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Lernen 2.0 - Welche online Angebote gibt es für junge Juristen?

Besonders für Jurastudenten und Referendare aus Deutschland wurden die Online-Angebote in den letzten Jahren allerdings gewaltig ausgebaut. Damit man vor lauter Bäumen den Wald nicht aus den Augen verliert, stellt sich die Frage: Welche dieser Angebote sollten angehende Juristen unbedingt kennen?

Dem Studium der Rechtswissenschaften wird oft nachgesagt, es sei trocken und verstaubt. Insbesondere für einige Universitätsbibliotheken trifft das auch im 21. Jahrhundert noch uneingeschränkt zu. So manche Hausstaubmilbenallergiker schlucken stets ihre Antihistaminika, bevor sie das klassische Lehrbuch aus Papier aufschlagen – welches heute noch das häufigste Lernmedium im Jurastudium darstellt. Die meisten Vorlesungen werden noch immer als Präsenzveranstaltung in einem altehrwürdigen Hörsaal abgehalten.

Ob sich klapprige Stühle und enge Reihen unter das Wort „Barrierefreiheit“ subsumieren lassen, ist fraglich. Wenn auch träger als in anderen Branchen, kommt die Jurisprudenz aber dennoch „step by step“ im Internetzeitalter an. Das Schlagwort der Stunde lautet „Legal Tech“. Die meisten Kanzleien verfügen inzwischen über eine eigene Website, viele größere Unternehmen werben auf sozialen Netzwerken um junge Talente. Online Stellenmärkte für Juristen boomen – landauf, landab. Einen großen Schritt weiter ist man in Übersee. In den USA werden bereits Computerprogramme entwickelt, die selbstständig Fehler in Verträgen auffinden. Besonders für Jurastudenten und Referendare aus Deutschland wurden die Online-Angebote in den letzten Jahren allerdings ebenfalls gewaltig ausgebaut. Damit man vor lauter Bäumen den Wald nicht aus den Augen verliert, stellt sich die Frage: Welche dieser Angebote sollten angehende Juristen unbedingt kennen?

Text & Recherche
Leo Alexander Arslan
Jannina Schäffer

Juristische Datenbanken – Wissen kompakt online!

Wer nach juristischer Fachliteratur sucht, wird um den Verlag C.H. Beck nicht herumkommen. Der bereits 1763 ins Leben gerufene Verlag aus München weiß aber auch, welche Anforderungen im 21. Jahrhundert an ein modernes Verlagshaus gestellt werden. Neben dicken Wälzern aus Papier bietet das Unternehmen mit beck-online.DIE DATENBANK eine moderne juristische Fachdatenbank an – selbstverständlich online. Für Anwaltskanzleien gehört der kostspielige online Zugang zu Kommentaren und anderen Fachtexten inzwischen zum Alltag. Doch auch viele juristische Fakultäten ziehen nach und bieten ihren Studenten zumindest an Uni-Computern oder daheim per VPN-Client einen Zugang an. Die Recherche für Hausarbeiten wird so bedeutend einfacher!

Konkurrenz bekommt der Verlag C.H. Beck vor allem durch die Angebote von Juris und Jurion. Juris sieht sich als juristischer Informa tionsdienstleister und wurde von der BRD höchstpersönlich ins Leben gerufen, die bis heute 50,01% der Aktien an dem Unternehmen hält. Während die Gesetzestexte des Bundes für den privaten Gebrauch auch kostenlos zur Verfügung stehen, ist der Abruf von Urteilen im Volltext sowie weiterer Bücher und Zeitschriften kostenpflichtig. Ein ähnliches Angebot bietet die aus dem Hause Wolters Kluwer stam mende digitale Rechtsbibliothek Jurion.

Kein kostenloser Zugriff möglich? Kein Problem! Für den studentischen Geldbeutel leichter verdaulich sind mit Sicherheit die kostenlosen Anbieter von Urteilen wie beispielsweise openJur, justiz.de und die Angebote von rechtsprechung-im-internet sowie gesetze-im-internet. Wer gerne sehen möchte, welche Gesetze in letzter Zeit geändert wurden oder alte Gesetzesfassungen mit neuen Fassungen vergleichen möchte, dem sei hierfür die Seite www.buzer.de ans Herz gelegt. Immer auf dem neusten Stand ist man außerdem, wenn man den wöchentlichen Newsletter des BVerfG und des BGH auf deren Homepage kostenlos abonniert.

Unsere tägliche Dosis Jura, gibt uns heute!

