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Berufsspecial Erb- und Familienrecht

Berufsspecial

Erb- und Familienrecht

Praxis

Lebensnah und empathisch

Das Erb- und Familienrecht sind zwei der lebensnahsten Rechtsgebiete. Die meisten können sich mit den Problemen identifizieren, mit denen sich Mandanten* eines Erb- und/oder Familienrechtlers konfrontiert sehen. Menschen, die sich mit ihrem eigenen Ableben oder dem Tod einer nahestehenden Person, mit Unterhalts- oder Sorgerechtsstreitigkeiten oder einer Scheidung auseinandersetzen müssen, brauchen nicht nur kompetente, sondern vor allem empathische Beratung. Der Erb- und Familienrechtler sollte daher eine ausgewogene Mischung aus Einfühlungsvermögen und der Fähigkeit, in brisanten Lagen einen kühlen Kopf zu bewahren, in sich vereinigen. Er sollte zudem mit Situationen umzugehen wissen, in denen er mit Schicksalsschlägen konfrontiert wird, die andere Menschen erleiden.

Doch die Praxis im Erb- und Familienrecht erschöpft sich längst nicht in der rechtlichen Handhabung von Streitigkeiten oder Todesfällen. Auch wenn es z.B. darum geht, Eheverträge, Testamente und Erbverträge aufzusetzen oder eine Adoption rechtlich zu begleiten, ist der Erb- und Familienrechtler gefragt. Die Themen dieser Rechtsbereiche sind stets aktuell und die Beratung darin daher durchgehend relevant.

Tätigkeitsfelder im Erbrecht

Das Erbrecht ist in Art. 14 GG verfassungsrechtlich geschützt. Seine Bedeutung ist aber ohnehin unverkennbar: Der Tod ereilt jeden früher oder später und ist damit ein Thema, das jeden betrifft. Jährlich werden in Deutschland ca. 400 Mrd. € vererbt.

Möchte jemand im Falle seines Ablebens nicht die gesetzliche Erbfolge greifen lassen, sondern in einem Testament festhalten, wer wie viel von ihm erben soll, ist der Gang zum Erbrechtler angesagt. Dieser kann ihm aufzeigen, was im Rahmen einer gewillkürten Erbfolge möglich ist, was nicht und welche Formalia zu beachten sind, um zu verhindern, dass das Testament unwirksam ist und dem Willen des Erblassers entsprochen werden wird. Außerdem kennt er womöglich Kniffe, die sich anwenden lassen, um die Erbschaftssteuer so gering wie möglich zu halten. Insofern sollte der Erbrechtler auch Kenntnisse im Steuerrecht vorweisen.

Zum seinem Tätigkeitsfeld gehören außerdem das Aufsetzen von Erbverträgen, das Pflichtteilsrecht und die Beratung hinsichtlich Auflagen, Vermächtnissen und der Möglichkeiten der Testamentsform wie z.B. das Berliner Testament von Ehegatten mit Vor- und Nacherbschaft. Insbesondere bei größeren Vermögenswerten oder wenn es um die Nachfolge eines Unternehmens geht, kann es schnell unübersichtlich werden. Auch hier schafft die Betreuung durch den Fachanwalt für Erbrecht Abhilfe. Sein Handwerkzeug findet sich überwiegend im BGB und dem ErbStG.

Da der Erbrechtler zwangsläufig auf Menschen trifft, die sich mit ihrer Sterblichkeit auseinandersetzen oder den Verlust einer geliebten Person beklagen, sind Empathie und Geduld in seinem Berufsalltag das A und O. Aufgrund der schweren Thematik oder Trauer wird es seinen Mandanten mitunter nicht leichtfallen, Entscheidungen zu treffen und sie benötigen ggf. mehr Zeit, um Informationen verdauen zu können. Insofern ist hier das Einfühlungsvermögen und zugleich die Rationalität des Erbrechtlers gefragt, um in diesem Prozess die bestmögliche rechtliche Betreuung seiner Mandanten zu gewährleisten.

