Ein Interview mit Claire Cheung-ah-Seung von PwC über ihren Weg zur Partnerschaft

Claire Cheung-Ah-Seung ist 36 Jahre alt, verheiratet und Mutter zweier Söhne. Seit 2019 ist sie Local Partner bei PwC. Im Rahmen unserer neuen Interviewreihe "Mentoren für Referendare" berichtet die erfolgreiche Anwältin über ihren Weg zur Partnerschaft und die damit einhergehenden Herausforderungen

Ich sehe es als meine Aufgabe, jedes Teammitglied in die Lage zu versetzen, das Beste aus sich herausholen zu können

Rechtsanwältin Claire Cheung-ah-Seung

PwC Legal

Iurratio: Warum haben Sie sich entschieden, bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber zu arbeiten?

Claire Cheung-ah-Seung: Ich habe in Frankreich studiert, wo man zwischen einem Grund- und Hauptstudium unterscheidet. Bereits im Grundstudium habe ich mein Interesse für das wirtschaftsjuristische Arbeiten an internationalen Sachverhalten entdeckt und mich daher für das dreijährige Hauptstudium des „Magistère de Juriste d’Affaires – DJCE“ an der Universität Paris II-Assas entschieden, das mir neben der klassischen rechtwissenschaftlichen Ausbildung auch einen Schwerpunkt in den Bereichen Rechnungswesen, Steuerrecht, Umsatzsteuerrecht, Finanzmanagement sowie US & UK Law bot.

Mit dieser interdisziplinären Ausbildung war eine Big Four Gesellschaft prädestiniert für meinen Berufseinstieg, da ich dort meine Begeisterung für das interdisziplinäre Arbeiten mit meinem Interesse an internationalen Sachverhalten verknüpfen konnte. PwC Legal bot mir als internationale Rechtsanwaltskanzlei, angebunden an eine der weltweit führenden Steuerberatungs-, Prüfungs- und nunmehr auch Strategieberatungsgesellschaften, eine optimale Plattform, um meine Karriere in Frankreich zu starten.

Iurratio: Wie sind Sie zu Ihrem Arbeitgeber gekommen?

Claire Cheung-ah-Seung: Nach meinem Start und dreijähriger Tätigkeit bei PwC Legal in Paris, bin ich 2012 trotz anstehender Beförderung mit meinem Mann ins Frankfurter Umland gezogen. Nach Umzug und Hochzeit galt es nun, neben der Familienplanung auch meine Karriere neu zu ordnen. PwC Legal zeigte sich hier flexibel. Mein französischer Partner stellte den Kontakt zu einem Corporate/M&A Team bei PwC Deutschland her, das mich für zwei Jahre als Secondee aufnahm. Kurz darauf kam Dr. Simon Dürr ins Team und brachte eine Idee mit, die zur heutigen „Global Transformation Group“ führte. Simon nahm mich unter seine Fittiche und so wurde die Beratung von weltweit agierenden Mittelständlern und börsennotierten Unternehmen im Zusammenhang mit globalen Postmerger Integrationen, Carve-Outs sowie internationalen Reorganisationen mein Schwerpunkt. Unsere Global Transformation Group wächst seit jeher kontinuierlich an, sodass wir in den letzten Jahren mehrere erstklassige Mandate gewinnen konnten.

Iurratio: Welche Stationen haben Sie durchlaufen, um Partner/Counsel zu werden?

Claire Cheung-ah-Seung: PwC Legal hat, wie die meisten Big Four Gesellschaften, feste Karrierestufen auf dem Weg zur Partnerschaft. Ein Berufseinsteiger beginnt grundsätzlich als Associate, wird dann zum Senior Associate, Manager und schließlich Senior Manager befördert. Danach folgt die Beförderung zum Local Partner und gegebenenfalls abschließend die Ernennung zum Partner. Ich habe 2012 als Senior Associate bei PwC Legal Deutschland begonnen und wurde im Oktober 2015 zur Managerin befördert. Kurz darauf folgte die Beförderung zur Senior Managerin und 2019 die zum Local Partner.

Iurratio: Wie hat Ihr Arbeitgeber Sie auf diesem Weg unterstützt?

Claire Cheung-ah-Seung: In meinem persönlichen Fall muss ich hier zwischen der persönlichen Unterstützung meiner jeweiligen „Vorgesetzten“ und PwC Legal als Ganzem unterscheiden. Vorgesetzte setze ich in Anführungszeichen, weil wir sehr flache Hierarchien leben. Meine Partner waren immer für mich da, wenn ich Fragen oder Schwierigkeiten hatte, gaben mir aber auch genug Freiraum, um zu wachsen. Das hat gerade in meinen ersten Jahren für eine enorme fachliche Lernkurve und Selbstsicherheit gesorgt. Durch die von PwC geförderte Möglichkeit von Flex-Work, hatte ich stets die Möglichkeit, auf meinem Karriereweg voranzuschreiten, ohne mein Privatleben aufgeben zu müssen. Mein Partner hat zudem ein System etabliert, dass es jedem Teammitglied ermöglicht, jedes Mandat auch kurzfristig zu übernehmen. Fällt also einer aus, kann jeder andere im Team schnell das Mandat übernehmen, sich ohne Weiteres auf den aktuellen Stand bringen und das Mandat steuern.

