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Das Referendariat: Interview mit Rechtsanwältin Dr. Dominique Finke (Linklaters)

Wertvolle Erfahrungen und Ratschläge über das Referendariat teilt Rechtsanwältin Dr. Dominique Finke von Linklaters in unserer Interviewreihe "Mentoren für Referendare".

Insgesamt sollte man mit Freude an das Referendariat herangehen und stets ein offenes Mindset behalten.

Rechtsanwältin Dr. Dominique Finke

Linklaters

iurratio: An welchem Gericht haben Sie Ihr Referendariat absolviert? Was war für Ihre Wahl entscheidend?

Dr. Dominique Finke: Ich habe mein Referendariat am Landgericht Düsseldorf absolviert. Nach meinem Studium an der Johann-Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt habe ich angefangen, als externe Promotionsstudentin an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen Nürnberg zu studieren. Da ich als externe Promotionsstudentin flexibel war, meinen Lebensmittelpunkt frei zu wählen, zog es mich über Berlin und New York aus privaten Gründen nach Düsseldorf. Als Landeshauptstadt mit einer hohen Dichte an großen Kanzleien bot es sich an, auch das Referendariat hier zu absolvieren. Entscheidend für mich war die Nähe zu potentiellen Arbeitgebern bereits während des Referendariats. Für mich war immer klar, dass ich Anwältin in einer internationalen Großkanzlei werden wollte, sodass ich nach einer Stadt gesucht habe, in der ich diese Perspektive erkunden konnte.

iurratio: Bei welchen Arbeitgebern haben Sie Ihre Stationen absolviert?

Dr. Dominique Finke: Da ich wusste, dass ich Anwältin werden möchte, habe ich mir früh diverse Arbeitgeber angesehen. Nach meinem Studium habe ich bei Hengeler Mueller in Frankfurt angefangen zu arbeiten, wo ich dann auch meine Anwaltsstation absolvierte. Da ich neben meiner Promotion bei Freshfields Bruckhaus Deringer gearbeitet hatte, wollte ich mir für die Wahlstation noch eine weitere internationale Kanzlei ansehen. Bei einer Recruiting Veranstaltung habe ich meine heutige Chefin kennengelernt, die mich für Linklaters begeistern konnte, sodass ich meine Wahlstation im Düsseldorfer Büro von Linklaters absolvierte.

iurratio: Nach welchen Kriterien haben Sie die Ausbildungsstätten ausgewählt?

Dr. Dominique Finke: Durch mein Schwerpunktstudium im Bereich Law and Finance war klar, dass ich – jedenfalls im weiteren Sinne – Gesellschaftsrecht machen wollte. Da ich zum Investmentrecht promoviert habe, war ich unschlüssig, ob ich gerne diesen Bereich verfolgen oder lieber Gesellschaftsrecht/M&A machen wollte. Aus diesem Grund habe ich mir in der Anwaltsstation zunächst den einen Bereich und der Wahlstation dann den anderen Bereich angesehen. Bei der Wahl der Kanzleien wollte ich für mich herausfinden, was mir persönlich mehr zusagt: Internationale Kanzlei und großes Team oder eher eine Kanzlei deutschen Zuschnitts mit kleineren Teams und größerer Nähe zu den Partnern. Deshalb fiel meine Wahl auf Linklaters und Hengeler Mueller. Ich hatte zudem überlegt, ob ich meine Wahlstation in Deutschland oder im Ausland absolvieren möchte. Da ich allerdings bereits in der Verwaltungsstation beim Generalkonsulat in Miami war, entschied ich mich dazu, in Deutschland zu bleiben. Diesen Weg würde ich so immer wieder einschlagen. Anders als die Anwaltsstation liegt die Wahlstation unmittelbar vor dem Jobeinstieg. Man lernt das Team kennen, in dem dann gegebenenfalls der Berufseinstieg erfolgen wird, und hat die Chance, mit einem Arbeitsvertrag aus der Station in den Beruf zu starten.

iurratio: Wie war die Begleitung durch die Ausbilder?

