Skip to main content

Wege zur Partnerschaft: Interview mit Dr. Anja Wiedemann (honert)

In diesem Interview gibt Dr. Anja Wiedemann, Salary-Partnerin bei honert, Einblicke in ihren Karriereweg und erläutert, welche fachlichen, unternehmerischen und persönlichen Fähigkeiten auf dem Weg zur Partnerschaft entscheidend sind. Außerdem spricht sie darüber, wie honert Nachwuchsjurist:innen fördert und welche Rolle Eigenverantwortung, Mentoring und eine passende Kanzleikultur für eine langfristige Entwicklung spielen.
  • Artikel teilen
Wege zur Partnerschaft: Interview mit Dr. Anja Wiedemann (honert)

Können Sie sich kurz vorstellen und uns etwas über Ihren juristischen Werdegang erzählen? 

Ich habe Jura in Freiburg und Pisa, Italien, studiert. Ich habe mich schon im Studium für Wirtschaftsrecht und insbesondere Gesellschaftsrecht interessiert und im Anschluss an die Erste Juristische Prüfung im Bereich Gesellschaftsrecht promoviert. Zum Referendariat hat es mich ins schöne Hamburg gezogen, wo ich auch ins Berufsleben gestartet bin. Zunächst war ich mehrere Jahre in einer Großkanzlei im Bereich Gesellschaftsrecht/M&A tätig. Bevor ich zu honert gewechselt bin, habe ich noch eine Station bei einem renommierten Hamburger Großnotariat absolviert, was mir einen anderen, wertvollen Blick auf gesellschaftsrechtliche Gestaltungen gegeben hat.

Wie sind Sie auf honert aufmerksam geworden und was hat Sie damals überzeugt, dort einzusteigen?

honert kannte ich schon lange aus einschlägigen Medien und die Kanzlei hat auf mich immer einen sehr positiven Eindruck gemacht. Als sich dann die konkrete Gelegenheit bot, zu honert zu wechseln, habe ich nicht lange gezögert.

Ausschlaggebend war für mich die Kombination aus hohem fachlichem Niveau, flachen Hierarchien und einer Kanzleikultur, in der Eigenverantwortung und Gestaltungsspielraum tatsächlich gelebt werden – auf allen Ebenen. Hinzu kommt, dass honert traditionell viel Wert darauf legt, Anwältinnen und Anwälte langfristig aufzubauen. Das war für mich ein wichtiges Signal. Ich wollte nicht einfach eine Stelle, sondern einen Ort, an dem ich mich beruflich entwickeln und menschlich wohlfühlen kann.


Wie viel Zeit ist zwischen Ihrem Einstieg bei honert und der Ernennung zur Salary-Partnerin vergangen?

Ich bin Ende 2022 zu honert gewechselt und wurde nach drei Jahren zur Salary-Partnerin ernannt. 

Welche beruflichen Stationen und Entwicklungsschritte haben Sie auf dem Weg zur Partnerschaft durchlaufen?

Mein Weg zur Partnerschaft hat nicht bei honert begonnen, sondern war das Ergebnis einer mehrjährigen Entwicklung: zunächst habe ich die klassische Ausbildung in einer Großkanzlei durchlaufen. Der kurze Abschied aus der Anwaltschaft, um im Notariat tätig zu sein, mag wie ein Bruch wirken, aber auch hier konnte ich wertvolle Erfahrungen sammeln und noch einmal einen anderen Blick auf Mandate und M&A-Projekte erlangen, was heute noch hilfreich ist. 

Bei honert selbst wurde mir durch meine langjährige Berufserfahrung beim Einstieg schnell die eigenverantwortliche Mandatsführung in Projekten übertragen, die immer weiter ausgeweitet wurde und wird. 

