Können Sie sich kurz vorstellen und uns etwas über Ihren juristischen Werdegang erzählen?
Ich bin Equity-Partnerin bei LUTZ | ABEL und leite die Praxisgruppe Arbeitsrecht in Berlin. In meiner täglichen Arbeit berate ich Unternehmen zu allen Fragen des Arbeitsrechts, von strategischen HR-Themen bis hin zu komplexen arbeitsgerichtlichen Verfahren. Besonders spannend finde ich dabei die Schnittstelle zwischen Recht, Unternehmenskultur und moderner Arbeitswelt.
Neben meiner anwaltlichen Tätigkeit habe ich Legalistas mitgegründet, ein Netzwerk für Juristinnen. Mir ist wichtig, Frauen in der juristischen „Bubble“ sichtbarer zu machen, sie miteinander zu vernetzen und gegenseitige Unterstützung zu fördern. Gerade in unserer Branche gibt es noch viel Potenzial, wenn es um Sichtbarkeit, Karrierewege und gegenseitige Förderung geht.
Ich stehe außerdem für eine moderne und diverse Arbeitskultur und spreche darüber auch öffentlich, zum Beispiel auf LinkedIn. Das stößt nicht immer nur auf Zustimmung, aber ich glaube, dass sich unsere Arbeitswelt nur dann weiterentwickelt, wenn wir offen über Veränderungen sprechen.
Was mich persönlich antreibt, ist die Frage, wie wir Recht und Arbeitswelt so gestalten können, dass sie zu der Realität passen, in der wir heute arbeiten und leben.
Wie sind Sie auf Ihre heutige Kanzlei aufmerksam geworden und was hat Sie damals überzeugt, dort einzusteigen?
Auf meine heutige Kanzlei bin ich tatsächlich über einen ehemaligen Kollegen aufmerksam geworden. Er hat mich damals angesprochen und gefragt, ob ich mir einen Wechsel zu LUTZ | ABEL vorstellen könnte.
Was mich sofort angesprochen hat, war die sehr moderne und digitale Ausrichtung der Kanzlei. Gleichzeitig gibt es bei LUTZ | ABEL viel Raum, eigene Ideen einzubringen und neue Formate auszuprobieren, sei es in der Mandatsarbeit, in der Zusammenarbeit im Team oder auch in der Außenkommunikation. Diese Freiheit hat mich sehr gereizt.
Ich kam damals aus einer hervorragenden Arbeitsrechtsboutique, in der ich fachlich sehr viel gelernt habe. Der Wechsel in eine Full-Service-Kanzlei hat für mich aber noch einmal eine neue Perspektive eröffnet. Arbeitsrecht hat viele Schnittstellen, etwa zum Gesellschaftsrecht, Datenschutz oder zu Compliance-Themen.
Heute schätze ich sehr, dass ich diese Themen gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Rechtsgebieten bearbeiten kann. Ich bin überzeugt, dass diese interdisziplinäre Zusammenarbeit die Qualität der Beratung noch einmal deutlich verbessert.
Wie viel Zeit ist zwischen dem Einstieg in die Kanzlei und der Ernennung zum/zur Partner:in vergangen?
Ich wurde im November 2014 als Rechtsanwältin zugelassen und bin im März 2018 zu LUTZ | ABEL gewechselt. Bereits im Januar 2020 wurde ich dort zur Partnerin ernannt, der Weg zur Partnerschaft hat also etwas weniger als zwei Jahre gedauert.
Einen starren Zeitplan gab es dabei nicht. Vielmehr war es ein sehr individueller Entwicklungsweg, der stark davon geprägt war, dass ich früh Verantwortung übernehmen konnte, sowohl in der Mandatsarbeit als auch beim Aufbau von Themen und Mandantenbeziehungen.
Was mir bei LUTZ | ABEL besonders gefallen hat, war die unternehmerische Perspektive, die man relativ früh einnehmen kann. Engagement, eigene Ideen und unternehmerisches Denken werden dort sehr gefördert. In diesem Umfeld konnte ich mich schnell entwickeln und meine Praxis weiter aufbauen.
