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Öffentlicher Dienst: Interview aus dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz BB

In unserer neuen Interviewreihe "Karriere im Öffentlichen Dienst" fühlen wir verschiedenen Ministerien in allen Bundesländern auf den Zahn, um einen Einblick in ihre Struktur und Angebote zu geben, denn auch im Öffentlichen Dienst gibt es attraktive Perspektiven für Referendare und Berufseinsteiger.

Karriere im Öffentlichen Dienst

Ob als Referendar oder Berufseinsteiger: Beim Thema Karriere dreht sich Vieles in erster Linie um Kanzleien. Sie sind besonders präsent, wenn es darum geht, juristischen Nachwuchs zu akquirieren und locken zumeist mit hohen Gehältern. Als junger Jurist kann es sich aber ebenfalls lohnen, auch eine Karriere im Öffentlichen Dienst in Betracht zu ziehen. Da der Informationszugang hier allerdings schwieriger zu sein scheint als das bei Kanzleien der Fall ist, sind wir auf verschiedende Ministerien in allen Bundesländern zugegangen und haben sie zu den Themen Einstellungen und Personalbedarf, Altersstruktur, Arbeitsmodelle, Tätigkeitsbereiche und Vorurteile in Bezug auf die Arbeit in einem Ministerium befragt. Hier erfahrt hier, was die Tätigkeit im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz in Brandenburg (MSGIV) attraktiv macht!

Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg

iurratio: Was sind typische Aufgaben für Referendare in Ihren Referaten?

MSGIV: Es wird davon ausgegangen, dass sich Ihre Anfrage der sich ausdrücklich auf die Absolvierung der Verwaltungsstation des Referendariats bezieht. Das MSGIV ist als Ministerialverwaltung grundsätzlich für eine sachgerechte Ausbildung in der Verwaltungsstation des juristischen Vorbereitungsdienstes nicht geeignet.

Schließlich sollen in der Verwaltungsstation die Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendare die typischen Aufgaben einer Juristin oder eines Juristen im höheren Verwaltungsdienst bei einer klassischen Verwaltungsbehörde sowie deren bzw. dessen Denk- und Arbeitsmethode kennenlernen. Im Kern geht es bei der Verwaltungsstation also um die Erlangung von Kenntnissen und Praxiserfahrungen einer Verwaltungsjuristin oder eines Verwaltungsjuristen, insbesondere im Verwaltungsverfahrens- und Verwaltungsprozessrecht. Dies ist ja auch Gegenstand der zweiten juristischen Staatsprüfung (s. § 27 Absatz 2 BbgJAO), deren Vorbereitung der Vorbereitungsdienst u. a. dient. Deshalb sollen sich die Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendare in der Verwaltungsstation vor allem mit Grundsituationen und Fragestellungen befassen, die der Juristin oder dem Juristen im höheren Verwaltungsdienst in der täglichen Praxis immer wieder begegnen und die das Zusammenwirken von materiellem und formellem Recht verdeutlichen. Diese Voraussetzungen sind beim MSGIV, das als oberste Landesbehörde vorrangig Regierungsaufgaben wahrnimmt, in der Regel nicht durchgehend gegeben.

Aus den vorgenannten Gründen verweisen wir bei entsprechenden Anfragen auf die Verwaltungsstationen an die nachgeordneten Bereichen des Ressorts.

iurratio: Wie ist Ihr Personalbedarf an juristischen Mitarbeiter*innen? Hat sich dies durch Corona geändert?

MSGIV: Der Bedarf an Juristinnen und Juristen (2. Staatsexamen) ist steigend – auch, aber nicht nur aufgrund der Corona-Pandemie.

iurratio: Welche Ihrer Stellen/ Referate eröffnen den höchsten Personalbedarf an juristischen Mitarbeiter*innen?

