Das Referendariat - Ein Interview mit Rechtsanwalt Christoph Meves von Bird & Bird

Wertvolle Erfahrungen und Ratschläge über das Referendariat teilt Rechtsanwalt Christoph Meves im Rahmen unserer neuen Interviewreihe "Mentoren für Referendare".

Ich empfehle jedem Referendar, sich frühzeitig und sorgfältig um die Wahl der Ausbilder zu kümmern.

Rechtsanwalt Christoph Meves

Bird & Bird

Iurratio: An welchem Gericht haben Sie Ihr Referendariat absolviert? Was war für Ihre Wahl entscheidend?

Christoph Meves: Insbesondere aus praktischen Erwägungsgründen habe ich mich für die Gerichte in Hildesheim, südlich von Hannover, entschieden, da diese nah an meinem Wohnort lagen und bekannt für ihre gute Ausbildung waren.

Iurratio: Bei welchen Arbeitgebern haben Sie Ihre Stationen absolviert?

Christoph Meves: Die Verwaltungsstation absolvierte ich in einer Stadtverwaltung. Sowohl die Anwalts- als auch die Wahlstation habe ich bei mittelständischen Kanzleien absolviert. In der Anwaltsstation habe ich insbesondere kommerzielle Verträge geprüft, in der Wahlstation habe ich internationale Mandanten im Handels- und Gesellschaftsrecht betreut.

Iurratio: Nach welchen Kriterien haben Sie die Ausbildungsstätten ausgewählt?

Christoph Meves: In der Zivilgerichtsstation konnte man auswählen, ob man dem Amts- oder Landgericht zugewiesen werden möchte, ich habe mich für die Zuweisung an das Landgericht entschieden. An Landgerichten werden im Vergleich zu den Amtsgerichten im Durchschnitt wesentlich umfangreichere und kompliziertere Fälle besprochen, und viele Verfahren werden durch alle drei Richter einer Kammer verhandelt.

Darüber hinaus verfügen die Richter am Landgericht durchschnittlich eine größere Erfahrung als diejenigen am Amtsgericht. Im Vergleich zu vielen meiner Referendarskollegen, die sich für das Amtsgericht entschieden, habe ich durch die Entscheidung für das Landgericht eine qualitativ hochwertige Ausbildung in der Zivilgerichtsstation erlebt.

Die Verwaltungsstation bei einer Stadtverwaltung habe ich ausgewählt, um möglichst lebens- und praxisnahe Sachverhalte bearbeiten zu können.

Da ich bereits im Studium den Schwerpunkt „Handel und Wirtschaft“ gewählt hatte, war es folgerichtig, dass ich auch in der Anwalts- und Wahlstation Kanzleien mit wirtschaftsrechtlicher Orientierung auswählte. Die Anwaltsstation absolvierte ich bei einem Anwalt, der nebenbei mit voller Überzeugung auch Ausbilder in einer AG war. Er war deshalb in der Lage, mir wertvolle Tipps für die Vorbereitung auf das Examen zu liefern. In der Wahlstation schließlich wollte ich unbedingt die Arbeit in einem internationalen Kontext kennenlernen und wählte meine Ausbildungsstätte dementsprechend aus.

Iurratio: Wie war die Begleitung durch die Ausbilder?

Christoph Meves: Ich habe durch alle Stationen hindurch sehr gute Erfahrungen mit meinen Ausbildern gemacht. Da man sich seinen Ausbilder am Zivilgericht und bei der Staatsanwaltschaft nicht selbst aussuchen konnte, gehörte hier auch eine Portion Glück dazu. Bei dem jeweiligen Ausbilder konnte ich stets am Examen orientierte Sachverhalte lösen, die auch ausführlich mit Lösungsskizzen oder anhand der jeweiligen tatsächlichen Urteile besprochen wurden. Bei der Staatsanwaltschaft hatte ich außerdem die Möglichkeit, regelmäßig Sitzungsdienst zu verrichten und erhielt auch diesbezüglich eine ausführliche Vorbereitung.

Die weiteren Stationen habe ich sorgfältig auch unter dem Gesichtspunkt einer guten Ausbildung ausgesucht. Dementsprechend wurde ich sehr gut bei den jeweiligen Ausbildungsstätten vom Ausbilder begleitet und habe insbesondere in den Kanzleien auch persönliche Beziehungen aufgebaut, die bis heute halten. Ich empfehle jedem Referendar, sich frühzeitig und sorgfältig um die Wahl der Ausbilder zu kümmern.

Iurratio: Haben Sie eine stationsbegleitende Nebentätigkeit ausgeübt?

Christoph Meves: Nein, in der Anwalts- und Wahlstation habe ich jeweils vier Tage in der Kanzlei verbracht, ohne dabei eine begleitende Nebentätigkeit auszuüben.

Iurratio: Wie waren Ihre Erfahrungen mit den stationsbegleitenden AGs?