Rückblickend hat sicher auch geholfen, dass ich schon früh sehr klar wusste, wie ich mich fachlich und strategisch positionieren möchte, im Arbeitsrecht, aber auch mit Blick auf Themen wie moderne Arbeitskultur und Sichtbarkeit.
Welche beruflichen Stationen und Entwicklungsschritte haben Sie auf dem Weg zur Partnerschaft durchlaufen?
Mein Einstieg bei LUTZ | ABEL war zunächst in Hamburg. Relativ bald stand dann die Frage im Raum, einen Standort in Berlin aufzubauen, und ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, diesen Schritt mitzugehen. Diese Aufgabe hat mich sehr gereizt – weil sie nicht nur juristisch, sondern auch unternehmerisch spannend war. Den Aufbau eines neuen Standorts mitzugestalten, Verantwortung zu übernehmen und Strukturen mitzuentwickeln, war für mich ein prägender Schritt auf dem Weg zur Partnerschaft.
Ein weiterer Meilenstein, der mir persönlich sehr viel bedeutet, war die Gründung der Legalistas. Damit möchte ich Frauen in der juristischen Branche stärker vernetzen und unterstützen. Gerade in einem Umfeld, das nach wie vor stark männlich geprägt ist, halte ich es für wichtig, dass Frauen sich gegenseitig sichtbar machen und fördern.
Beide Erfahrungen – der unternehmerische Aufbau eines Standorts und das Engagement für ein Netzwerk wie Legalistas – haben meinen Weg stark geprägt. Sie haben mir gezeigt, dass Partnerschaft nicht nur fachliche Exzellenz bedeutet, sondern auch Initiative, Verantwortung und die Bereitschaft, Dinge aktiv zu gestalten.
Wie hat Ihre Kanzlei Sie auf dem Weg zur Parnterschaft unterstützt?
Ich habe bei LUTZ | ABEL sehr früh gemerkt, dass man dort mit Ideen und Eigeninitiative auf offene Ohren stößt. Egal ob es um Geschäfts- und Mandatsentwicklung oder auch um Marketing- und Sichtbarkeitsthemen ging, ich hatte immer das Gefühl, dass meine Ideen ernst genommen und unterstützt werden.
Besonders wertvoll war für mich auch der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachbereichen. Einige von ihnen waren für mich echte Mentoren, nicht unbedingt in einem formalen Programm, sondern im täglichen Miteinander. Sie haben mir Feedback gegeben, ihre Erfahrungen geteilt und waren auch dann ansprechbar, wenn es einmal kein besonders guter Tag war.
Diese Mischung aus unterstützendem Umfeld, offenem Austausch und ehrlichem Feedback hat mir sehr geholfen, mich fachlich und unternehmerisch weiterzuentwickeln. Für mich war das ein wichtiger Faktor auf dem Weg zur Partnerschaft.
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Welche fachlichen, unternehmerischen und persönlichen Fähigkeiten sind aus Ihrer Sicht entscheidend, um Partner:in zu werden?
Aus meiner Sicht braucht es eine Kombination aus fachlicher Exzellenz, unternehmerischem Denken und persönlicher Haltung.
Fachlich ist natürlich entscheidend, dass Mandantinnen und Mandanten einem vertrauen und man komplexe Themen pragmatisch lösen kann. Gerade im Arbeitsrecht geht es oft nicht nur um Paragrafen, sondern auch um strategische Beratung und ein gutes Verständnis für Unternehmen und ihre Kultur.
Genauso wichtig ist aber die unternehmerische Perspektive. Partnerschaft bedeutet auch, Verantwortung für Mandatsentwicklung, Sichtbarkeit und den Aufbau von Beziehungen zu übernehmen. Man sollte Freude daran haben, Themen zu gestalten und Chancen aktiv zu ergreifen.