Dr. Dominique Finke: Die Ausbildung in den Kanzleien war jeweils sehr gut. Die Partnerinnen und Partner und die Teams haben mir möglichst viel aus dem Arbeitsalltag gezeigt und mich in die tägliche Arbeit einbezogen. In beiden Kanzleien habe ich ein sehr kollegiales Arbeitsumfeld und hilfsbereite Kolleginnen und Kollegen angetroffen. Während meiner Zeit in Miami war es ähnlich, wobei der Aufgabenbereich sehr beschränkt war. Nichtsdestotrotz wurde ich auch hier in alles einbezogen, wenn ich danach gefragt habe. Anders als in den Kanzleien, lebte die Arbeit beim Generalkonsulat in Miami deutlich mehr von Eigeninitiative. Mit eigenem Engagement konnte ich an quasi allen Tätigkeitsfeldern partizipieren – insgesamt war es eine sehr bereichernde und erinnerungsreiche Station.

Meine erste Station bei Gericht war für mich persönlich die am wenigsten interessante Station. Ich war der Kammer für Handelssachen zugeordnet. In dieser Station fand vergleichsweise wenig Ausbildung statt. Ich würde jeder Referendarin und jedem Referendar empfehlen, sich dem Amtsgericht zuteilen zu lassen, da die Nähe zu dem geforderten Examensstoff an der KfH am Landgericht nicht gegeben war. Die Station bei der Staatsanwaltschaft hingegen war sehr bereichernd und hat mir viel Spaß gemacht. Ich hatte einen sehr engagierten und interessierten Staatsanwalt als Ausbilder, der sich viel Zeit für die Ausbildung genommen hat, und vor allem selbst viel Spaß an seiner Tätigkeit hatte. Besonders viel Spaß hat mir die Sitzungsvertretung gemacht, da es im Vergleich zur Gerichtsstation wirklich eine praktische Tätigkeit war.

iurratio: Haben Sie eine stationsbegleitende Nebentätigkeit ausgeübt?

Dr. Dominique Finke: Ich war bis zu meiner Verwaltungsstation mit einem Wochenarbeitstag bei Hengeler Mueller tätig. Als Empfehlung gilt hierbei: Wer eine stationsbegleitende Nebentätigkeit ausüben möchte, sollte dies etwas planen. Die meisten Kanzleien bieten einen Tag die Woche in Nebentätigkeit nur an, wenn man entweder die Anwaltsstation in der Kanzlei absolvieren wird oder bereits vor Beginn des Referendariats in der Kanzlei tätig war. Einen Tag die Woche ohne jegliche Kanzleivorerfahrung ist letztlich weder für sich selbst noch die Kanzlei gewinnbringend.

iurratio: Wie waren Ihre Erfahrungen mit den stationsbegleitenden AGs?

Dr. Dominique Finke: Zugegebenermaßen war ich persönlich eher enttäuscht von den AGs. Die mit Abstand beste Ausbildung habe ich während der Station bei der Staatsanwaltschaft erfahren. Der Ausbilder war sehr gut vorbereitet und hat uns durch stetige Abfrage und „Hausaufgaben“ motiviert, konstant am Ball zu bleiben. Weniger hilfreich fand ich die F-AG. Aus den AGs konnte ich leider wenig mitnehmen.

iurratio: Wie haben Sie sich die Zeit zum Arbeiten und Lernen eingeteilt?

Dr. Dominique Finke: Während meiner ersten Station hatte ich leider kaum Zeit zu lernen. Der Umfang und die Vielzahl an Akten haben mich nahezu vollständig ausgefüllt. Auch aus diesem Grund stammt meine Empfehlung, eine Zuteilung beim Amtsgericht anzustreben. Die Lernzeit ist hier deutlich besser gewährleistet. Neben der StA war genug Zeit zu lernen. Auch die Bearbeitung der Akten für die Sitzungsvertretung war Lernzeit, was sehr hilfreich war. In der Anwaltsstation habe ich mir einen strikten Lernplan geschrieben, den ich eingehalten habe. Ich habe mir Zeit zum Wiederholen und für Klausurtraining eingeplant. Die Balance zwischen Lernen und Arbeiten zu finden, ist eine große Herausforderung, die viel Disziplin und Organisation fordert; ein guter Plan hilft dabei.

iurratio: Wie haben Sie sich auf das 2. Examen vorbereitet? Welche Materialien haben Sie zur Vorbereitung auf das 2. Examen genutzt?

