Berufsspecial Insolvenzrecht

Berufsspecial

Insolvenzrecht

Praxis

Der Helfer in der Not

Sie kommen in der Krise und bewerten den Misserfolg. Mal sind sie verhasst und mal ist man froh, sie als Stütze zu haben; er ist der Mentor* in der Pleite: der Insolvenzrechtler. Der Berufsweg des Insolvenzrechtlers gehört bekanntermaßen nicht zu den Beliebtesten. An den guten Berufs- und Verdienstaussichten wird das wohl nicht liegen. Vielmehr schreckt die Arbeit mit Menschen in der Krise ab. Dabei bieten sich in diesem Bereich gerade für wirtschaftsrechtlich ausgerichtete Juristen hervorragende Einstiegsmöglichkeiten. Den Menschen in der unternehmerischen Krise wird es immer geben, dann sollte es auch an qualifizierten Helfern nicht mangeln!

Tätigkeitsfelder

Die Einsatzgebiete sind vielseitig und spannend. Das Insolvenzrecht ist Teil des Wirtschaftsrechts und bewegt sich an der Schnittstelle vieler verschiedener Rechtsgebiete. Berührungspunkte entstehen stets mit dem Handels-, Gesellschafts-, Unternehmens-, Steuer- und Strafrecht. Der Spezialist im Insolvenzrecht sollte daher vertiefte Kenntnisse in diesen vorweisen können.

Oftmals berät der Insovelnzrechtler Unternehmen, die der Insolvenz nahestehen oder bereits einen Insolvenzantrag beim zuständigen Amtsgericht gestellt haben. Alternativ kann auch der Weg des Insolvenzverwalters gewählt werden. Dann wird der Experte im Rahmen von Insolvenzverfahren als Verwalter von den Gerichten beauftragt. Der Markt der Insolvenzverwaltung ist jedoch stark umkämpft. Für Neueinsteiger ist es oft schwierig, lukrative Aufträge zu ergattern. Wer hier aber branchenübergreifende Erfahrungen und Kenntnisse im Wirtschaftsrecht bieten kann, wird auch als Berufsanfänger glücklich.

Der Alltag im Insolvenzrecht - nichts für schwache Nerven!

Im Rahmen der Insolvenzverwaltung wird es für die Beteiligten schnell emotional und brisant. Schließlich werden teilweise ganze Lebenswerke abgewickelt. Empathievermögen und Hilfsbereitschaft sind zwar wichtige Eigenschaften, die der Insolvenzrechtler mitbringen muss, eine Überdosis Mitgefühl und schwache Nerven können jedoch die ordnungsgemäße Abwicklung gefährden. Hier ist es wichtig, die Balance zu finden. Weiterhin erfordert die Tätigkeit des Insolvenzrechtlers ein betriebswirtschaftsrechtlich orientiertes Handeln wie gute Fähigkeiten im Umgang mit Zahlen und solide Kenntnisse in Rechnungswesen und Bilanzierung. Gefordert wird also ein kompetentes, zuverlässiges und vertrauenswürdiges Profil mit kommunikativen Fähigkeiten. Wenn man dann auch noch ein großes zeitliches Engagement aufbringt und Stressresistenz zeigt, steht der erfolgreichen Karriere im Insolvenzrecht nichts mehr im Wege!

Videos

Thorsten Herms zu seiner Tätigkeit im Bereich Insolvenzrecht und Restrukturierungsrecht

Möhrle Happ Luther

Berufschancen & Gehälter

Berufsaussichten – Was sind meine Möglichkeiten?

Pleiten gab es schon immer und wird es auch immer geben. Das Insolvenzrecht war und ist somit ein stets bedeutungsvoller Rechtsbereich, in dem es nie an Arbeit mangeln wird. Neben dem klassischen Beruf des Rechtsanwalts kann der Experte im Insolvenzrecht auch als Insolvenzverwalter oder als Berater in einem wirtschaftsrechtlich ausgerichteten Unternehmen tätig werden. Zwar wird das Insolvenzrecht in der Juristenausbildung eher außen vorgelassen, doch werden diejenigen, die diesen Bereich dennoch für sich entdecken können, nach harter Arbeit reichlich entlohnt werden!

Gehaltsaussichten - Die Kasse klingelt!

