Berufsspecial Gewerblicher Rechtsschutz

Berufsspecial

Gewerblicher Rechtsschutz

Praxis

„Was genau macht man denn im gewerblichen Rechtsschutz?“

Eine Frage, mit der man oft konfrontiert wird, wenn man als Anwalt* im gewerblichen Rechtsschutz tätig ist. Zwar gehört es nicht zu den klassischen Rechtsgebieten, mit denen man in der Juristenausbildung zu tun hat, dennoch hat der Bereich in den letzten Jahrzehnten eine große Reichweite erlangt. Allein schon aufgrund der ewig währenden Patentstreitigkeiten zwischen Apple und Samsung ist der gewerbliche Rechtsschutz regelmäßig Teil aktueller Nachrichten. „Man schützt dabei die geistig gewerbliche Betätigung“, würde der fachkundige Jurist auf die wohlbekannte Frage antworten.

Ob es die Ähnlichkeit des Lindt-Bären mit dem Haribo-Bären ist oder die fälschliche Behauptung eines Mobilfunkanbieters, er habe das beste Netz. Überall dort, wo es um Immaterialgüterrechte geht, ist auch der Spezialist im gewerblichen Rechtsschutz gefragt. In diesem spannenden Bereich gilt es also, die Schutzrechte eines Gewerbetreibenden an immateriellen Gütern zu schützen.

Tätigkeitsfelder im gewerblichen Rechtsschutz

Der gewerbliche Rechtsschutz ist Teil des Rechts des geistigen Eigentums (Intellectual Property, kurz: IP). Er umfasst in erster Linie 5 Rechtsgebiete. Diese sind das Marken-, Patent-, Gebrauchsmuster-, Design- und Wettbewerbsrecht. Dabei werden im Markenrecht die Namen der Produkte geschützt; das Patent- und Gebrauchsmusterrecht befasst sich mit dem Schutz technischer Erfindungen und im Designrecht geht es um den Schutz der ästhetischen Gestaltung von Produkten. Das Wettbewerbsrecht schützt zu guter Letzt vor unlauterem Wettbewerb. Auch ergeben sich Schnittstellen zum Urheber- und Medienrecht.

Die Spezialisierung im gewerblichen Rechtsschutz bringt neben dem Erwerb vertiefter Kenntnisse in 5 bedeutenden Rechtsgebieten auch einen facettenreichen Arbeitsalltag mit sich. Aufgrund der Vielfältigkeit der genannten Bereiche gleicht kein Arbeitstag dem anderen. Nicht nur geistige Flexibilität muss dem Berater zu eigen sein, sondern auch kreatives Denken. Schließlich befindet sich die Technologie in stetiger Entwicklung. Entwicklung geschieht durch neue Erfindungen und Erfinder sind befähigt, Immaterialgüterrechte abzusichern und schon ist die Tür zum gewerblichen Rechtsschutz geöffnet.

Schutz des geistigen Eigentums im In- und Ausland

Der Schutz des geistigen Eigentums im geschäftlichen Verkehr erfolgt nicht nur auf nationaler Ebene. Vielmehr ist das Rechtsgebiet im hohen Maße international ausgerichtet. Wenn deutsche Mandanten ihr geistiges Eigentum auch im Ausland oder umgekehrt ausländische Mandanten ihre Werke im Inland geschützt wissen möchten, sollten sie einen Anwalt für gewerblichen Rechtsschutz konsultieren. Dieser kann sodann für die Gewährleistung der Schutzrechte eintreten. Unterstützend tätig sind hinsichtlich des grenzüberschreitenden Schutzes das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum sowie das Europäische Patentamt.

Berufschancen & Gehälter

Berufsaussichten – Was sind meine Möglichkeiten?

Mit einer Spezialisierung im gewerblichen Rechtsschutz ist man sowohl bei wirtschaftsrechtlich ausgerichteten Großkanzleien als auch bei mittelständischen Kanzleien und Anwaltsboutiquen gefragt. Auch bei supranationalen Organisationen wie dem Europäischen Patentamt oder dem Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum kann der Experte im gewerblichen Rechtsschutz seinen Karriereweg einschlagen.

Gehaltsaussichten

Aufgrund der rasanten Entwicklung der Forschung und Technik ergeben sich stets neue Fragen hinsichtlich technischer und ästhetischer Leistungen. Neue Erfindungen bringen in kürzester Zeit kostengünstigere und meist qualitativ geringwertigere Plagiate mit sich. Die sogenannte Produktpiraterie ist allgegenwärtig und muss zurückgedrängt werden. Damit wächst nicht nur der Anspruch mit dem Fortschreiten der Wissenschaft, sondern auch der Bedarf an Juristen mit der Spezialisierung im gewerblichen Rechtsschutz. Die Verdienstmöglichkeiten können sich mit einem durchschnittlichen Jahresbruttogehalt von knapp 90.000€ sehen lassen.** Am lukrativsten ist die Anstellung in Boutique-Kanzleien, die im Schnitt mit 107.000€ pro Jahr locken.** Dahinter liegen die Groß- und mittelständischen Kanzleien mit einer durchschnittlich Vergütung in Höhe von knapp 104.400€ und 74.400€ jährlich.** Möchtest du also den Puls der Zukunft fühlen und dabei einer der Top-Verdiener unter den Anwälten werden? Dann setze den Fuß in die Welt des gewerblichen Rechtsschutzes!

