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Die 0-Punkte-Jura-Hausarbeit

Eine Anleitung, wie man 0 Punkte in einer Jura-Hausarbeit schafft.

0 Punkte - eine Anleitung, wie man seine Jura-Hausarbeit nicht schreiben sollte

Semesterferien, sechs bis acht Wochen, die für Jurastudierende in etwa so spürbar sind wie die berühmte juristische Sekunde. Grund hierfür ist oftmals die Prüfungsordnung, die Uns vorschreibt, innerhalb der Semesterferien juristische Hausarbeiten zu verfassen.

Der geforderte Umfang umfasst zwischen 10 und gefühlten tausend Seiten, die Bibliotheken sind überfüllt, die Literatur vergriffen und Beck-Online stürzt regelmäßig wegen hysterisch nach Urteilen suchenden Studierenden ab. Nach knapp zwei Monaten geduldigen Wartens gibt es dann das oft ernüchternde Ergebnis. Für wochenlanges Opfern der Freizeit, stundenlanges Tippen, Copy-Pasten, Quellensuchen und einigen Nervenzusammenbrüchen über dem „automatischen „Inhaltsverzeichnis von Word, ist die Leistung plötzlich nur durchschnittlich. Vier gewinnt lautet das Credo, aber es ist doch schade, nach derartigen Bemühungen dann doch nur „durchschnittlich“ zu sein. Wie wäre es zur Abwechslung einmal mit „unterdurchschnittlich“? Gar kein Problem. Wir verraten Euch, wie Ihr Euch von Euren Kommilitonen negativ abheben könnt.

So erreicht Ihr euer 0 Punkte-Ziel!

Wie Ihr Eure Schreibzeit richtig einteilt, wie Ihr am besten recherchiert, Formalia beachtet und zitiert, wie auch den ein oder anderen psychologischen Kniff, verraten wir Euch in diesem Beitrag.

Die Schreibzeiteinteilung

Der Sachverhalt wurde ausgegeben. Hier gilt es, nicht zu neugierig zu sein. Warte lieber ein bis zwei Wochen und bereite Dich mental darauf vor, die Hausarbeit verfassen zu müssen. Lass Dich nicht davon stressen, dass sich andere zu dem Zeitpunkt schon beschweren, sie müssten ihr Gutachten kürzen - 27 Seiten wären einfach nicht genug Platz - und Dich zweifelnd fragen, ob denn acht Seiten Literaturverzeichnis ausreichend seien.

Nun gilt es, Dich langsam an die Ausarbeitung heranzutasten. Drucke zunächst einmal den Sachverhalt aus und verstaue ihn für die nächsten zwei Tage in Deiner Tasche. Krafteinteilung ist das A und O. Die besten Ideen werden Dir ohnehin erst kommen, wenn du Samstagsmorgens nach der After-Hour dich mit deinem Konterbier vor den Sachverhalt setzt und mit der Arbeit beginnst. Du wirst merken, die Gedanken sprudeln hervor - im Optimalfall nur die.

Nun hast du noch drei Wochen bis zu Abgabe. Eindeutig zu viel. Fahre am besten noch 14 Tage in den Urlaub, den Sachverhalt nimmst Du mit und legst ihn unter das Kopfkissen in Deinem Hotelzimmer. Unabhängig davon, dass er nach einer Nacht vom Zimmermädchen entsorgt wird, sorgt das dafür, dass Dein Unterbewusstsein sich mit der Falllösung auseinandersetzt. Dadurch löst Du den Fall quasi im Schlaf.

Es verbleibt eine Woche.
Jetzt, wo die Zeit langsam knapp zu werden scheint, heißt es: Mit der Ausarbeitung beginnen. Am Besten investierst Du den ersten Tag dafür, ein Deckblatt zu erstellen und den Sachverhalt abzutippen. Der erste Eindruck ist schließlich der wichtigste.

Die Recherche

Vermeide es möglichst, in die Uni zu gehen, Zugriff auf Beck-Online, die gefragten Kommentare und juristischen Zeitschriften, die du dort findest, benutzen schließlich alle. Welcher Korrektor möchte schon 20x die gleichen Urteile und Quellen lesen, das Ganze schnell auf einem Korrekturbogen abhaken und für seine mickrige Bezahlung wenig Arbeit haben?

