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Das Referendariat - Ein Interview mit Rechtsanwalt Fabian Kolf von Allen & Overy

Wertvolle Erfahrungen und Ratschläge über das Referendariat teilt Rechtsanwalt Fabian Kolf im Rahmen unserer neuen Interviewreihe "Mentoren für Referendare".

Lass dich nicht von Panikmache anstecken, sondern entscheide selbst, was Deinem Lerntyp am besten entspricht!

Rechtsanwalt Fabian Kolf

Allen & Overy

Iurratio: An welchem Gericht haben Sie Ihr Referendariat absolviert? Was war für Ihre Wahl entscheidend?

Fabian Kolf: Am Landgericht Mainz. Hierfür sprach für mich zum einen die Möglichkeit, meine Zivilstation bei der Kammer mit der Sonderzuständigkeit für Kartellstreitsachen zu absolvieren und zum anderen der Standort im schönen Mainz am Rhein.

Iurratio: Bei welchen Arbeitgebern haben Sie Ihre Stationen absolviert?

Fabian Kolf: Neben der Zivilstation am Landgericht Mainz verbrachte ich die Verwaltungsstation an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer und die Strafstation am Amtsgericht Mainz. Des Weiteren absolvierte ich meine Wahlstation bei Allen & Overy in Hamburg im Kartellrechtsteam. Die Anwaltsstation verbrachte ich im Bereich Investmentfonds bei einer anderen internationalen Wirtschaftskanzlei in Frankfurt.

Iurratio: Hat Ihnen das Referendariat gefallen?

Fabian Kolf: Ja! Die (endlich!) praktische Anwendung des theoretischen Wissens aus dem 1. Staatsexamen hat mir großen Spaß bereitet. Plötzlich werden aus A, B und C reale Menschen und statt fiktiver Sachverhalte geht es um den „echten“ Akteninhalt. Man entwirft Urteile, taucht in der Anwaltsstation in die Mandatsarbeit ein und vertritt die Staatsanwaltschaft im Rahmen der Sitzungsvertretung in mündlichen Verhandlungen. Durch die verschiedenen, abwechslungsreichen Stationen ist das Referendariat eine großartige und spannende Gelegenheit, eine Bandbreite an juristischen Berufsbildern in der Praxis kennenzulernen und für sich zu testen. Nutze sie!

Und Nein! Auf die Klausuren des 2. Staatsexamens selbst könnte man als Referendar sicherlich guten Gewissens verzichten. Erfreulicherweise vermiesen diese und die Vorbereitung hierauf jedoch nur einen kleineren Teil des zweijährigen Vorbereitungsdienstes.

Iurratio: Nach welchen Kriterien haben Sie die Ausbildungsstätten ausgewählt?

Fabian Kolf: Nach meinen Interessenschwerpunkten. Das Referendariat ist eine ausgezeichnete Gelegenheit potentielle Berufswege und Rechtsgebiete auszuloten und mögliche zukünftige Arbeitgeber kennenzulernen.

Iurratio: Wie war die Begleitung durch die Ausbilder?

Fabian Kolf: Ich hatte größtenteils wirklich gute Ausbilder, von denen ich sehr viel gelernt habe. Teilweise hat man auf die Zuweisung (vor allem in den Gerichtsstationen) nur begrenzt Einfluss. Dies sollte jedoch keine Angst verursachen. Denn meiner Erfahrung nach waren die meisten meiner Referendarskollegen zufrieden mit ihren Ausbildern.

Iurratio: Haben Sie eine stationsbegleitende Nebentätigkeit ausgeübt?

Fabian Kolf: Ja, bei Allen & Overy in Frankfurt. Dank der Flexibilität, die mir der Partner, für den ich arbeitete, bot, ließ sich das auch gut mit den Pflichten während der Stationen vereinbaren. Ich arbeitete unter anderem an einer Legal Tech Software, was eine interessante Abwechslung darstellte.

