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Das Referendariat: Interview mit Rechtsanwalt Dr. Jörn Lenz (KÜMMERLEIN)

Wertvolle Erfahrungen und Ratschläge über das Referendariat teilt Rechtsanwalt Dr. Jörn Lenz in unserer Interviewreihe "Mentoren für Referendare".

Es ist sehr effizient, Arbeit und Lernen zu verbinden und frühestmöglich das Erlernte in der Praxis zu erleben.

Rechtsanwalt Dr. Jörn Lenz

KÜMMERLEIN

Iurratio: An welchem Gericht haben Sie Ihr Referendariat absolviert? Was war für Ihre Wahl entscheidend?

Dr. Jörn Lenz: Meine Ausbildung habe ich beim LG Duisburg absolviert, ein hidden champion unter den Landgerichten mit einer tollen Mischung aus herausforderndem Umfeld und motivierten Richterinnen und Richtern. Für die praktische Ausbildung war ich am Amtsgericht meiner Heimatstadt Oberhausen. Ich habe mich dabei bewusst für das Amtsgericht entschieden, um mit echten Problemen und Schicksalen konfrontiert zu werden – eben ganz nah am Leben.

Iurratio: Bei welchen Arbeitgebern haben Sie Ihre Stationen absolviert?

Dr. Jörn Lenz: Nach meiner Station beim Bundeskartellamt habe ich sowohl die Anwalts- als auch die Wahlstation bei Freshfields Bruckhaus Deringer in Düsseldorf und anschließend im Herzen Europas in Brüssel absolviert.

Iurratio: Nach welchen Kriterien haben Sie die Ausbildungsstätten ausgewählt?

Dr. Jörn Lenz: Das Referendariat ist eine Herausforderung, aber auch eine große Chance, weil wir Juristen viele Arbeitgeber und viele Aufgabenbereiche in kürzester Zeit kennenlernen. Ich habe meine Stationen daher immer bewusst ausgewählt, um zu testen, ob ich in einem bestimmten Umfeld dauerhaft arbeiten möchte und dabei glücklich wäre. Das Ergebnis darf dann auch gern ein „Okay, das passt nicht“ sein. Es ist genauso wichtig zu wissen, was man nicht will, dann findet sich der Weg zum Traumjob leichter.

Iurratio: Wie war die Begleitung durch die Ausbilder?

Dr. Jörn Lenz: Bei Gericht, beim Bundeskartellamt und auch in der Anwaltschaft habe ich äußerst motivierte, freundliche und vor allem glückliche Menschen kennengelernt, die ihren Job gern machen. Für mich war die Mischung zwischen Herausforderung und an die Hand nehmen wichtig. Den besten Eindruck bekommen die Referendare, wenn sie so oft es geht im Büro des Ausbilders sitzen, um die alltäglichen Aufgaben mitzuerleben. Den Rest der Zeit sollten sie eigenverantwortlich arbeiten, d.h. Lösung entwickeln, kreativ sein und auch aus Fehlern lernen. Meine Ausbilder haben mir genau das ermöglicht und genau das ist meine Erwartung an mich selbst für die Ausbildung meiner Referendare.

Iurratio: Haben Sie eine stationsbegleitende Nebentätigkeit ausgeübt? Wie haben Sie sich die Zeit zum Arbeiten und Lernen eingeteilt?

Dr. Jörn Lenz: Zum Einstieg ins Referendariat habe ich meine vorher promotionsbegleitende WissMit-Stelle am Lehrstuhl meines Doktorvaters aufgegeben, um Platz für den Nachwuchs zu machen. Ein befreundeter Lehrstuhl suchte dann aber spontan eine Seminarbetreuung und da konnte ich nicht nein sagen. Letztlich ist es auch für das zweite Examen eine sehr gute fachliche Vorbereitung, den Lernstoff selbst zu vermitteln – sei es in privaten Lerngruppen mit Freunden oder als WissMit in Nebentätigkeit. Es ist daher sehr effizient, Arbeit und Lernen zu verbinden und frühestmöglich das Erlernte in der Praxis zu erleben. Für mich war es dabei wichtig, dass ich mir konkrete Lernziele setze, die ich dann immer wieder neu gewichte und anpasse.

