Können Sie sich kurz vorstellen und uns Ihren bisherigen Weg in den Anwaltsberuf schildern?
Seit über einem Jahr bin ich als Rechtsanwalt im IP/IT-Bereich bei Baker McKenzie tätig. Ich bin gebürtig aus Berlin und habe dort mein Studium an der Humboldt-Universität mit anschließendem Referendariat am Kammergericht Berlin absolviert. Volljurist bin ich seit Mitte 2024.
Schon während meines Studiums hatte ich den Schwerpunkt zum Immaterialgüterrecht an der Humboldt-Universität besucht. Da mir diese Materie immer sehr gefiel und der Schwerpunkt sehr facettenreich und interessant war, stand für mich ab diesem Zeitpunkt fest, dass ich künftig gerne in diesem übergeordneten Rechtsbereich arbeiten möchte.
Nach dem Ersten Staatsexamen erhielt ich über einen Kollegen eher zufällig die Möglichkeit, in der Unternehmensberatung einzusteigen und begann dort meine Karriere im Bereich Datenschutz- und IT-Sicherheit. Ab 2020 befasste ich mich dann als Berater intensiv mit der Datenschutzgrundverordnung und weiteren nationalen und europäischen Regulierungen. Hier konnte ich bereits sehr selbständig arbeiten, große nationale und internationale Projekte kennenlernen und hilfreiche Softskills rund um das Thema Managementberatung sammeln. Mitte 2021 wechselte ich zu einer spezialisierten IT Unternehmensberatung, wo ich bis zum Zweiten Staatsexamen parallel zum Referendariat in Teilzeit arbeitete. Hier konnte ich noch tiefgreifender in das IT-Projektumfeld einsteigen und große nationale sowie internationale IT-Outsourcing und Cloud-Projekte begleiten.
In beiden Unternehmen hatte ich viel gelernt und Freude an der Arbeit. Da dort vor allem operative Beratung im Fokus stand und weniger die rechtlichen Rahmenbedingungen, entschied ich nach dem Zweiten Staatsexamen: Ich wollte nun endlich als Rechtsanwalt tätig sein, um meine Skills und Inhalte aus Studium und Referendariat, gerade in Hinblick auf die klassische juristische Falllösung, in der Praxis anzuwenden.
Meine Wahl fiel auf den Anwaltsberuf statt auf das Richteramt, da ich mir Flexibilität und die Möglichkeit für einen Ortswechsel offenhalten wollte.
Was hat Sie dazu bewogen, Ihren Berufseinstieg bei Baker McKenzie zu beginnen?
Nach dem Zweiten Examen informierte ich mich gezielt über Großkanzleien, da ich diese aus meiner bisherigen Praxis noch nicht kannte.
Baker McKenzie war mir zuvor nur ein Begriff am Rande: Einer meiner liebsten Kollegen im Referendariat hatte seine Anwaltsstation bei Baker McKenzie in Berlin im Arbeitsrecht absolviert und hat immer nur Gutes aus der Kanzlei berichtet. Nachdem er dann auch seine Wahlstation mit Baker in Australien in dem dortigen Büro in Sydney absolvierte, wurden seine Erzählungen noch positiver. Ich fand es damals schon erstaunlich, wie international die Kanzlei ausgerichtet war, wie gut die einzelnen Büros vernetzt zu sein schienen und dass man auch Referendaren ermöglichte, nach einer recht kurzen Anwaltsstation schon eine Wahlstation im Ausland zu machen. Das sprach für mich für Vertrauen und Unterstützungsbereitschaft.
Mein Wunsch war es, eine Position zu finden, die IP-, IT- und Datenschutzrecht vereint. Die ausgeschriebene Stelle von Baker McKenzie passte ideal zu meinem Profil, so dass ich mich direkt beworben habe.
Das Besondere: Mein Partner bearbeitete neben dem IP-Recht auch das IT-Recht, vereinte dies insbesondere mit Unternehmenstransaktionen und durch die enge Zusammenarbeit mit den Cybersecurity-, Tech-Regulation- und Datenschutzteams war es mir hier sogar möglich, in all den Bereichen, in denen ich bereits über Erfahrungen verfügte, meine Expertise auszubauen und einzusetzen.
