Überblick über die Verwaltungsstation

Ein allgemeiner Überblick über die Verwaltungsstation und ihre Möglichkeiten.

Vielen Erfahrungsberichten entnimmt man nur mäßige Begeisterung für die Verwaltungsstation. Sie scheint mehr ein notwendiges Übel auf dem Weg zum zweiten Staatsexamen zu sein als eine spannende Bereicherung. Da das Verwaltungsrecht für viele bereits im Studium ein unbeliebtes Fach war, wird auch die Verwaltungsstation oft mit Langeweile in Verbindung gebracht. Dies kann sich jedoch schnell als falsch herausstellen – vorausgesetzt, man bewirbt sich rechtzeitig an der richtigen Stelle.

Viele offene Türen in der Verwaltungsstation

Ziel der Verwaltungsstation ist es, den Referendaren die Arbeitsweisen einer Verwaltungsbehörde bekannt und ihren Aufbau verständlich zu machen. Die Aufgaben, die sie selbst dabei zu bewältigen haben, variieren zwar von Behörde zu Behörde. Grundsätzlich liegt jedoch der Fokus auf dem Anfertigen von Gutachten und Stellungnahmen zu verschiedenen rechtlichen Aspekten. Die Referendare übernehmen außerdem typische Aufgaben in der Verwaltungspraxis. Insbesondere die Bearbeitung von Widerspruchsbescheiden und das Ausfertigen von Erstbescheiden ist dabei regelmäßig ihr Aufgabengebiet.

Die Verwaltungsstation wird nicht automatisch vergeben, man muss sich also selbständig bewerben. In erster Linie soll die Ausbildung während dieser Zeit bei Kommunalbehörden des jeweiligen Bundeslandes abgeleistet werden.

Für die Ausbildung in der Verwaltungsstation kommen auch alle sonstigen Behörden in Betracht, wenn sie die vielseitige Verwaltungspraxis und die unmittelbare Arbeit der Verwaltung für die Bürger vermitteln können, z. B. Finanzämter, Arbeitsämter, Gewerbeaufsichtsämter, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Ministerien oder die Polizei.

Ins Rechtsamt für examensrelevanten Stoff

Wer insbesondere examensrelevante Themen bearbeiten möchte, ist in einem Rechtsamt gut aufgehoben. Hier werden in erster Linie Widerspruchsbescheide bearbeitet. Fälle mit Verbindung zum Kommunal-, Polizei- und Baurecht mit hoher Examensrelevanz sind hier der Alltag.

Der Beruf als Volljurist beim Rechtsamt bringt einige Vorteile mit sich. Als Beamter erfolgt die Bezahlung nach dem TVöD. Zumindest bei größeren Städten hat jeder Volljurist einen bestimmten Aufgabenbereich. Die Aufstiegschancen dürften wohl eher gering sein, aber dafür kann man hier mit einer sehr guten Work-Life-Balance rechnen. Die Voraussetzungen sind meist 2 befriedigende Examina.

Die Verwaltungsstation bei der Polizei

Wer eine besonders spannende und abwechslungsreiche Verwaltungsstation erleben möchte, der sollte seine Bewerbung an eine Polizeidirektion senden. Hier ist meistens weitaus mehr Arbeit zu vergeben, als Mitarbeiter da sind, die sie erledigen könnten.

So kommt hier sowohl klassische Büroarbeit vor, bei der arbeitsrechtliche Fragen geklärt werden, verwaltungsinterne Prozesse überwacht und Bescheide ausgefüllt werden müssen. Es sind aber auch actionreichere Aufgaben üblich. Eine Woche im Streifenwagen gehört in der Regel dazu. Gleiches gilt für Hausdurchsuchungen, Zeugenbefragungen oder die Bewertung von Spuren. Gerade die Verwendung von Beweisen oder Zeugenaussagen erinnert an den Lernstoff aus dem Studium.