Und schließlich spielen auch persönliche Fähigkeiten eine große Rolle: Durchhaltevermögen, Neugier und die Bereitschaft, Dinge auszuprobieren. Für mich gehört auch dazu, eine klare Haltung zu haben, etwa wenn es um moderne Arbeitskultur, Diversität oder neue Formen der Zusammenarbeit geht.
Am Ende geht es also nicht nur darum, eine gute Juristin oder ein guter Jurist zu sein, sondern auch darum, unternehmerisch zu denken und Verantwortung zu übernehmen.
Was sind aus Ihrer Sicht die größten Vorteile, aber auch Herausforderungen Ihrer Position als Partner:in?
Der größte Vorteil der Partnerschaft ist für mich ganz klar der Gestaltungsspielraum. Man kann Themen vorantreiben, Mandate strategisch entwickeln und auch innerhalb der Kanzlei Impulse setzen – sei es fachlich, unternehmerisch oder kulturell. Diese Möglichkeit, Dinge wirklich mitzugestalten, empfinde ich als sehr bereichernd.
Gleichzeitig bringt die Rolle natürlich auch mehr Verantwortung mit sich. Als Partnerin denkt man nicht nur an das eigene Mandat, sondern immer auch an das Team, die Entwicklung der Kanzlei und an langfristige strategische Entscheidungen. Das bedeutet auch, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und manchmal schwierige Entscheidungen zu treffen.
Und ganz offen gesagt: Als Frau – und teilweise auch als einzige Frau in bestimmten Runden – ist es nicht immer leicht. Gerade deshalb halte ich es für wichtig, sichtbar zu sein und auch über Themen wie moderne Arbeitskultur und Diversität zu sprechen.
Eine weitere Herausforderung ist sicherlich, die verschiedenen Rollen gut zu balancieren, Anwältin, Unternehmerin, Teamlead und Mentorin. Aber genau diese Vielschichtigkeit macht die Rolle für mich auch so spannend.
Wie lässt sich die Partnerschaft mit einer ausgewogenen Work-Life-Balance verbinden?
Ein großer Vorteil unseres Berufs ist aus meiner Sicht die hohe Flexibilität. In vielen Bereichen kann man sich seinen Tag relativ frei einteilen, ob man zwischendurch zum Sport geht, etwas einkaufen möchte oder sich mit jemandem auf einen Kaffee trifft. Entscheidend ist am Ende natürlich, dass die Mandatsarbeit zuverlässig erledigt wird und man die relevanten Fristen und Termine im Blick behält. Diese Freiheit schätze ich persönlich sehr.
Gleichzeitig hat sich in den letzten Jahren auch in Kanzleien viel verändert. Teilzeitmodelle werden zunehmend akzeptiert, nicht nur bei Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern, sondern auch auf höheren Karrierestufen. In unserer Kanzlei gibt es beispielsweise sowohl Associates als auch Partnerinnen und Partner, die in Teilzeit arbeiten.
Ich glaube daher, dass Partnerschaft und eine ausgewogene Balance heute deutlich besser miteinander vereinbar sind als noch vor einigen Jahren, vorausgesetzt, es gibt eine Kultur des Vertrauens und der Flexibilität.
Welchen Ratschlag würden Sie angehenden Berufseinsteiger:innen geben, die langfristig das Ziel der Partnerschaft verfolgen?
Mein wichtigster Rat wäre: Übernehmen Sie früh Verantwortung und trauen Sie sich, sichtbar zu werden. Gute juristische Arbeit ist natürlich die Grundlage, aber auf dem Weg zur Partnerschaft geht es auch darum, eigene Themen zu entwickeln, Beziehungen zu Mandantinnen und Mandanten aufzubauen und unternehmerisch zu denken.
Außerdem würde ich empfehlen, neugierig zu bleiben und Gelegenheiten aktiv zu ergreifen. Viele Chancen entstehen nicht durch einen festen Karriereplan, sondern dadurch, dass man offen für neue Aufgaben ist, bei mir war das zum Beispiel der Aufbau des Berliner Standorts.
Vielen Dank für das Interview und die Zeit, Frau Knuth!
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