Christoph Meves: Die Qualität der AGs hing maßgeblich vom jeweiligen Ausbilder ab. Die Ausbilder erhalten in Niedersachsen echte Examensfälle und deren Lösungen, müssen im Übrigen ihre Ausbildung aber selbst strukturieren. Meine eigenen Erfahrungen waren höchst unterschiedlich.

In der Anwaltsstation wurden die angesprochenen Examensfälle oberflächlich anhand der Lösungsskizze diskutiert und der Unterricht endete früh. In der Verwaltungsstation dagegen hatte der Ausbilder ein eigenes, detailliertes Skript erstellt, besprach mit uns ausführlich Fälle, die zuvor in Arbeitsgruppen diskutiert worden waren und zu denen er eigene Lösungsvorschläge erstellt hatte, und die ursprünglich angegebene Ausbildungszeit von neun Stunden wurde regelmäßig überzogen. Alle AGs hatten gemeinsam, dass echte Examensfälle besprochen und Aktenvorträge geübt wurden. Sie waren daher in jedem Fall gut geeignet, um sich auf das Examen vorzubereiten.

Iurratio: Wie haben Sie sich die Zeit zum Arbeiten und Lernen eingeteilt?

Christoph Meves: In den Stationen beim Zivilgericht, bei der Staatsanwaltschaft und in der Verwaltung fanden jede Woche abgesehen von Blockveranstaltungen nur an einem Tag AG und an einem weiteren Tag die Ausbildung am Platz statt. Den Rest der Woche konnte ich frei zum Lernen und zur Bearbeitung der vom Ausbilder gestellten Aufgabe einteilen, für die ich meist einen halben bis ganzen Tag benötigte.

In der Anwalts- und Wahlstation arbeitete ich neben der AG vier Tage in der Woche bis zum Nachmittag bei meinem Ausbilder. Ich habe vor dem schriftlichen und mündlichen Examen jeweils nur recht kurze sogenannte „Tauchphasen“ genommen, weil die tägliche praktische Arbeit eine gute Vorbereitung auf das Examen bot und ich auch auf der Arbeit teilweise Gelegenheit hatte, mich in den Lernstoff zu vertiefen. Der Großteil des Lernens fand in diesen Phasen vor den schriftlichen und der mündlichen Prüfung abends und am Wochenende statt.

Iurratio: Wie haben Sie sich auf das 2. Examen vorbereitet? Welche Materialien haben Sie zur Vorbereitung auf das 2. Examen genutzt?

Christoph Meves: Neben der AG und der Ausbildung in der Station habe ich die Kaiserseminare besucht und auch die dazugehörigen Skripte durchgearbeitet, in einer eigenen Lerngruppe gelernt und am staatlichen Klausurenkurs teilgenommen. Es gab demnach eine Vielzahl von Lernmaterialien, die ich in Kombination genutzt habe.

Iurratio: Welche Tipps würden Sie angehenden Referendaren zur Vorbereitung auf das Referendariat mitgeben?

Christoph Meves: Viele Referendare fangen erst spät damit an, sich auf das zweite Staatsexamen vorzubereiten. Angesichts der Fülle von Stoff, den man für das Examen parat haben muss, sollte man sich bereits in den einzelnen Stationen eingehend mit den jeweiligen Lerninhalten beschäftigen. Die Kaiserseminare, sofern man diese nutzen möchte, sollten dagegen erst gegen Ende der Referendariatszeit besucht werden, weil hier an Wochenenden der bereits bekannte Stoff nur noch einmal im Schnelldurchgang wiederholt wird.

Iurratio: Warum haben Sie sich letztendlich für Ihren jetzigen Arbeitgeber entschieden?

Christoph Meves: Da ich im Referendariat keine eigenen Erfahrungen mit einer Großkanzlei gemacht habe, war es mir wichtig, künftige Kollegen vorab kennenzulernen. Bird & Bird bot die Veranstaltung „Auf den Punkt“ an, auf der man mit jungen Rechtsanwälten aus verschiedenen Praxisbereichen in Kontakt kommen und sich zu Anfang in einer Art „Speeddating“ kennenlernen konnte.

Darüber hinaus gab es die Möglichkeit, seinen eigenen Lebenslauf von Mitarbeitern der HR-Abteilung der Kanzlei analysieren zu lassen. Am Abend traf man sich dann noch zu Häppchen und Bier in einem Brauereilokal. Die Veranstaltung war für mich letztlich ausschlaggebend dafür, mich allein bei Bird & Bird zu bewerben.Auf weitere Bewerbungen bei anderen Kanzleien habe ich verzichtet. Im praktischen Arbeitsleben zeigte sich schnell, dass der erste Eindruck, den ich von Bird & Bird erhalten hatte, authentisch war und ich mich mit den neuen Kollegen genauso gut verstand wie auf der Veranstaltung.

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