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Medien- und Urheberrecht: Interview mit Renate Schmid (WBS)

Im Rahmen unserer Interviewreihe zu unseren Berufsspecials haben wir Rechtsanwältin Renate Schmid von WILDE BEUGER SOLMECKE (WBS) hinsichtlich ihrer Tätigkeit, den Anforderungen sowie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Medien- und Urheberrecht befragt.
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Es ist wichtig, dass man die richtigen Priorisierungen trifft und auch die Flexibilität hat, kurzfristig zu reagieren.

Rechtsanwältin Renate Schmid

WILDE BEUGER SOLMECKE

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Zu unserem Berufsspecial „Urheber- und Medienrecht“

Tätigkeit

iurratio: Das Medien- und Urheberrecht wird in der Regel außerhalb des Schwerpunkts im Studium nicht thematisiert. Welche Aufgaben erwarten einen Berufseinsteiger bei einer anwaltlichen Tätigkeit in diesem Bereich?

Renate Schmid: Als Berufseinsteiger arbeitet man immer erst einmal zu, z.B. beim Erstellen von Urheberrechtsverträgen für Kreative (z.B. Autoren, Darsteller, Regisseure). Aber natürlich stellen sich die Aufgaben schon lange nicht mehr in diesem klassischen Bereich. Mit der fortschreitenden Digitalisierung gibt es einen hohen Regelungsbedarf für Plattformen und Diensteanbieter aller Art im Internet.

Ein weiteres wichtiges Gebiet sind Rechteverletzungen im Bereich des Urheberrechtes und des Persönlichkeitsrechtes (z.B. Bewertungen).

iurratio: Was hat Sie dazu bewogen, sich für eine Tätigkeit im Medien- und Urheberrecht zu entscheiden?

Renate Schmid: Ich habe während meines Studiums nebenher für einen privaten Rundfunksender journalistische Beiträge erstellt und später meine Wahlstation in der Redaktion Recht und Justiz des damaligen SDR verbracht. Juristisches Fachwissen mit Journalismus zu verbinden, war eine spannende und sehr abwechslungsreiche Herausforderung. Es stellte sich für mich da kurzzeitig die Frage, ob ich ganz in den Journalismus wechsle. Letztlich habe ich mich dann aber doch für den „klassischen Weg“ entschieden, aber eben im Bereich des Medien- und Urheberrechtes, um auf diese Weise den Medien verbunden zu bleiben.

iurratio: Was sind die aktuell spannendsten Fragen in diesem Rechtsgebiet aus anwaltlicher Sicht?

Renate Schmid: Aktuell brisant, wie der EuGH über die Nichtigkeitsklage von Polen zur Frage der Uploadfilter entscheiden wird. Der EU-Generalanwalt rät dem EuGH, die Klage abzuweisen, da er die Uploadfilter für zulässig hält. Wenn der EuGH dieser Empfehlung nicht folgt, könnte das bedeuten, dass die Nationalstaaten ihre Umsetzungen der Richtlinie ins nationale Recht neu aufgreifen müssten.

iurratio: Wie kann man sich Ihrer Meinung nach schon im Referendariat am besten auf eine Tätigkeit im Medien- und Urheberrecht vorbereiten?

Renate Schmid: Am besten sucht man sich Stationen, bei denen das Themengebiet eine Rolle spielt, z.B. in einer auf Medienrecht spezialisierten Kanzlei oder – auch sehr zu empfehlen, aber auch sehr begehrt – eine Station in der Rechtsabteilung eines Rundfunksenders.

Anforderungen

iurratio: Welche Qualifikationen bzw. Soft Skills sind für eine Tätigkeit in diesem Rechtsgebiet vorteilhaft bzw. notwendig?

Renate Schmid: In diesem Bereich ist oft Zeit ein elementarer Faktor. Gerade bei Rechtsverletzungen muss schnell gehandelt werden. Es ist daher wichtig, dass man die richtigen Priorisierungen trifft und auch die Flexibilität hat, kurzfristig zu reagieren. Des Weiteren ist eine enge Kommunikation mit den Mandanten wichtig.

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Mittelständische Kanzlei

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iurratio: Welche Anforderungen stellen Sie an Referendare, WissMits und Berufsanfänger für eine Tätigkeit im Medien- und Urheberrecht in Ihrer Kanzlei?

Renate Schmid: Vorteilhaft ist immer, wenn jemand schon einmal in dem Bereich Urheber- und Medienrecht Erfahrungen gesammelt hat, welcher Art auch immer. Des Weiteren erwarten wir Offenheit gegenüber allen Rechtsthemen, mit denen sich unsere Kanzlei beschäftigt.

iurratio: Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach die Erlangung des Fachanwaltstitels in diesem Rechtsgebiet?

Renate Schmid: Der Fachanwalt vermittelt sicherlich eine besondere Kompetenz. Allerdings zählt meiner Meinung langjährige einschlägige Berufserfahrung für Mandanten genau so viel.

iurratio: Was unterscheidet eine anwaltliche Tätigkeit in einer Kanzlei wie WBS von einer solchen in einer Großkanzlei?

Renate Schmid: Da wir eine mittelständische Kanzlei sind, sind bei uns die Hierarchien flach. Und: Jeder kennt hier jeden. Zudem existiert gegenüber einer Großkanzlei sicherlich eine andere Work-Life-Balance.

Weiterbildung

iurratio: Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gewährt Ihre Kanzlei?

Renate Schmid: Es gibt ein jährliches 4-stelliges Fortbildungsbudget, das von den Mitarbeitern in Eigenverantwortung verwendet werden kann. Zudem werden Zusatzqualifikationen, wie ein berufsbegleitender Master-Studiengang oder ein Fachanwaltslehrgang unterstützt und gefördert.

iurratio: Was raten Sie Bewerbern, die sich für eine Karriere im Medien- und Urheberrecht interessieren? Welche Schwerpunkte sollten sie in ihrer Ausbildung setzen, auf welche fachübergreifenden Fähigkeiten wertlegen?

Renate Schmid: Soweit im Studium möglich, ist zu empfehlen, hier bereits einen Schwerpunkt zu setzen und sich auch um einschlägige Praktika/Stationen in Kanzleien und Rechtsabteilungen zu bemühen. Fächerübergreifend sind Belastbarkeit, analytisches Denkvermögen und Kommunikation hilfreich.

iurratio: Welche Zukunftsaussichten sehen Sie für Berufseinsteiger im Bereich des Medien- und Urheberrechts?

Renate Schmid: Da sich das Medienangebot in einem ständigen Wandel befindet, werden stetig neue Rechtsfragen auftreten und zu klären sein. Da geht die Arbeit nicht aus und es bleibt spannend.

iurratio: Können Sie sich an ein herausragendes Ereignis in Ihrem Berufsalltag erinnern und würden Sie uns von diesem berichten?

Renate Schmid: Schön sind immer Erfolge, wenn es gelingt, schwierige Rechtsstreite doch noch zu gewinnen oder langwierige Vertragsverhandlungen zu einem guten Abschluss zu bringen. Da gäbe es einiges zu erzählen. Sehr gefreut haben wir uns aber jedenfalls, als wir in der zweiten Instanz einen Rechtsstreit gegen die AfD gewonnen haben.

iurratio: Vielen Dank für Ihre Zeit und das Interview, Frau Schmid!

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