Sollte es Dich aber doch in die Räumlichkeiten verschlagen, beachte eines: Sei auf keinen Fall zu früh da! Steckdosen und freie Tische gibt es in der Bib zu Hausarbeitszeiten schließlich en masse, sodass du gut versorgt bist, sollte Dein Handy nach zwei Stunden „Recherche“ mitten im Level den Geist aufgeben oder Dein Laptop sich verabschieden, bevor du die Staffel zu Ende gucken konntest.

Außerdem ist es ratsam, sämtliche Kommentare und Lehrbücher, die für Deine Hausarbeit von Relevanz sein könnten, auf Deinem Tisch zu bunkern, damit machst Du dich bei Kommilitonen sehr beliebt. Abgesehen davon schont ein Stapel Bücher die Halswirbelsäule bei dem kleinen Nickerchen zwischendurch.

Bei den Quellen gilt: nicht zu exotisch! Schreibst Du Zivilrecht, gib das BGB an; schreibst Du Öffentliches Recht, wirst Du vermutlich mal ins Grundgesetz oder in die VwGO geguckt haben und bei der Strafrechtshausarbeit hast Du vermutlich das StGB verwendet. Damit hast Du bereits Deine erste Quelle. So schnell geht das. Im Folgenden solltest Du Deine ausführliche Googlesuche dokumentieren. Kopiere einfach die Links von Wikipedia, jurawiki.de und juraforum.de. Das Jurastudium ist schließlich hochmodern - da fällt das Fehlen altehrwürdiger Kommentare als Quellen in deinem Literaturverzeichnis kaum auf.

Die einzige Quelle, die Du aber vielleicht besser verschweigen solltest, ist hausarbeiten24.de. Dass Du Deine Hausarbeit von einem Ghostwriter hast schreiben lassen, wird den Korrektor zwar beeindrucken, aber Du möchtest die Lorbeeren schließlich alleine einstreichen.

Nimm die Links am besten ungekürzt, sodass Dein Literaturverzeichnis länger wirkt und sortiere sie nach dem Ranking bei Google.

Die Formalia

„Schreiben Sie in Times New Roman, Schriftgröße 12, 1,5 Zeilen Abstand und lassen Sie 7 cm Rand.“ So oder so ähnlich lautet oftmals der Bearbeiterhinweis am Ende des Sachverhaltes. Dass das eine völlig veraltete Regelung ist, sollte mittlerweile bekannt sein.

Zumeist kommen diese Forderungen von der unterbesetzten IT-Abteilung an der jeweiligen Jura-Fakultät, die talentierten Studierenden, welche es schaffen, ihre Seiten mit römischen UND arabischen Zahlen zu nummerieren, direkt eine Festanstellung anbieten.

Für Dich ist deswegen in deiner Hausarbeit nur eine Frage wichtig: „Wie viel habe ich geschrieben und nach wie viel soll es aussehen?“ Hast Du wider Erwarten mehr als die erforderliche Seitenanzahl geschrieben, müssen deinem Korrektor wohl 3 cm Rand reichen, das wird der schon verkraften.

Ein besonderer Trick ist der obere Rand, oftmals gibt es hier keine Vorgaben. Deswegen kannst du ihn variabel zwischen null und zehn Zentimetern einstellen ohne gegen die Formatanforderungen zu verstoßen. Korrektoren haben eine anstrengende Tätigkeit. Nach einem anstrengenden Arbeitstag müssen sich die Augen beim schummrigen Nachttischlampenlicht in der Zeit zwischen Dämmer- und Tiefschlafphase mit deiner Hausarbeit befassen. Um dem Korrektor die Arbeit zu erleichtern, nimm am Besten statt Schriftgröße 12, Schriftgröße 18. Außerdem ist Comic Sans doch viel erquickender als das ausgelutschte Times New Roman.

Zum Literaturverzeichnis wurde bereits etwas gesagt. Oftmals werden Autoren hier nach dem Alphabet sortiert. Schwer im Kommen sind mittlerweile alternative Sortierungskriterien, wie etwa Schuhgröße der Autoren (hier genug Recherchezeit einplanen) oder Dicke des jeweiligen Buches.

