wirtschaftlichem Denken und technischem Verständnis besonders spannend macht. Zudem spricht er über den Arbeitsalltag, die Zukunftsaussichten sowie die Fähigkeiten, die Berufseinsteiger:innen für eine erfolgreiche Karriere im Vergaberecht mitbringen sollten.
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Vergaberecht: Interview mit Lorenz Käppeler (LUTZ | ABEL)

Könnten Sie sich zu Beginn bitte kurz vorstellen?

Mein Name ist Lorenz Käppeler. Als gebürtiger Ulmer bin ich für das Studium nach München gezogen. Mit Stationen in Prag und Tel -Aviv habe ich hier beide Examina absolviert und anschließend bei Lutz | Abel eine Tätigkeit als Associate aufgenommen. Prägend war insbesondere mein Aufenthalt in Israel, der mir Einblicke in die Restitution von NS-Raubkunst eröffnet und mich persönlich bereichert hat.

Mein Tätigkeitsschwerpunkt liegt im Vergaberecht und im privaten Baurecht. Ich berate überwiegend öffentliche Auftraggeber, insbesondere staatliche und kommunale Stellen. Dabei begleite ich den gesamten Ablauf eines Vergabeverfahrens, von den ersten strategischen Überlegungen bis zur abschließenden Bekanntmachung der Zuschlagserteilung. Ein besonderer Fokus liegt der Vergabe von Bauaufträgen. In diesem Zusammenhang umfasst die Tätigkeit auch die Prüfung baurechtlicher Fragestellungen, die sich nach Abschluss des Vergabeverfahrens infolge der Projektausführung ergeben.

Was hat Sie dazu bewogen, sich für eine Tätigkeit in diesem Rechtsgebiet zu entscheiden?

Durch meinen Studienschwerpunkt im öffentlichen Wirtschafts- und Infrastrukturrecht hatte ich bereits erste fachliche Einblicke in das Vergaberecht erhalten. Im privaten Baurecht konnte ich zwischen den Examina bereits als wissenschaftlicher Mitarbeiter praktische Erfahrungen sammeln. Die Kombination beider Rechtsgebiete finde ich bis heute spannend: Hier treffen rechtliche Beratung, wirtschaftliches Denken und technisches Verständnis aufeinander.

Neben den fachlichen Beweggründen finde ich auch den gesellschaftlichen Aspekt meiner Tätigkeit spannend. Als Anwalt auf Auftraggeberseite liegt das Kernziel darin, die rechtssichere und wirtschaftliche Realisierung öffentlicher Projekte wie Krankenhäuser, Schulen oder Forschungseinrichtungen zu gewährleisten. Dass zwischenzeitlich die ersten begleiteten Projekte realisiert wurden und in Nutzung sind, ist ebenfalls motivierend.

Inwieweit haben sich Ihre Erwartungen an die praktische Arbeit in diesem Rechtsgebiet erfüllt?

Meine Erwartungen an das Vergaberecht waren vor allem durch mein Wissen aus dem Studium geprägt. Mir war insofern bewusst, dass das Vergaberecht diverse Schnittstellen zu anderen Rechtsgebieten wie bspw. dem Beihilfenrecht, Kommunalrecht oder – je nach Beschaffungsgegenstand – auch dem IT- und Datenschutzrecht sowie Bau- und Architektenrecht hat. Diese Erwartungen haben sich in der Praxis bestätigt.

Die tägliche Arbeit hielt natürlich einige Besonderheiten bereit. Gerade die Beratung öffentlicher Auftraggeber beinhaltet eine Reihe einzigartiger juristischer Leistungen. Hierzu zählen beispielsweise die Vorbereitung von Projekträumen auf digitalen Vergabeplattformen zur Durchführung der Vergabeverfahren, das Beantworten von Bieterfragen hinsichtlich juristischer oder sonstiger Aspekte des Verfahrens oder die Ex-Post-Bekanntmachung nach Erteilung des Zuschlags. 

Aber auch die technischen Aspekte der Beratung können mitunter überraschen. Die Erstellung der Eignungs- und Zuschlagskriterien sowie die Prüfung und Auswertung von Angeboten erfordert die eigenständige Einarbeitung in die technischen Grundlagen des Beschaffungsgegenstands. Es ist deswegen durchaus üblich, dass man sich infolge der Beratungstätigkeit beispielsweise in der einen Woche Grundlagenkenntnisse über die Schnittstellenproblematiken bei Krankenhausmanagementsystemen aneignet und in der nächsten Woche verschiedene Planungskonzepte für ein ambulantes Operationszentrum hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit miteinander vergleicht.

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Was empfinden Sie als die spannendsten, aber auch als die größten Herausforderungen in diesem Tätigkeitsgebiet?

