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Interview: Karriere im Kartell- und Wettbewerbsrecht

Im Rahmen des Berufsspecials zum Kartell- und Wettbewerbsrecht sprach Iurratio mit Herrn Dr. Mathias Stöcker, auf das Kartellrecht spezialisierter Anwalt bei Shearman & Sterling, über Anforderungen und Perspektiven einer anwaltlichen Tätigkeit im Kartell- und Wettbewerbsrecht für Berufseinsteiger.

Wettbewerbsrechts ist breit gefächert und besteht aus vielen Teilgebieten.

Im Rahmen des Berufsspecials zum Kartell- und Wettbewerbsrecht sprach Iurratio mit Herrn Dr. Mathias Stöcker, auf das Kartellrecht spezialisierter Anwalt bei Shearman & Sterling, über Anforderungen und Perspektiven einer anwaltlichen Tätigkeit im Kartell- und Wettbewerbsrecht für Berufseinsteiger.


Iurratio: Wettbewerbsrechts ist breit gefächert und besteht aus vielen Teilgebieten. Wie haben Sie den Bereich intern bei Shearman & Sterling strukturiert? Gibt es bestimmte Teams, die immer wieder bestimmte Teilbereiche in der Beratung übernehmen, oder werden diese für jedes Mandat individuell neu zusammengestellt?

Herr Dr. Stöcker: Die deutsche Kartellrechtspraxis ist voll integriert in die weltweite Kartellrechtspraxis der Kanzlei und arbeitet eng mit ausländischen Shearman-Büros – insbesondere Brüssel, London und New York - zusammen. Die Teams werden für jedes Mandat individuell neu zusammengestellt; es gibt - schon bedingt durch die schlanke Struktur der Praxisgruppe - keine feste Spezialisierung einzelner Anwälte auf bestimmte Branchen oder Themen.

Jeder Anwalt wie auch jeder Referendar oder Praktikant erhält so die Möglichkeit, an Fallen aus der gesamten Bandbreite des Kartellrechts mitzuarbeiten, von der Fusionskontrolle über Kartellverfahren oder Verfahren wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung bis hin zur allgemeinen kartellrechtlichen Beratung im operativen Geschäft, etwa zu vertriebskartellrechtlichen Fragen.

Iurratio: Für eine Tätigkeit im Kartell- und Wettbewerbsrecht ist es häufig erforderlich, auch ein breites zivilrechtliches und wirtschaftliches Wissensspektrum mitzubringen. Hinzu kommen gegebenenfalls auch rechtliche Fragen im Zusammenhang mit staatlichen Beihilfen. Wie decken Sie diese Anforderungen in Ihrer Kanzlei ab? Wie findet die Zusammenarbeit zwischen den Spezialisten für diese Bereiche in Ihrem Hause, insbesondere bei Mandaten mit internationalen Bezügen, statt?

Herr Dr. Stöcker: Eine besondere inhaltliche Spezialisierung etwa im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich ist keine Voraussetzung für die Tätigkeit im Praxisbereich Kartellrecht bei Shearman & Sterling, wenngleich natürlich hilfreich und gern gesehen. Beihilferechtliche Aspekte werden vor allem transaktionsbezogen abgedeckt, in der Regel in Zusammenarbeit mit Kollegen aus dem öffentlichen Recht.

Bei komplexen Fusionskontrollverfahren oder Verfahren wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung - bei denen es sich jeweils typischerweise um Mandate mit internationalen Bezügen handelt - werden für die Analyse und strategische Konzeption in der Regel Industrieökonomen - „economists“ - hinzugezogen. Dies entspricht heute dem Standard insbesondere bei großen Verfahren vor der EU-Kommission, die selbst über entsprechende Fachleute verfugt.

Iurratio: Neben juristischem Fachwissen werden oft weitere „Soft skills“ erwartet. Auf welche Anforderungen der Branche müssen sich Bewerber im Bereich des Kartell- und Wettbewerbsrechts einstellen?

Herr Dr. Stöcker: Mitarbeiter im Bereich Kartellrecht sollten vor allem Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhangen mitbringen, etwa Freude an der regelmäßigen Lektüre des Wirtschaftsteils einer überregionalen Tageszeitung haben. Wegen des starken internationalen Bezugs der Tätigkeit in diesem Bereich sind darüber hinaus gute Englischkenntnisse unabdingbar.

Zumindest sollte in dieser Hinsicht ein ausbaufähiges Fundament vorhanden sein. Darüber hinaus erwarten wir von Bewerbern wie auch in allen anderen Praxisbereichen natürlich die Fähigkeit, in wechselnden, oft auch grenzüberschreitend zusammengestellten Teams mit unterschiedlichen Kollegen aus dem In- und Ausland zusammenzuarbeiten.

Iurratio: Inwieweit trifft dies auch Ihre Erwartungen an Bewerber? Erwarten Sie von Anfang an eine starke Spezialisierung im Bereich des Kartell- und Wettbewerbsrecht? Oder findet hier auch ein „Training on the job“ im Sinne eines Heranführens von kleinen zu großen Aufgaben statt?

