Skip to main content

LL.M. in Deutschland statt im Ausland: Welche Option passt zu dir?

christian wiediger cUF4SSxY KA unsplash

Ein LL.M. muss nicht im Ausland absolviert werden. Auch deutsche Universitäten bieten inzwischen zahlreiche Master-of-Laws-Programme an – darunter spezialisierte Studiengänge im Wirtschafts-, Steuer- oder Versicherungsrecht ebenso wie international und vollständig englischsprachige Programme.

Für Jurastudierende und junge Juristinnen und Juristen stellt sich deshalb mittlerweile nach dem Staatsexamen häufig die Frage: LL.M. in Deutschland oder im Ausland?

Die Antwort hängt weniger vom Prestige des Studienortes als von deinen Zielen ab. Möchtest du dich fachlich spezialisieren, in Deutschland bleiben und den LL.M. mit dem Beruf verbinden? Dann kann ein Studium in Deutschland besonders attraktiv sein. Geht es dir dagegen vor allem um Auslandserfahrung, internationales Networking und einen möglichst intensiven englischsprachigen Studienalltag, kann ein LL.M. im Ausland die bessere Wahl sein.

Was bringt ein LL.M. in Deutschland?

Das LL.M.-Angebot in Deutschland ist sehr unterschiedlich. Es gibt beispielsweise klassische Vollzeitprogramme mit zwei Semestern, aber auch berufsbegleitende und stärker spezialisierte Studiengänge. Inhaltlich reicht das Spektrum von deutschem und europäischem Recht über Wirtschafts- und Steuerrecht bis zu internationalen Rechtsgebieten.

Auch international ausgerichtete Programme sind in Deutschland längst keine Ausnahme mehr. Die LMU München bietet ab dem Wintersemester 2026/27 den vollständig englischsprachigen LL.M. European and International Economic Law an. Das zweisemestrige Programm behandelt unter anderem internationales Wirtschaftsrecht, Wettbewerbsrecht, Finanzmarkt- und internationales Steuerrecht. Studiengebühren fallen dort nicht an; vorgesehen ist lediglich der reguläre Semesterbeitrag.

An der Universität Münster gibt es mit Comparative and Global Law ebenfalls einen zweisemestrigen, vollständig englischsprachigen LL.M. mit Schwerpunkt auf internationalem und vergleichendem Recht. Auch dieses Programm ist derzeit ohne Studiengebühren.

Der entscheidende Punkt lautet deshalb: Ein LL.M. in Deutschland ist nicht automatisch national ausgerichtet.

LL.M. in Deutschland oder im Ausland?

KriteriumLL.M. in DeutschlandLL.M. im Ausland
AuslandserfahrungBegrenztSehr hoch
UnterrichtsspracheDeutsch oder EnglischHäufig Englisch bzw. Landessprache
Internationales NetzwerkAbhängig vom ProgrammBesonders ausgeprägt
KostenSehr unterschiedlich; Im Ergebnis wesentlich niedrigerHäufig höhere Gesamtbelastung
BerufsbegleitendTeilweise gut möglichJe nach Programm schwieriger
Spezialisierung für den deutschen MarktSehr gutAbhängig vom Programm
Internationales ProfilAbhängig vom StudiengangHäufig besonders stark
LebenshaltungskostenAbhängig vom StudienortTeilweise deutlich höher

Beide Wege können also sinnvoll sein. Entscheidend ist, welchen Mehrwert du von deinem LL.M. erwartest.

Die größten Vorteile eines LL.M. in Deutschland

1. Du kannst dich spezialisieren, ohne Deutschland zu verlassen

Ein deutscher LL.M. eignet sich besonders, wenn du bereits weißt, in welchem Rechtsgebiet du später arbeiten möchtest.

Das Angebot reicht beispielsweise bis zu spezialisierten Programmen im Versicherungsrecht. Die Universität Hamburg beschreibt ihren LL.M. Versicherungsrecht ausdrücklich als auf die Bedürfnisse der Beratungspraxis ausgerichteten Studiengang und nennt sowohl Kanzleien als auch Unternehmen als mögliche Tätigkeitsfelder.

Gerade für eine Karriere im deutschen Rechtsmarkt kann das ein Vorteil sein: Statt ein anderes Rechtssystem kennenzulernen, kannst du deine Kenntnisse gezielt in einem Rechtsgebiet vertiefen, das für deinen späteren Beruf relevant ist.

2. Ein deutscher LL.M. kann trotzdem international sein

Wer beim Stichwort „Deutschland“ sofort an ein deutschsprachiges Studium denkt, übersieht die Entwicklung der vergangenen Jahre.

Programme wie die LL.M.s der LMU München oder der Universität Münster finden vollständig auf Englisch statt und sind international ausgerichtet. Die LMU richtet ihr Programm ausdrücklich an hochqualifizierte Studierende aus dem In- und Ausland; Münster arbeitet mit internationalen Studierenden und vergleichenden Rechtsfragen.

Damit kannst du auch in Deutschland juristisches Englisch, internationales Recht und interkulturelle Kompetenzen miteinander verbinden.