Iurratio: Wie waren Ihre Erfahrungen mit den stationsbegleitenden AGs?

Fabian Kolf: Zwiespältig. Zum Teil hatte ich großartige AG-Leiter, die mit beeindruckendem Engagement sehr gute Arbeitsgemeinschaften durchführten. Leider gab es jedoch auch erhebliche Ausreißer nach unten. Aufgrund der meist verpflichtenden Teilnahme kann eine lieblos und schlecht vorbereitete AG schnell zu einem großen Ärgernis werden, da man so viel Zeit verliert. Hier würde ich empfehlen, sich vorab – z.B. bei älteren Studienkollegen – über die Qualität der AGs am jeweiligen Standort zu informieren. Zugleich sollte man aber die Bedeutung der Arbeitsgemeinschaften für einen Erfolg im 2. Staatsexamen auch nicht überschätzen.

Iurratio: Wie haben Sie sich die Zeit zum Arbeiten und Lernen eingeteilt?

Fabian Kolf: Ehrlich gesagt recht spontan. Ich war nie ein Typ für ausgefeilte und ausführliche Lernpläne. Bei der Wahl der Stationen habe ich aber auch darauf geachtet, dass mir genügend Freiraum zum Lernen bleibt, vor allem je näher die Klausuren des 2. Staatsexamens rückten.

Iurratio: Wie haben Sie sich auf das 2. Examen vorbereitet? Welche Materialien haben Sie zur Vorbereitung auf das 2. Examen genutzt?

Fabian Kolf: Ich habe mich weit überwiegend selbstständig mit ausgesuchten Materialien vorbereitet. Hierzu habe ich vor allem Skripten (mit punktueller Unterstützung durch Lehrbücher) genutzt. Kleinlerngruppen sind mit Sicherheit sinnvoll. Repetitorien der einschlägigen Anbieter habe ich keine besucht, das ist nach meiner Erfahrung auch keinesfalls notwendig. Lass Dich hier nicht von Panikmache anstecken, sondern entscheide selbst, was Deinem Lerntyp am besten entspricht. Sich frühzeitig zum Schreiben möglichst vieler Übungsklausuren zu zwingen, erscheint mir hingegen sehr wichtig. Das bereitet niemandem Spaß, ist aber ein ganz wesentlicher Schlüssel zum Erfolg. Im 2. Staatsexamen gilt dies angesichts der steigenden Zeitknappheit umso mehr.

Iurratio: Welche Tipps würden Sie angehenden Referendaren zur Vorbereitung auf das Referendariat mitgeben?

Fabian Kolf: Mach Dir vor dem Referendariat frühzeitig Gedanken, welche Erfahrungen Du wo (ggf. im Ausland) sammeln möchtest, um nicht etwaige Fristen (z.B. für das Auswärtige Amt) zu verschlafen.

Es ist wohl nicht hinderlich, schon vor der ersten Station mit der inhaltlichen Vorbereitung zu beginnen. Notwendig ist das nach meiner Erfahrung aber nicht. Persönlich würde ich empfehlen, freie Zeit vor dem Beginn z.B. zum Reisen zu nutzen, um gut erholt und mit vollem Akku in den Vorbereitungsdienst zu starten.

Iurratio: Warum haben Sie sich letztendlich für Ihren jetzigen Arbeitgeber entschieden?

Fabian Kolf: Am Ende gab das viel zitierte Bauchgefühl den Ausschlag. Die Wahlstation bei A&O hat mich durch die hervorragende fachliche Einbindung nachhaltig für eine anwaltliche Tätigkeit auf dem Gebiet des Kartellrechts begeistert. Zudem gefiel mir das sympathische und menschliche Miteinander innerhalb des gesamten Teams sehr gut. Auch ausgelassene Referendarabende und das freitägliche Kanzleirudern auf der Alster haben sicher zum guten Gefühl beigetragen.

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