Herr Dr. Stöcker: Eher Letzteres, wenngleich wir natürlich eine bereits vorhandene theoretische Spezialisierung begrüßen. Viele Aspekte der praktischen Tätigkeit lassen sich im Grunde nur „on the job“ erlernen, wenn es etwa darum geht, die für die Erstellung einer Fusionskontrollanmeldung notwendigen, unter Umstanden sehr umfangreichen fallspezifischen Informationen zu erheben, zu sichten und analysieren sowie für die Darstellung aufzubereiten.

Iurratio: Eine internationale Kanzlei wie Shearman & Sterling betreut häufig auch Mandate im internationalen Kontext. Wie stellen Sie die Qualifikation Ihrer Mitarbeiter, z.B. bei Kenntnissen der englischen Sprache, sicher?

Herr Dr. Stöcker: Grundsätzlich erwarten wir, dass jeder Mitarbeiter das nötige sprachliche Rüstzeug selbst mitbringt, um Dokumente auf Englisch abzufassen sowie mit Mandanten, Anwälten der Gegenseite oder der EU-Kommission in Wort und Schrift auf Englisch zu kommunizieren. Ein Auslandsaufenthalt im englischsprachigen Ausland vor dem Berufseinstieg ist insofern sicher von Vorteil. Unabdingbar ist das aber nicht.

Wer in Studium oder Referendariat sein Schulenglisch pflegen mochte, sollte vielleicht ab und an eine englischsprachige Zeitung lesen oder einen englischsprachigen Sender einschalten. Das nötige Fachvokabular lasst sich normalerweise auf der Basis eines soliden allgemeinen Fundaments recht rasch „on the job“ in der täglichen Arbeit erlernen.

Wir unterstützen auch die transaktionsbezogene oder davon unabhängige zeitweilige Arbeit aus einem unserer ausländischen Büros heraus, die nicht nur Vorteile durch sprachliches Training „on the job“ hat, sondern auch die Integration innerhalb der weltweiten Praxisgruppe fordert.

Iurratio: Sie sind seit 10 Jahren bei Shearman & Sterling im Bereich des Kartell- und Wettbewerbsrechts tätig. Warum hat Sie dieser Bereich interessiert und warum haben Sie sich für Shearman & Sterling als Arbeitgeber entschieden?

Herr Dr. Stöcker: Kartellrecht ist ein rechtlich sehr vielfaltiger Bereich an der Schnittstelle zur Ökonomie und weist darüber hinaus starke internationale Bezuge auf. Diese Kombination halte ich für sehr reizvoll. Meine Entscheidung für Shearman & Sterling als Arbeitgeber hatte verschiedene Grunde, darunter die guten persönlichen Eindrucke bei den Gesprächen und die interessante Perspektive der Arbeit in einer stark international ausgerichteten großen US-Kanzlei mit langer Tradition.

Iurratio: Welchen Tipp können Sie Juristen in der Ausbildung geben?

Herr Dr. Stöcker: Seien Sie neugierig und nutzen Sie die Chance, durch Praktika, Stationen und Nebentätigkeiten Sozietäten kennen zu lernen. Achten Sie jedoch darauf, sich rechtzeitig auf das Erste bzw. Zweite Staatsexamen zu konzentrieren.

Iurratio: Welche Anforderungen werden grundsätzlich an Bewerber gestellt?

Herr Dr. Stöcker:  Wir suchen Juristinnen und Juristen mit mindestens vollbefriedigenden Staatsexamina und verhandlungssicheren Englischkenntnissen. Eine Promotion oder sonstige Zusatzqualifikationen begrüßen wir.

Iurratio: Was würden Sie Bewerbern raten, die sich für eine Karriere im Bereich des Kartell- und Wettbewerbsrechts interessieren? Welche Schwerpunkte sollten sie bei ihrer Ausbildung setzen, auf welche fachübergreifenden Fähigkeiten wertlegen?

Herr Dr. Stöcker: Grundsätzlich ist eine Spezialisierung bereits während der Ausbildung für einen Berufseinstieg im Bereich Kartellrecht jedenfalls bei Shearman & Sterling keine Voraussetzung. Ein solides theoretisches Fundament erleichtert den Einstieg aber in jedem Fall.

Referendare sollten bei Interesse für das Kartellrecht die Möglichkeit nutzen, im Rahmen einer Station praktische Einblicke zu erhalten. Für Bewerber, die sich für eine Karriere in Brüssel interessieren, kann ein Aufbaustudium am College of Europe in Brügge interessant sein.

Sinnvoll dürfte weiter sein, die Englischkenntnisse zu pflegen und regelmäßig die allgemeinen Wirtschaftsnachrichten zu verfolgen. Eine wirtschaftswissenschaftliche Zusatzqualifikation ist zu begrüßen, jedoch keine Voraussetzung für den Berufseinstieg.

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