3. Die Kosten können niedriger sein

Ein häufiger Grund für den deutschen LL.M. sind die Kosten. Hier ist allerdings Differenzierung wichtig.

An vielen staatlichen Hochschulen fallen für reguläre Masterstudiengänge keine klassischen Studiengebühren an. Für weiterbildende Masterprogramme können dagegen erhebliche Gebühren entstehen. Der DAAD weist ausdrücklich darauf hin, dass gerade bei bestimmten LL.M.-Programmen teilweise hohe Studiengebühren anfallen.

Die Unterschiede zeigen sich auch konkret: Der englischsprachige LL.M. der LMU ist gebührenfrei, während der Humboldt Master of Laws aktuell (Stand: 09/2026) 15.000 € zuzüglich Semesterbeitrag kostet. Der LL.M. Legal Theory der Goethe-Universität Frankfurt wird aktuell mit 7.200 € Gesamtgebühren angegeben.

Wer die Kosten vergleichen möchte, sollte deshalb immer das konkrete Programm betrachten – nicht nur das Land. Das geht am einfachsten im unseren umfassenden LL.M.-Ratgeber.

4. Du kannst den LL.M. leichter mit dem Beruf verbinden

Nicht jeder LL.M. erfordert eine komplette berufliche Auszeit.

In Deutschland gibt es auch Studiengänge, die sich an Berufstätige richten oder berufsbegleitend organisiert sind. Dadurch kann es möglich sein, bereits Berufserfahrung zu sammeln und gleichzeitig den akademischen Abschluss zu erwerben.

Das ist besonders interessant, wenn du nach dem Staatsexamen nicht mehrere Monate oder ein ganzes Jahr aus dem deutschen Arbeitsmarkt aussteigen möchtest.

Wann spricht mehr für einen LL.M. im Ausland?

Der größte Vorteil eines Auslands-LL.M. besteht nicht darin, dass der Abschluss grundsätzlich „wertvoller“ wäre.

Der entscheidende Mehrwert liegt häufig in der Auslandserfahrung selbst.

Du studierst über einen längeren Zeitraum in einem anderen Land, arbeitest mit Studierenden aus verschiedenen Rechtsordnungen zusammen und bewegst dich täglich in einer fremden Sprache. Gerade wenn du später international arbeiten möchtest, kann diese Erfahrung sehr relevant sein.

Auch das Netzwerk kann eine größere Rolle spielen. Ein LL.M. an einer ausländischen Universität kann Kontakte zu internationalen Kanzleien, Unternehmen und Alumni eröffnen. Wie stark dieser Effekt tatsächlich ist, hängt allerdings immer von der Hochschule und dem konkreten Programm ab.

LL.M. Deutschland oder Ausland für die Großkanzlei?

Für Bewerbungen bei Großkanzleien ist der Studienort kein allein entscheidendes Kriterium.

Ein LL.M. kann das Profil ergänzen, insbesondere wenn er fachlich oder international zu deinem gewünschten Tätigkeitsbereich passt. Ein Auslands-LL.M. kann dabei internationale Erfahrung und Sprachkenntnisse besonders sichtbar machen.

Ein deutscher LL.M. kann dagegen sinnvoll sein, wenn du beispielsweise eine bestimmte Spezialisierung für den deutschen Rechtsmarkt erwerben möchtest.

Deshalb lässt sich nicht sagen:

Auslands-LL.M. = gut für Großkanzlei, deutscher LL.M. = weniger gut.

Vielmehr kommt es auf das Gesamtprofil an. Examensnoten, praktische Erfahrungen, Sprachkenntnisse, Schwerpunktsetzung und der konkrete LL.M. spielen zusammen.

LL.M. in Deutschland ohne Auslandserfahrung – ist das ein Nachteil?

Es kann ein Nachteil sein, muss es aber nicht.

Wer den LL.M. ausschließlich absolviert, um „einen LL.M. zu haben“, bekommt durch den Studienort Deutschland möglicherweise weniger zusätzlichen Lebenslaufwert als durch einen längeren Auslandsaufenthalt.

Wer dagegen einen englischsprachigen und international ausgerichteten Studiengang auswählt, kann auch in Deutschland internationale Erfahrungen sammeln. Hinzu kommen beispielsweise internationale Kommilitoninnen und Kommilitonen, englischsprachige Lehrveranstaltungen und vergleichende Rechtsfragen.

Die Frage sollte deshalb nicht lauten:

„Ist Deutschland international genug?“

Sondern:

„Welche konkreten Erfahrungen bietet mir dieses LL.M.-Programm?“

Für wen lohnt sich ein LL.M. in Deutschland?

Ein LL.M. in Deutschland ist besonders interessant, wenn du

  • dich auf ein bestimmtes Rechtsgebiet spezialisieren möchtest,
  • in Deutschland bleiben und hier beruflich Fuß fassen möchtest,
  • den LL.M. mit einer Berufstätigkeit verbinden möchtest,
  • hohe Kosten eines Auslandsstudiums vermeiden möchtest,
  • ein englischsprachiges oder international ausgerichtetes Programm findest oder
  • bereits über Auslandserfahrung verfügst und deshalb nicht zwingend einen weiteren längeren Auslandsaufenthalt benötigst.

