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Das LL.M.-Studium in den USA

Viele träumen von einem LL.M.-Studium in den USA. Das Aufbaustudium hilft allen Personen, die eine internationale Tätigkeit anstreben und einen Blick über den "deutschen juristischen Tellerrand" werfen möchten. Doch bei einem LL.M.-Studium in den USA sind viele Besonderheiten zu beachten.
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Das LL.M.-Studium in den USA

A. Der englischsprachige LL.M.

Viele Absolventen des ersten oder sogar des zweiten Staatsexamens sind an einem LL.M. interessiert. Die Abkürzung LL.M. steht für das lateinische Wort „Legum Magister“ und die englische Form „Master of Laws“. Das LL.M.-Studium ermöglicht die Auseinandersetzung mit einer neuen Rechtsordnung und ist auch als Zusatzqualifikation sehr hoch auf dem juristischen Arbeitsmarkt angesehen. Für Personen, welche einen internationale Tätigkeit anstreben, kann ein LL.M.-Abschluss im jeweiligen Rechtsgebiet sehr hilfreich sein. Das Aufbaustudium führt zum Erwerb des juristischen Fachjargons der englischen Sprache und erleichtert das spätere Berufsleben erheblich. Denn durch die Globalisierung hat in vielen Rechtsgebieten die Arbeit im internationalen Bereich erheblich an Bedeutung gewonnen. Die Beherrschung der englischen Sprache – vor allem der englischen Rechtsbegriffe – ist dabei unerlässlich. Englischsprachige Standorte wie die USA, Kanada und England sind dadurch sehr beliebt.

B. LL.M.-Studium in den USA

I. Allgemeine Bewerbungsvoraussetzungen

Für die Bewerbung an US-amerikanischen Universitäten ist der Abschluss des ersten Staatsexamens unerlässlich. Die Eliteuniversitäten wie beispielsweise Yale, Stanford und Harvard erfordern für die Zulassung auch sehr gute Noten. Doch nicht nur die Examensnote ist entscheidend. Auch außercurriculare Aktivitäten und ehrenamtliches Engagement werden bei der Bewerbung positiv berücksichtigt. Dazu zählen beispielsweise die Teilnahme an einem Moot Court und auch die Mitgliedschaft in einer Law Clinic. Auch vorherige Auslandsaufenthalte oder Veröffentlichungen im juristischen Bereich werden positiv berücksichtigt. Viele Law Schools erfordern zusätzlich noch mehrere Empfehlungsschreiben. Es gibt dabei auch Universitäten, welche vor allem mindestens ein Empfehlungsschreiben von einem Professor verlangen. Es ist daher wichtig, sich frühzeitig um seine Bewerbungsunterlagen zu kümmern. Man kann dann beispielsweise Professoren, bei denen man sich in der Vorlesung mündlich viel beteiligt hat oder eine mündliche Prüfung absolviert hat, nach einem Empfehlungsschreiben fragen. Zwingende Voraussetzung ist zudem noch ein Sprachnachweis. Die meisten Universitäten verlangen eine bestimmte Punktzahl im TOEFL-Tests oder eines IELTS-Test. Die Kosten belaufen sich dabei auf ca. 200 Euro. Zwar ist die Bewerbung allein schon gebührenpflichtig , dennoch sollte man sich für so viele Universitäten wie möglich bewerben, um seine Chance für eine Zulassung zu erhöhen.Manche Universitäten setzen für die Zulassung noch Berufserfahrung voraus.

II. Ablauf des LL.M.-Studiums

Das LL.M.-Studium in den USA ist ein Vollzeitstudium und wird in der Regel in zwei Semestern abgeschlossen. Die meisten LL.M.-Programme beginnen im Herbst, wobei manche Universitäten auch einen Start im Frühling anbieten. Es wird für den LL.M. -Abschluss in der Regel die Belegung von bestimmten Kursen und einer bestimmten Kursanzahl erfordert. Während des Semesters werden dann Vorlesungen (lectures) und Seminare (seminars) besucht. In Amerika werden die Kurse nicht als Frontalunterricht, sondern nach der sokratischen Methode abgehalten. Es wird eine aktive Mitarbeit erwartet und oftmals wird man als Student auch ohne aufgezeigt zu haben durch den Professor aufgerufen, mitzuarbeiten. Zudem muss man während des Semesters immer wieder kleinere schriftliche Aufsätze anfertigen und einreichen, so genannte „papers“. Die Prüfungen können als so genannte „in-class exams“ abgehalten werden oder als Take Home Exam. Diese sind meistens wie auch in Deutschland am Ende des jeweiligen Semesters. Manche Law Schools haben aber auch so genannte „ midterm exams“, welche während des Semesters gestellt werden. An manchen Universitäten ist als Abschlussarbeit eine Thesis zu erfassen..