Tätigkeitsfelder im Familienrecht

Die Ehe und Familie werden durch Art. 6 GG verfassungsrechtlich geschützt. Unter dem Begriff der „Familie“ sind alle aufgrund von Ehe oder Lebenspartnerschaft, Verwandt- oder Schwägerschaft verbundenen Personen zu verstehen. Das Familienrecht regelt deren rechtlichen Beziehungen sowie die gegenüber Dritten. Das Handwerkzeug des Familienrechtlers findet sich im BGB, LPartG, FamFG und in der ZPO.

Sei es als Anwalt oder Richter – am meisten wird man mit Sachverhalten zu tun haben, die das Eherecht, nichteheliche Lebensgemeinschaften oder die Rechtsbeziehung zwischen Eltern und Kind betreffen. Die familienrechtliche Beratung erstreckt sich dabei z.B. auf die Wahl des Güterstands bei Eheschließung – wie die Zugewinngemeinschaft, Gütergemeinschaft oder Gütertrennung – und deren rechtlichen Konsequenzen für das Eheleben und im Fall der Scheidung. Ebenso wollen manche Paare bereits im Vorfeld bestimmte Punkte bezüglich ihrer finanziellen Interessen oder einer eventuellen späteren Scheidung regeln, sodass auch das Aufsetzen eines Ehevertrags und die dazugehörige Beratung zu den Aufgaben des Familienrechtlers zählen.

Solange geheiratet wird, wird auch geschieden – salopp gesagt. In Deutschland werden etwas über ein Drittel der Ehen geschieden. Damit bleibt das Tätigkeitsfeld des Familienrechtlers stets relevant. Wie bereits die Schließung zieht erst recht die Scheidung einer Ehe viele Konsequenzen nach sich wie bspw. Unterhaltszahlungen oder Ausgleichsansprüche. Hier ist wieder der Fachanwalt für Familienrecht gehalten, seine Mandanten bestmöglich durch den oftmals sehr emotionalen Prozess zu führen und empathisch Beistand zu leisten. Die sehr sensiblen Themen erfordern ein hohes Einfühlungsvermögen. Gerade wenn viele Emotionen seitens der Mandanten im Spiel sind und es z.B. um Sorgerechtsstreitigkeiten geht, muss der Familienrechtler aber ebenso einen kühlen Kopf bewahren und rational die besten Chancen seines Mandanten wahrnehmen. Weitere Tätigkeitsfelder ergeben sich hinsichtlich der Rechtsbeziehungen zwischen Eltern und Kind nicht nur aus dem Sorgerecht und Unterhaltsverpflichtungen, sondern z.B. auch hinsichtl Adoption und Abstammung des Kindes, sprich Mutter- und Vaterschaft. Ebenfalls zur Tätigkeit gehören Fragen bzgl. Vormundschaft und Pflegschaft sowie das Betreuungsrecht.

Berufschancen & Gehälter

Berufsaussichten - Was sind meine Möglichkeiten?

Die Berufsaussichten als Erb- und/oder Familienrechtler sind wie gesagt aufgrund der stetigen Relevanz beider Bereiche für das alltägliche Leben sehr gut! Sowohl im Erb- als auch Familienrecht kommen neben der anwaltlichen Tätigkeit noch die Tätigkeiten als Notar und Richter, z.B. an Familienfachgerichten als spezielle Abteilung von Amtsgerichten, in Betracht. Als Anwalts hat man wie bei der Spezialisierung in anderen Rechtsgebieten die Wahl, sich als Einzelanwalt niederzulassen oder in einer mittelständischen oder Großkanzlei einzusteigen.

Gehaltsaussichten im Erb- und Familienrecht

Wer als Anwalt im Erb- und Familienrecht tätig werden will, kann mit einer guten Vergütung rechnen. Das Durchschnittsgehalt liegt bei ca. 89.860 €, wobei Großkanzleien mit durchschnittlich 105.640 € deutlich mehr zahlen als die mittelständischen Kanzleien (77.100 €).**

Entscheidet man sich für das Richteramt, richtet sich die Besoldung nach dem jeweiligen LBesG. Als Notar ist man selbständig und kann daher grds. selber entscheiden, welche bzw. wie viele Aufträge man annimmt. Dennoch gibt es diesbzeüglich bestimmte gesetzliche Vorgaben. Für einige sind die Gebühren im GNotKG festgesetzt. Abhängig von diesen Faktoren kann das Gehalt von Notar zu Notar also stark variieren.

