Das Referendariat - Ein Interview mit Rechtsanwältin Lara Ueberfeldt von Bird & Bird

Wertvolle Erfahrungen und Ratschläge über das Referendariat teilt Rechtsanwältin Lara Ueberfeldt im Rahmen unserer neuen Interviewreihe "Mentoren für Referendare".

Ganz wichtig: Sich nicht zu früh verrückt machen. Das Examen und der Stress der letzten Monate kommen von ganz alleine

Rechtsanwältin Lara Ueberfeldt

Bird & Bird

Iurratio: An welchem Gericht haben Sie Ihr Referendariat absolviert? Was war für Ihre Wahl entscheidend?

Lara Ueberfeldt: Ich habe mein Referendariat am OLG München absolviert. Wichtig war für mich vor allem der Standort. Ich habe bereits in München studiert und wollte am gleichen Ort bleiben.

Iurratio: Bei welchen Arbeitgebern haben Sie Ihre Stationen absolviert?

Lara Ueberfeldt: In meiner Zivilstation war ich am LG München I in einer Kammer für gewerblichen Rechtsschutz. In meiner Strafstation war ich bei der Staatsanwaltschaft München I. In der Station zum öffentlichen Recht war ich im Direktorium und dem Kommunalreferat der Landeshauptstadt München. In meiner Anwaltsstation war ich bei einer mittelständischen Kanzlei in München. In meiner Wahlstation war ich bei einer kleinen US-amerikanischen Kanzlei in New York.

Iurratio: Nach welchen Kriterien haben Sie die Ausbildungsstätten ausgewählt?

Lara Ueberfeldt: In der Zivil- und Strafstation wurde ich zugeteilt und hatte damit wenig Einfluss auf die Wahl der Ausbildungsstätte. Allerdings war ich froh, dass ich in der Kammer für gewerblichen Rechtsschutz am Landgericht München I war. Gewerblicher Rechtsschutz war Teil meines Schwerpunkts im Studium und so hatte ich die Gelegenheit, einen tieferen Einblick in die Materie sowie die Bedeutung in der Praxis zu gewinnen. Für die Landeshauptstadt München habe ich mich entschieden, weil ich als Münchnerin einen Einblick in die Wirkungsweise der Stadt erhalten wollte.

Bei der mittelständischen Kanzlei in München war ich während meines gesamten Referendariats in Nebentätigkeit, was ich dann einfach in der Anwaltsstation fortgesetzt habe. Mir war es für diese Station wichtig, dass ich mich nicht nochmal neu einarbeiten musste und mich entsprechend, vor allem in den Monaten direkt vor dem Examen, besser auf das Lernen konzentrieren konnte. Die US-amerikanische Kanzlei habe ich ausgewählt, weil ich unbedingt nach New York wollte. Die kleine Kanzlei hat Partner mit deutschen Wurzeln, weswegen sie für mich die perfekte Kombination aus amerikanischem Recht und Verständnis für das deutsche Referendariat war.

Iurratio: Wie war die Begleitung durch die Ausbilder?

Lara Ueberfeldt: Ich hatte mit allen meinen Ausbildern an den Ausbildungsstätten Glück. Sie haben mir immer interessante Aufgaben gegeben, aber zugleich anerkannt, dass das Lernen ein wichtiger Teil des Referendariats ist und hierfür genug Zeit übrig bleiben muss. In der Anwaltsstation durfte ich in diversen Abteilungen mitarbeiten, z.B. im Presserecht, Filmrecht oder Markenrecht und habe dadurch einen umfassenden Einblick in die Rechtsgebiete bekommen, die mich interessiert haben. Entsprechend groß war auch die Bandbreite meiner Aufgaben, von Recherche, über Schriftsätze/Schutzschriften zum Lesen von Drehbüchern, war alles dabei. Während der Wahlstation in New York durfte ich zu vielen Gerichtsterminen der Kanzlei mit, um einen Einblick in das amerikanische Gerichtssystem zu bekommen.

Zudem habe ich in dieser Zeit zum ersten Mal reale Erfahrungen mit Discovery und Depositions gemacht, die ich davor nur aus amerikanischen Anwaltsserien kannte. Dass ich direkt mit eingebunden wurde, war eine spannende Abwechslung zu meinen vorherigen Kanzleierfahrungen, bei denen ich nur wenig prozessuale Erfahrungen gesammelt habe. Außerdem hat sich die ganze Kanzlei wunderbar darum gekümmert, dass ich auch etwas vom „American way of life“ mitbekomme. Entsprechend habe ich mit unterschiedlichen Anwälten Stücke am Broadway, Baseballspiele der Yankees und die US Open besucht.

Iurratio: Haben Sie eine stationsbegleitende Nebentätigkeit ausgeübt?

Lara Ueberfeldt: Ja, ich habe während meines gesamten Referendariats in Nebentätigkeit bei der Kanzlei gearbeitet, wo ich auch meine Anwaltsstation absolviert habe.