Die Stelle war zwar in Düsseldorf ausgeschrieben, doch dank der Flexibilität, die mir die Kanzlei und das HR Team ermöglichten, konnte ich zunächst zwischen Berlin und Düsseldorf pendeln. Nach sieben Monaten zog ich endgültig nach Düsseldorf und bereue diesen Schritt keine Sekunde. Als Großkanzlei so auf die Bedürfnisse eines Bewerbers einzugehen, erstaunt mich noch heute, das war in meinen Augen großes Kino!
Mit welchen Erwartungen sind Sie in den Berufseinstieg gestartet – und inwiefern haben sich diese bestätigt oder verändert?
Ich hatte mir erhofft, schnell und viel zu lernen, und habe ebenfalls erwartet, dass die Arbeit einen internationalen Touch hat und ich an gesellschaftlich bedeutenden Projekten mitarbeiten kann. Allerdings waren meine Erwartungen an die Arbeitsweise auch etwas konservativer. Ich stellte mir zum Beispiel die Arbeit mit vielen Papierakten vor.
Tatsächlich erlebte ich eine entspannte, offene und moderne Arbeitsatmosphäre. Wir arbeiten fast ausschließlich digital und haben auch die Möglichkeit, Remote tätig zu sein, was ich der Umwelt zuliebe und auch um der Flexibilität willen sehr schätze.
In einem Jahr habe ich enorm viel gelernt, gerade im IP- und IT-Recht und an der Schnittstelle dieser Rechtsgebiete zum Bereich der Unternehmenstransaktion und dem klassischen Corporate/M&A. Zwar war dies streckenweise sehr herausfordernd, aber immer auch bereichernd. Besonders schätze ich die Anerkennung und die Dankbarkeit, wenn man einmal die Extrameile gegangen ist. Das empfinde ich als sehr motivierend. Ich hatte eingangs nicht erwartet, dass ich so schnell stolz auf mich selbst sein würde, aber in meinen Augen werden Respekt, Menschlichkeit und Verständnis bei uns großgeschrieben. Damit habe ich rückwirkend betrachtet vielleicht etwas weniger gerechnet, da die Großkanzlei als solche von außen betrachtet in meinen Augen immer sehr elitär und streng erschien.
Die internationale Zusammenarbeit hat meine Vorstellungen übertroffen. Fast täglich kommuniziere ich mit anderen Teams, die über den Globus verteilt sind. In meiner Zeit konnte unser Team bereits unter anderem in die USA, die Schweiz und nach Spanien reisen und dort an Verhandlungen und internen Veranstaltungen teilnehmen. Dadurch fühlt man sich der Welt näher: mit anderen Kulturen zusammenzuarbeiten ist sehr bereichernd.
Wie lief Ihre fachliche Einarbeitung in den ersten Wochen und Monaten ab, und wie schnell wurden Sie dabei in laufende Mandate eingebunden?
In den ersten Tagen hat man mir die Zeit gegeben, um mich auf die internen Prozesse und die Ankunft in der Kanzlei zu fokussieren. Hier durchlief ich das klassische Onboarding-Programm. Mir wurden dann langsam die ersten Projekte erläutert und sukzessive Mandate zugeteilt, wobei ich stets Unterstützung von erfahrenen Teammitgliedern und meinem Partner erhielt. So konnte ich schnell lernen und Sicherheit gewinnen.
Schon ab der dritten Woche war ich vollständig in die Mandatsbearbeitung eingebunden. Dabei wurde auf meine Wünsche Rücksicht genommen, etwa ob ich direkt mit dem Mandanten kommunizieren möchte oder lieber im Hintergrund bleibe. So hatte ich das Gefühl, dass ich nicht zu viel Druck hatte, um in das Procedere herein zu kommen und immer die Möglichkeit hatte, offen mit allen zu kommunizieren. Ab dem zweiten Monat trat ich dann bereits stärker nach außen auf.
Mittlerweile arbeite ich sehr selbständig. Meine Teammitglieder und mein Partner sind jedoch immer für mich erreichbar sind und wir diskutieren nun nur noch gezielt Knackpunkte der einzelnen Fälle, um vor allem untereinander von Erfahrungen zu profitieren.
Welche Bedeutung hatte Mentoring für Ihren Start als Associate – auch über Ihre fachliche Einarbeitung hinaus?
Ohne Mentoring meiner erfahrenen Kolleginnen und Kollegen sowie meines Partners wäre meine Arbeit in der Kanzlei so nicht denkbar. Gerade bei komplexen Fragen ist praktische Erfahrung unerlässlich.
