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Mein Jurastudium an der Universität Potsdam - Interview

Ein Interview mit Clara Svrek über das Jraustudium an der Universität Potsdam. Es werden Fragen zur Organisation, zu den Materialien und zu der allgemeinen Betreuung im Studium geklärt.

Potsdam bietet eine nette kleine Uni im Grünen mit S-Bahnanschluss in die Großstadt - Eine gute Wahl!

Nach dem Abitur gilt es nicht nur, sich für ein Studienfach zu entscheiden, sondern auch die passende Universität auszuwählen. Der Wunsch, eine juristische Laufbahn einzuschlagen, ist nicht immer vorprogrammiert und das Wissen um Schwerpunktinteressen, Stärken und Schwächen in diesem Bereich oft mangels Erfahrung noch rar gesät.

Deswegen ist es nicht immer leicht, unter den vielen juristischen Fakultäten, diejenige auszuwählen, die für einen richtig ist. Heimatsort, Wohn- und soziale Situation spielen oft eine wichtige Rolle, aber auch die Fragen:
"Wie ist die Betreuungssituation?" " Was bietet mir meine Universitätsstadt?" "Was hat meine Uni, was andere nicht haben?"

Zum Semesterstart wollen wir euch einige Studierende vorstellen, die uns einen Einblick in ihr Studierendenleben an ihrer Universität geben wollten. Ganz bewusst distanzieren wir uns von Werbung auf Hochschul-Onlinepräsenzen oder in Katalogen und stellen euch subjektive Eindrück der jeweiligen Personen dar. Weiter geht es mit Clara Svrek, die an der Universität Potsdam studiert.

Mein Studium an der Universität Potsdam

An welcher Universität studierst du?
Ich studiere an der Universität Potsdam, welche in der Landeshauptstadt Brandenburgs liegt.

In welchem Semester bist du…
Ich studiere seit einem Jahr Jura und bin jetzt im 3. Fachsemester.

…und wo liegt dein Interessensschwerpunkt?
Bisher hatten wir in den Vorlesungen die juristischen Grundlagen und Bereiche wie Bürgerliches Recht, Öffentliches Recht und Strafrecht, die ganz allgemein behandelt wurden, ohne gewisse Schwerpunkte zu vertiefen. Dieses Semester kommt Europarecht hinzu, worauf ich mich besonders freue, da ich ein großes Interesse an anderen Ländern und fremden Kulturen habe. Später möchte ich auf alle Fälle etwas mit Internationalen Recht machen. Besonders großes Interesse habe ich also an allem, was nicht nur auf nationaler Ebene stattfindet.

Warum studierst du an dieser Hochschule?
Die Entscheidung für Potsdam hatte ein paar private und rationale Gründe. Ich bin gebürtige Berlinerin und wollte nicht aus meiner Heimatstadt weg. Da mir ein Studienplatz in Berlin verwehrt geblieben ist, bin ich nach Potsdam gegangen. In Berlin und auch ganz besonders in Potsdam ist Wohnraum teuer und etwas Bezahlbares kaum zu finden. Allerdings hat nun nach einem Jahr das Pendeln ein Ende. Ich ziehe nach Potsdam und freue mich das schöne Städtchen, was neben der Uni auch einiges zu bieten hat und meiner Meinung nach neben Berlin eine wirklich gute Figur macht.

Besonders gut finde ich auch die Möglichkeit, dass man in Potsdam neben dem Staatsexamen auch den Bachelor machen kann, ohne großen Mehraufwand, denn man ist automatisch in beiden Studiengängen immatrikuliert. Sollte man also während des Studiums feststellen, dass man das Staatsexamen nicht schaffen würde, bzw. dieses nicht machen möchte hat man immer noch die Möglichkeit, einen Abschluss zu bekommen und all die Jahre harter Arbeit waren nicht umsonst.