Um später einen Beruf bei der Polizei ausüben zu können, bedarf es neben zwei mindestens „befriedigenden“ Staatsexamina, eines bestandenen anspruchsvollen Sporttests. Außerdem muss ein Assessment-Centers erfolgreich absolviert werden, bei dem sowohl psychische als auch kommunikative Fähigkeiten erforderlich sind.

Liegen diese Voraussetzungen vor, stehen einem viele Möglichkeiten im sogenannten höheren Verwaltungsdienst offen. Einerseits gibt es typische Verwaltungsaufgaben, wie zum Beispiel die des internen Sachbearbeiters oder die rechtliche Aufarbeitung von Disziplinarverfahren, Datenschutz-Angelegenheiten oder arbeitsrechtlichen Fragen.

Andererseits gibt es auch die Möglichkeit in die Leitung der Polizei einzusteigen und als Teamleiter zu agieren. So koordiniert man beispielsweise Großeinsätze oder den allgemeinen Einsatz von Streifenwagen. Hierfür bedarf es aber einer speziellen Ausbildung nach dem Studienabschluss an einer Polizeihochschule.

Grundsätzlich ist die Karriereleiter für Volljuristen bei der Polizei nach oben hin offen. Gerade die höchsten Ämter und Jobs, wie beispielsweise das des Polizeichefs, werden häufig gar nicht mit Polizisten besetzt. Meist sind dies politische Jobs, zu deren Anforderungsprofil ein Jurist optimal passen würde.

Auslandserfahrungen im Referendariat sammeln

In einigen Bundesländern ist es darüber hinaus auch erlaubt, die Verwaltungsstation im Ausland zu absolvieren. Hier bietet sich das Auswärtige Amt oder die Europäische Union an. Bewerber hierfür müssen aber besonders auf die Bewerbungsfristen achten, da hier ein Vorlauf von mindestens sieben Monaten ansteht.

Die Referendare sollen im Auswärtigen Amt möglichst umfassend mit Tätigkeiten und Problemstellungen aus verschiedenen Bereichen befasst werden. Die Einsatzfelder sind dabei breit gefächert. Neben dem Rechts- und Konsularwesen werden Referendare im Bereich Wirtschaft, Politik, Presse, Kultur oder Protokoll eingesetzt.

Da die Arbeitsauslastung im Auswärtigen Amt sehr unregelmäßig sein kann, kann es vorkommen, dass einem Referendar gelegentlich nur wenige Aufgaben zugeteilt werden. Die Mitarbeiter haben dann weniger Zeit, sich eines Referendars anzunehmen. Trotzdem erhält man die Möglichkeit, zu vielen Terminen und Besuchen mitzugehen.

Hinzu kommt, dass man wichtige Auslandserfahrung sammelt. Sie ist nicht nur für die eigene persönliche Entwicklung essentiell, sondern auch für die juristische, da man komplett neue Denkweisen kennenlernt. Man sollte sich jedoch früh genug mit den Kosten für die Lebenserhaltung auseinandersetzen, da diese im Ausland oft höher sind und es Zuschüsse in der Regel nicht gibt.

Man muss sich außerdem im Klaren sein, dass eine Referendariatsstelle im Ausland regelmäßig mit weniger Zeit zum Lernen einhergeht. Man hat eine Vollzeitstelle in einem fremden Land. Das bedeutet, dass tagsüber gearbeitet und abends meist die Stadt bzw. das Land erkundet wird.

Die einzelnen Bundesländer regeln außerdem unterschiedlich, inwiefern ein Auslandsaufenthalt während der Verwaltungsstation möglich ist. Unproblematisch geht dies in Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und NRW. In Baden-Württemberg ist es den Referendaren gestattet, während der Verwaltungsstation einer Behörde im Ausland zugeteilt zu werden, allerdings nur bei der EU oder im Europarat.

Nach den Regelungen in Hessen und Rheinland-Pfalz besteht die Möglichkeit eines Auslandsaufenthaltes während der Verwaltungsstation für maximal zwei Monate. Schleswig-Holstein lässt die Zuteilung zu einer ausländischen Behörde zu, wenn dafür die Wahlstation in Deutschland abgeleistet wird.

