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Interview zu Karriereperspektiven im Sportrecht mit Rechtsanwalt Paul Lambertz (Beiten Burkhardt)

Iurratio-Interview mit Rechtsanwalt Paul Lambertz im Rahmen unseres Berufsspecials zum Sportrecht zu Anforderungen, Möglichkeiten und aktuellen Themen im Sportrecht.

Interview zu Karriereperspektiven im Sportrecht mit Rechtsanwalt Paul Lambertz (Beiten Burkhardt)

Iurratio-Interview mit Rechtsanwalt Paul Lambertz im Rahmen unseres Berufsspecials zum Sportrecht zu Anforderungen, Möglichkeiten und aktuellen Themen im Sportrecht.

Paul_Lambertz_Sportrecht_IurratioPaul Lambertz studierte Rechtswissenschaften an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Nach dem ersten Staatsexamen absolvierte er sein Referendariat am Landgericht Essen. Im Anschluss an das zweite Staatsexamen promovierte Paul Lambertz bei Herrn Professor Walker im Bereich des Sportrechts. Er befasste sich unter anderem mit dem Anspruch des Athleten auf Teilnahme bei Olympia.

Seit Juni 2014 arbeitet er bei BEITEN BURKHARDT Rechtsanwaltsgesellschaft mbH und ist für Handels-/ Gesellschaftsrecht, Sportrecht, Litigation zuständig.

Wie sind Sie zum Sportrecht gekommen?

Während meines Studiums in Heidelberg kam ich sehr direkt mit dem Fall einer Profitriathletin in Kontakt, der vorgeworfen wurde, im Wettkampf gedopt zu haben. Dieses Verfahren hat mich sehr interessiert und ich habe mich daher mit den Anti-Doping-Regeln auseinandergesetzt.

Da mir relativ schnell klar wurde, dass es mit meiner eigenen Profisportlerkarriere nichts werden würde, ich aber den Bereich des Sports so faszinierend fand, habe ich nach Möglichkeiten gesucht, mein Jurastudium mit meiner Leidenschaft für den Sport zu verbinden. Was lag da also näher, als sich dem Sportrecht zu verschreiben.

Während des Referendariats habe ich dann versucht, meine Stationen so zu wählen, dass sie Bezüge zum Sport(recht) hatten. Mit dem Urgestein des Sportsrechts in Deutschland, Dr. Michael Lehner, bei dem ich meine Wahlstation absolviert habe, habe ich mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis. Nach dem zweiten Staatsexamen habe ich meinen Weg weiter ins Sportrecht gesucht und zum Thema der Nominierung im Sport promoviert. Als Rechtsanwalt habe ich dann immer versucht, Mandate mit sportrechtlichem Einschlag zu akquirieren und in dem Sportbereich Fuß zu fassen.

Das Sportrecht ist breit gefächert und besteht aus vielen Teilgebieten. Wie ist ihre Kanzlei intern strukturiert?

Das stimmt, dass das Sportrecht breit gefächert ist. Ich spreche daher auch fast lieber davon, dass ich eine Branche berate. Wenn man den Sport als Branche, wie beispielsweise die Automobil- oder Energiebranche, versteht, stellt man fest, dass es viele Rechtsbereiche gibt, die in jeder Branche vorkommen, beispielsweise das Arbeits- oder das Gesellschaftsrecht, und dass es Rechtsbereiche gibt, die branchentypisch sind. Branchentypsich für den Sport sind beispielsweise das Vereins- oder das Schiedsrecht.

Obwohl ich als Handels- und Gesellschaftsrechtler mit einem Schwerpunkt auf Gerichtsverfahren schon ein breites Spektrum der branchentypischen Probleme des Sport(recht)s abdecke, kann ich natürlich nicht alle Rechtsgebiete optimal beraten. Soll ich beispielsweise arbeitsrechtlich beraten, ist für mich selbstverständlich, dass ich dies gemeinsam mit einem Arbeitsrechtler tue. Es gilt die Maxime, jeder macht nur das, was er kann.