Mein Weg ist nicht der klassische bei honert – wir setzen traditionell auf die Förderung eigener Talente von Anfang an. Das bedeutet: Junge Kolleginnen und Kollegen werden gezielt aufgebaut, schrittweise an eigenverantwortliche Mandatsführung herangeführt und entwickeln sich so zu eigenständigen Anwaltspersönlichkeiten. Dafür haben wir verschiedene Entwicklungsstufen definiert, die den Anwält:innen genau zeigen, welche Fähigkeiten sie in fachlicher und persönlicher Hinsicht erlernt haben sollen, um den Weg zur Partnerschaft zu gehen. Dadurch wird unsere Erwartungshaltung deutlich und die Anwält:innen können einschätzen, wo sie stehen. Die Equity Partnerschaft kann so nach sechs Jahren bei honert erreicht werden. 

Mein Einstieg mit langjähriger Berufserfahrung war insofern eine Ausnahme – eine, die für beide Seiten gut funktioniert.

Wie hat honert Sie auf dem Weg zur Partnerschaft unterstützt?

honert ist eine Kanzlei, in der Förderung nicht als formales Programm funktioniert, sondern im täglichen Miteinander gelebt wird. Konkret heißt das: direkte Einbindung in komplexe Mandate von Beginn an, eine offene Feedbackkultur und die Bereitschaft der Partner, Verantwortung frühzeitig abzugeben. Feedback wird ad hoc während oder nach Projekten gegeben, aber auch institutionalisiert durch halbjährliche Review-Gespräche. Daneben hat jeder Associate eine/n Mentor/in aus der Partnerschaft für persönlichere Fragestellungen. Der Weg zur Partnerschaft und die individuelle Entwicklung können in beiden Formaten thematisiert werden. Ergänzend bietet honert Gruppentrainings zu Themen wie Verhandlungsführung und Akquise und bei Bedarf auch persönliches Coaching, und gibt den Freiraum, ein eigenes Netzwerk aufzubauen.

Mehr über honert erfahren:

Anwaltsboutique

honert

1 22

2 Standorte

0 Events

2 Jobs

Alle Arbeitgeber entdecken

Welche fachlichen, unternehmerischen und persönlichen Fähigkeiten sind aus Ihrer Sicht entscheidend, um Salary-Partner:in zu werden?

Juristische Exzellenz ist die Grundvoraussetzung. Was hinzukommen muss, ist ein echtes wirtschaftliches und persönliches Verständnis für die Belange der Mandanten – man muss nicht nur Recht kennen, sondern unternehmerische Entscheidungen verstehen. Dazu kommt die Fähigkeit, Vertrauen aufzubauen: bei Mandanten, aber auch innerhalb der Kanzlei. Und schließlich braucht man ein gewisses unternehmerisches Denken – die Bereitschaft, Verantwortung nicht nur für einzelne Mandate zu übernehmen, sondern auch für den eigenen Beitrag zur Kanzlei als Ganzes.

Unterschätzt werden aus meiner Sicht Pragmatismus und Priorisierungsvermögen. Gerade im Bereich M&A ist die Fähigkeit, in komplexen Situationen den Blick fürs Wesentliche zu behalten und nicht in juristischen Details zu versinken, die den Mandanten nicht weiterbringen, entscheidend. In Phasen, in denen alles gleichzeitig kommt, muss man einen kühlen Kopf behalten – und wissen, worauf es wirklich ankommt.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Vorteile, aber auch Herausforderungen Ihrer Position als Salary-Partnerin?

Der größte Vorteil ist für mich die Einbindung in die Kanzlei als Institution. Als Salary Partnerin sitze ich mit am Tisch, wenn es um Entscheidungen geht, die die Kanzlei als Ganzes betreffen – und das auf Augenhöhe mit den Equity Partnern. 

Die Herausforderung liegt in der Verantwortung, die mit dieser Position einhergeht – gegenüber Mandanten und gegenüber dem Team. Diese Verantwortung ist gewachsen, bereitet mir aber Freude.

Viele Berufseinsteiger:innen fragen sich, worin sich eine Salary- von einer Equity-Partnerschaft konkret unterscheidet. Wie würden Sie diesen Unterschied aus Ihrer eigenen Erfahrung beschreiben?

