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Ein Interview mit Dr. Constantin Eikel von Bird & Bird über seinen Weg zum Counsel einer Großkanzlei

Dr. Constantin Eikel beleuchtet im Rahmen unserer neuen Interviewreihe "Mentoren für Referendare" seinen Werdegang und teilt wertvolle Erfahrungen.

Neben guten juristischen Fähigkeiten sollte man auch Spaß an der wirtschaftlichen Seite einer Kanzlei haben

Rechtsanwalt Dr. Constantin Eikel

Bird & Bird

Iurratio: Warum haben Sie sich entschieden, bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber zu arbeiten?

Dr. Constantin Eikel: Während des Studiums habe ich mein Pflichtpraktikum im Patentrecht bei Bird & Bird absolviert. Mir gefiel, dass ich selbst als Praktikant (und später als Referendar im Markenrecht) nicht nur einzelne losgelöste Rechtsfragen für Schriftsätze von Anwälten recherchieren sollte, sondern selber Schriftsätze entwerfen und ganze Verfahren begleiten durfte. Da darüber hinaus alle Kollegen sehr freundlich und hilfsbereit waren und es damals (wie auch heute) keine „Ellenbogenmentalität“ gab, war mein Interesse geweckt. Die gelegentlichen Freitagabende in der Stadt mit den Kollegen haben mich dann gänzlich überzeugt.

Iurratio: Wie sind Sie zu Ihrem Arbeitgeber gekommen?

Dr. Constantin Eikel: Da ich im Studium den Schwerpunkt Gewerblicher Rechtsschutz gewählt hatte, lag die Wahl von Bird & Bird nah. Kennengelernt hatte ich Bird & Bird während des Studiums.

Iurratio: Welche Stationen haben Sie durchlaufen, um Partner/Counsel zu werden?

Dr. Constantin Eikel: Ich habe in meiner Laufbahn viele Berührungspunkte mit Bird & Bird gehabt: 2007 habe ich als Praktikant während des Studiums und 2011 während des Referendariats in Nebentätigkeit im Patentrecht gearbeitet. Meine Anwaltsstation habe ich dann 2012 im Markenrecht bei Bird & Bird absolviert. Von 2013 bis 2019 war ich Associate, bis ich im Mai 2019 zum Counsel befördert wurde.

Iurratio: Wie hat Ihr Arbeitgeber Sie auf diesem Weg unterstützt?

Dr. Constantin Eikel: Jeder Angestellte bei Bird & Bird hat die Möglichkeit eine Vielzahl von Fortbildungen zu absolvieren. Die vermittelten Fähigkeiten sind vielfältig (z.B. Präsentationstraining, Argumentation und Verhandlung, Mandantenakquise) und helfen im Berufsalltag. Zudem haben die meisten Associates unmittelbaren Mandantenkontakt. Durch den engen Kontakt mit den Mandanten lernt man sehr schnell, dass die Juristerei nur ein Teil der Beratung ist. Daneben gilt es Budgets und Fristen einzuhalten, hohe Service-Qualität zu liefern und das Geschäft der Mandanten zu verstehen, damit der juristische Rat zum Geschäft passt. Wenn man diese Fähigkeiten meistert, steht einer Beförderung nichts mehr im Wege.

Iurratio: Was für Fähigkeiten und Qualifikationen muss man mitbringen, um Partner/Counsel zu werden?

Dr. Constantin Eikel: Neben guten juristischen Fähigkeiten sollte man auch Spaß an der wirtschaftlichen Seite einer Kanzlei haben und sich immer die Mühe machen, das Geschäft der Mandanten zu verstehen. Denn die Beantwortung von Rechtsfragen ist nur ein Teil der täglichen Arbeit. So fordern Mandanten immer öfter feste Budgets oder jedenfalls realistische Kostenvoranschläge. Außerdem sollte man erlernen, das Arbeitsergebnis an die Bedürfnisse des Mandanten anzupassen: Will der Mandant wirklich ein 15 Seiten Memo oder möchte er nicht viel eher einen praktischen Rat, wie er das gewünschte Ziel mit dem geringsten Rechtsrisiko erreichen kann? Oft sind praktische Ratschläge wichtiger als die ausführliche Beantwortung rechtlicher Grundsatzfragen.

Iurratio: Was sind die Vor- und Nachteile an Ihrer Position? Wie wirkt sich Ihre Position auf Ihre Work-Life-Balance aus?

Dr. Constantin Eikel: Die Work-Life-Balance bei Bird & Bird war aus meiner Sicht schon immer gut, hat sich aber, je länger ich dabei bin, sogar noch stetig verbessert. Nach einer gewissen Zeit wird man für bestimmte Mandanten der zentrale Ansprechpartner und kann somit seine eigene Arbeitswoche besser planen. Mit wachsender Berufserfahrung lassen sich zudem viele Anfragen von Mandanten beantworten, ohne dass man beim Partner oder anderen Kollegen noch eine Rückmeldung einholen muss.

Gelegentlich hat es aber auch Nachteile, wenn man der zentrale Ansprechpartner ist: Dann muss man auch im Urlaub reagieren und intern Kollegen bitten, einzuspringen. In solchen Fällen sind wir aber in der glücklichen Situation, Teil eines großen und hilfsbereiten Teams zu sein. Jeder unterstützt den anderen, wenn einer mal im Urlaub ist oder mehrere Anfragen gleichzeitig hat.

Iurratio: Was können Sie angehenden Berufseinsteigern raten, die ebenfalls dieses Ziel anstreben?

Dr. Constantin Eikel: In den ersten zwei Jahren sollte man sich erst einmal auf das Erlernen des eigenen Rechtsgebiets konzentrieren. Falls das nicht ohnehin passiert, sollte man erfahrenere Kollegen bitten, die eigenen Arbeitsergebnisse mal in Ruhe durchzugehen. So lernt man am besten, was man in Zukunft etwas besser machen kann.

Danach sollte man aber beginnen, sich auch mit der wirtschaftlichen Seite zu beschäftigen. Der erste Kostenvoranschlag, den man selber erstellen muss, wirkt natürlich einschüchternd. Woher soll man am Anfang auch wissen, wie lange etwas dauert und wie viel es am Ende kostet? Mit wachsender Erfahrung fällt aber auch das immer leichter. Wenn man dann noch die Chance hat, in die Abläufe der Rechnungserstellung und Buchhaltung einen Einblick zu erhalten, fallen einem Fragen wie „Wie viel wird das kosten?“ immer leichter.

Ganz grundsätzlich gilt aber: Es gibt Möglichkeiten, die notwendigen Fähigkeiten zu erlernen (in Fortbildungen oder am Fall). Viel wichtiger ist aber, dass man diese Möglichkeiten trotz des oft auch stressigen Alltags wahrnimmt. Das mag kurzfristig wie eine Belastung wirken (wer in einer Schulung sitzt, beantwortet logischerweise keine E-Mails), zahlt sich langfristig aber sicherlich aus.

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