"Der Bewerber sollte darauf vorbereitete sein, dass es eigentlich nie langweilig wird."

M&A (Mergers & Acquisitions)

Interview mit Rechtsanwalt Leander Hornung über die Tätigkeit im M&A (Mergers & Acquisitions)

In unserer Interviewreihe für unsere Berufsspecials haben wir Rechtsanwalt Leander Hornung (SCHULTE RIESENKAMPFF.) hinsichtlich seiner Tätigkeit, den Anforderungen sowie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich M&A (Mergers & Acquisitions) befragt.

Aus unserem Berufsspecial zu einer Tätigkeit im Bereich M&A (Mergers & Acquisitions)

 

 

Leander Hornung (SCHULTE RIESENKAMPFF.

Tätigkeit

iurratio: M&A ist zunächst ein weit gefasster Begriff. Wie haben Sie den Bereich intern bei SCHULTE RIESENKAMPFF. strukturiert? Gibt es bestimmte Teams, die immer wieder bestimmte Teilprozesse betreuen oder werden diese für jedes Mandat individuell neu zusammengestellt?

Leander Hornung: Federführend für die Betreuung der M&A Tätigkeiten ist intern der Bereich Wirtschafts-, Handels- und Gesellschaftsrecht, der im Kern aus drei Partnern und drei Associates besteht.

Teams für die Bearbeitung der M&A-Transaktionen werden nach den Anforderungen des konkreten Mandats und der jeweiligen Projektgröße individuell zusammengestellt. Entsprechend der Anforderungen im Einzelfall werden noch Anwälte aus anderen, bei SCHULTE RIESENKAMPFF. vorhandenen Ressorts (Arbeitsrecht, öffentliches Wirtschaftsrecht, Kartellrecht, Datenschutz/IT/IP) mit eingebunden.

 

iurratio: Für eine Tätigkeit im M&A ist es häufig erforderlich ein breites Wissensspektrum mitzubringen. Zusätzlich erwarten Mandanten aber auch Expertise in ihrer jeweiligen Branche. Wie decken Sie diese Anforderungen ab?

Leander Hornung: In einer mittelständischen Wirtschaftskanzlei wie es SCHULTE RIESENKAMPFF. ist, begegnet einem in der täglichen Arbeit eine große Bandbreite an Themen innerhalb eines Rechtsgebiets. Dementsprechend ist eine breitere Aufstellung im Allgemeinen erforderlich.

Trotzdem gibt es innerhalb der Abteilung klare Schwerpunktsetzungen, wer für Fragen aus dem Gesellschaftsrecht, aus dem Handelsrecht, dem Insolvenzrecht und der Vertragsgestaltung zuständig ist. Wegen der sehr kollegialen Arbeitsweise in der Kanzlei ist es da kein Problem die tiefergehende Expertise bei der jeweiligen Person abzurufen.

 

iurratio: Inwieweit ist ihre Erwartungshaltung an das Fachgebiet M&A erfüllt worden? Was waren die größten Überraschungen?

Leander Hornung: Von der Tätigkeit im M&A Bereich habe ich mir vor allem eines versprochen, nämlich dass es abwechslungsreich ist. Diese Erwartung wurde erfüllt und da bleiben Überraschungen nicht aus.

Jede Transaktion hat Berührungspunkte mit gesellschaftsrechtlichen, mit handelsrechtlichen, mit steuerrechtlichen Themen, zusätzlich ergeben sich Themen aus der Transaktionsstrukturierung – share deal, asset deal, eine Art der Umwandlung - , mal liegt ein Schwerpunkt im Arbeitsrecht, mal bei den Finanzen. Insgesamt kann man die Bandbreite im Vorfeld nicht umfassen absehen und muss dementsprechend geistig flexibel bleiben.

 

iurratio: Was sind die aktuell spannendsten Fragen im M&A aus Ihrer Sicht?

Leander Hornung: Das geht schon sehr ins Detail: Wie die EU-Kommission steuergetriebene, grenzüberschreitende Transaktionen durch das „Corporate Law Package“ verhindern wird.

 

iurratio: Gibt es bestimmte Trends auch vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftslage, auf die heutige Bewerber vorbereitet sein sollten?

Leander Hornung: Der Bereich M&A ist bis zu einem gewissen Teil von der Wirtschaftslage entkoppelt. Es ist relativ simpel: Geht es einem Unternehmen wirtschaftlich schlecht, verkleinert es sich oder verkauft es Teile des Unternehmens. Geht es einem Unternehmen gut versucht es, durch Zukäufe oder Neugründungen zu expandieren. In beiden Fällen können wir die Beratung liefern.

Der Bewerber sollte darauf vorbereitete sein, dass es eigentlich nie langweilig wird.

 

Anforderungen

iurratio: Welche Qualifikationen bzw. welche Soft Skills sind für eine anwaltliche Tätigkeit im Bereich des M&A vorteilhaft bzw. notwendig? Auf welche Anforderungen der Branche müssen sich Bewerber hier einstellen?