Für eine Tätigkeit im Sportrecht ist es häufig erforderlich, auch ein breites zivilrechtliches und wirtschaftliches Wissensspektrum mitzubringen. Wie decken Sie diese Anforderungen in Ihrer Kanzlei ab? Wie findet die Zusammenarbeit mit den Spezialisten für diese Bereiche in Ihrem Hause statt?

Wenn ich meine Mandanten alleine nicht optimal beraten kann, suche ich mir einen hausinternen Spezialisten, der diesem Mandanten helfen kann. Wir setzen uns dann zusammen und besprechen den Fall. Je nachdem zu welchem Ergebnis wir kommen, führt der Kollege das Verfahren entweder alleine oder zusammen mit mir weiter.

Mir geht es darum, den besten Rat zu erteilen, selbst wenn der heißt: Ab hier kann ich nicht mehr bestmöglich beraten, aber ich habe da jemanden, der das kann. Ich denke, dass dieser Beratungsansatz am Ende zu der von mir gewünschten Mandantenzufriedenheit führen wird.

Inwieweit trifft dies auch Ihre Erwartungen an Bewerber? Erwarten Sie von Anfang an eine starke Spezialisierung im sportrechtlichen Bereich zusätzlich zu breiten Kompetenzen im Zivilrecht? Oder findet hier auch ein „Training on the job“ im Sinne eines Heranführens von kleinen zu großen Aufgaben statt?

Neben den allgemeinen Voraussetzungen, wie beispielsweise guten Examina, erwarte ich persönlich keine besondere sportrechtliche Spezialisierung.

Wie heißt es so schön: Es wird nicht erwartet, aber wenn sie da ist, ist es auch nicht schlimm.

Was ich aber bei einem Bewerber sehen will, ist die Leidenschaft für das Sportrecht. Ob der Bewerber nachher auch für sich entscheidet, den Weg in den Bereich des Sports einzuschlagen, ist mir allerdings zweitrangig. Ein guter Jurist, mit der Leidenschaft für Sport(recht), hat das Potential auch ein guter Sportrechtler zu werden.

Wie sich ein neuer Sportrechtler dann allerdings in der Praxis schlägt, muss sich in der täglichen Arbeit am Mandat zeigen, denn wie in jedem anderen Rechtsbereich gilt auch für den Sport: Zwischen Theorie und Praxis gibt es große Unterschiede.

Neben juristischem Fachwissen werden oft weitere „Soft- Skills“ erwartet. Gerade im Sport gehört ein gewisser Sportgeist dazu. Auf welche Anforderungen der Branche müssen sich Bewerber im Bereich des Sportrechts einstellen?

Ich glaube, dass es grundsätzlich extrem hilfreich ist, wenn man die Sprache der Mandanten spricht. Als Anwalt ist man Ratgeber, Vertrauter und Teammitglied und – gerade im Sport – in hektischen Zeiten nah an seinem Mandanten. Wenn man da schon nicht auf einer Wellenlänge liegt, wird es schwerer als es ohnehin schon ist. Meine Erfahrung aus dem Bereich der Sportbranche ist, dass die Mandanten alle mit Herzblut bei der Sache sind und dies auch von ihrem Rechtsanwalt erwarten.

Daneben kann sicherlich eine gewisse Sportlichkeit, ein Interesse für den Sport fernab des Rechts und eine gesunde Portion Humor auch nicht schaden, um Sportrechtler zu werden und zu sein.

Gibt es bestimmte Trends, auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Kommerzialisierung des Sports, auf die heutige Bewerber vorbereitet sein sollten?

Der Sport ist wohl einer der Bereiche, die sich in den letzten Jahren am meisten verrechtlicht haben. Wurden in den Jahren zuvor Verabredungen noch per Handschlag geschlossen, ist dies heutzutage undenkbar. Wurden in den letzten Jahren Entscheidungen von Verbänden einfach hingenommen, werden diese heute hinterfragt und notfalls gerichtlich überprüft. Ich denke, dass sich dieser Trend unverändert fortsetzen wird. Von Bewerbern erwarte ich daher, dass sie alles hinterfragen und nichts für endgültig erachten.