Wie zufrieden bist du mit…
... der Ausstattung der Bibliothek?
Es gibt verschiedene Bibliotheken. Die Uni ist auf verschiedene Campus aufgeteilt und an jedem befindet sich eine Teilbibliothek, die die Fachbücher für die jeweiligen Studiengänge beherbergt, man kann jedoch jede der Bibliothek besuchen unabhängig vom Studiengang.

Die juristische Fakultät befindet sich auf dem kleinsten Campus und dementsprechend ist die Bibliothek auch relativ klein. Allerdings stellen die Jurastudenten den größten Teil der Studenten dort und die Anzahl der Fachbücher ist dementsprechend hoch. Die Bibliothek hat zwei Flügel, in dem einen sind die verleihbaren Bücher untergebracht, meist Lehrbücher und allgemeine Fachliteratur zu den Vorlesungsreihen.

Der andere Flügel beherbergt einen relativ großen Präsensbestand (d.h. nicht verleihbare Bücher). Nicht optimal finde ich die Arbeitssituation, denn wenn es voll ist, kann es relativ laut werden, da die Arbeitsbereiche offen in das Gebäude integriert werden. Es gibt keine separaten Stillarbeitsräume und nur einen kleinen Arbeitsraum für Gruppenarbeiten.

... mit den Vorlesungen?
Die Qualität der Vorlesung hängt extrem vom jeweiligen Professor und dessen Lehrstil ab. Ich glaube nicht, dass diese schlechter sind als an anderen Unis auch. Gut finde ich, dass fast alle Professoren auch nach den Vorlesungen noch Fragen beantworten. Den meisten ist es auch wichtig, die Studenten innerhalb der Vorlesung in einen Dialog einzubinden und es gibt in den meisten Fällen begleitendes Lehrmaterial.

... mit den vorlesungsbegleitenden Angeboten wie Tutorien oder Uni-Rep?
Wir haben begleitend zu jeder Vorlesungsreihe wöchentliche Arbeitsgemeinschaften, die von den wissenschaftlichen Mitarbeitern der Professoren geleitet werden. Dort geht es darum, Fälle zu den entsprechenden Themen zu bearbeiten, was eine super Unterstützung und Übungsmöglichkeit darstellt, ebenso wie die Probeklausuren vor den richtigen Prüfungen.

In den ersten Semestern fehlte aber eine Einführung in das generelle juristische Arbeiten wie z.B. die Vermittlung des Gutachtenstils. Dieser ist elementarer Bestandteil der Arbeiten im Studium und war für mich erstmal eine große Herausforderung. Dort hätte ich mir Unterstützung seitens der Lehrkörper gewünscht.

... mit der allgemeinen Betreuung durch die Hochschule?
Wir haben einen Fachschaftsrat und sonstige Studentenvertretungen. Braucht man als Einzelner jedoch Hilfe von bestimmten Stellen, braucht man einen langen Atem, um gewisse Dinge zu erreichen oder um an Informationen zu kommen. Beispielsweise ist es kaum möglich, das Studienbüro zu erreichen, weil die Sprechzeiten sehr kurz sind und es während der Vorlesungszeit fast unmöglich ist, diese wahrzunehmen.

Würdest du den Abiturienten von heute a) ein Jurastudium und b) an deiner Hochschule empfehlen?
Ich würde jedem, der mit dem Gedanken spielt ein Jurastudium zu beginnen, raten, es zu tun. Aber man sollte sich im Klaren sein, dass es viel Selbstdisziplin erfordert und Ausdauer für Lernmarathons unabdingbar ist. Auch haben ethische Themen kaum Platz in den Diskussionen. Denkweisen wie, "Ich möchte die Welt verbessern!", waren ein Grund, warum ich begonnen habe Jura zu studieren und es immer noch tue. Dass das Studium dafür momentan keinen Raum bietet, war aber besonders am Anfang eine echt harte Nuss.

Potsdam bietet eine nette kleine Uni im Grünen mit S-Bahnanschluss in die Großstadt. Mir gefällt die Uni, also kann ich nur sagen: Ja, Potsdam ist eine gute Wahl!

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