Für wen lohnt sich ein LL.M. im Ausland?

Ein Auslands-LL.M. kann dagegen die bessere Wahl sein, wenn du

  • längere Auslandserfahrung sammeln möchtest,
  • dein juristisches Englisch intensiv verbessern willst,
  • ein internationales Netzwerk aufbauen möchtest,
  • später international oder im Ausland arbeiten willst,
  • ein anderes Rechtssystem kennenlernen möchtest oder
  • dein Profil bewusst international ausrichten möchtest.

Worauf sollte ich bei einem deutschen LL.M. achten?

Nicht jeder LL.M. in Deutschland ist automatisch für jeden Karriereweg geeignet. Vor der Bewerbung solltest du deshalb insbesondere fünf Punkte prüfen:

Studieninhalte: Passt der Schwerpunkt zu deinem gewünschten Rechtsgebiet?

Unterrichtssprache: Werden tatsächlich alle oder nur einzelne Veranstaltungen auf Englisch angeboten?

Zulassung: Welche Examens-, Hochschul- oder Berufserfahrung wird verlangt?

Studienform: Ist das Studium Vollzeit, Teilzeit oder berufsbegleitend?

Kosten: Welche Studiengebühren, Semesterbeiträge und sonstigen Kosten entstehen tatsächlich?

Gerade die Zulassungsvoraussetzungen können erheblich variieren. Der LL.M. an der LMU verlangt beispielsweise 240 ECTS beziehungsweise unter bestimmten Voraussetzungen 210 ECTS plus zusätzliche berufliche Qualifikation sowie einen C1-Nachweis in Englisch.

Fazit: LL.M. in Deutschland statt im Ausland?

Ein LL.M. in Deutschland ist keine „kleine“ Alternative zum Auslandsstudium. Er kann vielmehr die bessere Wahl sein – vorausgesetzt, das konkrete Programm passt zu deinen Zielen.

Für Deutschland sprechen insbesondere die mögliche Spezialisierung auf den deutschen oder europäischen Rechtsmarkt, die teilweise geringeren Kosten und die Möglichkeit, das Studium mit dem Beruf zu verbinden.

Für das Ausland sprechen vor allem die Auslandserfahrung, der internationale Studienalltag und häufig das internationale Netzwerk.

Ein international ausgerichteter, englischsprachiger LL.M. in Deutschland kann für die richtige Zielgruppe genauso sinnvoll sein wie ein Studium in London, Amsterdam, New York oder Hongkong. Umgekehrt bietet ein Auslands-LL.M. Vorteile, die sich durch ein Studium in Deutschland nicht vollständig ersetzen lassen.

Der beste LL.M. ist deshalb nicht automatisch der ausländische oder der deutsche – sondern derjenige, dessen Inhalte, Netzwerk und Rahmenbedingungen zu deinem nächsten Karriereschritt passen.

IMG 9789
LL.M. In Deutschland

Häufige Fragen

Ist ein LL.M. in Deutschland sinnvoll?

Ja. Besonders für Juristinnen und Juristen, die sich spezialisieren und anschließend in Deutschland arbeiten möchten, kann ein deutscher LL.M. eine sinnvolle Zusatzqualifikation sein.

Ist ein LL.M. in Deutschland schlechter als ein LL.M. im Ausland?

Nein. Der Wert eines LL.M. hängt stark von Hochschule, Studieninhalten, Ausrichtung und deinem beruflichen Ziel ab. Ein Auslands-LL.M. bietet allerdings zusätzliche Auslandserfahrung, die ein deutscher LL.M. naturgemäß nicht in gleicher Weise vermittelt.

Ist ein deutscher LL.M. günstiger als ein LL.M. im Ausland?

Das kann der Fall sein, ist aber nicht automatisch so. Die Kosten deutscher Programme reichen von gebührenfreien Angeboten bis zu Studiengebühren im fünfstelligen Bereich. Entscheidend ist deshalb immer das konkrete Programm.

Gibt es englischsprachige LL.M.-Programme in Deutschland?

Ja. Inzwischen gibt es auch vollständig englischsprachige und international ausgerichtete Programme. Beispiele sind der LL.M. European and International Economic Law der LMU München und der LL.M. Comparative and Global Law der Universität Münster.

Kann ich einen LL.M. in Deutschland berufsbegleitend machen?

Ja. Neben Vollzeitprogrammen gibt es auch berufsbegleitende und weiterbildende LL.M.-Studiengänge. Die konkrete Studienorganisation sollte vor der Bewerbung geprüft werden.

Brauche ich für einen LL.M. in Deutschland ein bestandenes Staatsexamen?

Nicht immer. Die Zulassungsvoraussetzungen unterscheiden sich je nach Programm. Manche Studiengänge richten sich an Absolventinnen und Absolventen eines ersten juristischen Abschlusses, andere speziell an bestimmte Bewerbergruppen. Die jeweiligen Zulassungsbedingungen der Hochschule sind daher entscheidend.