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Was macht einen Arbeitgeber attraktiv?

Auch in diesem Jahr haben wir den Talenten auf den Puls gefühlt und mit unserer umfassenden Umfrage rund um die Anwalts- und Wahlstation die Messlatte für den besten Arbeitgeber aus der Sicht der Referendare festgelegt.

Referendare setzen häufig eine umfassende praktische Einbindung mit einer guten Ausbildung gleich

Aktuelle Erwartungshaltungen und Wünsche der (angehenden) Referendare

Nur wer die Erwartungshaltung und Bedürfnisse des Gegenübers kennt, kann seine Handlungen zielgerichtet und passgenau gestalten. Dies gilt wie in jeder Branche auch bei der Suche nach dem besten juristischen Nachwuchs. Hochinteressant sind die diesjährigen Ergebnisse unserer Talentumfrage aus diesem Grund für alle Kanzleiformen in jeder Ecke der Bundesrepublik.

In den letzten Jahren entstand ein regelrechter Kampf um die qualifiziertesten Bewerber in der juristischen Branche. Konnten sich insbesondere die namhaften Kanzleien in der Vergangenheit ihre Angestellten nach Belieben aussuchen, haben sich die Bedürfnisse und Erwartungen der begehrten Bewerber heute geändert und sind lange nicht mehr schlicht gehaltsorientiert. Entsprechend ausrichten muss sich die Kanzleiwelt demnach, um alle offenen Vakanzen für Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter zu besetzen. Neben einer attraktiven Vergütung, spielen indes Zusatzangebote wie Inhouse-Repetitorien oder die Gewährung von Klausurenkursen, aber auch Benefits verschiedenster Art eine maßgebliche Bedeutung im Rennen um die Wahl des Arbeitgebers im Referendariat.

Unsere Talentumfrage beleuchtet jedes Jahr erneut welche Trends in Sachen Anforderungen und Erwartungen der Referendare an ihre Arbeitgeber in den Anwalts- und Wahlstationen zu verzeichnen sind. Die Ergebnisse bieten den Arbeitgebern die Möglichkeit, ihre Angebote, Ausbildungsstrukturen und -Programme für Referendare zu reflektieren und orientiert an den Erwartungshaltungen des Nachwuchses zu optimieren, um so stets attraktiv als Arbeitgeber im Referendariat zu bleiben.

Mehr als 1000 Nachwuchsjuristen haben an unserer diesjährigen Umfrage teilgenommen und ihre Präferenzen hinsichtlich der Auswahl des Arbeitgebers kundgetan. Anhand passgenauer Fragen wurden sie gebeten zu erklären, welche Arbeitgeber für sie interessant sind, welche Faktoren ihnen besonders wichtig im Rahmen einer Stage sind und in welchen Regionen sie ihre Stationen absolvieren wollen. Um die Beweggründe für die jeweiligen Abstimmungen zu verdeutlichen, gehen wir auch auf individuelle Begründungen für das Abstimmungsverhalten ein.

(Wunsch)Regionen der Teilnehmer

Die Ortswahl in der Anwaltsstation kann bereits maßgeblich für den späteren Berufseinstieg sein. Nicht selten bekommt man ein Übernahmeangebot bei passenden Examina schon zum Ende der Anwaltsstation. Daher haben wir unsere Teilnehmer auch zu ihren Ortspräferenzen befragt, wobei Mehrfachnennungen möglich waren.

Mehr als 25 % der Teilnehmer gaben dabei an, ihre Anwaltsstation in Frankfurt am Main zu bestreiten bzw. künftig absolvieren zu wollen. Dahinter liegen die Regionen Westdeutschland (ohne die Großstädte Düsseldorf, Köln und Frankfurt) mit 22 %, München mit 19,7 %, Süddeutschland ohne München und Stuttgart mit 19,3 und Düsseldorf mit 19,2 % der Teilnehmer.

