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Das Referendariat: Interview mit Dr. Nadja Scholtyssek (HEUKING)

In diesem Interview gibt Dr. Nadja Scholtyssek, Associate im Familien- und Erbrecht bei Heuking, Einblicke in ihren Weg durch das Referendariat. Sie zeigt, wie wichtig praktische Erfahrungen, Mentoring und Eigeninitiative für eine erfolgreiche juristische Ausbildung sind.

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Das Referendariat: Interview mit Dr. Nadja Scholtyssek (HEUKING)

Können Sie sich zunächst kurz vorstellen und uns etwas über Ihren
juristischen Werdegang erzählen?

Ich bin ein klassisches „Heuking-Eigengewächs“: Begonnen habe ich parallel zu meinem Studium als studentische Hilfskraft während meiner Promotion habe ich hier als Wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet und es war für mich mit der Zeit klar, dass mein Berufseinstieg ebenfalls hier erfolgen soll. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass das Familienrecht – in welchem ich neben dem Erbrecht tätig bin – in kaum einer anderen Großkanzlei auf diesem Niveau angeboten wird. Inzwischen bin ich Associate im dritten Jahr und am Berliner Standort für das Mentoring der Wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen und Referendar/innen zuständig. In meiner Freizeit findet Ihr mich entweder beim Sport oder beim Essen – ein Zirkeltraining, dass mich ordentlich zum Schwitzen bringt, oder gemütliche Abende mit Freunden und gutem Essen sind für mich der ideale Ausgleich zum Arbeitsalltag.

An welchem Gericht haben Sie Ihr Referendariat absolviert und was war ausschlaggebend für Ihre Wahl?

Nach meinem Studium in Münster und meiner Promotion in Düsseldorf wollte ich nochmal in
eine „richtige“ Großstadt – mein Traum war daher immer das Referendariat in Berlin. Da ich offenbar nicht die Einzige mit diesem Traum war, musste ich mit einigen Monaten Wartezeit rechnen – das war aufgrund meiner Promotionspläne aber nicht weiter schlimm. Durch meine promotionsbegleitende Tätigkeit bei Heuking sammelte ich zudem sehr wertvolle Praxiserfahrung, insbesondere im Verfassen von außergerichtlichen Schreiben und gerichtlichen Schriftsätzen, die mir im Referendariat später erheblich zugutekommen sollten. Auch wenn ich das Referendariat am Kammergericht in Berlin nicht aus taktischen Gründen ausgewählt habe, kann ich es rückblickend sehr empfehlen – ich fand die AGs und die zur Verfügung gestellten Ausbildungsmaterialien jedenfalls während der Gerichtsstationen sehr gut, ebenfalls den Klausurenkurs des Kammergerichts und es schadet sicher auch nicht, dass man am LJPA Berlin/Brandenburg eine der sieben Pflichtklausuren fachspezifisch wählen kann.

Wie haben Sie sich auf das Referendariat – fachlich sowie organisatorisch – vorbereitet?

Vor Beginn des Referendariats hatte ich Sorge, dass mein erstes Staatsexamen aufgrund meiner knapp dreijährigen Promotionszeit schon „zu lange her“ sein könnte – hier kann ich nur allen (künftigen) Referendar/innen Mut machen: Diese Sorge hat sich als unbegründet erwiesen! Die Erinnerung an das benötigte materielle Recht kommt während des Referendariats schnell genug wieder und die Klausuren legen aufgrund der verfügbaren Kommentare einen ganz anderen Schwerpunkt als das noch im ersten Staatsexamen der Fall war – die „Pause“ zwischen beiden Examina spielt meines Erachtens daher rückblickend keine Rolle, sondern – im Gegenteil – die zwischenzeitlich erworbene Arbeitserfahrung hat mir die Praxisanforderungen im zweiten Staatsexamen erheblich erleichtert.

Bei welchen Arbeitgebern haben Sie Ihre Stationen absolviert und nach welchen Kriterien haben Sie die Ausbildungsstätten ausgewählt?

Meine Stationen habe ich hauptsächlich nach dem ausgewählt, was ich spannend fand – z.B. organisierte Kriminalität in der Station bei der Staatsanwaltschaft, Cannabisreform im Bundesministerium in der Verwaltungsstation. Die Anwaltsstation habe ich wiederum bei Heuking absolviert. Ich habe lange mit mir gehadert, ob das „langweilig“ sei, da ich schon einige Erfahrung in der Kanzlei gesammelt hatte. Ich habe mich dann aber dennoch dafür entschieden, da ich wusste, „was ich habe“: Enormen Praxisbezug und eine optimale Vorbereitung. Ich hatte während der gesamten Station ausreichend Zeit zum Lernen und konnte intensiv meinen Schreibstil fürs Examen ausbauen und verbessern.

Wie hilfreich waren die stationsbegleitenden Arbeitsgemeinschaften für Ihre Examensvorbereitung?