Was würden Sie Bewerbern raten, die sich für eine Karriere im Bereich des Sportrechts interessieren? Welche Schwerpunkte sollten sie bei ihrer Ausbildung setzen, auf welche fachübergreifenden Fähigkeiten wertlegen?

Da die Sportbranche viele, wenn nicht alle, Rechtsgebiete abdeckt, fällt es mir schwer, bestimmte Ausbildungsschwerpunkte herauszupicken. Ich würde jeder/jedem potentielle/n neuen Sportrechtler raten, zunächst einmal herauszufinden, welche Rechtsgebiete ihr/ihm liegen und erst dann zu schauen, ob bzw. ggf. wie man diese Leidenschaft für ein Rechtsgebiet mit dem Wunsch, Sportrechtler zu werden, verbinden kann.

Die Sportbranche bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten für Juristen, dort tätig zu werden. Neben externen Rechtsberatern wie mir, gibt es beispielsweise Vereinsjuristen, Juristen bei Vermarktungsagenturen oder auch Juristen bei der Nationalen Anti-Doping Agentur. Selbst wenn einen potentiellen Sportrechtler der Beruf des Anwalts/Inhousejuristen nicht interessieren sollte, heißt das noch nicht, dass die Tür "Sportrecht" geschlossen ist.

Einer der renommiertesten Sportrechtler Deutschlands ist kein Anwalt oder Inhousejurist. Dr. Jan F. Orth, ist hauptberuflich Vorsitzender Richter einer großen Strafkammer beim Landgericht Köln, hält aber daneben Vorlesungen zum Sportrecht und ist Mitglied diverser Verbandsgerichte. Das Beispiel von Dr. Orth zeigt mir, dass das Sportrecht wirklich allen interessierten Juristen offensteht.

Es kann sicherlich auch nicht schaden, wenn man zu sportrechtlichen Themen veröffentlicht. So bringt man zum einen die Sportrechtswissenschaft weiter und schärft zum anderen sein Profil. Auch das – oft ehrenamtliche – Engagement in Sportschiedsgerichten ist dazu geeignet, sich sportrechtliches Knowhow anzueignen.

Im Sportrecht gab es immer wieder große Schlagzeilen, manchmal kamen sie aus der FIFA oder aus den Dopinglaboren der olympischen Sportverbände. Was verfolgen Sie gerade an aktuellen Entwicklungen?

Für Deutschland denke ich, dass eine Entwicklung des Sports sein wird, dass die "Kleinen" des Sports, die Athleten, die Vereine, die Landesverbände, ihre Rechte entdecken und einfordern werden. Viele Beispiele belegen dies:

Nehmen Sie Frau Pechstein, die gegen ihre Dopingsperre vorgeht, die Läufer Philipp Pflieger und Julian Flügel, die sich beim Deutschen Leichtathletikverband für eine Reduzierung der Olympianormen eingesetzt haben, der SV Wilhelmshaven, der sich gegen eine FIFA-Entscheidung gerichtlich gewehrt hat oder die Vielzahl der Athleten, wie beispielsweise die Speerwerferin Katharina Molitor oder die Triathletin Rebecca Robisch, die sich gerichtlich gegen ihre Nichtnominierung gewehrt haben.

International wird es darum gehen, dass der Kampf gegen das Doping noch mehr vereinheitlicht werden wird. Die Vergangenheit und die Gegenwart haben gezeigt bzw. zeigen, dass es mitunter nicht gut für den Anti Doping Kampf ist, wenn nationale Anti Doping Agenturen nationale Athleten prüfen. Daneben wird es auch darum gehen, dass die internationalen Verbände ihre Glaubwürdigkeit wieder zurückgewinnen und der Selbstbedienungsmentalität mancher Funktionäre Einhalt gebieten.

Aber auch neue Sportarten, wie beispielsweise der eSport werden in Zukunft Schlagzeilen machen. Eins kann ich aber sicher vorhersagen: Langweilig wird es im Sportrecht so schnell nicht werden.

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