Bildung

Fachanwaltstitel im Erb- und Familienrecht

Sowohl fürs Familien- als auch fürs Erbrecht kann ein Fachanwaltstitel erworben werden. Bis zu drei Fachanwaltstitel darf ein Rechtsanwalt führen. Aktuell sind bundesweit 9.288 Fachanwälte im Familienrecht und 2.197 Fachanwälte im Erbrecht verzeichnet. Die zuständige Rechtsanwaltskammer, der der Rechtsanwalt angehört, verleiht nach Maßgabe der Fachanwaltsordnung (FAO) die Berechtigung zum Führen der Fachanwaltsbezeichnung. Voraussetzungen für diese Verleihung sind:

  • dreijährige Zulassung und Tätigkeit innerhalb der letzten sechs Jahre vor Antragstellung (§ 3 FAO)
  • Antragstellung bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer (§ 22 FAO)
  • Nachweis besonderer theoretischer Kenntnisse (§§ 4, 4a und 6 FAO)
  • Nachweis besonderer praktischer Erfahrungen (§§ 5, 6 FAO)

Zusätzlich muss der Rechtsanwalt, der den Fachanwaltstitel führen möchte, gem. §§ 12, 14f FAO besondere Kenntnisse in bestimmten Bereichen des Erb- und Familienrechts nachweisen.

Ausbildung zum Mediator

Attraktiv für diejenigen, die im Erb- und Familienrecht tätig werden wollen, ist die Ausbildung zum Mediator. Das Erlernen von Techniken für die Schlichtung und konstruktive Beilegung von Streitigkeiten ist von großem Vorteil bei den oftmals emotional aufgeladenen Streitigkeiten zwischen Erben oder Eltern bzw. geschiedenen Eheleuten. Die Ausbildung wird von vielen verschiedenen Stellen angeboten und unterliegt keiner besonderen Normierung, sodass sich die Zertifizierung als Mediator gut innerhalb eines Wochenendseminars erwerben lässt.

Promotion und LL.M. im Erb- und Familienrecht

Auch in diesem vielseitigen Berufsfeld besteht die Möglichkeit zu promovieren oder einen Master of Laws zu erwerben. Letzteres ist bspw. an der Universität Münster möglich. Dort wird der LL.M. „Erbrecht & Unternehmensnachfolge“ berufsbegleitend angeboten. Das Programm erstreckt sich über zwei Jahre und geht mit Kosten in Höhe von 11.700 € einher. Voraussetzung ist u.a. ein Jahr Berufserfahrung.

Im Ausland bieten einige Universitäten LL.M.-Programme zum Familienrecht an wie z.B. die Univeristät Leiden den Master „International Children´s Rights“ für 19.300 €. Er kann in Vollzeit innerhalb eines Jahres oder in Teilzeit innerhalb von zwei Jahren absolviert werden.

Dies gilt auch für den Master „Family Law“ an der University of London, der online angeboten wird und 9.579 Pfund (umgerechnet ca. 11.400 €) kostet. Die zu absolvierenden Stunden dieses Programms sind frei einteilbar.

An der Loyola University Chicago kann man sich für den LL.M. „Child and Family Law” einschreiben. Der Vorteil: Die Veranstaltungen können hier je nach Belieben online, in Präsenz oder hybrid besucht werden. Der Nachteil: Die Kosten belaufen sich auf stolze 59.990 $ (umgerechnet ca. 54.300 €), wobei Stipendien in Höhe von bis zu 30.000 $ (umgerechnet ca. 27.140 €) möglich sind. Das Programm dauert in Vollzeit ein Jahr, in Teilzeit zwei Jahre.

*Aus Gründen der Leserlichkeit wird das generische Maskulinum verwendet; es sind alle Geschlechter gemeint.
** basierend auf unserer Umfrage von 120 Kanzleien

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