Leander Hornung: Zunächst ist, wie allgemein im Anwaltsberuf, eine gewisse Neugier von Vorteil. Das ist die beste Voraussetzung um auf der einen Seite den Sachverhalt umfassend aufzuklären und auf der anderen Seite Ansätze für eine Lösung zu finden.

Zudem ist eine gute Selbstorganisation von Vorteil. Allein die Menge der im Rahmen von M&A-Transaktionen zu sichtenden Dokumente erfordert es, einzelne Teilbereiche abzuschichten und sich selbst einen „Fahrplan“ zu erstellen.

Auch sollte man in diesem Bereich ein gewisses Maß an Verantwortungsbewusstsein für das Mandat und Fleiß mitbringen. Auch wenn vermeintlich bereits die beste Lösung für den Mandanten gefunden zu sein scheint, darf man hier nicht davor zurückschrecken, die noch nicht gesichteten Unterlagen zu prüfen. Manchmal ergibt sich nämlich genau aus diesen die Lösung, die zur Zufriedenheit aller ist.

 

iurratio: Welche Anforderungen stellen Sie an Referendare für eine Stage bzw. an Berufsanfänger für eine Tätigkeit in Ihrer Kanzlei?

Leander Hornung: Neben guten juristischen Kenntnissen sollte ein Referendar oder Bewerber in der Lage sein, sich in die Position des Mandanten hineinzuversetzen. Die besten juristischen Ratschläge nutzen nichts, wenn es für den Mandanten einfach nicht umsetzbar oder zielführend ist. Der Bewerber sollte wirtschaftlich denken können.

Darüber hinaus bedarf es zudem einer hohen Zuverlässigkeit und eines Verantwortungsbewusstseins gegenüber den eigenen Aufgaben. Aufgrund eigenverantwortlicher Bearbeitung von Rechtsproblemen muss man sich darauf verlassen können, dass die Kollegen ihre Teilaufgabenbereiche abdecken. Ansonsten kommt man nicht ans Ziel.

 

iurratio: Erwarten Sie von Anfang an eine starke Spezialisierung im M&A zusätzlich zu breiten Kompetenzen im Zivilrecht? Oder findet hier auch 1 im Sinne eines Heranführens von kleinen zu großen Aufgaben statt?

Leander Hornung: Hier steht das „Training on the job“ im Vordergrund.

 

iurratio: Beratung im M&A findet häufig im internationalen Rahmen statt. Gute Englischkenntnisse gelten vermutlich als selbstverständliche Anforderungen an ihre Bewerber und Mitarbeiter. Wie wichtig sind Kenntnisse weiterer Sprachen und anderer Rechtssysteme, z.B. über Zusatzqualifikationen wie einen LL.M. ?

Leander Hornung: Gute Englischkenntnisse sind tatsächlich sehr von Vorteil, es gibt Tage, da findet die Mandatsarbeit ausschließlich in Englisch statt. Nichtsdestotrotz sollte man sich von dieser Anforderung nicht abschrecken lassen, wer gute Grundkenntnisse mitbringt, wird diese im Laufe der Zeit automatisch verbessern.

 

Weiterbildung

iurratio: Welche Zukunftsaussichten sehen Sie für Berufseinsteiger im Bereich des M&A?

Leander Hornung: Die Zukunftsperspektive für eine Tätigkeit im M&A Bereich sind aus mehreren Gründen gut. Zum einen existiert in diesem Bereich fast immer eine Nachfrage, sei es um Einsparungen durchzusetzen oder andererseits, um Investitionen zu tätigen.

Zum anderen bietet der M&A Bereich, wegen der Vielschichtigkeit der Themen den dort tätigen Rechtsanwälten die besten Möglichkeiten, sich ständig fortzubilden und sich bei entsprechendem Interesse auf einen Tätigkeitbereich festzulegen.

 

iurratio: Was würden Sie Bewerbern raten, die sich für eine Karriere im M&A interessieren? Welche Schwerpunkte sollten sie bei ihrer Ausbildung setzen, auf welche fachübergreifenden Fähigkeiten wertlegen? Welche Aus/Weiterbildung im Bereich des M&A würden Sie Junganwälten ans Herz legen?

Leander Hornung: Zunächst sollten die Bewerber ein gutes Verständnis für das Zivilrecht haben, dies ist die Grundlage für jede Art von vertraglicher Vereinbarung. Darüber hinaus sollte in der Ausbildung Wert auf das Handels- und Gesellschaftsrecht gelegt werden, um auch die Umsetzung der Entscheidungsprozesse innerhalb eines Unternehmens nachvollziehen zu können.

Wenn der Bewerber sich außerhalb des juristischen Bereichs auf eine Tätigkeit im M&A vorbereiten möchte, kann ich empfehlen, sich mit den Grundlagen der Wirtschaftslehre zu beschäftigen. Es ist von Vorteil, wenn ein gewisses Verständnis für die Bilanz eines Unternehmens gegeben ist und wenn man die Auswirkungen einzelner Geschäfte auf die wirtschaftliche Lage des Mandanten abschätzen kann.

 

iurratio: Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gewährt Ihre Kanzlei?

Leander Hornung: Sie fördert Fachanwaltslehrgänge.

 

iurratio: Vielen Dank für das Gespräch!

 

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