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Berufsspecial Vergaberecht

Berufsspecial

Vergaberecht

Praxis

Viel mehr als nur ein Annex zu anderen Rechtsgebieten – Das Vergaberecht

Lange Zeit als Annex zu Rechtsgebieten, wie dem Kartell- Verwaltungs- und Bau- oder IT-Recht reduziert, gewinnt das Vergaberecht seit einigen Jahren immer mehr an Bedeutung. Als 22. Fachanwaltschaft und somit neue Spezialisierungsmöglichkeit seit dem Jahre 2015, ist dieses junge und attraktive Rechtsgebiet äußerst gefragt. Sowohl für den erfahrenen Berater im Vergaberecht als auch für den Neueinsteiger ist das also die Gelegenheit in diesem rasant wachsenden Gebiet Fuß zu fassen.

Gegenstand und Tätigkeitsfelder im Vergaberecht

Das Vergaberecht befasst sich konkret mit der Beschaffung von Gütern sowie Bau & Dienstleistungen durch die öffentliche Hand und im Rahmen von privatrechtlichen Verträgen. Es werden jährlich Aufträge in Höhe eines 3-stelligen Milliarden Betrages an private Unternehmen vergeben. Damit stellt die öffentliche Auftragsvergabe einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Im Zuge dieser Einkäufe muss die öffentliche Hand Verfahrens- und Rechtsschutzregelungen beachten. Zu Rechtsfragen- und Problematiken kommt es dabei dahingehend, dass die Beschaffungsvorhaben der öffentlichen Auftraggeber stark formalisierten Regelungen unterliegen. Das Vergaberecht umfasst dabei sämtliche Regeln und Vorschriften, die die öffentliche Hand beim Einkauf von Gütern und Leistungen und bei der Vergabe um Konzessionen befolgen muss. Sichergestellt wird im Rahmen dessen auch, dass die Vergabe von öffentlichen Aufträgen in einem transparenten, diskriminierungsfreien und wettbewerblichen Verfahren stattfindet. Diese Gebote verhindern auch die Korruption und Vetternwirtschaft.

Bei einem nicht gesetzeskonformen Verfahren läuft der öffentliche Auftraggeber Gefahr, dass sich sein Bauvorhaben verzögert oder erheblichen Schadensersatzansprüchen aussetzt. An dieser Stelle ist der Berater in Sachen Vergaberecht gefragt. Dieser berät den öffentlichen Auftraggeber dann im besagten Vergabeverfahren. Doch auch auf der anderen Seite der Medaille besteht Beratungsbedarf. Und zwar bei einer Benachteiligung oder der Befürchtung auf Benachteilung durch Vergabefehler. Hier hilft der Spezialist im Vergaberecht und unterstützt in Vergabenachprüfungsverfahren und bei der Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen.

Berufschancen & Gehälter

Berufsaussichten im Vergaberecht – Was sind meine Möglichkeiten?

Mit einer Spezialisierung im Vergaberecht ist man sowohl bei wirtschaftsrechtlich ausgerichteten Großkanzleien gefragt, als auch bei mittelständischen Kanzleien und sogenannten Boutiquen. Ob man an der Seite der öffentlichen Auftraggeber steht oder auf der gegenüberliegenden Seite versucht, die Vergabefehler aufzudecken; mit Aufträgen, die sich jährlich über 300 Milliarden € beziffern, ist das Vergaberecht ein lukratives Feld, in dem die öffentliche Hand und Unternehmen auf eine qualifizierte Rechtsberatung angewiesen sind. Die Anforderungen an den Nachwuchs sind also klar: ein interdisziplinärer Blick mit der Bereitschaft sich stetig fortzubilden, der Ehrgeiz sich auf dem Markt einen Namen zu machen und eine rhetorische Begabung bei der Beratung von Mandanten. Mit diesen Eigenschaften kann einer erfolgreichen Karriere im Vergaberecht fast nichts mehr im Wege stehen! 

Gehaltsaussichten - Es lohnt sich!

Ein ertragreiches Rechtsgebiet für Juristen ist das Vergaberecht, insbesondere seitdem die EU europaweit geltende Vorschriften für Auftragsvergaben der öffentlichen Hand erlassen hat. Gemeinsam mit der EU-weiten Regelung im Vergaberecht wurden auch die Direktvergaben an Freunde oder Verwandte unterbunden, sodass sich ein breites Beratungsfeld auftat. Besonders für kleinere und mittelständische Kanzleien stellt das Vergaberecht somit eine zusätzliche Möglichkeit dar, im harten Wettbewerb auf sich aufmerksam zu machen. Die Verdienstmöglichkeiten sehen für den spezialisierten Vergaberechtler ebenfalls vielversprechend aus. Auch in diesem Rechtsgebiet steigt die Vergütung mit der Erfahrung des Beraters und je nach Erfolgsquote kann das Jahresgehalt bis zu 100.000 € und mehr betragen.
 

Bildung

Fachanwalt im Vergaberecht

Insbesondere im Vergaberecht ist hochqualifizierter und spezialisierter Nachwuchs gefragt. Daher gewinnt die Erlangung eines Fachanwalttitels hier eine große Bedeutung und sollte für die Gewährleistung einer optimalen Beratung in Anspruch genommen werden. 

Die zuständige Rechtsanwaltskammer, der der Rechtsanwalt/die Rechtsanwältin angehört verleiht nach Maßgabe der Fachanwaltsordnung (FAO) die Berechtigung zum Führen der Fachanwaltsbezeichnung. Voraussetzungen für diese Verleihung sind:

  • dreijährige Zulassung und Tätigkeit innerhalb der letzten sechs Jahre vor Antragstellung (§3 FAO)
  • Antragstellung bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer (§22 FAO)
  • Nachweis besonderer theoretischer Kenntnisse (§§ 4, 4a und 6 FAO)
  • Nachweis besonderer praktischer Erfahrungen (§§ 5, 6 FAO)

Rhetorik-Kurse

Neben den klassischen Fortbildungswegen, sollten allerdings Rhetorik-Kurse in Anspruch genommen werden. Dies, um die Vorträge, die oftmals vor Nicht-Juristen gehalten werden, optimal und verständlich zu gestalten. 

LL.M. – Master of Laws im Vergaberecht

Natürlich besteht auch in diesem vielfältigen Berufsfeld die Möglichkeit zu promovieren oder aber einen Master of Laws zu erwerben. Dieser kann beispielsweise an der Universität Passau erworben werden oder auch an einer Vielzahl ausländischer universitäten wie besipeilsweise an der University of Birmingham. Die Vorteile eines LL.M. in Deutschland liegen zum einen in den günstigeren Kosten (ca. 8.000 €) und zum anderen darin, dass dieser berufsbegleitend absolviert werden kann. Der Nachteil besteht offenkundig darin, dass der „Blick über den deutschen juristischen Tellerrand“ hinaus selten besteht und Fremdsprachenkenntnisse nicht erweitert werden. 

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