In den übrigen Bundesländern ist eine Tätigkeit im Ausland nur während der Rechtsanwalts- oder Wahlstation möglich.

Ergänzungsstudium in Speyer

Rechtsreferendare haben daneben auch die Möglichkeit, ein verwaltungswissenschaftliches Ergänzungsstudium an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer zu belegen. Dieses wird auf die jeweilige Station (Verwaltungs-, Anwalts- oder Wahlstation) angerechnet.

Im dreimonatigen Ergänzungsstudium soll sich der Referendar insbesondere mit den Verwaltungswissenschaften befassen. Das Studium soll dazu beitragen, sich für eine spätere Führungstätigkeit in der öffentlichen Verwaltung, in Politik, Verbänden, Wirtschaftsunternehmen u. ä. zu qualifizieren.

Es gibt dabei drei verschiedene Bereiche von Lehrveranstaltungen. Zum einen gibt es Einführungsveranstaltungen und Vertiefungen im Bereich der Staats- und Verwaltungswissenschaft. Außerdem werden Studienschwerpunkte (zur Zeit sieben verschiedene), nämlich (1) Öffentliche Aufgaben, Organisation und Verfahren, (2) Öffentliches Management, (3)Europa und Internationales, (4) Staat und Wirtschaft, (5) Ausgewählte Bereiche, z. B. Arbeit und Soziales, Justiz und Inneres, Technik, Umwelt und Energie, (6) Rechtsberatung und Rechtsgestaltung sowie (7)Wissenschaftsmanagement angeboten. Schließlich finden sich Studienergänzungen, nämlich Landesspezifische Übungen sowie Veranstaltungen zu Schlüsselqualifikationen wie z. B. Rhetorik, Fremdsprachen, EDV-Kurse sowie Kurse zu Konferenz- und Verhandlungstechnik.

Das Speyer-Semester umfasst einen Zeitraum von 3 Monaten. Semesterzeiten sind im Sommersemester vom 01. Mai bis 31. Juli und im Wintersemester vom 01. November bis zum 31. Januar. Aufgrund dieser festen Semesterzeiten und den verschiedenen Einstellungsterminen der Referendare in den einzelnen Bundesländern ist es in einigen Ländern zwar möglich, aber eher schwierig, einen Studienaufenthalt in Speyer zu organisieren.

Referendare, die eine der Stationen in Speyer absolvieren möchten, können sich nicht direkt bei der Uni Speyer bewerben, sondern müssen einen entsprechenden Antrag auf Zuweisung zu der Universität bei der jeweils zuständigen Ausbildungsbehörde stellen. In fast allen Bundesländern ist eine Entsendung zur Universität in Speyer während der Verwaltungsstation möglich. Einzig in Brandenburg und Hamburg können die Referendare nur während der Rechtsanwalts- oder Wahlstation nach Speyer.

Fazit:

Bei der Fülle an potentiellen Ausbildern sollte möglichst eine Kombination aus eigener Präferenz und examensrelevantem Arbeiten gefunden werden. In den öffentlich-rechtlichen Klausuren des zweiten Staatsexamens liegen die Schwerpunkte regelmäßig beim Urteil, dem Widerspruchsverfahren und dem anwaltlichen Mandantenschreiben. In der Einzelausbildung der Verwaltungsstation lassen sich also gut das verwaltungsrechtliche Urteil sowie das Widerspruchsverfahren praktisch erlernen.

Wer sich überlegt, als Jurist sein Referendariat im Ausland zu absolvieren, sollte dies auf jeden Fall tun. Eine solche Möglichkeit, für kurze Zeit ins Ausland zu kommen, bekommt man oftmals nicht wieder. Es könnte außerdem sinnvoll und vorteilhaft sein, die Verwaltungsstation anstatt der Wahlstation für diese Zeit zu nutzen. In aller Regel steht dann noch nicht das Examen kurz bevor. Bei der Wahlstation findet zumindest die Mündliche Prüfung kurz danach statt.

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