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Berufsspecial

Öffentliches Wirtschaftsrecht

Öffentliches Wirtschaftsrecht

Praxis

Wir befinden uns im besonderen Verwaltungsrecht. Das Wirtschaftsverwaltungsrecht im weiteren Sinne dient der Wirtschaftsüberwachung, -lenkung, -förderung und -information. Es regelt im Rahmen der wirtschaftlichen Betätigung des Bürgers/der Bürgerin dessen rechtliches Verhältnis zum Staat. Demgegenüber befasst sich das öffentliche Wirtschaftsrecht als Wirtschaftsverwaltungsrecht im engeren Sinne mit der erwerbswirtschaftlichen Teilnahme des Staates am wirtschaftlichen Prozess.

Tätigkeitsfelder im Öffentlichen Wirtschaftsrecht

Das öffentliche Wirtschaftsrecht umfasst Bereiche wie das Vergabe-, Subventions-, Energie- und Außenwirtschaftsrecht. (Die Tätigkeit im Gewerbe-, Gaststätten-, Handwerks- und Ladenschlussrecht zählt hingegen zum Wirtschaftsverwaltungsrecht im weiteren Sinne.) Hier kommen vor allem europarechtliche Normen ins Spiel. Insofern hat dieses vielseitige Rechtsgebiet auch eine internationale Komponente. Die Grundfreiheiten sowie die Grundrechtecharta treten neben das deutsche Wirtschaftsverfassungsrecht und die einzelnen einfachgesetzlichen bundes- und landesrechtlichen Regelungen. Für Juristen und Juristinnen geht es in diesem Bereich oft um Aspekte der sozialen Marktwirtschaft, der Berufs- und Eigentumsfreiheit sowie Kompetenzfragen des Bundes oder der Länder. Auch umweltrechtliche Fragestellungen können relevant werden.

Berufschancen & Gehälter

Berufsaussichten  Was sind meine Möglichkeiten?

Wer im öffentlichen Wirtschaftsrecht Fuß fassen will, kann sowohl auf Seiten eines/einer privatwirtschaftlichen Akteurs/Akteurin als auch des Staates tätig werden: Er kann im Rahmen einer anwaltlichen Tätigkeit Städte und Gemeinden, kommunale sowie privatwirtschaftliche Unternehmen und Verbände in allen Aspekten der wirtschaftlichen Betätigung beraten. Das öffentliche Wirtschaftsrecht ist ein elementarer und beliebter Rechtsbereich, der ausgewiesene Expert*innen sucht und in beinahe jeder Kanzlei (vor allem in den großen!) zu finden ist. Wen es nicht in eine Kanzlei zieht, der kann seinen Weg auch als Unternehmensjurist*in in beratender Funktion in einem Konzern oder kleineren Unternehmen gehen. Zudem kommt eine Tätigkeit in der Behörde, zum Beispiel einer Vergabekammer, in Betracht.

Öffentliches Wirtschaftsrecht ist Verwaltungs- und Verfassungsrecht pur! Handlungsformen sind formelle wie materielle Gesetze, Verwaltungsverträge sowie Verwaltungs- und Realakte. Somit kann hier insbesondere ein/e Liebhaber*in des öffentlichen Rechts, der/die die Schnittstelle zum Wirtschaftsrecht sucht, sein/ihr Glück finden.

Gehaltsaussichten

In Kanzleien klingen die Gehaltsaussichten für Juristen/Juristinnen mit Spezialisierung im Bereich des öffentlichen Wirtschaftsrechts verlockend. Im Durchschnitt sind Gehälter von knapp 99.500 € möglich.* Der Durchschnittsverdienst liegt in Boutiquen sowie mittelständischen Kanzleien bei 82.500 € und in Großkanzleien bei 124.000 €.*

Für die Arbeit in einer Landes- oder Bundesbehörde richtet sich die Besoldung nach der jeweiligen Besoldungstabelle des Landes beziehungsweise des Bundes für Beamte.