III. LL.M.- Studium nach dem ersten oder zweiten Examen

Viele fragen sich, wann die optimale Zeit für ein LL.M.-Studium ist. Ein Master of Law kann entweder nach dem ersten oder zweiten Examen begonnen werden. Die Absolvierung des LL.M. nach dem ersten Examen hat als Vorteil, dass man bei Bewerbungen für Stationen im Referendariat aufgrund des LL.M.-Abschlusses positiv berücksichtigt wird. Man kann auch die teilweise lange Wartezeit zwischen erstem Examen und Referendariat überbrücken. Der LL.M.-Abschluss kann auch als Abwechslung zum gewohnten Terrain dienen. Den Master of Laws nach dem zweiten Staatsexamen zu beginnen, hat ebenfalls Vorteile. Man kann mit den im Rahmen des ersten Examens erworbenen Kenntnissen direkt in die Vorbereitung fürs zweite Staatsexamen starten. Es besteht also kein Risiko, dass Erlernte zu vergessen und noch einmal mühselig aufarbeiten zu müssen. Zudem kann man den LL.M. auch als Teilzeitstudium berufsbegleitend absolvieren. Es besteht auch die Möglichkeit, an den LL.M.-Programmen in Form eines Fernstudiums teilzunehmen. Dies würde allerdings dazu führen, dass man keine Auslandserfahrung hat, sondern lediglich das englische Fachjargon erlernt. Die Absolvierung des LL.M. nach dem zweiten Staatsexamen hat zudem den Vorteil, dass man mehr Zeit hat das Geld für den Auslandsaufenthalt zu sparen. Denn gerade ein Master of Laws in den USA ist sehr kostspielig . Die Studienkosten allein belaufen sich schon auf ca. 60.000 Euro.

IV. Finanzierung eines LL.M.-Studiums in den USA

Der Master of Laws ist meistens sehr kostenintensiv. Allein die Studienkosten belaufen sich häufig auf mehrere tausend Euro und bei einem Auslandsaufenthalt kommen noch neben den Lebenshaltungskosten auch Sprachtestkosten, ggf. Visa und Flüge hinzu. Es gibt dabei mehrere Möglichkeiten, den LL.M. zu finanzieren. Einerseits könnte man zunächst selbst Geld ansparen und den LL.M. versuchen, vollständig aus eigenen Mitteln zu bezahlen. Dies erscheint aber vor allem im Hinblick auf ein Masterabschluss in den USA als schwierig. Es gibt jedoch viele Stipendien, die einen finanziell sehr unterstützen können. Auch wenn die Erlangung eines Vollstipendiums selbst bei sehr guten Noten seltener sein dürfte, stellt bereits ein Teilstipendium eine sehr gute Option dar. Sehr bekannte Stipendienangebote hat vor allem der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD). Eine weitere Möglichkeit könnte die Finanzierung durch ein Darlehen sein. Die Aufnahme eines Bildungskredits sowie eines Bankkredits sind zusätzliche Alternativen.

V. LL.M.-Programme

1. Yale University in Connecticut

Die Law School der Yale University zählt zu einer der bekanntesten und besten in den USA. Es gibt zahlreiche berühmte Absolventen der Law school wie beispielsweise die ehemaligen Präsidenten Bill Clinton und Gerald Ford. Die Yale University ist einer der selektivsten Law Schools der USA. In den jeweiligen LL.M.-Kursen ist die Teilnehmerzahl sehr begrenzt. Yale nimmt jedes Jahr nur ca. 25 bis 30 Studierenden für das jeweilige Programm auf. Es werden zwei Empfehlungsschreiben verlangt. Zudem werden Lehrtätigkeiten positiv berücksichtigt. Die angebotenen Kurse können die Studierenden vor allem nach Interesse wählen. Es gibt auch über 20 Law Clinics und andere Studentenorganisationen. Die Bewerbungsfrist ist meist bis Dezember für das Herbstsemester. Die Studiengebühr belaufen sich für das Studienjahr 2022/2023 auf 69.100 US-Dollar (ca. 62.800 Euro). Insgesamt kostet ein Jahr mit Zimmer am Campus, Studiengebühr und Büchern ca. 96.575 US-Dollar (ca. 87.800 Euro).