Apropos Newsletter: Wer sich nicht nur über Urteile und Gesetzesänderungen informieren will, sondern sich allgemein für Neuigkeiten aus der juristischen Welt interessiert, wird bei Legal Tribune Online bestimmt fündig. Das journalistisch gestaltetes Onlinemagazin zu rechtlichen Themen gibt es bereits seit 2010. Inzwischen kann sich LTO über knapp eine Million Seitenaufrufe im Monat freuen. Wer es lieber etwas humorvoller mag, darf gerne beim „Justillon“ vorbeischauen - dem Blog für kuriose Rechtsnachrichten aller Art. Aber auch Anwälte bloggen inzwischen über ihren Gerichtsalltag. Eine große Sammlung der bekanntesten juristischen Blogs gibt es unter: www.jurablogs.com (momentan offline).

Zu den online Angeboten, die sich speziell an Jurastudierende und Referendare richten, gehört natürlich auch „Iurratio Online“. Das Portal für junge Juristen informiert nicht nur über examensrelevante Entscheidungen, sondern stellt auch examensnahe Übungsfälle sowie Erfahrungsberichte zu den Schwerpunktbereichen, allgemeine Informationen rund um Studium und Referendariat sowie weitere spannende Themen bereit. Erwähnenswert sind an dieser Stelle auch noch einige Websites, die sich darauf spezialisiert haben, den Lernstoff aus dem Studium in anschaulichen Artikel zu veröffentlichen und anhand zahlreicher Beispiele näher zu problematisieren oder allgemein Tipps & Tricks für Studium und Referendariat bereitzustellen: MyJurazone ist das Projekt zweier junger Juristinnen, die ihre Examensvorbereitung online dokumentiert haben. Inzwischen lassen sich dort Meinungsstreits, Definitionen und Aufbauschemata zu allen drei großen Rechtsgebieten herunterladen.

Alle wichtigen Schemata für Strafrecht und Zivilrecht finden sich außerdem auf www.juraschema.de. Unter Juraexamen.info werden Examensreporte und Gedächtnisprotokolle zum 1. und 2. Staatsexamen bereitgestellt, sowie zahlreiche wissenswerte Artikel veröffentlicht. Kostenlos Fachartikel für die zentralen Problemstel- lungen des 1. Examens finden sich außerdem bei Juraindividuell. Auf der Seite Juratopia stellt ein ehemaliger Hamburger Referendar Tipps und Tricks für die Examensvorbereitung und das Referendariat zur Verfügung.

Barrierefreies Lernen – Auf dem Weg zur Uni oder Daheim auf dem Sofa

Jura Online, Lecturio, Juracademy, Learnity, JuraIndividuell & Co. Alles schon mal gehört? Kein Wunder! Während Hemmer, Alpmann Schmidt, Dr. Jacoby und Kaiser zu den größten Anbietern juristischer Präsenzrepetitorien gehören, haben die genannten Anbieter endlich das Internet für sich entdeckt. Sie alle bieten Online Repetitorien für das erste und/oder zweite Staatsexamen an. Der einzige Vorteil daran ist, dass man den Stoff ganz gemütlich von zu Hause aus und im eigenen Tempo lernen kann. Leider sind die genannten Anbieter aber kaum billiger als konventionelle Repetitorien.

Eine ausführliche Testreihe zu den verschiedenen online Repetitorien findet ihr unter: Iurratio_Online-Repetitorien. Bevor ihr Euch entscheidet, solltet ihr einige Rezensionen lesen oder die teilweise kostenlosen Videos der jeweiligen Anbieter auf Youtube anschauen, um zu sehen, ob diese Lernmethode Euch überhaupt zusagt. Informiert Euch außerdem, ob die Angebote für Verwaltungsrecht BT die Vorschriften Eures Bundeslandes berücksichtigen und wie alt die Videos sind bzw. ob diese (noch) die aktuelle Gesetzeslage abbilden. Je nach Anbieter besteht auch die Gefahr, dass ihr Euer Paket nicht monatlich kündigen könnt, sondern bis zu 12 Monate an den Vertrag gebunden seid. Aber ihr wisst selber: Repetitorien waren, sind und werden immer mit Risiken verbunden sein!

Das Gleiche kann man auch über das Lernen mit Karteikarten sagen. Manche mögen diese Zettelwirtschaft, andere verabscheuen sie. Für Erstere dürfte sich mit basiskarten und repetico (leider beides kostenpflichtig) ein lang ersehnter Traum erfüllen. Endlich muss man die Kärtchen nicht mehr selbst schreiben und verloren gehen sie – Dank virtuellem Online-Karteikasten – auch nicht mehr. Doch nicht alle Angebote müssen zwingend Geld kosten. Das Webportal Iurastudent ist inzwischen so weit fortgeschritten, das es einem Repetitorium schon sehr nahe kommt. Die Seite bietet neben einer Sammlung der wichtigsten Definitionen, Aufbauschemata und Streitstände auch eine beachtliche Sammlung sogenannter Leading Cases. Bekannte Fälle wie der „Katzenkönig“ oder „Die Prüfungskompetenz des Bundespräsidenten“ werden dort klausurtypisch anhand einer Musterlösung vorgestellt und erklärt. Aber Achtung: Auf der Seite haben sich einige Fehler und/oder Ungenauigkeiten eingeschlichen.