MSGIV: Der entsprechende Personalbedarf ist insbesondere im hiesigen Justiziariat sowie in der Abteilung Gesundheit gestiegen.

iurratio: Erreichen Sie genügend Bewerbungen, um diesen Personalbedarf zu decken?

MSGIV: Ein großer Teil des aktuellen Personalbedarfs ist befristet. Unterstützung wird hier derzeit durch andere Ressorts der Landesverwaltung geleistet. Ergänzend soll nunmehr befristet ausgeschrieben werden; das Ergebnis ist noch offen.

iurratio: Haben Sie insbesondere Schwierigkeiten, in den juristischen Berufen jungen Nachwuchs zu bekommen? Wenn ja, worauf führen Sie dies zurück?

MSGIV: Etwa seit 2019 ist festzustellen, dass auf ausgeschrieben Dauerstellen für Juristinnen und Juristen die Bewerbungszahlen stark rückläufig sind. Es wird vermutet, dass die Eingruppierung – in der Regel E 13 TV-L – selbst für Berufseinsteigerinnen und –einsteiger finanziell nicht attraktiv genug sein könnte bzw. nicht mit Angeboten aus der Wirtschaft konkurrieren kann.

iurratio: Wie ist die Altersstruktur der juristischen Mitarbeiter in Ihrer Behörde?

MSGIV: Die Altersstruktur hier entspricht dem gesellschaftlichen wie behördlichen Durchschnitt; Juristinnen und Juristen sind in allen Altersgruppen vertreten, wobei ihr Anteil bei den über 50-Jährigen etwas erhöht sein dürfte.

iurratio: Wie sehen die Aufstiegsmöglichkeiten/ Karriereperspektiven für juristische Mitarbeiter in Ihrer Behörde aus?

MSGIV: Diese sind für Juristinnen und Juristen sehr gut, da einerseits Verbeamtungen möglich sind, andererseits diese Beschäftigten besonders häufig perspektivisch Führungsfunktionen übernehmen (z.B. sind drei von vier Abteilungsleitungen des Ministeriums Juristinnen bzw. Juristen).

iurratio: Welche Arbeitsmodelle bieten Sie Ihren juristischen Mitarbeitern an?

MSGIV: Das Ministerium ist bereits 2006 auditiert und trägt das Zertifikat „berufundfamilie“. Insofern steht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. eine lebensphasenorientierte Personalpolitik im Mittelpunkt. Arbeitszeiten können – ohne Kernzeiten – flexibel in einem Zeitkorridor von 6.00 bis 21.00 Uhr erbracht werden, Teilzeit ist befristet oder dauerhaft grundsätzlich möglich, Elternzeit kann problemlos in Anspruch genommen werden und von zu Hause kann nicht erst seit der Pandemie gearbeitet werden. Eine entsprechende Dienstvereinbarung regelt das Nähere und gewährleistet gute Arbeitsbedingungen dafür.

iurratio: Was macht Ihre Behörde für junge Juristen besonders attraktiv?

MSGIV: Ein gutes Onboarding, familienfreundliche Rahmenbedingungen, abwechslungsreiche und interessante Aufgaben (wie z.B. Rechtssetzung) sowie gute Entwicklungsmöglichkeiten machen das Arbeiten im hiesigen Ministerium attraktiv.

iurratio: Nutzen Sie Werbemittel/ Online-Portale/ Social Media Services, um für Ihre Behörde als juristischer Arbeitgeber zu werben? Wenn ja, was tun Sie konkret? Wenn nein, was hindert Sie daran?

MSGIV: Werbung als juristischer Arbeitgeber wird nicht gesondert betrieben, da in der Behörde eine große Vielfalt an Qualifikationen für die verschiedensten (Fach-) Aufgaben erforderlich ist. Stellenausschreibungen werden auf verschiedenen Portalen, z.B. Interamt, Karriereportal Land Brandenburg oder dem Fachkräfteportal Brandenburg, veröffentlicht.

iurratio: Vielen Dank für das Interview!

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