Dr. Dominique Finke: Ich habe – wie wahrscheinlich 90% der Referendarinnen und Referendare – mit den Skripten von Kaiser gelernt und die entsprechenden Kurse besucht. Je nach Kanzlei werden entsprechende Kurse – jedenfalls Klausurenkurse – auch während der Anwaltsstation angeboten. Mein Vorgehen sah wie folgt aus: Ich habe die Skripte durchgearbeitet und mir eigene Zusammenfassungen geschrieben, wobei ich teilweise auch den formalen Aufbau von Urteilen, Klagen, Widersprüchen etc. auswendig gelernt habe. Ergänzend habe ich – vor allem im Strafrecht – viel mit Kommentaren beim Lernen gearbeitet. Mir war wichtig, mit dem Hilfsmittel richtig umzugehen und es optimal in der Klausur einsetzen zu können.

iurratio: Welche Tipps würden Sie angehenden Referendaren zur Vorbereitung auf das Referendariat mitgeben?

Dr. Dominique Finke: Meines Erachtens gibt es nicht den einen richtigen Weg. Das Referendariat bietet die Chance, sich auszuprobieren und viel zu sehen. Ich empfehle deshalb jeder Referendarin und jedem Referendar, das Angebot so gut es geht auszuschöpfen. Insbesondere sollten Referendarinnen und Referendare die Möglichkeit nutzen ins Ausland zu gehen, ob mit dem Auswärtigen Amt, der Außenhandelskammer, einer Kanzlei oder einer anderen Institution. Für die Finanzierung kann hier auch auf Stipendien oder Programme etwa der KfW zurückgegriffen werden. Meine Empfehlung wäre auch, frühzeitig mit Kaiserseminaren oder Seminaren anderer Anbieter zu beginnen. Alles in der letzten Station zu machen, kann schnell überfordernd sein. Insgesamt sollte man mit Freude an das Referendariat herangehen und stets ein offenes Mindset behalten.

iurratio: Warum haben Sie sich letztendlich für Ihren jetzigen Arbeitgeber entschieden?

Dr. Dominique Finke: Ich hatte eine tolle Wahlstation und ein tolles Team. Die Kolleginnen und Kollegen waren für mich der ausschlaggebende Grund. Die Arbeitsatmosphäre war stets kollegial und wertschätzend und der One-Team-Gedanke wurde wirklich gelebt. Darüber hinaus haben mich die internationalen Mandate und die Arbeit vornehmlich in englischer Sprache gereizt. Die weltweite Vernetzung der Büros war und ist etwas Besonderes, das im täglichen Arbeiten sehr bereichernd ist. Ich kann jedem nur empfehlen, sich die Menschen anzusehen, mit denen man tagtäglich zu tun hat. Aufgrund der teilweise auch herausfordernden Mandate sollte man Kolleginnen und Kollegen haben, mit denen man gerne zusammenarbeitet – das macht den Unterschied.

iurratio: Möchten Sie noch etwas hinzufügen?

Dr. Dominique Finke: Ich kann nur jedem empfehlen, ein offenes Mindset zu behalten und sich an den Erfahrungen zu erfreuen. Das Examen ist kein Spaziergang, aber den Weg dahin kann sich jede Referendarin und jeder Referendar sehr angenehm gestalten. Mein Auslandsaufenthalt in Miami war definitiv eine der besten und wertvollsten Erfahrungen der letzten Jahre.

iurratio: Vielen Dank für Ihre Zeit und das Interview, Frau Dr. Finke!

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