Ein Geschenk des Himmels für jeden Jurastudenten ist auch die Seite der Saarheimer Fälle. Prof. Dr. Ulrich Stelkens (Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer) und Prof. Dr. Klaus Grupp (Universität des Saarlandes) haben dort die größte, kostenlose juristische Sammlung von Klausursachverhalten und ausformulierten Musterlösungen zusammengestellt. Inzwischen gibt es dort über 100 Fälle zum Staatsrecht, allgemeinen Verwaltungsrecht, Verwaltungsprozessrecht sowie Polizei- Bau- und Kommunalrecht. Vielen Dank dafür, wir lieben Euch!

Eine ebenso geniales Projekt – nur eben für Referendare – stellt der Berliner Internetklausurenkurs dar. Alle zwei Wochen wird dort ein neuer Klausursachverhalt für das zweite Examen veröffentlicht. Eine vollständige Lösung wird jeweils nach wiederum zwei Wochen auf der Website kostenlos zur Verfügung gestellt. Damit eignet sich der Klausurenkurs nicht nur für Referendare aus Berlin, sondern er kann bundesweit von Rechtsreferendaren zu Übungszwecken verwendet werden. Herzlichen Dank! Das Portal der Justiz NRW bietet für Referendare eine Sammlung an Aktenvorträgen an. Zur Vorbereitung auf die mündliche Prüfung werden dort online Kurzvorträge zur Verfügung gestellt, die in der zweiten juristischen Staatsprüfung verwendet worden sind und nun zu Übungszwecken von interessierten Referendaren eingesehen und heruntergeladen werden können.

Juristen als Youtube-Stars und Instagram-Influencer!

Juristen auf Youtube und Instagram? Was für Krawatten-Träger vor einigen Jahren noch ein absolutes Tabu war, gehört inzwischen (zum Glück) zum juristischen Alltag. Den wohl größten und bekanntesten juristischen Youtube-Kanal betreibt die Kanzlei WILDE BEUGE SOLMECKE aus Köln. Der Medienrechtsanwalt Christian Solmecke hatte bereits im Jahr 2010 die Idee, Youtube zur Mandantenakquise einzusetzen und nützliche Rechtsinfos für Jedermann als kostenlose Videos zur Verfügung zu stellen. Inzwischen hat der Kanal „Kanzlei WBS“ über 200.000 Abonnenten.

Spannendes aus dem Alltag als Anwalt und viele nützliche Infos zum Jurastudium gibt es auf dem Kanal „Herr Anwalt“. Der junge Familienrechtler aus Unna hat inzwischen über 5.000 Abonnenten und bespricht auf seinem Youtubekanal nicht nur examensrelevante Urteile, sondern gibt auch Tipps zu Lernmethoden, Examensvorbereitung, Berufseinstieg & Co. Eine ähnliche Zielgruppe hat der Kanal „RCHTSNWLT“, der von RA Dominik Herzog betrieben wird und das Motto „Recht. Mal anders“ trägt. Frischen Wind aus Bonn bringt der Youtuber von „Paragraph 31“ mit, der seinen knapp 20.000 Abonnenten regelmäßig Lernvideos zu den wichtigsten juristischen Problemen präsentiert. Bitte achtet aber auch hier auf das Veröffentlichungsdatum, um nicht an alte Recht sprechung zu geraten.

Eine Aufzählung der zahlreichen Instagram-Accounts von jungen Jurastudentinnen zwischen 18 und 25 ersparen wir Euch an dieser Stelle. Die Seiten sind zwar optisch wunderschön anzusehen (häufigstes Motiv: ein aufgeschlagener Schönfelder, daneben eine dampfende Tasse Kaffee und ein Strauß frischer Blumen sowie zahlreiche bunte Textmarker) führen aber leider grundsätzlich dazu, dass man sich selbst schlecht fühlt und die eigenen Lernmethoden hinterfragt. Wieso schenkt mir mein Freund nicht jeden Tag frische Blumen und warum hat mein Schönfelder Eselsohren und Schokoladenflecken?

Echte Vorlesungen mit wissenschaftlichen Bezügen von echten Professoren – kostenlos!

