Skip to main content

Legal Tech – Die juristische Tätigkeit von Morgen.

Dies ist der erste Teil der vierteiligen Artikelreihe "Legal Tech - Die juristische Tätigkeit von Morgen". Teil 1: Ein Überblick und Ausblick der gegenwärtigen Technologie
  • Artikel teilen

Der juristische Nachwuchs - zwischen Bedrohung und Chance

Teil 1: Ein Überblick und Ausblick der gegenwärtigen Technologie

Der exponentiell wachsende Fortschritt in der Digitalisierungsbranche macht auch keinen Halt vor dem nahezu steinzeitlichen Rechtsbereich. Ehrlicherweise hat sich in den letzten Jahrzehnten in der juristischen Branche in Sachen technischer Fortschritt wenig getan und unser Tätigkeitsfeld ist von den disruptiven Innovationen der Programmierer bislang noch verschont geblieben.

Zwar wurde bereits seit längerer Zeit die Arbeit der Rechtsanwaltsfachangestellten durch Spracherkennungssoftware dezimiert, standardisierte Schreiben oder Verträge werden schon längst mit Textbausteinen oder durch eine Modifikation von bereits in der Vergangenheit getaner Arbeit erstellt und Juris und Beck-Online helfen uns bei der mühsamen Recherchearbeit. Allerdings ist die Präsenz einer digitalen Transformation oder sogar die Industrialisierung der Rechtsbranche nicht mehr zu leugnen, weswegen dieses Thema nahezu omnipräsent erscheint.

Das Thema Legal Tech war sogar Generalthema des diesjährigen 68. Deutschen Anwaltstags in Essen. Obwohl wir einer gravierenden Veränderung bevorstehen, diskutieren Rechtsgelehrte immer noch, ob der universitäre Schwerpunktbereich bundeseinheitlich abschafft werden solle, anstatt sich mit ernsthaften Bedenken des zukünftigen Juristenarbeitsmarktes zu befassen.

Der juristische Nachwuchs – zwischen Bedrohung und Chance

Während die „alten Hasen“ diesem Thema eher gelassen mit einem Schmunzeln begegnen, befindet sich der Nachwuchs in einem Zwiespalt zwischen Bedrohung und Chance. Dies zeigt sich an den verharmlosenden Aussagen: „Ein Computer wird niemals das können, was wir uns in der jahrzehntelangen Ausbildung angeeignet haben“ bis hin zur unternehmerischen Euphorie der jüngeren Generation, die diesen Wandel als Glücksfall ansieht, um sich in neuen Nischen bestmöglich zu positionieren.

Aus diesem Grund ist es unerlässlich, die angehenden Juristen bereits jetzt über dieses Thema zu informieren, damit sie möglichst früh für die zukünftige Metamorphose der Rechtspraxis sensibilisiert werden, um sich somit frühzeitig auf den Rechtsmarkt von morgen vorzubereiten und sich von dem eingebrannten romantischen Bild zu verabschieden.

Gelernt wird nur was examensrelevant ist

Denn bisher herrscht unter den Studenten das Dogma: Gelernt wird nur was examensrelevant ist. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass das Jurastudium überholt sei und nicht mehr dem derzeitigen Zeitgeist entspreche. Vielmehr sollte sich der Student von heute zusätzlich zu dem klassischen juristischen Handwerkszeug frühzeitig Grundzüge des sogenannten Codings selbst aneignen oder zumindest eine gewisse Technikaffinität besitzen. Das Studienprogramm der Universitäten könnte somit für die zukünftige Wahl des Studiums durchaus ausschlaggebend sein.

Bucerius Law School bei der Rechtsinformatik an Hochschulen mit Vorreiterrolle

Nachdem sich zunächst ausschließlich US-amerikanische Hochschulen mit den neuen Entwicklungen der Rechtsinformatik befassen, sind nun auch deutsche Hochschulen auf dem Vormarsch. Als erstes ist die Bucerius Law School in Hamburg zu nennen, die Veranstaltungen wie unter anderem „Coding for Lawyers“ anbietet und Gastgeber vieler Veranstaltungen rund um das Thema „Legal Tech“ ist. Außerdem hat die Hochschule zusammen mit der Bosten Consulting Group bereits Anfang 2016 eine Studie über die zukünftigen Veränderungen des Rechtsmarktes publiziert und ein Innovation Lab, eine gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsplattform, eingerichtet.

Nennenswerte Pioniere an staatlichen Hochschulen sind Prof. Dr. Breidenbach an der Europauniversität Viadrina in Frankfurt an der Oder, der unter anderem knowledgeTools International GmbH mitbegründet hat und Privatdozent Dr. Fries an der LMU München. Die folgenden Ausführungen sollen nicht vom Siegel der absoluten Richtigkeit geziert werden, sondern vielmehr zum öffentlichen Diskurs innerhalb des jungen Nachwuchses beitragen.

Doch was ist Legal Tech genau? Warum vollzieht sich der Wandel gerade jetzt? Welche Gründe gibt es für eine solche Veränderung? Was ist der derzeitige Stand? Welche Möglichkeiten bietet bereits die heutige Technik? Welches Potenziell steckt dahinter? Alles Fragen, die in den Teil 2 bis 4 kurz umrissen werden sollen.

Legal Tech – Die juristische Tätigkeit von Morgen – Teil 2

Legal Tech – Die juristische Tätigkeit von Morgen – Teil 3

Legal Tech – Die juristische Tätigkeit von Morgen – Teil 4

Weitere Artikel

Zur Strafbarkeit von Unternehmen

Zur Strafbarkeit von Unternehmen

Die Idee der Einführung einer echten Unternehmensstrafbarkeit ist weder neu noch einfallsreich, aber dennoch wieder „en vogue“.2 Kaum ein anderes Thema hat die wirtschaftsstrafrechtliche Diskussion Deutschlands im 20. Jahrhundert derart geprägt.

Die 24 wichtigsten Definitionen im Strafrecht

Die 24 wichtigsten Definitionen im Strafrecht

Bei juristischen Fachbegriffen wie „Kausalität“ oder „objektive Zurechnung“ darf man nicht lange überlegen. Diese Definitionen müssen sitzen, denn in der Strafrechtsklausur ist Zeit ein knappes Gut!

Voraussetzungen für das Jura-Praktikum

Voraussetzungen für das Jura-Praktikum

Die Voraussetzungen für die praktischen Studienzeiten (Pflichtpraktikum) findet Ihr im jeweiligen Juristenausbildungsgesetz eures Bundeslandes. Dieser Beitrag soll euch einen kurzen Überblick über die Voraussetzungen der einzelnen Bundesländer geben.