Bildung

Fachanwaltstitel im Verwaltungsrecht

Zwar kann kein Fachanwaltstitel speziell im öffentlichen Wirtschaftsrecht, wohl aber generell im Verwaltungsrecht erworben werden. Aktuell sind bundesweit 1.564 Fachanwälte/Fachanwältinnen im Verwaltungsrecht verzeichnet. Die zuständige Rechtsanwaltskammer, welcher der Rechtsanwalt/die Rechtsanwältin angehört, verleiht nach Maßgabe der Fachanwaltsordnung (FAO) die Berechtigung zum Führen der Fachanwaltsbezeichnung. Voraussetzungen für diese Verleihung sind:

  • dreijährige Zulassung und Tätigkeit innerhalb der letzten sechs Jahre vor Antragstellung (§ 3 FAO)
  • Antragstellung bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer (§ 22 FAO)
  • Nachweis besonderer theoretischer Kenntnisse (§§ 4, 4a und 6 FAO)
  • Nachweis besonderer praktischer Erfahrungen (§§ 5, 6 FAO)

Zusätzlich muss er/sie gem. § 8 FAO besondere Kenntnisse in den Bereichen allgemeines Verwaltungsrecht, Verfahrensrecht und Recht der öffentlich-rechtlichen Ersatzleistungen sowie in zwei Bereichen des besonderen Verwaltungsrechts nachweisen, wozu unter anderem das Wirtschaftsverwaltungsrecht (Gewerbe-, Handwerks-, Wirtschaftsförderungs-, Gaststätten-, Berg- und Energierecht) zählt.

Promotion und LL.M. im öffentlichen Wirtschaftsrecht

Auch in diesem vielseitigen Berufsfeld besteht die Möglichkeit, zu promovieren oder einen Master of Laws zu erwerben. Die Universität Jena bietet beispielsweise das LL.M.-Programm „Privates und öffentliches Wirtschaftsrecht“ mit besonderer Berücksichtigung internationaler und europäischer Bezüge an. Es kann berufsbegleitend absolviert werden und dauert vier Semester. Die Kosten belaufen sich lediglich auf den Semesterbeitrag in Höhe von 256,48 €. An der Universität Münster kostet der Master „Wirtschaftsrecht“ demgegenüber 10.800 €. Er dauert drei Semester und ist ebenfalls berufsbegleitend möglich.

Im europäischen Ausland gibt es zahlreiche Möglichkeiten, einen Master im Wirtschaftsrecht zu erwerben. Der LL.M. „Internationales Wirtschaftsrecht“ kann – allerdings nur in Vollzeit – an den Universitäten Brüssel (Dauer: neun Monate; Kosten: 5.900 €), Lissabon (Dauer: ein bis zwei Jahre; Kosten: 14.000 €), Budapest (Dauer: ein Jahr, Kosten: 6.000 €), Lausanne (Dauer: ein Jahr; Kosten: umgerechnet circa 16.300 €) und Lund in Schweden (Dauer: zwei Jahre) abgeschlossen werden.

Die Columbia Law School in den USA bietet das LL.M.-Programm „Globales Wirtschaftsrecht“ an. Es dauert zwar nur sechs Monate und kann auch in Teilzeit absolviert werden, geht aber mit Gebühren von umgerechnet circa 62.000 € einher.

Der Vorteil eines LL.M. in Deutschland besteht darin, dass er berufsbegleitend absolviert werden kann. Die Kostenschere geht hier allerdings sehr weit auseinander. Zudem wird der Blick kaum über den „deutschen juristischen Tellerrand“ geworfen und die eigenen Fremdsprachenkenntnisse werden währenddessen eher selten erweitert. Gerade deswegen und wegen der vergleichsweise teils geringeren Kosten klingen die Programme zum Wirtschaftsrecht im europäischen Ausland verlockend!

*basierend auf unserer Umfrage von 143 Kanzleien.

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