Für Studierende, die es gerne wissenschaftlich haben und sich später den Gang zum Repetitor sparen möchten, sind die wahren Helden der Online-Jura-Szene, eine handvoll Professoren, die ihre kompletten Vorlesungen als Podcasts kostenlos im Internet zur Verfügung. Hier die bekanntesten Stars: Im Zivilrecht sind es die Herren Professoren Stephan Lorenz und Horst Eidenmüller; im Strafrecht die Herren Professoren Helmut Satzger und Hans Kudlich; im Öffentlichen-Recht: Herr Professor Norman Weiß, Herr Dr. Behme und Herr Oliver van der Schoot. Wer sich für Rechtsphilosophie und Methodenlehre interessiert, dem sind die Lernvideos von Frau Professorin Ingeborg Puppe sowie Herrn Professor Bernd Schünemann wärmstens zu empfehlen. Diese Videos sind teilweise direkt über die Homepage der jeweiligen Veranstaltungsleiter, Youtube oder über iTunes-Podcasts abrufbar. Es bleibt zu hoffen, dass sich diesem Trend zukünftig viele weitere Jura -Professoren anschließen und ihre Vorlesungen – wie Ihre beliebten Star-Kollegen – uneingeschränkt im Internet veröffentlichen.

Yo Mann, ckeck mal die App ab!

In den vergangenen Jahren hat die Nutzung von mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets stark zugenommen. Weltweit nutzten 2017 nur noch 53 Prozent überwiegend einen Desktop-PC, während sich 46 Prozent auf ihr Smartphone verlassen und ein Prozent ein Tablet einsetzen. Diesen Trend haben auch einige gewitzte Juristen erkannt und hilfreiche Apps für den anstrengenden Jura-Alltag programmiert.

Wer möchte, kann sich beispielsweise die Juris App auf‘s Handy holen und im dortigen Newsticker täglich alle wichtigen neuen Gerichtsentscheidungen abrufen. Vom gleichen Anbieter gibt es außerdem noch eine App zur Berechnung von Anwaltsgebühren sowie eine App mit den wichtigsten Bundes- und Landesgesetzen. Dem Motto „von Studenten für Studenten“ haben sich die Macher der App LEX superior verschrieben. Diese bietet nicht nur einfach eine Sammlung von Gesetzestexten an, sondern stellt zu vielen Paragraphen außerdem noch eine Rubrik „Wissen“ bereit, in der die wichtigsten Definitionen, sowie Klausurtipps und Hinweise zum Systemverständnis untergebracht werden. Ein ähnliches Angebot hat auch die App Jlaw. Die Macher brüsten sich damit, den Zugriff auf über 4.000 Gesetze mit über 100.000 Gerichtsentscheidungen zu ermöglichen.

Jurafuchs vermittelt in gehirngerechen kleinen Portionen („microle-arning“) wöchentlich aktuelle Rechtsprechung. Alle Aufgaben sind extrem kurz, inhaltlich anspruchsvoll und dazu professionell illustriert. JuraDuell hilft beim Lernen juristischer Grundlagen. Mit Hilfe der Multiplayerfunktion kann man sich hierbei auch mit anderen messen und somit spielerisch sein Wissen aufbessern. Quizduell kann also einpacken! Ein echter Geheimtipp für die Hausarbeitenzeit ist der TinyScanner. Mit dieser App lassen sich Buchseiten und andere Unterlagen in Sekundenschnelle einscannen, auf dem Handy als PDF speichern und per Mail/Messenger verschicken. Da eine Vorstellung aller relevanten Jura-Apps diesen Artikel sprengen würde, verweisen wir an dieser Stelle ganz einfach auf eine Sammlung der besten 20 Apps für Juristen. Diese findet Ihr bei CloudSecretary und JuraWiki Viel Spaß beim Ausprobieren!

Schneller, höher, weiter, mobiler?

Ohne Internet geht heutzutage nichts mehr! Das kann man gut oder schlecht finden. Fakt ist aber, dass man auch als Jurist zumindest um die Nutzung von online Gesetzestexten, Kommentaren und Urteilssammlungen heute nicht mehr drumherum kommt. Diese erleichtern den Alltag ungemein und ersetzen inzwischen ganze Bibliotheken. Inwiefern man die anderen Angebote vor allem als Student nutzt, um mobil zu Lernen, Nachrichten unterwegs abzurufen oder einfach up-to-date zu sein, bleibt jedem selbst überlassen. Man sollte nur nicht den Fehler machen und zu viel Zeit im Internet vertrödeln, die man eigentlich an der frischen Luft oder mit Freunden verbringen könnte. Facebook lässt grüßen. Wir sind außerdem der Meinung: Es geht nichts über den Duft von altem Papier und nicht-virtuellem Kaffee!

Text & Recherche
Leo Alexander Arslan
Jannina Schäffer

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