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Interview zu Karriereperspektiven im Sportrecht mit Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. Rainer Cherkeh

Iurratio-Interview mit Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. Rainer Cherkeh im Rahmen unseres Berufsspecials zum Sportrecht zu Anforderungen, Möglichkeiten und aktuellen Themen im Sportrecht.

Interview zu Karriereperspektiven im Sportrecht

Iurratio-Interview mit Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. Rainer Cherkeh im Rahmen unseres Berufsspecials zum Sportrecht zu Anforderungen, Möglichkeiten und aktuellen Themen im Sportrecht.

Berufsspecial iurratio Sportrecht Rainer Cherkeh InterviewProf. Dr. iur. Rainer Cherkeh ist Partner der auf Sport- und Vereinsrecht spezialisierten Sozietät KERN CHERKEH Rechtsanwälte Partnerschaft mbB in Hannover sowie Honorarprofessor für Sportrecht und Vermarktung u. Recht an der Ostfalia HaW. Er ist Lehrbeauftragter für das Modul „Nationales und Internationales Sportrecht“ an der Universität Oldenburg sowie Lehrbeauftragter für das Modul „Profisport und Recht“ an der Universität Jena.

Rainer Cherkeh ist Mitglied der International Sport Lawyers Association (ISLA) und der AG Sportrecht des DAV, ferner Schiedsrichter am Deutschen Sportschiedsgericht (DIS). Er berät und vertritt eine Vielzahl von Mandanten aus dem Profi- und Amateursport. Näheres unter www.sportrechtskanzlei.de

Wie sind Sie zum Sportrecht gekommen?

Ich habe über ein sportrechtliches Thema promoviert und bin über ehrenamtliche Tätigkeiten in Vereinen und Verbänden seit jeher mit den dort anfallenden Rechtsthemen befasst. Hinzu kamen Veröffentlichungen, Dozententätigkeiten und auch von den Medien intensiv begleitete Fälle. Mit den Jahren und dem gewachsenen Team haben wir in den Bereichen Vermarktung, Sponsoring, Lizenzierung, Veranstaltungs- und Verbandsrecht eine besondere Expertise auf- und ausgebaut.

Für unsere bundesweite Klientel, unter anderem Sportligen, Bundes- und Landesfachverbände sowie Klubs aus den verschiedenen Top-Ligen, haben wir in vielen Fällen die sportrechtliche Gesamtberatung übernommen, sind also faktisch so etwas wie deren ausgegliederte Rechtsabteilung.

Das Sportrecht ist breit gefächert und besteht aus vielen Teilgebieten. Wie ist ihre Kanzlei intern strukturiert? Wie findet die Zusammenarbeit mit den Spezialisten für diese Bereiche in Ihrem Hause statt?

Mit derzeit neun Berufsträgern decken wir den großen Teil der bei Sportsachverhalten regelmäßig anstehenden Rechtsgebiete ab, auch über spezialisierte Fachanwälte. Je nach Aufgabenbereich erfolgt die Mandatsbearbeitung daher auch fachübergreifend in zusammen arbeitenden Teams, mit denen wir eine auf den individuellen Beratungsbedarf des Sportmandanten abgestimmte Interessenwahrnehmung gewährleisten. Im Rahmen unseres Netzwerks unterstützen wir kompetent auch bei internationalen Sportmandaten und vertreten unsere Klienten vor internationalen Sportschiedsgerichten.

Inwieweit trifft dies auch Ihre Erwartungen an Bewerber? Erwarten Sie von Anfang an eine starke Spezialisierung im sportrechtlichen Bereich zusätzlich zu breiten Kompetenzen im Zivilrecht? Oder findet hier auch ein „Training on the job“ im Sinne eines Heranführens von kleinen zu großen Aufgaben statt?

Ganz klar „Training on the Job“. Von Berufseinsteigern erwarten wir hervorragende Qualifikationen, aber ebenso die erforderliche Leidenschaft für die Mandatsbearbeitung. Die Spezialisierung kommt mit der Zeit, wobei das Sportrecht ohnehin nur eine klientenbezogene Schwerpunktsetzung ist.

Der mit Sportsachverhalten befasste Rechtsanwalt wird sich im Laufe der Zeit auf z.B. gesellschafts- oder arbeitsrechtliche Schwerpunkte fokussieren und dort auch spezialisieren. Er wird also auch Mandate außerhalb der Sportsegmente fachlich hochqualifiziert in seinem jeweiligen jur. Schwerpunkt begleiten, was natürlich auch den Sportmandaten zugute kommt.

Neben juristischem Fachwissen werden oft weitere „Soft- Skills“ erwartet. Gerade im Sport gehört ein gewisser Sportgeist dazu. Auf welche Anforderungen der Branche müssen sich Bewerber im Bereich des Sportrechts einstellen?