Iurratio: Wie waren Ihre Erfahrungen mit den stationsbegleitenden AGs?

Lara Ueberfeldt: Meine Erfahrungen sind gemischt. Ich hatte wunderbare und engagierte AG-Leiter, bei denen ich viel gelernt habe. Daneben gab es aber auch AGs, die ich als pure Zeitverschwendung empfunden habe und von denen ich wenig bis nichts mitgenommen habe. Dass mir manche AGs nichts gebracht haben, fand ich schade, denn man sitzt dann nur Zeit ab, die man besser verbringen könnte, sei es mit Lernen, Arbeiten oder Freizeit.

Iurratio: Wie haben Sie sich die Zeit zum Arbeiten und Lernen eingeteilt?

Lara Ueberfeldt: Für mich war das Referendariat eine wunderbare Mischung aus Teilnahme an den AGs, Arbeit und dem Sammeln praktischer Erfahrungen in den Stationen und Lernen für das drohende 2. Examen. Am Anfang des Referendariats lag mein Fokus vor allem auf den AGs, meiner jeweiligen Station und meiner Nebentätigkeit. Gelernt habe ich da meistens nur punktuell für die anstehenden Klausuren. Richtig mit meinem Lernplan habe ich dann mit der Anwaltsstation angefangen. Da habe ich mir dann die Woche in Arbeits-/AG-Tage und reine Lerntage eingeteilt. Dadurch konnte ich mich besser auf die einzelnen Sachen fokussieren.

Iurratio: Wie haben Sie sich auf das 2. Examen vorbereitet? Welche Materialien haben Sie zur Vorbereitung auf das 2. Examen genutzt?

Lara Ueberfeldt: Ich bin ein sehr organisierter Mensch und brauche feste Strukturen und Pläne. Deswegen habe ich mir für die letzten Monate vor dem Examen (etwa ab Beginn der Anwaltsstation) einen Lernplan gemacht, welche Themengebiete ich wann neu lernen oder wiederholen will und wie sich das mit meinen AGs und der Station kombinieren lässt. Zur Vorbereitung habe ich viele Unterlagen aus den AGs verwendet. Insbesondere mein AG-Leiter aus dem ersten Jahr der Zivil- und StrafAG hatte uns da super Unterlagen zusammengestellt. Zur Wiederholung des materiellen Rechts habe ich zusätzlich noch die Unterlagen aus meinem Repetitorium vom 1. Examen verwendet. Für das öffentliche Recht war ich in einem privaten Repetitorium und habe mit den dort zur Verfügung gestellten Unterlagen gelernt. Daneben habe in allen Rechtsbereichen Übungsbücher aus der Bibliothek verwendet, in der ich auch gelernt habe.

Iurratio: Welche Tipps würden Sie angehenden Referendaren zur Vorbereitung auf das Referendariat mitgeben?

Lara Ueberfeldt: Ganz wichtig: sich nicht zu früh verrückt machen. Das Examen und der Stress der letzten Monate kommen von ganz alleine. Man muss nicht „vorlernen“ für die AGs zu Beginn des Referendariats, sondern sollte die entspanntere Anfangszeit bzw. die Zeit kurz vor dem Referendariat genießen. Was man allerdings tun kann, ist sich früh überlegen, was man im Rahmen des Referendariats sehen und erleben möchte. Beispielsweise kommen einem viele Kanzleien hinsichtlich der Examensvorbereitung oder einer Wahlstation im Ausland entgegen, wenn man vorher schon für diese Kanzlei gearbeitet hat. Oft werden im Rahmen des Referendariats auch Zusatzkurse und -ausbildungen (z.B. zum Wirtschaftsmediator) angeboten. Wer sich früh darüber informiert, ist in einer besseren Position, um einen der begehrten Plätze zu ergattern.

Iurratio: Warum haben Sie sich letztendlich für Ihren jetzigen Arbeitgeber entschieden?

Lara Ueberfeldt: Ich wollte im Bereich Digitalisierung und Technologie arbeiten. Dafür ist Bird & Bird bekannt und war entsprechend einer meiner Favoriten. Zudem war es mir wichtig international arbeiten zu können und zwar sowohl auf Englisch als auch mit Mandanten aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen. Wichtig war mir auch, dass ich neben einem Job, der mir Spaß macht, Zeit für meine Familie, Freunde und Hobbies habe. Das ist bei Bird & Bird auf jeden Fall gegeben. Es mag wie ein Klischee klingen, aber bis heute habe ich noch keinen Tag bereut, mich damals für Bird & Bird entscheiden zu haben.

Weitere Interviews

Rechtsanwalt Dr. Constantin Eikel berichtet über seinen Weg zum Counsel bei Bird & Bird
Interview Dr. Constantin Eikel

Rechtsanwalt Christoph Meves von Bird & Bird teilt seine Erfahrungen zum Referendariat
Interview Christoph Meves

Aktuelle Jobangebote bei Bird & Bird

Weitere Artikel