Zu Beginn wurden mir die wichtigsten Fallkonstellationen gezeigt, unser Knowledge-Management und Templates vorgestellt und mit mir in Mandaten sehr verzahnt zusammengearbeitet.
Anpassungen und Überarbeitungen wurden detailliert erklärt, sodass ich schnell verstand, worauf es ankommt, von der richtigen Kommunikation bis zur Darstellung rechtlicher Risiken. Der Austausch war stets offen und ich konnte jederzeit Rückfragen stellen sowie aktiv am fachlichen Dialog teilnehmen.
Ich empfehle jungen Kolleginnen und Kollegen, aktiv auf ihre Mentorinnen und Mentoren zuzugehen. Nur so kann man lernen und von Erfahrungen profitieren.
Wie unterstützt Baker McKenzie Mentor:innen dabei, Nachwuchsjurist:innen bestmöglich zu begleiten?
Wir haben hier ein sehr kompetentes und hilfsbereites HR Team in Frankfurt. Es nimmt sich immer Zeit für unsere Anliegen. Es fragt aktiv, wie unser Wohlbefinden in der Kanzlei ist, ob der Austausch gut funktioniert und ob wir ggf. Verbesserungsvorschläge haben.
Wir haben hier feste Meilensteine, zu denen wir Beurteilungsgespräche umsetzen, Ziele definieren, monitoren und kontinuierlich fortschreiben. So ist sichergestellt, dass man seine Entwicklung mit den Mentorinnen und Mentoren aktiv vorantreibt und beide Seiten dazu angehalten werden, ihre Gedanken zu der Zusammenarbeit, dem Miteinander und der Karriere zu teilen.
Ich habe mich im ersten Jahr stets wertgeschätzt gefühlt.
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Wie würden Sie die Kommunikations- und Feedbackkultur in Ihrem Team beschreiben?
Unsere Feedbackkultur im Team ist sehr gut. Feedback findet auf Augenhöhe und sehr regelmäßig statt, dabei sind alle Seiten kritikfähig.
Arbeitsergebnisse entstehen oft im Team, da verschiedene Erfahrungen und Detailkenntnisse einfließen. Fragen und Diskussionen sind ausdrücklich erwünscht, denn so erreicht man gemeinsam die besten Lösungen. Die Mentorinnen und Mentoren haben das größte Interesse daran, dass man selbständig und proaktiv Dinge anpackt und anspricht. Durch den Austausch gewinnt man gegenseitiges Vertrauen ineinander – und dieses braucht man in einem komplexen beruflichen Umfeld wie unserem nach meiner Ansicht besonders.
Durch die gute Feedbackkultur konnte ich mich in vielen Bereichen stetig weiterentwickeln. Dieser Lernprozess setzt sich fort und ich lerne jeden Tag dazu. Gleichzeitig vernehme ich das gewachsene Vertrauen meiner Kolleginnen und Kollegen, die mittlerweile stark auf mich zählen, was mich freut und motiviert.
Eine offene Feedbackkultur fördert ein gutes Miteinander: Wenn ich für ein Teammitglied einspringe, mache ich das gerne, weil wir uns gegenseitig den Erfolg wünschen und uns unterstützen.
Gerade im IP/IT-Bereich ändern sich rechtliche und technische Anforderungen ständig. Wie sind Sie mit dem damit verbundenen Lern- und Leistungsdruck umgegangen?
Sie sprechen einen wichtigen Punkt an. Die ständige Veränderung von Gesetzen und Technologien im IP/IT-Bereich erfordert kontinuierliche Weiterbildung und Innovation.
Dies ist neben der Mandatsarbeit sehr zeitintensiv.
Gerade in solchen Phasen sind unsere wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie unsere Referendarinnen und Referendare eine enorme Unterstützung. Sie ermöglichen es uns, komplexe Themen in unserem Kanzleialltag präzise aufzuarbeiten. Gleichzeitig entwickeln sie selbst eine große Expertise und wir können sie sehr gut in unsere Mandate einbinden. In unseren Teams sind wir daher sehr spezialisiert. Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin ist extrem versiert im Markenrecht und allen damit verbundenen Rechtsstreitigkeiten, ein anderer hat wiederum eine mehrjährige Praxiserfahrung im Bereich Unternehmenstransaktionen und IP-Portfolios.