Iurratio: Wie waren Ihre Erfahrungen mit den stationsbegleitenden AGs?

Dr. Jörn Lenz: Die Spannbreite schwankt leider sehr, das ist kein Geheimnis. Der Großteil unserer AG-Leiter war jedoch sehr motiviert und konnte die Lerninhalte gut vermitteln. Im Ergebnis halte ich hier aber eine Reform für dringend überfällig. Die AGs könnten meiner Meinung nach deutlich gestrafft werden, wenn dort nur die wesentlichen Techniken und Grundlagen vermittelt würden. Den Rest müssen wir entweder anderweitig Lernen oder im Kommentar finden.

Iurratio: Wie haben Sie sich auf das 2. Examen vorbereitet? Welche Materialien haben Sie zur Vorbereitung auf das 2. Examen genutzt?

Dr. Jörn Lenz: Ich bin ein auditiver und visueller Lerntyp, das habe ich schon im ersten Examen gemerkt. Für mich war also von Anfang an klar, dass ich wieder auf bunte Karteikarten mit Pfeilen, Unterstreichungen, Textmarker-Markierungen und Zeichen aller Art setzen würde. Immer wenn ich einen Abschnitt durchgearbeitet habe, habe ich mir dann ein kleines Hörbuch mit den Lerninhalten gesprochen. Mit diesen Aufnahmen kann die Zeit fürs Pendeln, Aufräumen oder beim Sport bestmöglich genutzt werden. Die Grundlagen Urteilsklausur können so bspw. leicht auf dem Weg zur Arbeit wiederholt werden. Das erhöht die Anzahl der Wiederholungen um ein Vielfaches!

Iurratio: Welche Tipps würden Sie angehenden Referendaren zur Vorbereitung auf das Referendariat mitgeben?

Dr. Jörn Lenz: Wichtig ist es, dass die Lernmaterialien vereinfacht werden. Zunächst sollten die Grundlagen zu 90% sitzen, bevor ich mich in Details verliere. Je einfacher die Unterlagen sind, umso schneller lassen sie sich wiederholen. Für mich bedeutete dies, dass meine jetzige Frau jederzeit irgendwelche Schemata oder Definitionen abfragen sollte. Obwohl sie keine Juristin ist, kann sie jetzt beim Tatort sämtliche Tatvorwürfe definieren.

Außerdem sollte es nicht unterschätzt werden, wie wichtig die Arbeit mit dem Kommentar ist. Man kann also nicht früh genug anfangen, mit den Kommentaren zu arbeiten und damit meine ich genau die, die im Examen zugelassen sind. Mein Vorgehen gilt erst recht für alle, die – wie ich – eher zu wenig Zeit in einer Klausur haben: Die Grundlagen und vor allem die Schemata müssen sitzen. Tag und Nacht. Jederzeit. Dann bleibt genug Zeit, um die Details im Kommentar nachzuschlagen und (punktetechnisch) abzuräumen.

Iurratio: Warum haben Sie sich letztendlich für Ihren jetzigen Arbeitgeber entschieden?

Dr. Jörn Lenz: Im besten Fall lernt man den Arbeitgeber im Referendariat oder Nebenjob kennen, um sich bewusst für einen Arbeitgeber (und bestenfalls ein bestimmtes Team) zu entscheiden. In meinem Fall war es dann doch ein bisschen anders, es ist also auch kein Muss. Im Ergebnis war es für mich eine Bauchentscheidung. Dabei ging es mir vor allem um die Leute, mit denen ich arbeiten würde, die Arbeitsweise, mit der Aufgaben und Herausforderungen angegangen werden, und nicht zuletzt natürlich um die Beziehung zu den Mandanten.

Iurratio: Möchten Sie noch etwas hinzufügen?

Dr. Jörn Lenz: Bei der Vorbereitung auf das Staatsexamen gilt genau wie im Berufsleben:

“If you can’t explain it to a 6-year-old, you don’t understand it yourself.”
— Albert Einstein

Iurratio: Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Lenz!

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