Fußnoten solltest Du nur dann einfügen, wenn du den Platz auf Deinen Seiten füllen möchtest. Einige verlangen hier Schriftgröße 10, besser kannst du sie hervorheben, wenn du sie in Schriftgröße 16 und außerdem nach einem Farbsystem für unterschiedliche Quellenarten einfügst: Urteile in rot, Aufsätze in grün, Lehrbücher in blau, Kommentare in Pink und Internetlinks (!) in rosé. Du solltest auch unbedingt eine Farblegende direkt hinter Literatur- und Abkürzungsverzeichnis anlegen. Damit fährst du, was Formalia betrifft, eine sichere Schiene.

Das richtige Zitieren

Es gibt nur eine Art und Weise, richtig zu zitieren. Nämlich gar nicht. Hin und wieder eine Fußnote oder ein direktes Zitat kann der Optik der Hausarbeit dienlich sein. Das Ganze soll ja irgendwie wissenschaftlich aussehen.

Du möchtest den Korrektor gerne davon überzeugen, dass Du es drauf hast. Dann ist doch der gesamte Streit zwischen Raub und räuberischer Erpressung plötzlich Deine Erfindung. Wie oft haben wir schon vor juristischen Meinungsstreitigkeiten gesessen und gedacht, „Da hätte ich auch draufkommen können.“?

Ob Ein- und Ausbaukosten Teil der Nacherfüllung sind, hast Du dir bei einem kühlen Bierchen überlegt, woraufhin der EuGH Deiner Auffassung zufällig gefolgt ist. Und allein die Tatsache, dass Du Dich mühsam daran gemacht hast, aus dem von Beck-Online kopierten Kommentar zum Versammlungsbegriff einzelne Bindewörter auszuschneiden, zu ersetzen und Verben umzustellen, macht dich nicht nur zum Schöpfer, sondern auch zum Urheber dessen.

Sich diesbezüglich Sorgen zu machen, ist reine Zeitverschwendung. Gute Tipps zum richtigen Zitieren kannst Du Dir auch jederzeit von gesellschaftlichen Größen wie Karl-Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin oder Annette Schavan holen.

Die Abgabe

Nun ist es beinahe geschafft. Der Abgabetermin steht bevor. Nun solltest Du Deine Hausarbeit ausdrucken. Auf keinen Fall vorher noch einmal Korrektur lesen! Du hast dir ja schließlich etwas dabei gedacht, als du dein Meisterwerk aufs Papier gebracht hast und kleinere Typos stören das Gesamtbild sicher nicht. Doppelseitiger Druck reicht völlig. Das spart Papier und als Student bist du ja schließlich auch nicht Krösus!

Damit deine wertvollen Zeilen vor Wind und Wetter geschützt sind, solltest jedes Blatt mit einer Klarsichtfolie schützen. Damit auch oben kein Wasser hineinlaufen kann, tackere die Folien gewissenhaft zu. Der Korrektor wird hierfür nicht nur großes Verständnis haben, sondern dieses Mitdenken auch mit ein paar Extrapunkten honorieren.

Wie bei Klausuren gilt auch hier: nicht kleckern, sondern klotzen. Anonyme Prüfungsleistungen sind als Modeerscheinung anzusehen. Du bist stolz auf Dein Werk, also schenk dir die Matrikelnummer und schreib einfach nur den vollen Namen drauf. Damit der neben dem des Professors nicht mickrig wirkt, schreibe Zweit-, Dritt- (wovon Jurastudierende bekanntlich einige haben) und Spitznamen dazu und lass dafür bei dem Professor sämtliche Titel weg. Er weiß ja, was er hat.

Achte nicht auf die Öffnungszeiten des Instituts, irgendwer wird auch um 22 Uhr noch da sein, ansonsten kommst Du halt einen Tag später. Gerade im Jurastudium ist man bei Fristen doch bekanntermaßen kulant. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Prüfungsordnung und fragen Sie Ihren Prof oder Prüfungsamtleiter.

Falls Du doch mehr als Null Punkte erreichen willst, guck Dir doch unsere Tipps zu einer erfolgreichen Hausarbeit. Viel Erfolg!

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