Auch als Associate hatte ich bereits Mandate eigenverantwortlich geführt und Projekte gesteuert – insoweit hat sich die Art meiner Arbeit nicht grundlegend verändert. Was sich verändert hat: Ich werde nun in alle Entscheidungen der Partnerschaft eingebunden. Meine Meinung wird gehört und fließt in Entscheidungen ein. Das ist eine andere Qualität der Zugehörigkeit zur Kanzlei.

Als Salary-Partnerin bin ich weiterhin angestellt und erhalte ein Festgehalt mit variabler Komponente.

Die Equity-Partnerschaft geht darüber hinaus: Man wird Anteilseignerin der Sozietät, trägt wirtschaftliches Risiko und partizipiert an den Gewinnen.

Wie lässt sich die Partnerschaft mit einer ausgewogenen Work-Life-Balance verbinden?

Es wäre unehrlich zu sagen, dass Rechtsanwältin ein nine-to-five-Job ist, das sollte allen bewusst sein, die sich für diesen Beruf entscheiden. Gerade im Bereich M&A gibt es Zeiten intensiver Arbeit, wenn ein Projekt in eine heiße Phase kommt, insbesondere bei internationalen Transaktionen. Allerdings ist die Verantwortung gegenüber dem Mandanten als Dienstleister nichts, das erst mit der Partnerschaft kommt – die hat man als Anwältin vom ersten Tag an, wenn man seinen Job ernst nimmt. Umso wichtiger ist es, sich nicht nur nach, sondern auch während stressiger Projekte bewusst Zeit für sich zu nehmen. Eine nachhaltige Karriere funktioniert nur, wenn man lernt, in diesen Momenten Energie zu tanken. Mir hilft dabei, klare Prioritäten zu setzen und mir Zeit für Sport, Familie und Freunde zu nehmen.

Welchen Ratschlag würden Sie angehenden Berufseinsteiger:innen geben, die langfristig das Ziel einer Partnerschaft verfolgen?

Wer die Partnerschaft anstrebt, sollte das nicht als abstraktes Fernziel behandeln, sondern frühzeitig darauf hinarbeiten. Dazu gehört, es frühzeitig in der Kanzlei, in der man arbeitet, anzusprechen. Nicht als Forderung, sondern als Orientierung: Wo stehe ich, was wird von mir erwartet, was brauche ich, um diesen Weg zu gehen? Wer das offen anspricht, bekommt in der Regel auch eine ehrliche Antwort – und kann seinen Weg gezielter gestalten.

Hier merkt man auch, wie wichtig es ist, die richtige Kanzlei zu wählen. Nicht jede Kanzlei fördert Nachwuchs wirklich – manche behaupten es nur. Man sollte früh schauen, ob die Kanzlei zu einem passt und tatsächlich PartnerInnen aufbaut oder ob das nur Theorie ist.

Vielen Dank für das Interview und die Zeit, Frau Wiedemann!


Finde jetzt die passende Kanzlei für deinen Berufseinstieg!

Highlights und Stellenangebote für dich…

Wir legen großen Wert darauf, dich in allen Phasen der juristischen Laufbahn bestmöglich zu begleiten. Daher findest du hier spezielle Empfehlungen, die sich an den unterschiedlichen Ausbildungsphasen orientieren:

Weitere Artikel

Das Stipendium von e-fellows.net und die frühe Karriereplanung

Dirk Veldhoff berichtet über seine persönlichen Erfahrungen mit dem Stipendium von e-fellows.net. Er geht dabei auf die Förderleistungen ein, beschreibt das Bewerbungsverfahren und zieht ein persönliches Fazit.

Rhetorik in der juristischen Ausbildung

Rhetorik in der juristischen Ausbildung

Dieser Beitrag erörtert die Fragen nach der Bedeutung der Rhetorik für die Juristenausbildung, welche Vorteile sich gewinnen lassen und worin genau der Nutzen des Debattieren liegt, sei es im Hinblick auf das juristische Studium oder auch ungeachtet dessen.

Stipendien: Wo, wie und warum?

Stipendien: Wo, wie und warum?

Dieser Beitrag beleuchtet, welche Möglichkeiten Stipendien bieten und worauf bei der Vergabe von Stipendien geachtet wird.