Während 18,8 % in Hamburg, 18 % in Köln und 14,4 % in Berlin ihre Anwaltsstation antreten wollen würden, gaben 10,59 % der Teilnehmer Norddeutschland ohne Hamburg, 7,4 % Stuttgart und 5,8 % die Region Ostdeutschland (ohne Berlin) als Wunschort für die Station an.

Beliebteste Kanzleiart der Anwaltsstation*

Auch in diesem Jahr haben wir die Talente nach ihrer favorisierten Kanzleiart gefragt, denn welche Kanzleiart für Referendare in der Anwaltsstation besonders attraktiv ist, ist auch aus Arbeitgebersicht bedeutend und hilft ihnen in der Markteinschätzung. Im Gegensatz zum Vorjahr steht in der diesjährigen REF50 Umfrage die mittelständische Kanzlei für die Teilnehmenden an erster Stelle. Dieser folgt mit knappen Unterschieden die Großkanzlei. Sodann folgen an Beliebtheit die Anwaltsboutique, Unternehmen und der Einzelanwalt auf dem letzten Platz. Die Beweggründe für das Interesse an einem bestimmten Kanzleityp erklären exemplarisch Felicitas (Referendarin aus Hessen, 26 Jahre), Sabine (Referendarin aus NRW, 24 Jahre) und Alex (Referendar aus NRW, 28 Jahre).

Felicitas: „Ich hatte zunächst die Großkanzlei für die Anwaltsstation gewählt, in welcher ich seit 1.5 Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig bin. Dies wurde mir jedoch im Zusammenhang mit der Vorbereitung aufs 2. Examen zu „heiß“, weshalb ich mir nun eine Anwaltsboutique gesucht habe, in welcher ich examensrelevantere Arbeiten verrichten kann und mehr Zeit für die Vorbereitung aufs 2. Examen habe.”

Sabine: „Bisher habe ich in Praktika die Form der Anwaltsboutique bevorzugt. Dort hat mir die familiärere Atmosphäre und der persönliche Umgang miteinander sehr gut gefallen. Die Zusammenarbeit erfolgte immer sehr kollegial und spezialisiert. Ebenso wusste ich die internationale Zusammenarbeit auch bei Anwaltsboutiquen sehr zu schätzen, die mir auch zur Absolvierung eines Auslandspraktikums verholfen hat. Für die Anwaltsstation würde ich mir aber auch einmal ein Bild von der typischen Großkanzlei machen wollen, um Vergleiche ziehen zu können und so zu entscheiden, in welchem Typ Kanzlei ich später einmal arbeiten möchte.“

Alex: „Großkanzlei: Neben den namenhaften Mandaten und dem Prestige, welches diese Kanzleien umgibt, lag für mich der Ansporn darin, auf höchstem (juristischen) Niveau zu arbeiten. Insbesondere der Spagat zwischen sauberer wissenschaftlicher Aufbereitung und nötigem (zeitlich bedingten) Pragmatismus im Rahmen fordernder Einzelfragen stellt für mich den Reiz der Großkanzlei dar.

Boutique-Kanzlei: Die Boutique-Kanzlei zeichnet sich für mich durch persönliche Ansprache und eine größere Eigenverantwortung aus. Der Bezug zu einzelnen Mandaten und Mandanten ist deutlich größer als in einer Großkanzlei. Hier steht der persönliche Kontakt mehr im Vordergrund und oftmals scheint man hier Mittler zwischen den Behörden und den Mandanten zu sein.

Zusammenfassend lässt sich somit sagen, dass sowohl die Großkanzlei als auch die Boutique-Kanzlei für mich einen gewissen ganz eigenen Reiz ausstrahlen. Für die Mandate der Großkonzerne mit fordernden Einzelfragen verzichtet man auf den persönlichen Kontakt zum Mandanten und die vollumfängliche Einbindung in die Mandate. In den Boutique-Kanzleien bleiben viele Tätigkeiten übrig, die ohne besonderen geistigen Anspruch schlicht erledigt werden müssen, allerdings arbeitet man hier nah am „Puls“ der Kanzlei und wächst in die Mandatsstruktur hinein.”

Auffallend an den diesjährigen Umfrageergebnissen ist, dass die anderen Kanzlei- und Arbeitgeberarten wie Anwaltsboutique und Unternehmen bei den Präferenzen der Referendare nicht weit zurückstehen.

Meistgewählte Wahlstation*

Auch in der Wahlstation erhalten die Referendare die Möglichkeit, verschiedene Arbeitgebertypen kennen zu lernen. Da diese Station auf eine Zeit nach den schriftlichen Prüfungen fällt, werden oftmals auch Organisationen im Ausland bevorzugt oder diejenigen Stationen präferiert, die in der Ausbildung besonders Gefallen hervorgerufen haben. Einige ziehen es wiederum vor, neue Bereiche kennen zu lernen und ihr Spektrum zu erweitern.

Neben den zuvor bereits erfragten Kanzleiarten wurden daher auch der Staatsdienst bzw. öffentliche Dienst, Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) oder auch Vereine/Verbände in die Betrachtung miteinbezogen. Die Talente konnten dabei auf einer Skala von 1 (sehr gern) bis 6 (gar nicht) ihre bevorzugte Wahlstation angeben.

Unter den Top 3 stehen an erster Stelle die Unternehmen mit einem Mittelwert von 2,75, dicht gefolgt von der Großkanzlei mit 2,83 und dem Staatsdienst mit 2,91. In diesem Jahr ist somit die Attraktivität der Unternehmen eindeutig angestiegen. Eine geringere Anzahl der Referendare finden NGOs (3,62) und Vereine/Verbände (4,12) ansprechend für die Wahlstation. Aus welchen Gründen sich Kathrin (Referendarin aus NRW, 24 Jahre), Duygu (Referendarin aus Hessen, 28 Jahre) und Alex (Referendar aus NRW, 28 Jahre) für ihre jeweilige Wahlstation entschieden haben, erklären sie uns in einem persönlichen Statement.

Kathrin: “Ich bevorzuge es, meine Wahlstation in dem Bereich zu absolvieren, in dem ich mir vorstellen kann, nach Abschluss des Refs zu arbeiten. Einerseits, um mich zu vergewissern, dass ich in diesem Bereich wirklich arbeiten möchte und andererseits, um meinen potenziellen Arbeitgeber kennen zu lernen.”

Duygu: „Die Wahlstation knüpft direkt an das schriftliche Examen an, mithin an eine Zeit, in der man von den Klausuren ausgepowert ist und wenig Energie übrig hat, sowohl eine Zeit, in der man sich auf die mündliche Prüfung, insbesondere auf den Aktenvortrag vorbereiten muss. Ich habe mich für eine Anwaltsboutique entschieden, um genug Freizeit für die Vorbereitung auf die mündliche Prüfung zu haben. Gleichzeitig war mir wichtig, dass ich einen tieferen Einblick in den Arbeitsalltag eines Anwalts bekomme, was in einer Großkanzlei aufgrund des Arbeitstempos und der Anzahl an Stations-Referendaren kaum zu erzielen ist. Eine Anwaltsboutique eignet sich hierfür deshalb besonders gut.”

Alex (NGO in Israel): “Für mich war es in der Wahlstation wichtig einen „Tapetenwechsel“ zur vorherigen Arbeit in der Großkanzlei zu erleben. Dies mit einer sprachlichen Komponente zu verbinden erschien mir daher sinnvoll. Dass selbstverständlich auch gewisse touristische Aspekte eine Rolle spielten, ist nicht zu verleugnen.”

Bewerbungsfaktoren für Referendare

Neben der Fragestellung nach dem beliebtesten Kanzleitypen stellt sich die vielleicht sogar wichtigere Frage, nach welchen Kriterien die Talente ihre Arbeitgeber auswählen. Welche Faktoren müssen Kanzleien vorweisen, um die Aufmerksamkeit des Nachwuchses zu erhalten?

Um dies zu erforschen haben wir mögliche Faktoren abgefragt, die ein Arbeitgeber anbieten soll. Hierbei wurden verschiedene Aspekte auf einer Skala von 1 (sehr wichtig) bis 6 (unwichtig/egal) bewertet.

Die folgende Auswertung der Umfrage muss stets vor dem Hintergrund des örtlichen Bezugs betrachtet werden. Für Teilnehmende aus einer Großstadt mit einer hohen Dichte an Kanzleien und Unternehmen ergeben sich unter Umständen andere Erwartungen, als für Teilnehmende in anderen Regionen.

1,31: Ich erhalte regelmäßig Feedback zu meiner Arbeit
1,5: Ich darf an Meetings der Anwälte teilnehmen
1,5: Ich darf an Mandantengesprächen teilnehmen
1,56: Ich erhalte einen persönlichen Mentor
1,83: Ich kann verschiedene Praxisbereiche kennenlernen

Deutlich erkennbar wird, dass es den Talenten auch in diesem Jahr vorallem darauf ankommt eng in die praktische Arbeit eingebunden zu werden. Sie setzen eine gute Ausbildung mit der Einbindung in den Kanzleialltag gleich und geben den Arbeitgebern ein klares Zeichen. Kriterien, die der Nachwuchs auch als wichtig erachtet, sind zudem die Übernahmewahrscheinlichkeit, eine Zusatzvergütung und ein ansprechendes Gehalt für Berufseinsteiger.

1,9: Die Übernahmewahrscheinlichkeit ist hoch
2,39: Ich erhalte eine Zusatzvergütung
2,25: Hohes Gehalt für Berufseinsteiger

Weitere Faktoren, die von den Talenten als wichtig erachtet werden und sich im Mittelfeld unserer Bewertung ansiedeln, sind unterstützende Angebote für die Examensvorbereitung. Diese Angebote sind für viele Referendare ebenso wichtig wie eine Zusatzvergütung, denn vielerorts ist die Gewährung einer Zusatzvergütung durch die Prüfungsämter verboten oder starken Einschränkungen unterworfen. Unterstützungsleistungen für die Examensvorbereitung sind jedoch nicht verboten und deshalb für Arbeitgeber und Referendare ein Aspekt, der die Zusatzvergütung kompensieren kann.

2,33: Kosten für externes Rep werden übernommen
2,41: Kosten externer Klausurenkurs werden übernommen
2,54: Kanzleiinternes Rep wird angeboten
2,55: Kanzleiinterner Klausurenkurs wird angeboten

Um die Beweggründe für diese Gewichtungen zu vermitteln, haben wir Sabine (Referendarin aus NRW, 24 Jahre), Duygu (Referendarin aus Hessen, 28 Jahre) und Franziska (Referendarin aus NRW) um persönliche Statements gebeten.

Sabine: „Ein regelmäßiges Feedback war mir bisher schon immer sehr wichtig, auch um dazu zu lernen und meine Arbeit stets optimieren und die Bedürfnisse meines Teams treffen zu können. Auch eine generelle Einbindung finde ich sehr wichtig, wie der gemeinsame Besuch von Mandantengesprächen/auswärtigen Terminen gemeinsam mit den Anwälten. Die Vergütung spielt dabei für mich persönlich eher eine untergeordnete Rolle. Wichtiger sind mir positive Erfahrungen und eine Zeit, die man positiv in Erinnerung hat. Auch das Angebot eines internen Repetitoriums ist für mich nicht zwingend erforderlich. Ich werde mich individuell zu Vorbereitungsmöglichkeiten auf mein Examen informieren und mich dann entscheiden, welches/ob ich überhaupt ein Repetitorium in Anspruch nehmen werde. Das ist natürlich ein positives Beiwerk, aber wie gesagt für mich kein Ausschlusskriterium für meinen zukünftigen Arbeitgeber.“

Duygu: “Dass die Kosten externer Klausurenkurse übernommen werden, ist für mich ein sehr wichtiger Faktor, denn Klausuren schreiben ist das A und O in der Examensvorbereitung. Doch leider sind die privaten Klausuranbieter meist sehr teuer, sodass es ein großer Vorteil ist, wenn die Kosten für den Klausurenkurs von der Kanzlei übernommen werden.

Besonders wichtig ist es mir zudem, regelmäßig Feedback zu meiner Arbeit zu erhalten, damit ich mich weiterbilden und -entwickeln kann. Nur bei effizientem Feedback kann ich aus meinen Fehlern lernen und diese in der Zukunft vermeiden.”

Franziska: “Bezahlung, Arbeitszeit und vor allem die Stimmung im Team/der Kanzlei und Flexibilität. Auch in mittelständischen Kanzleien muss immer öfter länger gearbeitet werden als es manchen lieb ist. Dafür möchte ich aber auch angemessen bezahlt werden. Die Ausbildung ist sehr lang und mir ist es wichtig, dass sich das auch in der finanziellen Bezahlung danach widerspiegelt. Aufgrund der großen Zeit die man an seinem Arbeitsplatz verbringt, ist es mir wichtig, dass man als Team zusammenhält und dass wenn mal etwas Unerwartetes passiert, Verständnis da ist.”

Im Zuge der diesjährigen Umfrage wurde erneut deutlich, dass es den Talenten besonders wichtig ist, als ein Teil des Alltagsgeschäft angesehen und entsprechend in die Kanzlei eingegliedert zu werden. Regelmäßige Feedbackgespräche zu erhalten und einen persönlichen Mentor zu haben, ist für die meisten Referendare ein unerlässlicher Bestandteil einer qualitativen Ausbildung.

Diese Tatsache ist den meisten Kanzleien auch bewusst. Aus diesem Grunde entwickeln viele Kanzleien verschiedene Ausbildungskonzepte mit integrierten Feedbackstrukturen. Schließlich bietet sich für die Arbeitgeber sowohl in der Anwalts- als auch in der Wahlstation die Gelegenheit, potenzielle Arbeitnehmer zu gewinnen. Durch die enge Zusammenarbeit in der Station gewinnen beide Seiten einen persönlichen Eindruck über die Arbeitsweise und es entsteht eine „Win-Win-Situation“.

Benefits**

Zusatzleistungen, die eine Kanzlei gewährt, spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle im Rennen um die Gunst der Referendare. Je mehr Komfort die Kanzleien heutzutage bereitstellen, desto mehr stechen sie bei vielleicht sonst gleichen Angeboten hervor. Keine Überraschung ist es daher, dass der Nachwuchs die Bereitstellung kostenloser Getränke und Speisen auf den ersten Platz der Benefits wählt.

Benefits jeder Art sorgen dafür, dass die Referendare aufmerksamer werden: Es werden über Mietkostenzuschüsse, Kinderbetreuung und Homeoffice hinaus auch Sportangebote, Jobtickets und eine Kostenübernahme eines Repetitors/des Examenskoffers/der Protokolle angeboten. Auf den Plätzen zwei und drei liegen solche Zusatzleistungen, die sich mit der Examensvorbereitung befassen. Da die Kosten für Repetitorien und Prüfungsprotokolle einen erheblichen finanziellen Aufwand bedeuten, stellt diese Bepunktung keine Überraschung dar.

2,29: Kostenlose Getränke und Speisen
2,33: Übernahme Kosten eines Repetitors
2,46: Kostenlose Prüfprotokolle

Auf den nächsten Plätzen reihen sich im Mittelfeld die Bereitstellung eines Examenskoffers, der Mietkostenzuschuss und das Jobticket an.

2,48: Bereitstellung eines Examenskoffers
2,83: Mietkostenzuschuss
2,94: Jobticket

Die Zusatzangebote „Mietkostenzuschuss“ und „Jobticket“ werden sinngemäß je nach Region unterschiedlich gewichtet, da diese Faktoren für Referendare in Ballungszentren viel mehr ins Gewicht fallen als für diejenigen in kleineren Orten. Beispiele sind hier Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart. In diesen Regionen kann eine Kanzlei stark punkten, indem sie eine Wohnung zur Verfügung stellt, Mietkostenzuschuss zahlt oder ein Jobticket gewährt.

Wir haben Ella (Referendarin aus NRW, 27 Jahre) und Alex (Referendar aus NRW, 28 Jahre) gefragt, warum sie konkrete Benefits als positiv erachten.

Ella: „Die wichtigsten Benefits sind meines Erachtens die Übernahme der Kosten für einen Repetitor, die Bereitstsellung eines Examenskoffers und kostenlose Prüfprotokolle. Schließlich verdient man als Referendar nicht die Welt und das sind Kosten, welche früher oder später auf jeden Referendar zukommen und nicht von geringer Bedeutung sind, sodass es eine immense finanzielle Erleichterung ist, wenn sie bereits abgedeckt sind. Standortabhängig könnte ein Jobticket selbstverständlich auch sehr nützlich sein.“

Alex: “Kostenlose Getränke erscheinen mir mittlerweile üblich zu sein und wären für mich wünschenswert. Gerade um die Bewegung in der Mittagspause zu fördern, sind kostenlose Speisen für mich verzichtbar. Gerade da man als Referendar nicht auf Rosen gebettet ist, erscheinen mir zudem die Kostenübernahme des Repetitors und das Jobticket ein lohnender Anreiz zu sein. Allerdings würde dies für mich niemals den Ausschlag geben, mich für eine Kanzlei zu entscheiden. M.E. sollte sich eine Kanzlei auf Ihre Stärken konzentrieren und den Menschen mit persönlicher und fachlicher Unterstützung sowie Weiterbildungsprogrammen in den Fokus rücken. Beispielsweise sehe ich hier den Business-English-Kurs und regelmäßige Referendarabende zum sozialen Austausch als deutlich sinnvoller an als pekuniären Anreizen."

Wie sehen es die Arbeitgeber?

Was macht einen Arbeitgeber für Referendare aus Ihrer Sicht attraktiv?

Clifford Chance: Referendar*innen sollten früh und direkt den Arbeitsalltag der Rechtsanwälte in einer Sozietät kennen lernen. Sie nehmen an Calls, Jour Fixes, Team Meetings teil, werden in die Mandatsarbeit mit eingebunden und können schon während ihrer Station Teams, Atmosphäre und Zusammenarbeit praxisnah erleben. Jede/r Referendar/in hat einen Rechtsanwalt*in als Mentor, durch den sie/er regelmäßiges Feedback und ein passendes Mentoring erhält. Im Rahmen unserer ReferendarAcademy bieten wir ein umfangreiches Angebot an Repetitorien und Workshops an, um die Referendar*innen auf das Examen vorzubereiten. Die Referendar*innen lernen also nicht nur Kolleg*innen und Mandate kennen, sondern erleben internationales Arbeiten, Teamwork und neue, digitale Prozesse und Instrumente.

GvW Graf von Westphalen: Referendar*innen wollen all das, was einen attraktiven Arbeitgeber ausmacht, tatsächlich auch erleben. Für uns als Wirtschaftskanzlei bedeutet dies, dass sie nicht nur in die reale Arbeitswelt eingebunden werden, sondern auch in das soziale Umfeld. Geschätzt wird bei uns als Full-Service-Kanzlei auch die Möglichkeit, in verschiedene Fachbereiche reinzuschnuppern. Und: Die Attraktivität steigt mit jeder Unterstützungsleistung für das Staatsexamen. Das Examen gibt immer noch die Richtung vor für die eigene juristische Laufbahn – da ist jede Hilfe willkommen!

Hat sich bezüglich der Attraktivität des Arbeitgebers in den letzten Jahren Ihrer Meinung nach etwas geändert?

GvW Graf von Westphalen: Immer wichtiger werden nach unserer Erfahrung die sozialen Themen. Der Wohlfühlfaktor entscheidet bei der großen Auswahl an Arbeitgebern darüber, ob man im Referendariat punkten kann. Das war zwar immer schon wichtig, hatte aber früher als „Arbeitgeber“-Markt noch nicht die Bedeutung von heute.

Clifford Chance: Unsere Werte und Stärken, die wir Referendar*innen immer vermitteln wollen, ändern sich über die Jahre nicht: die tollen Kolleg*innen und die spannende Arbeit in den Teams. Man lernt als Referendar*in die Menschen einer Kanzlei kennen, und darauf kommt es am Ende immer noch an: die gute persönliche und kulturelle Chemie.

In diesem Jahr wurde Corona zu einer neuen Herausforderung. Damit wir die Referendar*innen bei allgemeinem Homeoffice und ohne Präsenzveranstaltungen dennoch intensiv einbinden, unterstützen und ausbilden können, führen wir unsere ReferendarAcademy virtuell durch.

Wir haben unsere Mitarbeiter*innen mit technischem Equipment ausgestattet, alle können heute flexibler arbeiten und sind auch im Homeoffice nicht vom Team abgeschnitten. Hier hat unsere IT einen hervorragenden Job gemacht, so steht der weiteren Ausbildung der Referendar*innen nichts im Weg.

Fazit:

Die Frage nach der Attraktivität eines Arbeitgebers lässt sich grundsätzlich nur subjektiv bewerten, dennoch gibt es einige Faktoren, die allen Referendaren vordergründig wichtig sind. An den Ergebnissen der diesjährigen Umfrage wird deutlich, dass die Referendare sehr häufig eine umfassende praktische Einbindung mit einer guten Ausbildung gleichsetzen. Dies überrascht nicht, denn je mehr der Nachwuchs in den Kanzleialltag integriert wird, desto besser lernt er die Arbeit eines Volljuristen kennen. Schließlich ist dies Ziel der Referendarausbildung.

Unerlässlich sind damit Feedbackstrukturen und Ansprechpartner, die dem Referendar während seiner Stage zur Seite stehen, um als guter Arbeitgeber einen Rang zu finden. Für jeden Arbeitgeber sind diese Aspekte relativ leicht umsetzbar und bieten gleichzeitig auch für sie selbst immense Vorteile. 3-10 Monate, je nach Stage, erhalten die Kanzleien die Möglichkeit den Nachwuchs und damit den potenziellen Arbeitnehmer unverbindlich kennen zu lernen und sich von ihrer Arbeitsweise zu überzeugen, sodass die Risiken einer erfolglosen Neueinstellung erheblich verringert werden.

Für alle Kanzleitypen sollte die Einrichtung solcher Strukturen keine Schwierigkeiten bereiten. Die größeren Kanzleien stechen zudem mit komfortablen Büros und Zusatzangeboten hervor. Ausgleichen können kleinere Kanzleien diese Aspekte aber mit einer maßgeschneiderten individuellen Betreuung, welche oftmals große Würdigung erfährt. Auch kostengünstigere Faktoren wie die Bereitstellung von kostenlosen Getränken, Examenskoffern oder Gutscheine für Klausurenkurse sind den Referendaren von großem Nutzen und mit wenig Aufwand für alle Kanzleien realisierbar.

Der Mangel an Zusatzangeboten wird jedoch verziehen, wenn eine gute Einbindung in die Praxis gewährt und genügend Zeit für die Examensvorbereitung eingeräumt wird, sodass die Arbeitgeber sich in diesen Bereichen rüsten sollten. Ein gut aufgestelltes Angebot an Zusatzangeboten zu haben kann jedoch nie schaden, um das Ausbildungsprofil zu optimieren.

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* In der Umfrage sollte die Attraktivität aller bewertet werden. Die Abstufungen zwischen sehr attraktiv, überwiegend attraktiv und attraktiv wurden hier zusammengerechnet.

** Hinweis: Jeder Teilnehmer sollte zu allen Optionen seine Meinung mitteilen.

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