PwC bietet zudem viele verschiedene Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung. Mit der PwC Academy hat PwC ein System geschaffen, dass interdisziplinäres Lernen von überall aus ermöglicht. Viele Hard- und Softskillkurse sind digitalisiert, manche werden mit Präsenztrainings verbunden. Wer sich fortbilden möchte, hat bei PwC jede Gelegenheit dazu. Weiterhin finden regelmäßig internationale Kurse statt, in denen sich die Teams austauschen und in entspannter Atmosphäre kennenlernen können. Das verbessert die Zusammenarbeit enorm und stärkt das interkulturelle Verständnis für die Kollegen aus anderen Jurisdiktionen enorm.

Iurratio: Was für Fähigkeiten und Qualifikationen muss man mitbringen, um Partner/Counsel zu werden?

Claire Cheung-ah-Seung: Um (Local) Partner zu werden, muss man die übrigen Partner davon überzeugen, dass man der Partnerschaft einen Mehrwert bietet, der bislang nicht (vollständig) ausgeschöpft ist. Fachliche Exzellenz wird dabei in allen Belangen als selbstverständlich vorausgesetzt. Ein Partner sollte den interdisziplinären Ansatz von PwC verstehen und sich nicht allein auf seinen fachlichen Bereich beschränken. In der heutigen Zeit ist von herausragender Bedeutung, den Mandanten als globales Ganzes zu sehen und zu verstehen und ihm dort Hilfe anzubieten, wo sie benötigt wird. Das kann auch manchmal in einem ganz anderen Gebiet als dem eigenen sein. Ein Partner bei PwC muss also in der Lage sein, die Bedürfnisse des Mandanten zu verstehen, um ihm dann den richtigen Berater an die Seite stellen können. Es kann also sein, dass ich als Rechtsanwältin ein strategisches Problem erkenne, um dann meine Kollegen aus der Strategieberatung hinzuziehe, um einen Lösungsvorschlag für ein praktisches Problem aufzuzeigen, dass beispielsweise im Rahmen einer Integration aufgekommen ist.

Zudem haben wir bei PwC den Anspruch Technologieführer zu sein. Unsere Mandanten haben wiederum den Anspruch, fachlich exzellente Arbeitsergebnisse effizient und mit der neusten verfügbaren Technologie geliefert zu bekommen. Wir wollen nicht nur „State of the Art“ Technologie anbieten, sondern diese weiter entwickeln, wenn erforderlich. So haben wir 2018 mit einem interdisziplinären Expertenteam aus internationalen Anwälten und Programmierern eine Software entwickelt, mit der wir über 3.500 Dokumente automatisiert, elektronisch unterzeichnet, geprüft und auf einem VDR abgelegt haben. Nur so war es möglich, über 700 Transaktionen in weniger als vier Monaten abzuschließen.

Neben all den technischen Ansprüchen bleibt es bei PwC unabdingbar Mensch zu bleiben. PwC hat sich vor einiger Zeit durch eine weltweite Mitarbeiterbefragung Values gegeben, welche als Basis unseres gemeinsamen Handelns dienen. Partner stehen hier in besonderer Verantwortung, diese Values zu leben. Ich selbst sehe es als meine Aufgabe, jedes Teammitglied in die Lage zu versetzen, das Beste aus sich herausholen zu können. Hierzu gehört es auch, dass jeder seine privaten Angelegenheiten in der für sich besten Art und Weise regeln kann. Nur wer privat nahezu sorgenfrei ist, kann beruflich Bestleistungen erbringen.

Iurratio: Was sind die Vor- und Nachteile an Ihrer Position? Wie wirkt sich Ihre Position auf Ihre Work-Life-Balance aus?

Claire Cheung-ah-Seung: Ich bin Mutter von zwei Kindern, gleichzeitig habe ich in den letzten Jahren den Weg vom Manager zum Local Partner beschritten. Das war keineswegs einfach, weder privat noch beruflich. Doch PwC Legal machte es mir möglich, meinen beruflichen Weg zu gehen, ohne meine Familie zu vernachlässigen. Ich arbeite dort, wo ich gerade arbeiten möchte oder muss. Das kann in einem unserer weltweiten PwC Standorte sein, oder aber auch zu Hause in meinem Homeoffice auf dem Land. Habe ich keine Termine oder dringende Deadlines, arbeite ich gerne abends, wenn meine Söhne schlafen. Unter der Woche habe ich dann auch tagsüber immer wieder Zeit, um mich um meine Kinder zu kümmern. Nichtsdestotrotz sind Karriere und Privatleben nicht immer einfach unter einen Hut zu bringen, daher kann ich nur jedem empfehlen, jeden Moment in vollen Zügen zu genießen.

Iurratio: Was können Sie angehenden Berufseinsteigern raten, die ebenfalls dieses Ziel anstreben?

Claire Cheung-ah-Seung: Ich kann jedem nur raten, sich über den ersten Arbeitgeber viele Gedanken zu machen und sich das Gesamtpaket anzuschauen. Was auf den ersten Blick verlockend erscheint, ist es auf den zweiten gar nicht mehr. Den ersten Mentor findet man meist bei seinem ersten Arbeitgeber und der Eindruck, den er bei einem hinterlässt, ist prägend.

Für PwC Legal gilt, dass alle, die eine Karriere als Partner anstreben, die Bereitschaft mitbringen sollten, fachliche Exzellenz über den Tellerrand hinaus zu erwerben, Mandantenbedürfnisse zu erkennen und sich mit den Technologien von morgen und übermorgen beschäftigen. Wir leben in einer Zeit des Wandels und des Umbruchs - was heute High-Tech wird, kann morgen veraltet sein. Wir als Berater müssen Technologien als erste erkennen und verstehen, denn nur so können wir unsere Mandanten bestmöglich beraten. Ein toller Anwalt zu sein, reicht hierzu schon lange nicht mehr aus.

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