Für mich leider durchwachsen. Die von den Richtern geleiteten AGs waren am KG Berlin sehr gut. Ihr Unterricht und die dazugehörigen Unterlagen waren so gut, dass ich mit denen auch in der „heißen Phase“ vor den Examensklausuren sehr gut lernen konnte. Weniger Glück hatten wir mit den AGs in der Anwaltsstation. Ich hatte hierteilweise das Gefühl, dass die Anwälte mit uns ihre eigenen Fälle aus ihrem Arbeitsalltag lösen wollten – mit Examensrelevanz hatte das leider wenig zu tun. Glücklicherweise konnte ich aus meiner Tätigkeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Heuking bereits viel an Erfahrung aus dem anwaltlichen Berufsalltag mitbringen.

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Wie haben Sie die Balance zwischen Stationsarbeit, Lernen und Freizeit organisiert?

Ich habe mich während der Gerichtsstationen zunächst auf die neuen Grundlagen konzentriert und mich ordentlich in den Aufbau und Schreibstil von Urteilen und Anklagen „reingefuchst“. Das hat mir während der Lernphase vor den Examensklausuren enorm geholfen, da ich mich auf die Wiederholung des materiellen Rechts konzentrieren und viele Probeklausuren schreiben konnte.

Wie sah Ihre konkrete fachliche Vorbereitung auf das 2. Examen aus?

Zur Wiederholung des materiellen Rechts aber auch des neuen „Ref-Wissens“ habe ich die allseits bekannten Kaiserseminare besucht – glücklicherweise wurden diese teilweise auch Inhouse bei Heuking angeboten. Daneben habe ich noch den – sehr guten – Klausurenkurs des Kammergerichts Berlin besucht. Ich habe insgesamt versucht, möglichst viele Klausuren zu schreiben. Gerade im zweiten Staatsexamen fand ich diese Routine ziemlich hilfreich, um mir die richtige Zeiteinteilung anzutrainieren.

Haben Sie während des Referendariats eine stationsbegleitende Nebentätigkeit ausgeübt?

Ich habe während der ersten zwei Stationen – Gerichtsstation und Staatsanwaltschaft – weiterhin einen Tag wöchentlich bei Heuking als Wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet. Auch wenn der Output mit einem Tag pro Woche sicher nicht sehr hoch war, war ich sehr froh, dass mir die Kanzlei diesen Nebenjob so lang wie gewünscht ermöglicht hat, sodass ich mir auf diese Weise mein „Ref-Gehalt“ aufbessern konnte. Ab der Verwaltungsstation war dies zeitlich aufgrund der Pflichtarbeitstage im Bundesministerium nicht mehr möglich.

Warum haben Sie sich nach dem Referendariat für Ihren jetzigen Arbeitgeber entschieden?

Heuking ermöglicht es mir – auch bereits als Associate – juristisch anspruchsvolle Mandate (und Mandanten) zu bearbeiten und ich bin seit meinem Einstieg als Associate – anders als bei manchen anderen Großkanzleien – nicht nur das „kleine Rädchen“ im Hintergrund, welches lediglich einen Teil der Zuarbeit zu großen Verfahren liefert. Stattdessen durfte ich schnell direkt mit Mandanten kommunizieren und erlebe jeden Schritt in der Beratung „live“ mit. Außerdem gibt es bei Heuking viel Spielraum in der Gestaltung des Arbeitsumfelds, z.B. „Face time“, Teilzeit – viel davon ist Verhandlungssache. Das ist manch einem vielleicht zu anstrengend, aber es besteht grundsätzlich die Möglichkeit ein individuell abgestimmtes Arbeitsumfeld zu erschaffen. Das weiß ich sehr zu schätzen!

Welche drei Tipps würden Sie (angehenden) Referendar:innen mit auf den Weg geben?

  1. Habt keine Eile mit dem Referendariat! Nutzt die Zeit zwischen den beiden Staatsexamen, um erste Arbeitsluft „aus der 2. Reihe“ z.B. in Form einer wissenschaftlichen Mitarbeit zu schnuppern oder um vielleicht durch einen LL.M. über den Tellerrand hinauszuschauen. Wichtig ist am Ende nicht allein ein ggf. dadurch erworbener Titel – wichtig ist die durch diese Zeit gewonnene Lebenserfahrung, damit ihr bestenfalls zu Berufsstart schon mehr wisst, was ihr eigentlich vom Leben und auch vom Job wollt.
  2. Tauscht Euch im Freundeskreis ehrlich über Erfahrungen aus! Sei es über die Auswahl der Ref-Stationen, über die jeweiligen Lerntechniken oder auch später über den Jobeinstieg. (Ehrliche) Erfahrungsberichte aus erster Hand sind Gold wert und können einem die eigene Entscheidung erleichtern oder zum Teil auch neue Optionen eröffnen, die einem selbst nie eingefallen wären.
  3. Traut Euch! Und zwar in jeglicher Hinsicht – traut Euch, ins kalte Wasser zu springen und Aufgaben zu übernehmen, die ihr bisher noch nie gemacht habt; traut Euch, andere Rechtsgebiete auszuprobieren, von denen ihr bisher vielleicht noch keine richtige Vorstellung habt; traut Euch aber auch, Dinge einzufordern, wenn ihr Euch etwas anders vorstellt als Euer (künftiger) Chef. Eure Karriere liegt in Eurer eigenen Hand.

Vielen Dank für das Interview und die Zeit, Frau Dr. Scholtyssek!


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