Interview mit Associate Julian Leucht von Esche Schümann Commichau über das Referendariat

Ein Interview mit Julian Leucht, Associate bei Esche Schümann Commichau, zu seinem Referendariat.

Ich habe versucht, so viele Klausuren wie möglich zu schreiben

Julian Leucht

Esche Schümann Commichau

Iurratio: An welchem Gericht haben Sie Ihr Referendariat absolviert? Was war für Ihre Wahl entscheidend?

Julian Leucht: Am Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg. Ich habe in Hamburg studiert und wollte die Stadt nicht verlassen. Zudem hat man beim Referendariat in einem Stadtstaat viel mehr Kontrolle darüber, wo man letztlich eingesetzt wird, da der OLG-Bezirk auf das Stadtgebiet beschränkt ist. Schließlich ist Hamburg auch allgemein ein guter Standort für IP-Recht und gewerblichen Rechtsschutz.

Iurratio: Bei welchen Arbeitgebern haben Sie Ihre Stationen absolviert?

Julian Leucht: Meine Strafstation habe ich beim AG Hamburg-St. Georg absolviert, die Zivilstation in einer Urheberrechtskammer des LG Hamburg. In der Verwaltungsstation war ich im „Amt Medien“ der Behörde für Kultur und Medien der Stadt Hamburg. Die Anwaltsstation habe ich bei Esche Schümann Commichau im Bereich „Gewerblicher Rechtsschutz“ absolviert. Für die Wahlstationen war ich in einer Markenrechtskammer des LG Berlin und bei Gibbons P.C. in New York City.

Iurratio: Nach welchen Kriterien haben Sie die Ausbildungsstätten ausgewählt?

Julian Leucht: Rein nach Interesse – sowohl inhaltlich als auch örtlich.

Iurratio: Wie war die Begleitung durch die Ausbilder?

Julian Leucht: Sehr gut. Alle meine Ausbilder haben sich viel Mühe gegeben und haben die anderen Referendare und mich „auf Augenhöhe“ ausgebildet. Man hatte das Gefühl keine Last, sondern immer wieder eine echte Unterstützung zu sein.

Iurratio: Haben Sie eine stationsbegleitende Nebentätigkeit ausgeübt?

Julian Leucht: Ja. Ich habe währenddessen bei einer mittelständischen und einer größeren Kanzlei gearbeitet.

Iurratio: Wie waren Ihre Erfahrungen mit den stationsbegleitenden AGs?

Julian Leucht: Gemischt. Manche AGs haben ihren Zweck vollkommen erfüllt und einen belastbaren Grundstein für das Examen gelegt. Demgegenüber haben andere AGs leider gezeigt, warum es kommerzielle Repetitorien gibt. Da für die Ausbildung in den AGs kein geschultes Lehrpersonal eingesetzt wird, ist leider die Hingabe der Dozenten der Haupterfolgsfaktor.

Iurratio: Wie haben Sie sich die Zeit zum Arbeiten und Lernen eingeteilt?

Julian Leucht: Ich hatte das Glück, in fast allen Stationen einen festen Studientag bekommen zu haben. Nachdem ich diesen anfangs für meine Nebentätigkeit nutzen musste, konnte ich dadurch jedoch ungefähr ab dem zweiten Jahr regelmäßig wöchentliche Klausuren schreiben.

Iurratio: Wie haben Sie sich auf das 2. Examen vorbereitet? Welche Materialien haben Sie zur Vorbereitung auf das 2. Examen genutzt?

Julian Leucht: Ich habe versucht, so viele Klausuren wie möglich in einem einigermaßen prüfungsrealistischen Zeitrahmen zu schreiben. In der AG meiner Zivilstation haben wir von dem Dozenten ein sehr gutes Skript bekommen, das mir sehr geholfen hat.
Gegen Ende des Referendariats habe ich noch einige Wochenendkurse eines Hamburger Repetitoriums besucht. Es stellte sich allerdings heraus, dass dadurch hauptsächlich das Gewissen beruhigt und nur überschaubares Wissen vermittelt wird. Dafür kostet es Geld und Zeit. Als konkrete Literaturempfehlung kann ich eigentlich nur „Die Revision in der strafrechtlichen Assessorklausur“ von Marc Russack nennen.

Iurratio: Welche Tipps würden Sie angehenden Referendaren zur Vorbereitung auf das Referendariat mitgeben?

Julian Leucht: Ich würde die Stationen ausschließlich nach Interesse auswählen. Hierdurch können Erfahrungen gesammelt werden, die einem beruflich und nicht nur prüfungstaktisch nützen werden. Und natürlich dürfte es auch einfacher sein, in der jeweiligen Station eine gute Note zu erreichen, wenn das Rechtsgebiet interessant ist.
In der Examensvorbereitung ist es, glaube ich, wichtig, so viele Klausuren wie möglich zu schreiben. Dabei sollte auch möglichst früh versucht werden, die Zeitvorgaben einzuhalten. Im Examen mag man alles haben, aber auf keinen Fall Zeit.
Es sollte sich nicht darauf verlassen werden, wenn der Repetitor zu wissen meint, was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vielleicht dran kommen könnte. Im Examen nützt das leider in den meisten Fällen gar nichts.
Schließlich sollte darauf geachtet werden, dass das materielle Recht nicht zu kurz kommt. Im Zeitdruck der Examensvorbereitung ist man geneigt, sich zu sehr auf den neuen (prozessualen) Stoff zu fokussieren.

Iurratio: Warum haben Sie sich letztendlich für Ihren jetzigen Arbeitgeber entschieden?

Julian Leucht: Weil ich bei diesem meine Anwaltsstation gemacht und mich dort – sowohl fachlich, als auch im persönlichen Umgang – direkt wohlgefühlt habe. Außerdem hatte ich das Glück, dass gerade in meinem Interessengebiet eine Stelle frei war.

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