In Kanzleien liegt der durchschnittliche jährliche Verdienst bei ca. 93.300€.** Damit gehört das Insolvenzrecht zu einem der lukrativsten Rechtsgebiete! Spitzengehälter halten dabei mit im Schnitt knapp 102.000€ und 106.400€ die Anwaltsboutiquen und Großkanzleien bereit.** Etwas abseits liegt das Durchschnittsgehalt in mittelständischen Sozietäten mit ca. 76.500€.**

Ein lukratives Tätigkeitsfeld ist das Insolvenzrecht auch insbesondere deshalb, weil es großes Wachstumspotenzial hinsichtlich der Verdienstmöglichkeiten mit sich bringt. Ein Insolvenzverwalter, der aufgrund seiner Erfahrung die notwendige Autorität gegenüber Investoren und Gläubigern besitzt, wird von den Gerichten bevorzugt und vor allem für die großen Fälle beauftragt. Mit großen Fällen gehen meist große Insolvenzmassen einher und damit auch hohe Honorare für die Insolvenzrechtler. Die Gehälter hängen von verschiedenen Faktoren ab und können sich daher erheblich voneinander unterscheiden. Als Faustregel kann aber der Erfolgsfaktor genannt werden: Je öfter der Insolvenzverwalter es schafft, hohe Summen aus der Insolvenzmasse zu ziehen, desto höher fällt seine Beteiligung aus. Zusätzlicher Faktor ist die Berufserfahrung. Die Einstiegsgehälter liegen beim Tätigkeitsfeld des Insolvenzverwalters bei ca. 30.000€ im Jahr, können aber gemessen an seinem Erfolg und seiner Berufserfahrung bis zum sechsstelligen Bereich aufsteigen. Durchschnittlich wird wohl aber ein Jahresgehalt von ca. 55.000€ realistisch sein.

Bildung

Fachanwaltstitel im Insolvenzrecht

Ist erst einmal die Entscheidung für das Insolvenzrecht gefallen, sollte der Erwerb des passenden Fachanwaltstitels ins Auge gefasst werden. Laut jüngster Statistik tragen 1.740 Juristen den Titel des Fachanwalts für Insolvenzrecht, Tendenz steigend. Die zuständige Rechtsanwaltskammer, der der Rechtsanwalt angehört, verleiht nach Maßgabe der Fachanwaltsordnung (FAO) die Berechtigung zum Führen der Fachanwaltsbezeichnung. Voraussetzungen für diese Verleihung sind:

  • dreijährige Zulassung und Tätigkeit innerhalb der letzten sechs Jahre vor Antragstellung (§3 FAO)
  • Antragstellung bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer (§22 FAO)
  • Nachweis besonderer theoretischer Kenntnisse (§§ 4, 4a und 6 FAO)
  • Nachweis besonderer praktischer Erfahrungen (§§ 5, 6 FAO)

Zudem muss er die in §14 FAO genannten besonderen Kenntnisse nachweisen.

Promotion und LL.M. im Insolvenzrecht

Auch in diesem vielfältigen Berufsfeld besteht die Möglichkeit, zu promovieren oder einen Master of Laws zu erwerben. Die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg bietet den LL.M. „Unternehmensrestrukturierung“ an. Er kann sowohl in Vollzeit (Dauer: 2 Semester) als auch in Teilzeit (Dauer: 4 Semester) absolviert werden. Die Kosten belaufen sich auf 8.000€ plus Semesterbeitrag.

Auch an einer Vielzahl ausländischer Universitäten gibt es passende Masterprogramme, wie zB. zum „Corporate and Insolvency Law“ an der Nottingham Law School in Großbritannien. Der Master dauert 1-2 Jahre (je nachdem, ob man ihn in Voll- oder Teilzeit belegt) und kostet umgerechnet ca. 16.800€. In den USA kann zB. der LL.M. in „Bankruptcy“ an der UCLA Law School in Los Angeles innerhalb von 12 Monaten für umgerechnet ca. 53.200€ absolviert werden.

Der Vorteil eines LL.M. in Deutschland liegt definitv in den günstigeren Kosten. Der Nachteil besteht offenkundig darin, dass der Blick über den „deutschen juristischen Tellerrand“ nicht hinausgeworfen wird und die eigenen Fremdsprachenkenntnisse währenddessen kaum erweitert werden. Berufsbegleitend ist der LL.M. im Insolvenzrecht jedenfalls sowohl im In- als auch Ausland möglich.

*Aus Gründen der Leserlichkeit wird das generische Maskulinum verwendet; es sind alle Geschlechter gemeint.
** basierend auf unserer Umfrage von 92 Kanzleien.

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