Bei Sachverhalten im Profisport – etwa bei Spielumwertungen oder bei Sperren – kommt es darauf an, schnell die Erfolg versprechende Strategie festzulegen. Die Zeit für eine gründliche Prüfung der Rechtslage ist oft sehr kurz. Angesicht des Zusammenspiels von staatlichem Recht und den Regelwerken der nationalen sowie internationalen Sportverbände, sei es im materiellen Recht oder aber bei Verfahrensfragen, ist die Fähigkeit, sich rasch, aber auch sorgfältig in die relevanten Rechtsvorschriften einzuarbeiten, überaus wichtig.

Gibt es bestimmte Trends, auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Kommerzialisierung des Sports, auf die heutige Bewerber vorbereitet sein sollten?

Sport ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, so dass auch die Verrechtlichung von Sportsachverhalten voran schreitet. Aufgrund der Komplexität der anzuwendenden Normen wird für die Handelnden, namentlich die Sportler, Trainer, Manager, Klubs, Verbände, Sportwirtschaftsunternehmen und Agenturen, die Wahrung und Durchsetzung eigener Rechte und Interessen immer schwieriger. Neben dem daraus resultierenden wachsenden außergerichtlichen Beratungsbedarf werden Konflikte zunehmend vor staatlichen Gerichten oder vor Schiedsgerichten ausgetragen.

In der Praxis erfolgt oftmals eine Abstimmung und Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen. Bei Dopingfällen z.B. mit Chemikern und Medizinern und bei Vermarktungssachverhalten mit Sportökonomen und Werbeagenturen. Erfolgreiche Sportvermarktung und fundierte rechtliche Beratung gehören zusammen. Der angehende Sportjurist muss unternehmerisch vorausdenken können, so etwa bei der Entwicklung neuer Vermarktungsmöglichkeiten.

Er schlüpft sozusagen in die Sicht- und Denkweise von Sport- und Sportrechtevermarktern. Kurzum: Der angehende Bewerber muss auch offen sein für komplexe interdisziplinäre Mandatsbearbeitungen.

Was würden Sie Bewerbern raten, die sich für eine Karriere im Bereich des Sportrechts interessieren? Welche Schwerpunkte sollten sie bei ihrer Ausbildung setzen, auf welche fachübergreifenden Fähigkeiten wertlegen?

Unerlässlich bleibt eine solide rechtliche Ausbildung im Studium und Referendariat. Nur diese ermöglicht dem Bewerber, die relevanten Schnittstellen des Sports zu den klassischen Rechtsgebieten zu erkennen und profund zu bearbeiten. Auch die frühzeitige Befassung mit sportrechtlicher Literatur, Fachzeitschriften und Sportgerichtsentscheidungen ist anzuraten.

Ein ehrenamtliches Engagement in Sportvereinen oder –verbänden bietet dem Sportjuristen die Möglichkeit, das Vereins- und Verbandsrecht aus dem Tagesgeschehen heraus kennenzulernen. Ferner sind sehr gute Englischkenntnisse unerlässlich, denn Sport ist international, von den Regelwerken bis hin zu internationalen Verträgen oder Verhandlungen und Streitigkeiten mit internationalen Sportfachverbänden oder ausländischen Klubs, auch vor z.B. internationalen Schiedsgerichten.

Für einen ersten Blick in die Praxis dieses faszinierenden Berufsfeldes sollte eine Anwalts- oder Wahlstation im Referendariat genutzt werden, etwa bei einer auf Sportrecht spezialisierten Kanzlei oder bei einem (internationalen) Sportverband.

Im Sportrecht gab es immer wieder große Schlagzeilen, manchmal kamen sie aus der FIFA oder aus den Dopinglaboren der olympischen Sportverbände. Was verfolgen Sie gerade an aktuellen Entwicklungen?

Wir begleiten seit vielen Jahren und auch derzeit diverse Verbände, Klubs und Athleten bei Streitigkeiten vor den nationalen und internationalen Verbands- und Schiedsgerichten, ebenso wie vor den staatlichen Gerichten. Es geht dabei z.B. um Vertragsstreitigkeiten, verbandsrechtliche Fragestellungen aber auch um das klassische Sportstrafrecht. Fast immer stehen aktuelle Rechtsthemen und Entwicklungen im Mittelpunkt, die nicht selten heikel und streitanfällig sind.

Den Sportmedien lässt sich oft einiges dazu entnehmen. Mindestens in gleichem Umfang beraten und begleiten wir unsere Mandanten bei außergerichtlichen Themen, sei es bei der Ausgliederung der Profiabteilung eines Klubs auf eine Kapitalgesellschaft, der Optimierung der Sponsoring- und Vermarktungsverträge oder bei der Implementierung von Compliance-Systemen.

Auch die ab Mai 2018 anzuwendende EU-Datenschutz-Grundverordnung ist derzeit bei vielen Mandanten von uns ein wichtiges und beratungsintensives Thema.

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