Das Vergaberecht ist ein vergleichsweise junges Rechtsgebiet, das einem kontinuierlichen Wandel unterworfen ist. Da es in vielen Teilbereichen keine jahrzehntelang gefestigte Rechtsprechung gibt, ist das Vergaberecht an vielen Stellen offen für eigene Begründungsmuster. 

Die Beratung öffentlicher Auftraggeber umfasst vor allem die Vorbereitung und Durchführung der Vergabeverfahren. Im Rahmen der rechtlichen Vorgaben ist man bei der Ausgestaltung der Eignungs- und Zuschlagskriterien sowie der Gewichtung in vielerlei Hinsicht frei. Dementsprechend kreativ können Anforderungen an die Bieter gegenüber dem Mandanten vorgeschlagen werden. Diese Flexibilität erfordert jedoch ein gewisses Maß an Erfahrung und Marktkenntnis. Werden beispielsweise die Eignungs- und Zuschlagskriterien zu hoch gesetzt, findet kein ausreichender Wettbewerb statt. Werden die Anforderungen an die Angebotsbestandteile nicht hinreichend konkret beschrieben, leidet die Vergleichbarkeit der Angebote hierunter.

Neben der rein juristischen Tätigkeit ist die Einarbeitung in die technischen Aspekte des Beschaffungsgegenstands spannend und herausfordernd. Hier sind jedoch die Fachbereiche bzw. die beauftragten Ingenieure und Architekten der Mandanten hilfreich.

Welche Soft Skills sind für die anwaltliche Tätigkeit in diesem Rechtsgebiet besonders wichtig?

Teamfähigkeit ist im Vergaberecht unerlässlich. Bei der Beratung öffentlicher Auftraggeber gehören zum Projektteam nicht nur Ansprechpartner für die Durchführung des Verfahrens, sondern auch die relevanten Fachbereiche oder für das Projekt beauftragte Architekten und Ingenieure. Die effiziente Zusammenarbeit ist ein wesentlicher Grundstein, um wirtschaftliche Ergebnisse für den Mandanten erzielen zu können. 

Ebenfalls erforderlich sind die Fähigkeit und Motivation, sich fortlaufend in neue technische Einzelheiten einzuarbeiten und diese in rechtssichere Anforderungen im Sinne des Auftraggeberinteresses umsetzen zu können.

Welche Bedeutung messen Sie dem Fachanwaltstitel in diesem Rechtsgebiet bei?

Im Vergleich zu anderen Rechtsgebieten hat der Fachanwaltstitel im Vergaberecht einen höheren Stellenwert. Während beispielsweise im Familienrecht, Arbeitsrecht oder Verkehrsrecht jeweils mehrere tausend Rechtsanwälte den Titel tragen, beschränkt sich die Zahl im Vergaberecht – Stand 2025 – auf knapp 500 Anwälte. Grund dafür ist sicherlich auch, dass die Anzahl der auf diesem Rechtsgebiet tätigen Anwälte vergleichsweise klein ist. Wer den Fachanwaltstitel erwirbt, hebt sich dennoch von der Masse ab.

Welche Aus- und Weiterbildungen würden Sie Junganwält:innen in diesem Rechtsgebiet empfehlen?

Neben dem Fachanwaltslehrgang lohnt es sich, an den regelmäßig stattfindenden Veranstaltungs- und Vortragsreihen wie etwa den Regionalgruppentreffen des Forum Vergabe e. V., Veranstaltungen des DVNW und sonstiger Anbieter teilzunehmen. Die Veranstaltungen bieten sowohl einen fachlichen als auch einen persönlichen Austausch.

Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten für Berufseinsteiger:innen in diesem Tätigkeitsgebiet ein?

Die Zukunftsaussichten in diesem Tätigkeitsbereich erscheinen gut. Es gibt einen wesentlichen Investitionsstau der öffentlichen Auftraggeber. Auch das von der Bundesregierung aufgesetzte Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität spricht dafür, dass in den kommenden Jahren der vergaberechtliche Beratungsbedarf auf einem vergleichbaren Niveau bleiben wird. Demgegenüber gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Rechtsanwälten, die sich auf dieses Rechtsgebiet spezialisiert haben. Ob demgegenüber die politischen Bestrebungen, das Vergaberecht zu vereinfachen und zu beschleunigen, in Zukunft zu einer Reduzierung des Beratungsbedarfs führen werden, bleibt abzuwarten.

Welchen Ratschlag würden Sie Nachwuchsjurist:innen mit auf den Weg geben, die sich für eine Tätigkeit in diesem Rechtsgebiet interessieren?

Sammelt erste praktische Erfahrungen im Vergaberecht als wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in oder Praktikant/in! Die praktische Tätigkeit im Vergaberecht hält viele Aspekte bereit, die im Studium nicht beleuchtet werden.

Vielen Dank für das Interview und die Zeit, Herr Käppeler!


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