Bildung

Fachanwaltstitel im gewerblichen Rechtsschutz

1.292 der zugelassenen Anwälte führen den Titel des Fachanwalts für gewerblichen Rechtsschutz. Die Nachfrage nach Spezialisten in diesem Gebiet steigt von Tag zu Tag. Dies ist die Chance für Junganwälte, sich in einem zukunftsorientierten und lukrativen Bereich zum Experten zu machen. Die zuständige Rechtsanwaltskammer, der der Rechtsanwalt/die Rechtsanwältin angehört, verleiht nach Maßgabe der Fachanwaltsordnung (FAO) die Berechtigung zum Führen der Fachanwaltsbezeichnung. Voraussetzungen für diese Verleihung sind:

  • dreijährige Zulassung und Tätigkeit innerhalb der letzten sechs Jahre vor Antragstellung (§3 FAO)
  • Antragstellung bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer (§22 FAO)
  • Nachweis besonderer theoretischer Kenntnisse (§§ 4, 4a und 6 FAO)
  • Nachweis besonderer praktischer Erfahrungen (§§ 5, 6 FAO)

Zudem muss er besondere Kenntnisse in den in §14h FAO genannten Bereichen nachweisen.

Promotion oder LL.M. im gewerblichen Rechtsschutz

Auch in diesem vielfältigen Berufsfeld besteht die Möglichkeit, zu promovieren oder einen Master of Laws zu erwerben. In Deutschland bieten zB. die Humboldt-Universität zu Berlin ("Intellectual Property and Media Law"; Dauer: 2 Jahre; Kosten: 8.800€) und die Universität Göttingen ("European and Transnational IP an IT Law"; Dauer: 1 Jahr; Kosten: 7.800€) teils englischsprachige Masterprogramme in Vollzeit an.

Besonders interessant sind die LL.M.-Programme der TU Dresden und der Leibniz Universität Hannover, die mit ausländischen Partneruniversitäten kooperieren.

  • TU Dresden: Der deutsch-englische LL.M. "International Studies in Intellectual Property Law" dauert 12 Monate und wird im 1. Semster an einer der Partnerunis in Exeter, London, Krakau, Prag, Seattle, Straßburg oder Szeged absolviert (Kosten abhängig von der Uni) und im 2. Semester an der TU Dresden (Kosten: 2.500€). Das Programm ist nur in Vollzeit möglich.
  • Leibniz Universität Hannover: Der LL.M. "IT Law and IP Law" dauert 10 Monate, wird im 1. Semester in Hannover und im 2. Semester an einer der Partnerunis zB. in Oslo, Bologna, Wien oder Buenos Aires absolviert (Kosten: Semesterbeitrag iHv. 439,73€ plus Kosten der Partneruni). Auch dieses Programm ist nur in Vollzeit möglich.

Darüber hinaus bieten bspw. noch die Stockholms Universitet (Dauer: 9 Monate; Kosten: ca. 9.000€) sowie die Uppsala Universitet in Schweden (Dauer: 1 Jahr; Kosten: ca. 10.000€) den englischsprachigen LL.M. in "Intellectual Property Law" in Vollzeit an, ebenso wie die Ankara Üniversitesi in der Türkei (Dauer: 10 Monate; Kosten: ca. 2.500€).

Masterprogramme, die auch in Teilzeit absolviert werden können, gibt es bspw. an der KU Leuven in Belgien und der Queen Mary University of London:

  • KU Leuven: Der LL.M. "IP and ICT Law" wird auf Englisch, Niederländisch und Französisch angeboten, dauert 1-2 Jahre (Voll-/ Teilzeit) und kostet 3.900€.
  • QMUL: Der LL.M. "Intellectual Property Law" dauert 1 Jahr und kostet je nachdem, ob er in Voll- oder Teilzeit belegt wird, umgerechnet ca. 25.600€ bzw. knapp 13.000€.

Der Vorteil der ausländischen Programme und der deutschen Partnerprogramme mit ausländischen Universitäten besteht offenkundig darin, dass der Blick über den „deutschen juristischen Tellerrand“ hinausgeworfen wird und die eigenen Fremdsprachenkenntnisse währenddessen erweitert werden. Angesichts dieses breiten Angebots fällt die Entscheidung sicherlich nicht leicht! Aber wofür man sich auch letztendlich entscheidet, alle Programme klingen gleich vielversprechend!

*Aus Gründen der Leserlichkeit wird das generische Maskulinum verwendet; es sind alle Geschlechter gemeint.
** basierend auf unserer Umfrage von 120 Kanzleien.

Arbeitgeber im Bereich Gewerblicher Rechtsschutz

Jobs im Bereich Gewerblicher Rechtsschutz

Arbeitgeber aus dem Bereich Gewerblicher Rechtsschutz im Gespräch