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Interview mit Eva Homborg von Esche Schümann Commichau über ihren Weg zur Partnerschaft

Eva Homborg wurde zum 01.01.2020 nach drei Jahren als Associated Partner zur Partnerin ernannt. Sie ist außerdem Mutter einer Tochter und berichtet im Interview über die Herausforderungen und Vorteile als Partnerin der Sozietät.

Ich habe von Anfang an direkten Kontakt zu den Mandanten gehabt

Eva Homborg

Esche Schümann Commichau

Iurratio: Warum haben Sie sich entschieden, bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber zu arbeiten?

Eva Homborg: Ich habe ESCHE als Referendarin in der Anwaltsstation kennengelernt. Deshalb wusste ich, was mich erwartet, als ich am Ende des Referendariats ein Angebot der Sozietät erhielt. Da während dieser Station mein Interesse am Gesellschaftsrecht geweckt wurde und ich mich zudem mit den beiden für mich zuständigen Partnern im Gesellschaftsrecht und den übrigen Kollegen gut verstanden habe, war es für mich eine leichte Entscheidung, das Angebot anzunehmen. Ausschlaggebend war am Ende das sehr gute Arbeitsklima; die juristische Tätigkeit an sich ist ja in allen Wirtschaftskanzleien vergleichbarer Größenordnung ähnlich.

Iurratio: Welche Stationen haben Sie durchlaufen, um Partner zu werden?

Eva Homborg: Ich habe nach dem Referendariat als Associate begonnen. Zwischen dieser Stufe und der „echten“ Partnerschaft lag für mich die Position Associated Partner (AP). Auf dieser Ebene ist man noch Angestellter der Kanzlei, erhält ein Fixgehalt und eine leistungsabhängige Gehaltskomponente. Man führt bereits eigenverantwortlich Mandate und engagiert sich bei der Gewinnung neuer Mandanten. Außerdem nimmt man als AP an den Partnerversammlungen teil (wenn auch ohne Stimmrecht) und ist so in die aktuellen Entwicklungen und Strategien der Sozietät eingebunden. Nach drei Jahren als AP wurde ich nun zum 1.1.2020 zur Partnerin der Sozietät ernannt.

Iurratio: Wie hat Ihr Arbeitgeber Sie auf diesem Weg unterstützt?

Eva Homborg: Die Sozietät hat mich von Beginn an unterstützt, zum Beispiel durch die Finanzierung und Freistellung für die Erlangung des Fachanwalts-Titels und sonstige Fortbildungen (intern und extern).

Insbesondere die beiden im Gesellschaftsrecht für mich zuständigen Partner haben mich gefördert, indem sie mich frühzeitig in spannende Mandate einbezogen haben. Dabei habe ich von Anfang an direkten Kontakt zu den Mandanten gehabt und nicht etwa nur im Hinterzimmer den „Ghostwriter“ für die Partner gespielt. Dies hat mir geholfen, mich vom Juristen zum Anwalt weiterzuentwickeln.

Iurratio: Was für Fähigkeiten und Qualifikationen muss man mitbringen, um Partner bei Esche Schümann Commichau zu werden?

Eva Homborg: Grundvoraussetzung ist natürlich eine gute juristische Qualifikation. Daneben sollte man Lust haben, eigenverantwortlich zu arbeiten und sich akquisitorisch zu betätigen. Auch die Führung von angestellten Anwälten gehört zu den erforderlichen Fähigkeiten. Außerdem muss man meines Erachtens ein gewisses Maß an wirtschaftlichem Verständnis und nicht zuletzt auch Empathie mitbringen, um die Interessen und Bedürfnisse des Mandanten wirklich zu verstehen. Sowohl die Mandanten als auch die Kollegen müssen einen als verlässlichen, kompetenten und erreichbaren Ansprechpartner schätzen.

Iurratio: Was sind die Vor- und Nachteile an Ihrer Position? Wie wirkt sich Ihre Position auf Ihre Work-Life-Balance aus?

Eva Homborg: Als Partnerin bin ich mitverantwortlich für den wirtschaftlichen Erfolg der Sozietät. Dieser Umstand kann schon einen gewissen Druck erzeugen. Ich habe manchmal Sorge, ob ich immer genug Mandantenaufträge haben werde und andersherum, ob ich alle Mandantenaufträge stets sachgerecht und rechtzeitig bearbeiten kann.

Gleichzeitig ist die Eigenverantwortung natürlich auch ein großer Vorteil der Position. Ich kann mich inhaltlich auf Themen fokussieren, die mich interessieren – in meinem Fall das Thema Managerhaftung/D&O. Ich arbeite weisungsfrei und kann mir meinen Arbeitstag selbst strukturieren. Natürlich muss man als Partnerin bei ESCHE auch einen gewissen Umsatz erwirtschaften und ist außerdem Dienstleister des Mandanten. Deshalb ist oft viel zu tun. Das bedeutet aber nicht, dass man kein Privatleben haben kann. Es ist meines Erachtens eine Frage der eigenen Organisation, beides unter einen Hut zu bekommen.

Meine Kollegen haben mir jedenfalls keine Steine in den Weg gelegt beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Im Gegenteil: Zum 1.1.2020 wurde ich nach drei Jahren als Associated Partner planmäßig zur Partnerin ernannt, obwohl ich mich zu diesem Zeitpunkt im Mutterschutz nach der Geburt meiner Tochter befand. Ich konnte reduziert und hauptsächlich von zu Hause aus arbeiten, bis ich im März wieder voll eingestiegen bin und mein Mann seine Elternzeit begonnen hat. Meine Kollegen unterstützten mich bei der Mandatsbearbeitung und auch meine Mandanten hatten viel Verständnis für meine aktuelle private Situation aufgebracht, teilweise sogar Geschenke zur Geburt meiner Tochter geschickt und mir weiter Aufträge erteilt, mit großzügigeren zeitlichen Vorgaben als sonst. Hier zahlt es sich aus, über Jahre eine vertrauensvolle und verbindliche Mandatsbeziehung aufgebaut zu haben.

Iurratio: Was können Sie angehenden Berufseinsteigern raten, die ebenfalls dieses Ziel anstreben?

Eva Homborg: Man sollte den – teilweise anstrengenden – Weg nur gehen, wenn man Spaß an der anwaltlichen Tätigkeit hat und die Verantwortung nicht scheut. Im Übrigen würde ich empfehlen, wichtige persönliche Lebensentscheidungen einer (vermeintlichen) Karrierechance nicht unterzuordnen. Am Ende des Tages ist der Beruf zwar ein wichtiger Bestandteil des Lebens und beruflicher Erfolg eine befriedigende Sache, aber sicher nicht das Allerwichtigste. Richtig glücklich machen andere Dinge; was das ist, muss jeder für sich selbst herausfinden und dann sehen, auf welche Art es mit dem Beruf zu vereinbaren ist.

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