2. Stanford University in Kalifornien

Stanford University ist die zweitbeste Law School in Amerika. Die Masterprogramme sind für jeden Bereich auf 15 bis 20 Studierende begrenzt und für Personen vorgesehen, die einen juristischen Abschluss außerhalb der USA gemacht haben. Es gibt dafür vier Masterprogramme in den Bereichen Corporate Governance & Practice, Environmental Law & Policy Law, Science & Technology, and International Economic Law, Business & Policy. Die Studiengebühr beträgt 64.350 US-Dollar (ca. 58.500 Euro). Die Lebenshaltungskosten inklusive der Studiengebühr ergeben ca. 107.500 US-Dollar (ca. 97.700 Euro). Neben zwei Empfehlungsschreiben von Lehrpersonen der Heimatuniversität werden zudem mindestens zwei Jahre Berufserfahrung gefordert. Auch in Stanford sind die Studierenden nicht an eine bestimmte Kurswahl gebunden, sondern können im jeweiligen Bereich flexibel nach Interesse entscheiden.

3. Harvard University in Massachusetts

Die Harvard University gehört zu den Top 3 Law Schools in den USA. Die Universität ist weltweit bekannt und sehr renommiert. Für das LL.M.-Programm werden jährlich ca. 180 Studierende aus ca. 70 verschiedenen Staaten angenommen. Es werden nur ca. 12, 8 Prozent der Bewerber aufgenommen. Zu den berühmtesten Alumni gehört der ehemalige Präsident Barack Obama. Die Harvard Law School hat zudem die größte rechtswissenschaftliche Bibliothek der Welt. Anders als an der Stanford University wird an der Harvard University keine Berufserfahrung vorausgesetzt. Allerdings sind auch hier zwei Empfehlungsschreiben mit der Bewerbung einzureichen. Die Studiengebühr beträgt 70.430 US-Dollar (ca. 64.000 Euro). Lebenshaltungskosten belaufen sich auf insgesamt 107.00 US-Dollar (ca. 97.700 Euro).

4. University of California in Berkeley

Die University of California hat mehrere Auswahlmöglichkeiten, wie man den LL.M. absolvieren kann. Der traditionelle Weg („LL.M. traditional track“) wäre, das Programm als Vollzeitstudium von August bis Mai vor Ort in Berkeley zu absolvieren. Die Law School bietet allerdings auch eine flexiblere Alternative an. Der so genannte „LL.M. executive track“ ist vor allem für Berufstätige gedacht, welche nicht für ein akademisches Jahr ins Ausland können. Hierbei hat man mehrere Auswahlmöglichkeiten: Zu einem kann man online an den Kurse im Frühling und Herbst teilnehmen. Die Online-Kurse haben einen Stundenumfang von insgesamt 15 Stunden. Allerdings muss das Sommersemester dann vor Ort als Vollzeitstudium besucht werden. Eine weitere Möglichkeit wäre das Studium auf zwei Sommer zu verteilen. Die Kurse werden jeweils 10 bis 13 Wochen verteilt im Zeitraum zwischen Mai und August abgehalten. Der Vorteil ist, dass man das Studium vollkommen vor Ort absolviert. Im Rahmen des Programms treffen internationalen und amerikanischen Studierenden zusammen . Die Studiengebühr betragen derzeit 69.857 US-Dollar (ca. 63.000 Euro) und die Lebenshaltungskosten belaufen sich auf ca. 100.000 Euro. Es werden ca. 20 % aller Bewerber angenommen.

C. Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein LL.M in den USA zwar mit sehr hohen Kosten verbunden ist, aber dennoch eine in vielfacher Hinsicht bereichernden Erfahrung ist. Die Kosten können zu dem mit Hilfe von Stipendien, Krediten oder Erspartem gezahlt werden. Der englischsprachige Masterabschluss hat in der juristischen Arbeitswelt immer mehr an Bedeutung gewonnen. Bei internationalen Großkanzleien fördert ein LL.M.-Abschluss auch das Gehalt. Neben diesem positiven Effekt lernt man durch ein Studium in den USA auch das US-amerikanische Rechtssystem sowie dessen juristisches Fachjargon kennen. Ein Auslandsstudium bezweckt folglich den Blick über den deutschen juristischen Tellerrand.

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