Die Arbeit in unserem Team macht viel Spaß, denn hier kann auch ich Wissen an Dritte vermitteln, wir können juristische Diskussionen über innovative Themen führen und unsere Zeit am effektivsten nutzen. So gelingt es uns, trotz hoher Anforderungen eine gute Work-Life-Balance zu erreichen.
Wie haben sich Ihre Aufgaben und Verantwortlichkeiten seit Ihrem Einstieg bei Baker McKenzie entwickelt?
Ich habe eine steile Entwicklungs- und Lernkurve erlebt. Anfangs habe ich vor allem Know-how aufgebaut, mit der Zeit zunehmend Mandate und Kommunikation selbst übernommen. Das war ein Prozess, der Schritt für Schritt erfolgte.
Ein Wendepunkt war eine komplexe Carve-Out Transaktion etwa vier Monate nach meinem Einstieg, bei der ich sehr stark in das Closing der Transaktion eingebunden war und hier zwei große Workstreams exklusiv mit meinem Partner betreut habe. Ich konnte das erste Mal auch Verhandlungen mit Großkanzleien auf der anderen Seite führen. Ab diesem Zeitpunkt wurde ich auch stärker in das Mandatsmanagement eingebunden. Ich denke, auch hier kommt es darauf an, bewusst Verantwortung zu delegieren, wahrzunehmen, dass dies gut funktioniert und dann darauf zu vertrauen, dass sich diese positive Entwicklung fortsetzt.
Seitdem gehört eigenständige Mandantenkommunikation zu meinem Alltag. Ich halte regelmäßig Vorträge, unterstütze diverse Initiativen in der Kanzlei und freue mich, Verantwortung übernehmen zu können – wie auch hier für dieses Interview. Es ist mir eine ausgesprochene Freude, meine Eindrücke und Gedanken mit Ihnen und Ihren Leserinnen und Lesern zu teilen.
Was ich an dieser Stelle noch erwähnen möchte: Ich empfand es als sehr besonders, dass ich schon ab meinem dritten Monat aktiv an Bewerbungsgesprächen für Bewerberinnen und Bewerber für unsere IP/IT Teams teilnehmen konnte. Das zeigte mir, dass meine Meinung und meine Gedanken zählen und ich so von Beginn an mitgestalten konnte.
Welchen Ratschlag würden Sie Ihrem „Ich“ kurz vor dem Berufseinstieg heute mitgeben?
Ich würde meinem früheren „Ich“ raten, mutiger zu sein, sich selbst noch besser zu informieren und sich nicht von Geschichten Dritter beeinflussen zu lassen.
Ich finde die Arbeit in der Großkanzlei wirklich spitze. Es war seit dem ersten Semester immer mein Wunsch, einmal in einer solchen Kanzlei zu arbeiten. Allerdings fühlte ich mich lange Jahre nicht dazu „bereit“, ich dachte immer, dass ich nicht in dieses Umfeld hineinpassen würde und die Kanzleien zu elitär seien. Anfangs lag das daran, dass ich aus einem Nichtakademiker-Haushalt stamme und daher schon Hemmungen hatte, ob dies überhaupt der richtige Ort für mich sei. Im Anschluss lag es dann daran, dass ich dachte, Großkanzleien hätten ohnehin kein Interesse an einem Notendurchschnitt, der nicht klar über neun Punkten liegt.
Meine anfänglichen Zweifel waren unbegründet. Wenn ich früher den Mut gehabt hätte, mich in einer Großkanzlei zu bewerben, hätte ich mir eventuell schon deutlich früher ein berufliches Netzwerk in dem Kanzleiumfeld aufbauen können, hätte wohl noch weitaus größere relevante Erfahrungen.
Daher empfehle ich allen jüngeren Juristinnen und Juristen auf jedem Karriereevent, das ich besuche: Seid mutig und folgt eurem Herzen. Vertraut auf euch selbst und verkauft euch nicht unter Wert. Und zu guter Letzt: Habt keine Angst vor Ablehnung oder einer Absage. Irgendwann wird es funktionieren und ihr findet eine Kanzlei, die zu euch passt, euch ermutigt und euch Freude in eurem Alltag schenkt.
Herzlichen Dank!
Vielen Dank für das Interview und die Zeit, Herr Filoda!
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Wir legen großen Wert darauf, dich in allen Phasen der juristischen Laufbahn bestmöglich zu begleiten. Daher findest du hier spezielle Empfehlungen, die sich an den unterschiedlichen Ausbildungsphasen orientieren: