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Berufsspecial Handels- und Gesellschaftsrecht

Berufsspecial

Handels- und Gesellschaftsrecht

Praxis

Abwechslungsreicher Alltag inmitten der Global Player

Das Handels- und Gesellschaftsrecht ist in der Wirtschaftswelt von herausragender Bedeutung, da es die Grundlage eines jeden unternehmerischen Handelns darstellt. Dies führt dazu, dass sich viele Kanzleien tagtäglich mit diesem Bereich beschäftigen. Es werden heutzutage immer mehr Start-up-Unternehmen mit neuen Geschäftsideen gegründet. Eine solche Gründung geht mit vielen Risiken einher. Es stellen sich vor allem Fragen bezüglich der Haftung, der passenden Unternehmensform sowie weiteren rechtlichen Aspekten. So gilt es z.B. im Verhältnis des Unternehmens zu anderen Unternehmen oder Verbrauchern das Haftungsrisiko unter vertrags- und strafrechtlichen Aspekten so gering wie möglich zu halten.

Doch auch bereits bestehende Unternehmen benötigen die Hilfe des Gesellschaftrechtlers* bei der Abwicklung von Unternehmenskäufen, Umwandlungen oder Ausfertigung von Verträgen. Insbesondere die Erstellung von Allgemeinen Geschäftsbedingungen haben hierbei eine besonders hohe Relevanz. Falls du Interesse am Wirtschaftsleben hast und gerne Teil davon sein möchtest, könnte das Handels- und Gesellschaftsrecht genau das Richtige für dich sein! Dann könntest du vielleicht demnächst die Verträge für die künftigen Unternehmenskäufe von Lufthansa betreuen, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Nike oder die Rechtsform eines neuen Start-up-Unternehmens bestimmen. Du hättest somit die Möglichkeit, in diesem Bereich mit Global Playern wie Amazon, Apple, BMW und Co. zusammenzuarbeiten!

Tätigkeitsfelder

Das Handelsrecht wird als Sonderrecht des Kaufmanns* bezeichnet und reglementiert die Beziehungen eines Kaufmanns zu anderen Geschäftspartnern. Das Gesellschaftsrecht regelt das Innen- sowie Außenverhältnis von Gesellschaften. Aufgrund der thematischen Gemeinsamkeiten sind beide Rechtsgebiete eng ineinander verzahnt, was sich auch in den Tätigkeitsfeldern widerspiegelt. Durch den nicht selten vorkommenden Auslandsbezug sind in allen Bereichen sehr gute Englischkenntnisse erforderlich. Ein Anwalt im Bereich des Handels- und Gesellschaftsrechts muss zu Beginn vor allem die Rechtsformwahl beachten. Es gibt über 18 Rechtsformen, aus denen ein Unternehmer wählen kann. Diese entscheidet über die Haftungsform. Eine steuerrechtliche Kenntnis eines Anwalts ist aufgrund der erforderlichen Beachtung der Kapitalhöhe sowie der Steuer- und Kostenbelastung vorteilhaft.

Anwälte müssen oft in diesem Bereich mittelständische Gesellschaften, insbesondere Familienunternehmen beraten. Dies führt dazu, dass wie bei einer Unternehmensnachfolge auch das Familien- und Erbrecht oftmals mitbeachtet werden muss. Auch Unternehmenskäufe sind in der Praxis nicht selten. Das prominenteste Beispiel ist aktuell die Air Berlin-Übernahme durch Lufthansa. Es stellt sich zuerst die zentrale Frage, was der Verkäufer mit dem Verkauf für ein Ziel verfolgt. Es kann dabei das Ziel eines größtmöglichen Profits sowie das Weiterbestehen des Unternehmens verfolgt werden. Bei Unternehmenskäufen werden die jeweiligen Kanzleien vor allem mit Due-Diligence-Prüfungen beauftragt. Das Ziel ist dabei, die Chancen und Risiken des zum Kauf in Frage stehenden Unternehmens zu untersuchen.

Die Erstellung und Überprüfung von allgemeinen Geschäftsbedingungen gehört in der Praxis zur täglichen Arbeit eines Fachanwalts im Bereich Handels- und Gesellschaftsrecht. Diese vereinfachen die Organisation der Geschäftsabläufe und sichern das Unternehmen vor Zahlungsausfällen ab. Denn besonders der Online-Handel profitiert von professionell erstellten Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Es werden durch die vom Fachanwalt erstellten Allgemeine Geschäftsbedingungen folglich rechtliche Streitigkeiten im Vorfeld gemieden. Doch auch die Beratung in interne Streitigkeiten im Gesellschafterkreis sind nicht selten. Es könnten dann auch ein Gesellschafterausschluss und Abfindungsregelungen in Betracht kommen, welche rechtlich geprüft werden müssen.

Berufschancen & Gehälter

Berufsaussichten - Was sind meine Möglichkeiten?

Die Berufsaussichten im Handels- und Gesellschaftsrecht sind sehr breit gefächert. Die hohe Bedeutung in unserem Wirtschaftsleben führt somit zu guten Karrieremöglichkeiten mit vielen Aufstiegschancen. Die grenzüberschreitenden und nationalen Mandate machen die Arbeit zudem sehr abwechslungsreich. Das Handels- und Gesellschaftsrecht ist zwar sehr beliebt, dennoch erfordert es eine gewisse Stressresistenz. Die Wirtschaft arbeitet rund um die Uhr, was sich gerade in Zeiten der Globalisierung sowie der Erweiterung des Internethandels stark bemerkbar macht. Eine hohe Arbeitsbelastung und lange Arbeitszeiten sind deshalb unerlässlich. Die Arbeit mit nationalen und internationalen Mandanten fordert eine hohe Erreichbarkeit sowie eine gute Teamfähigkeit.

Gehaltsaussichten - Die harte Arbeit macht sich bezahlt!

Zwar ist das Handels- und Gesellschaftsrecht einer der Bereiche, die aufgrund der ständig arbeitenden Wirtschaft auch eine hohe Arbeitslast erfordern. Dennoch sind auch gerade deshalb die Gehaltsaussichten sehr lukrativ. Das wirtschaftliche Know-how zahlt sich also aus. Die Einstiegsgehälter belaufen sich bei den Großkanzleien auf bis zu 150.000 €.** Im Durchschnitt erhält ein Anwalt im Bereich Handels- und Gesellschaftsrecht ein Jahresgehalt von ca. 101.950 €.** Besonders lukrativ ist die Arbeit in Boutiquen und Großkanzleien mit einem jährlichen Verdienst von ca. 100.230 Euro bzw. 107.400 €. ** Bei mittelständischen Kanzleien ist der jährliche Verdienst in Höhe von knapp 96.700 € im Schnitt ebenfalls sehr lohnenswert.

Bildung

Fachanwaltstitel

Ein Fachanwaltstitel ist im Bereich Handels- und Gesellschaftsrecht möglich. Die Zusammenführung in einen Fachanwaltstitel erfolgte aufgrund der engen Verzahnung beider Rechtsgebiete. Bis zu drei Fachanwaltstitel sind laut der FAO zulässig, sodass auch eine Zusammenführung von zwei oder mehr Titeln erfolgen kann. Die zuständige Rechtsanwaltskammer, der der Rechtsanwalt angehört, verleiht nach Maßgabe der Fachanwaltsordnung (FAO) die Berechtigung zum Führen der Fachanwaltsbezeichnung. Voraussetzungen für diese Verleihung sind:

  • dreijährige Zulassung und Tätigkeit innerhalb der letzten sechs Jahre vor Antragstellung (§3 FAO)
  • Antragstellung bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer (§22 FAO)
  • Nachweis besonderer theoretischer Kenntnisse (§§ 4, 4a und 6 FAO)
  • Nachweis besonderer praktischer Erfahrungen (§§ 5, 6 FAO)
  • Nachweis besonderer fachlichen Kenntnisse in dem Bereich (§ 14i FAO)

Promotion und LL.M. im Handels- und Gesellschaftsrecht

Im Bereich des Handels- und Gesellschaftsrechts gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur Promotion und zum Abschluss eines Master of Laws (LL.M.). Dazu zählt beispielsweise die Universität zu Köln mit ihrem Masterangebot zum Wirtschaftsrecht (Dauer: 2 Semester berufsbegleitend; Kosten: ca. 600 €). Es ist dabei lediglich der jeweilige Semesterbeitrag zu entrichten. Die Universität Münster bietet ebenfalls die Möglichkeit eines Masterabschlusses im Fach Wirtschaftsrecht (Dauer: 4 Semester; Kosten: 12.900 €). Dieser stellt zugleich einen Fachanwaltstitel im Bereich Handels- und Gesellschaftsrecht dar.

Der Master „Verhandeln und Gestalten von Verträgen“ an der Frankfurt University of Applied Sciences wird auf Deutsch und Englisch angeboten (Dauer: 3 Semester; Kosten: ca. 600 €) Die University of Westminster in London bietet einen rein englischsprachigen LL.M. im „International and Commercial Dispute Resolution Law“ an (Dauer: 2 Semester; Kosten: ca. 14.400 €). Der Master im Ausland ist zwar mit hohen Kosten verbunden, aber dennoch zu empfehlen. Es ermöglicht den Blick über den „deutschen juristischen Tellerrand“. Denn durch die Auseinandersetzung mit anderen Rechtsordnungen, wird auch ein Systemverständnis entwickelt. Zudem sammelt man auch durch den Aufenthalt in einem anderen Land sehr viele unbezahlbare Erfahrungen.

*Aus Gründen der Leserlichkeit wird das generische Maskulinum verwendet; es sind alle Geschlechter gemeint.

**basierend auf unserer Umfrage von 120 Kanzleien

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