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Praktikum im Paradies - oder die Verwaltungsstation in Sri Lanka

Wir haben Jörg Bartz zu seiner Verwaltungsstation befragt. Er entschied sich nach dem ersten Examen dafür, dem Inselstaat im Indischen Ozean einen Besuch abzustatten. Er hat uns einen Bericht über seine Zeit dort verfasst.

Praktikum oder Verwaltungsstation in Sri Lanka

Es gibt viele Träume eines Jurastudenten. Die Zwischenprüfung, ein Prädikat, ein toller Job mit guten Arbeitszeiten und angemessener Entlohnung, ein toller Praktikumsplatz oder einfach nur vier Punkte.

Dann gibt es den Traum aller Träume. Da arbeiten, wo andere Urlaub machen. Wer die Gelegenheit eines Auslandsjahres in der Schulzeit schon nicht genutzt hat oder wem es wegen der Studienplanung auch nicht möglich war, ein Erasmus- Semester einzuschieben, den mag nach dem ersten Staatsexamen womöglich das Fernweh plagen.

Doch noch sind nicht alle Chancen auf einen Auslandsaufenthalt verstrichen, bevor der harte Berufsalltag anfängt. Gerade die Referendarszeit bietet sich für einen solchen besonders an. Empfehlenswert ist es, hier die Verwaltungsstation oder die Wahlstation zu nutzen.

Zwei bis drei Monate in der Botschaft bieten einem nicht nur Einblick in die Arbeit der ausgewählten Stelle, sondern auch die Möglichkeit, sich kulturell, sprachlich und sozial weiterzuentwickeln.
Wir haben Jörg Bartz zu seiner Verwaltungsstation befragt. Er entschied sich nach dem ersten Examen dafür, dem Inselstaat im Indischen Ozean einen Besuch abzustatten.
Er hat uns einen Bericht über seine Zeit dort verfasst.

Zeitraum: 01.12.2014 - 28.02.2015

Arbeit in der Botschaft

Meine Arbeit war größtenteils aus dem Bereich Rechts- und Konsularwesen. Die meiste Zeit habe ich Remonstrationsbescheide oder Klageerwiderungen geschrieben. Dazu gab es manchmal internationale Erbfälle, Adoptionen oder Vollmachten.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich diesen Teil der Arbeit als nicht sehr abwechslungsreich empfunden habe. Zu Beginn meiner Zeit hatte ich auch gehofft, etwas mehr im Kulturreferat arbeiten zu können. Allerdings hat die Verständigung mit der dort verantwortlichen Person nicht sehr gut funktioniert. Emails wurden teilweise erst eine Woche später oder gar nicht beantwortet.

Eine Sache, die Anfang Dezember besprochen wurde, kam erst Mitte Februar richtig ins Rollen. Auch der Botschafter hat sich kaum um mich gekümmert, bei anderen Referendaren habe ich gehört, dass sie viel mehr vom Botschafter einbezogen wurden. Einen wirklichen Einblick in die Arbeit im höheren Dienst beim AA (in Sri Lanka nur zwei Personen) habe ich nicht erhalten.

Die Arbeitsatmosphäre an der Botschaft generell habe ich als sehr freundlich und positiv empfunden. Man fühlt sich schnell wohl und insbesondere mit dem Leiter der Rechts- und Konsularabteilung habe ich mich sehr gut verstanden. Wir haben etwa auch ein paar Mal privat Squash gespielt.

Arbeitszeiten/Dresscode

Die Kernarbeitszeit in der Botschaft ist von 07:30 bis 16 Uhr (donnerstags bis 16:30 Uhr). Pause ist von 12:30 Uhr bis ca. 13:20 Uhr. Freitags endet die Arbeit um 13:00 Uhr – keine Mittagspause –, was gut für Reisen am Wochenende ist. Montags und donnerstags gehen die Entsandten zum Lunch meist aus der Botschaft raus, an den anderen beiden Tagen wird bestellt. Zusätzlich gibt es einige Abendtermine wie Jubiläen, Eröffnungsfeiern oder Veranstaltungen in der Residenz des Botschafters.

Der Dresscode in der Botschaft kann als smart casual bezeichnet werden. Herren haben in der Regel Anzughose und Hemd an. Die meisten Mitarbeiter haben wegen der Hitze kurzärmlige Hemden getragen; ich selbst bevorzuge lange Ärmel. Die weiblichen Mitarbeiter tragen Rock/Bluse oder Kleider bzw. schickere Hosen.

Visum/Impfungen

Ich habe ca. zwei Monate vor Antritt der Referendarstelle meinen Pass zum AA nach Berlin geschickt, von wo der Pass an die sri-lankische Botschaft in Berlin weitergeleitet wurde. Diese hat mir dann direkt den Pass mit Visum zugeschickt. Ich hatte zunächst ein entry visa für vier Monate. In Colombo habe ich dann aber über die Botschaft ein residence visa beantragt, da ich auch das Land verlassen wollte und das entry visa nur für einen Eintritt galt. Die Kosten für das residence visa (über 100 Euro) hat die Botschaft gezahlt.

