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Referendarstation an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer

Referendare aus allen 16 Bundesländern kommen nach Speyer, um dort ein dreimonatiges „Speyer-Semester“3 zu absolvieren. In den einzelnen Bundesländern gibt es Unterschiede, in welcher Station man an die DHV entsendet werden kann.

A. „Warum“ Speyer"?*1
Referendare aus allen 16 Bundesländern kommen nach Speyer, um dort ein dreimonatiges „Speyer-Semester“3 zu absolvieren. In den einzelnen Bundesländern gibt es Unterschiede, in welcher Station man an die DHV entsendet werden kann.

Nach meiner Erfahrung entscheiden sich die meisten Referendare dazu, für die Verwaltungsstation nach Speyer zu kommen. Darüber hinaus besteht oftmals auch Möglichkeit, das Semester auf die Anwalts- oder Wahlstation anrechnen zu lassen.4 Zu den Referendaren gesellen sich Aufbauhörer aus den verschiedensten Fachgebieten, die ihrem bereits abgeschlossenen Studium einen weiteren Magistertitel hinzufügen möchten.

Ein Kennenlernen untereinander ist schnell möglich, da ein Großteil der Hörer direkt auf dem DHV-Gelände wohnt und so tägliche Begegnungen stattfinden. Durch die regionale und inhaltliche Vielfalt der Hörerschaft stellt das Speyer-Semester neben der reinen Wissensvermittlung eine starke soziale Bereicherung dar. Die Hochschule wird größtenteils von den Hörern selbst organisiert. So werden Referate in verschiedenen Themengebieten (z.B. Kultur, Umwelt, Sport, etc.) eingesetzt, welche die anstehenden Punkte in dem jeweiligen Bereich bearbeiten.

Das Kulturreferat organisierte beispielsweise Fahrten zum Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe und zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte nach Straßburg mit anschließender Besichtigung der jeweiligen Stadt.

B. Lehrveranstaltungen
Die DHV Speyer bietet eine breite Palette von Lehrveranstaltungen an. Neben examensrelevanten Vorlesungen wird ein hohes Maß an Interdisziplinarität gewährt, indem zusätzlich Kurse aus den Bereichen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften unterrichtet werden.

So habe ich beispielsweise die Vorlesung „Regieren in Deutschland“ besucht und meinen Seminarschein in der Veranstaltung „Vertrauen in die Verwaltung, in der Verwaltung und in die Politik“ gemacht. Trotz dieses fächerübergreifenden Angebotes wird ebenfalls eine Vielzahl von rechtswissenschaftlichen Fächern gelehrt. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf den Verwaltungswissenschaften, aber es werden ebenso Justizübungen im Zivil- und Strafrecht angeboten.

Die heimische Arbeitsgemeinschaft wird durch die sog. Landesübung ersetzt, die eine qualifizierte Vorbereitung auf die öffentlich-rechtlichen Klausuren im zweiten Staatsexamen unter Berücksichtigung des jeweiligen Landesrechts gewährleisten soll. In der Regel werden in dieser Veranstaltung auch Klausuren geschrieben und Aktenvorträge abgehalten. Zusammenfassend ist zu sagen, dass durch dieses Angebot eine sehr gute Examensvorbereitung möglich ist.

C. Semesterzeugnis
Nach Abschluss der Station erhält jeder Referendar ein Semesterzeugnis, welches dem Stationszeugnis entspricht. Die Gesamtnote des Zeugnisses setzt sich aus den Noten für das zu belegende Seminar und die Projektbezogene Arbeitsgemeinschaft zusammen. In diesen beiden Veranstaltungen muss in aller Regel ein mündlicher Vortrag gehalten und eine dazugehörige schriftliche Hausarbeit angefertigt werden.

Weitere Voraussetzung für die Aushändigung des Semesterzeugnisses ist eine Veranstaltungsmindestbelegung von insgesamt 20 Semesterwochenstunden. Für die Landesübungen werden – je nach Bundesland – gesonderte Zeugnisse vergeben.

D. Speyer und Umgebung
Speyer ist eine der ältesten Städte Deutschlands, liegt unmittelbar am Rhein und hat circa 50.000 Einwohner. Kulturelles „Highlight“ ist der Kaiser- und Mariendom, welcher zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Daneben gibt es zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten wie das Technikmuseum oder das Feuerbachhaus. Gerade die Wochenenden bieten ausreichend Gelegenheit, das Umland Speyers zu erkunden – und auch dies hat einiges zu bieten! Die Region gehört zu den wärmsten und niederschlagsärmsten Gebieten Deutschlands, weshalb ein Aufenthalt an den nahe gelegenen Badeseen manchmal für die nötige Erfrischung sorgt.

Historisch interessierte Hörer können schöne Stunden am Hambacher Schloss verbringen, während andere nach einem Spaziergang in den Weinbergen die Zeit für eine gemeinschaftliche Weinprobe nutzen. Heidelberg und Mannheim sind nur einen Katzensprung entfernt und Karlsruhe, Straßburg und Stuttgart in relativ kurzer Zeit gut zu erreichen. Gerade für ein Nordlicht wie mich, der den Südwesten der Republik noch nicht wirklich bereist hatte, war die Erkundung der Region ein zusätzlicher Anreiz.



E. Gerüchte vs. Realität
Häufig werde ich gefragt: „Mensch, du musst schon was über die ganzen Gerüchte erzählen, die man von Speyer so hört! Gibt’s da ehrlich ne Heiratsbörse? Wird da wirklich soviel getrunken??“ Dazu kann ich nur sagen: Wie bei Gerüchten üblich, so ist neben einem wahren Kern eben soviel Legendenbildung dabei.

Nach meiner Erfahrung bleibt es jedem selbst überlassen, wie er oder sie die drei Monate in Speyer verbringen möchte. Es wird gefeiert (das stimmt!), aber es ist bei weitem nicht bei jeder Feier auch jeder Referendar anwesend. Viele konzentrieren sich auf die Lehrveranstaltungen und erhalten dadurch eine sehr gute Examensvorbereitung. Für andere steht der länderübergreifende Austausch (in welcher Form auch immer…) im Vordergrund. Jedoch müssen auch solche Hörer das oben genannte „Pflichtprogramm“ absolvieren und ihre Leistungen erbringen.

F. Persönliches Fazit
Ich habe die Verwaltungsstation sehr genossen und würde auch im Nachhinein immer wieder nach Speyer gehen. Neben dem sehr guten Veranstaltungsangebot findet ein kultureller Austausch statt und es werden viele Verbindungen geknüpft, die oftmals über die gemeinsame Zeit in Speyer hinaus fortdauern. Alleine aus diesen Gründen kann ich das Speyer-Semester allen Referendaren nur empfehlen!

Von Christopher Exner, aus dem Archiv: veröffentlicht in Iurratio Ausgabe 1/2011

Fußnoten:
* Redaktionelle Anmerkung: Mittlerweile heißt die DHV deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften.
1 Der Verfasser dieses Berichtes war Referendar in Bremen und absolvierte im Sommersemester 2010 seine Verwaltungsstation an der DHV.
2 Angeboten werden ein Sommer-(01.05 – 31.07) und ein Wintersemester (01.11 – 31.01). Alle wesentlichen Informationen hierzu findet man auf der Homepage der DHV: www.dhv-speyer.de.
3 Auskünfte erhält man bei den jeweiligen Prüfungsämtern der Länder.

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