Ich habe mich vor der Reise mehrfach impfen lassen. Zum einen die normalen Standardimpfungen aufgefrischt, zum anderen Hepatitis A und B sowie Typhus. Wenn man längere Zeit im Dschungel von Sri Lanka verbringen will, wird auch Japanische Enzephalitis empfohlen. Außerdem kann man über Tollwut nachdenken, da es in Sri Lanka wirklich viele Straßenhunde gibt.

Wohnung

Ich habe, wie viele Praktikanten/Referendare zuvor, bei Champa in Colombo 5 gewohnt, kann diese Wohnung aber absolut nicht weiterempfehlen. Nach kurzer Zeit hatte ich auch überlegt, auszuziehen, aber wegen der Nähe zu meinem Schwimmverein bin ich geblieben. Zum einen nervig ist, dass Champa unglaublich viel quatscht und viele Dinge nicht zeitnah erledigt. So hat es anfangs immer eine Stunde gedauert, bis sie mir einen Check über die gezahlte Miete ausgestellt hat.

Dann habe ich ihr im Dezember gesagt, dass etwas im Bad nicht funktioniert und es hat über einen Monat gedauert, bis dieses Problem behoben war. Zudem gibt es dauernd Probleme mit dem Internet – wenn es funktioniert, nur sehr langsam – und mit Ratten. Die Ratten konnten sich regelmäßig an verschiedenen Stellen in die Küche beißen und es gab eine Zeit, da musste ich jeden Morgen erstmal die Ratten aus der Küche vertreiben.

Oben drauf kam noch, dass sie mir einmal eine Stromrechnung präsentiert hat, die absolut unrealistisch war, da ich zu der Zeit alleine in der Wohnung (4 Zimmer) gewohnt habe und zudem noch zwei Wochen nicht da war. Alles in Allem: Finger weg von Champa!

Leben in Colombo

Das Leben in Colombo ist ganz angenehm. Es gibt viel zu entdecken, viele nette Plätze (ich empfehle die Dilmah Tea Lounge in der Independence Arcade und das Voile Blanche in Mount Lavinia) und man kann eigentlich alles machen, was es auch in Deutschland gibt. Dazu kommt, dass es hier viele „fancy“ Hotels gibt, bei denen man mal abends einen Drink nehmen kann oder zum Frühstücksbuffet am Wochenende (Hilton Residence, für nur 1400 Rupien mit Poolnutzung) gehen kann. Die meisten haben ganz nette Außenpools.

Ich selbst habe meine Zeit hier auch dazu genutzt, sehr viel Sport zu machen und bin dem Killer Whale Aquatics Schwimmteam beigetreten. Dieses Team ist stark leistungsorientiert und einige der schnellsten sri-lankischen Schwimmer trainieren dort. Übrigens: Mehr als 70 % der Gesamtbevölkerung kann gar nicht schwimmen.

Ich bin also sehr oft um 04:00 Uhr morgens aufgestanden, um vor der Arbeit noch zwei Stunden zu trainieren; dazu einige Einheiten am Abend. Unter der Woche abends habe ich daher eher wenig gemacht - andere Referendare/Praktikanten gehen regelmäßig mittwochs ins Manchester.

Reisen

Wenn man einmal in Colombo ist, sollte man die Zeit auch nutzen, um etwas von der Insel zu sehen. Ich habe einige Strände im Süden und Westen (Tangalle, Goyambokka Beach, Mirissa, Galle, Hikkaduwa, Bentota, Beruwala und zuletzt Negombo) gesehen und genossen.

Man kann hier auch tauchen gehen, was ich zweimal gemacht habe. Im Inneren des Landes war ich in Kandy, Pinnawela (Elefanten Waisenhaus) und auf dem Lion Rock in Sigiriya. Viele von den Sehenswürdigkeiten Sri Lanka’s sind extrem teuer für Touristen, so dass es sich lohnt, auf sein residence visa zu warten, da man mit diesem viel weniger bezahlt.

Persönliche Highlights waren zwei längere Trips nach Thailand – über Weihnachten/Neujahr – und auf die Malediven. Da die Botschaft in Colombo auch für die Malediven zuständig ist und der Botschafter jemanden von der Villa Group gut kennt, habe ich einen guten Rabatt für einen viernächtigen Aufenthalt in einem der Ressorts bekommen. Flüge von hier auf die Malediven kosten ca. 200 Euro und die Flugzeit beträgt 1:15 Stunden.

Meldiven me2

Fazit

Von der Arbeit in der Botschaft hatte ich mir etwas mehr erhofft, aber Sri Lanka ist ein ganz tolles Land mit sehr freundlichen Menschen und einem super Schwimmteam in Colombo.

Wir danken Jörg Bartz für diesen Einblick in seine Zeit in Colombo.
Ihr merkt, auch im Paradies ist nicht immer alles paradiesisch und es gibt auch dort die Herausforderungen des Alltags, denen man sich zu stellen hat. Gerade im Ausland kann das unter Umständen anspruchsvoll sein.

Aber gerade an solchen Erfahrungen wächst man und sammelt Eindrücke, die es bei einer Verwaltungsstation bei der Stadtverwaltung Wesseling womöglich nicht gegeben hätte.
Wenn ihr also mit dem Gedanken spielt, Wahl- oder Verwaltungsstation im Ausland zu machen, zögert nicht, sondern informiert euch rechtzeitig über Möglichkeiten und Chancen.
Denn die Welt steht euch offen.

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