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Aus unserem Berufsspecial zu einer Tätigkeit im Bereich Medizinrecht (Interview mit Dr. Kristina Raske)

In unserer Interviewreihe für unsere Berufsspecials haben wir Rechtsanwältin Dr. Kristina Raske​​​​​​​ hinsichtlich ihrer Tätigkeit, den Anforderungen sowie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Medizinrecht befragt.

"Meine Sichtweise auf den Arztberuf hat sich seit meiner Tätigkeit als Anwältin für Medizinrecht völlig verändert."

Dr. Kristina Raske (BRP Renaud & Partner, Medizinrecht)

Tätigkeit

Iurratio: Das Medizinrecht erfasst alle rechtlichen Regelungen rund um die Heilkunde. Wie haben Sie den Bereich intern strukturiert? Gibt es bestimmte Teams, die immer wieder bestimmte Teilbereiche in der Beratung übernehmen, oder werden diese für jedes Mandat individuell neu zusammengestellt?

Dr. Kristina Raske: Prinzipiell werden sämtliche Bereiche des Medizinrechts von allen Teammitgliedern bearbeitet, weshalb die Mandate dementsprechend nach Kapazitäten innerhalb des Teams aufgeteilt werden. Jedoch gibt es Teilbereiche, in denen einzelne Teammitglieder eine besondere Expertise aufweisen. Diese Mandate werden dann aufgrund der referatsinternen Spezialisierung von dem jeweiligen Teammitglied bearbeitet.

Iurratio: Warum haben Sie sich für eine Tätigkeit im Bereich des Medizinrecht entschieden? Was macht für Sie den Reiz einer Tätigkeit im Medizinrecht aus?

Dr. Kristina Raske: Aus meiner Sicht gibt es kaum ein anderes Rechtsgebiet, das so viele verschiedene Rechtsgebiete in sich vereinigt, wie das Medizinrecht. Die Tätigkeit im Medizinrecht stellt sich in der anwaltlichen Praxis als ein Zusammenspiel von Zivil-, Verwaltungs-, und Sozialrecht mit ihren jeweiligen vielfältigen untergesetzlichen Ausprägungen dar und erschöpft sich keineswegs allein auf dem Gebiet des prominenten Arzthaftungsrechts. Dementsprechend facettenreich sind auch die medizinrechtlichen Mandate: Wir beraten bei der gesellschaftsrechtlichen Errichtung, Auseinandersetzung und Umstrukturierung von interdisziplinären Kooperationen, im Bereich der privat- und vertragsärztlichen Honorierung der Leistungserbringer, bei Fragestellungen auf dem Gebiet des Approbations- und Berufsrechts, sowie bei vertragsarztrechtlichen Zulassungsverfahren vor dem Zulassungsausschuss für Ärzte. Besonders spannend finde ich auch, dass man als Anwalt für Medizinrecht quasi "hinter die Kulissen" der ärztlichen Berufsausübung schaut. Meine Sichtweise auf den Arztberuf hat sich seit meiner Tätigkeit als Anwältin für Medizinrecht völlig verändert.

Iurratio: Womit muss der Anwalt an einem typischen Arbeitstag im Bereich des Medizinrechts rechnen?

Dr. Kristina Raske: Ein normaler Arbeitstag beinhaltet neben der klassischen Abstimmungs- und Organisationsarbeit mit den Mandanten viele Recherchearbeiten. Gerade das Vertragsarztrecht ist ein relativ junges Rechtsgebiet, auf dem es noch viele unbeantwortete Fragen gibt. Oft kommt es vor, dass man mit einer Fragestellung bzw. Situation konfrontiert wird, die von der Rechtsprechung bisher noch nicht entschieden wurde oder zu der es einfach keine Kommentierung gibt. Dann ist "Köpfchen" gefragt, denn der Mandant möchte sein Anliegen schließlich zuverlässig und kompetent beantwortet wissen. Im Vergleich zu anderen Rechtsgebieten ist im Medizinrecht auch häufiger mit Gesetzesänderungen zu rechnen, wie man im aktuellen politischen Diskurs um die Reformbestrebungen von Gesundheitsminister Jens Spahn gerade sehr schön erkennen kann. Das neue Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) wird sehr viele Änderungen mit sich bringen. Das Rad dreht sich im Medizinrecht also sehr schnell. Man muss daher immer am "Ball bleiben" und sich informieren. Das macht den Alltag insgesamt sehr spannend und vielseitig.

Iurratio: Was sind die aktuell spannendsten Fragen im Medizinrecht aus Ihrer Sicht?

Dr. Kristina Raske: Die spannendsten Themen im Medizinrecht sind meines Erachtens derzeit die Digitalisierung und der (damit verbundene) Wandel im ärztlichen Standesrecht. So ist es nun möglich, Patienten ohne vorherigen Arzt-Patienten-Kontakt, z.B. mittels Apps fernzubehandeln. Auch versteht sich der Arzt heute mehr denn je als Unternehmer, was zwangsläufig zu einer Veränderung des Arztbildes führt und damit die in der Berufsordnung niedergelegten Standesregeln zunehmend in Frage stellt.

Anforderungen

Iurratio: Welche Qualifikationen bzw. welche Soft Skills sind für eine anwaltliche Tätigkeit im Bereich des Medizinrechts vorteilhaft bzw. notwendig? Auf welche Anforderungen der Branche müssen sich Bewerber hier einstellen?

Dr. Kristina Raske​​​​​​​: Erforderlich ist in jedem Fall eine schnelle Auffassungsgabe, gepaart mit der Bereitschaft, sich in komplexe medizinische Sachverhalte einzuarbeiten und ein Verständnis für fachmedizinische Fragestellungen zu entwickeln. Gerade in Haftungsprozessen ist dies im Zuge der Auseinandersetzung mit Sachverständigengutachten unerlässlich. Vor diesem Hintergrund kommt auch dem Austausch bzw. der Zusammenarbeit mit dem Mandanten, aber auch mit anderen Institutionen, wie bspw. den Kassenärztlichen Vereinigungen, Krankenkassen, Gutachtenkommissionen der Ärztekammern oder den Zulassungsausschüssen für Ärzte eine besondere Bedeutung zu. Kommunikationsstärke und die Fähigkeit zum Netzwerken sind daher ebenso wichtig wie eine entsprechende Sozialkompetenz und ein ausgeprägtes Orientierungswissen.

Iurratio: Erwarten Sie von Anfang an eine starke Spezialisierung im Medizinrecht zusätzlich zu breiten Kompetenzen im Zivilrecht? Oder findet hier auch ein „Training on the job“ im Sinne eines Heranführens von kleinen zu großen Aufgaben statt?

Dr. Kristina Raske​​​​​​​: Nein. Eine starke Spezialisierung wird grundsätzlich nicht erwartet, zumal es im rechtswissenschaftlichen Studium kaum Berührungspunkte mit dem Medizinrecht gibt. Allerdings sollte ein solides Grundwissen im Gesellschafts-, Verwaltungs- und Sozialrecht in jedem Fall vorhanden sein. Die eigentliche, darüberhinausgehende medizinrechtliche Spezialisierung erfolgt dann "learning by doing". Eine einschlägige Berufserfahrung ist jedoch durchaus von Vorteil.

Weiterbildung

Iurratio: Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gewährt Ihre Kanzlei? Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter bei der Erlangung des Fachanwaltstitels oder dem Besuch von Fortbildungsseminaren?

Dr. Kristina Raske​​​​​​​: Unsere Kanzlei zeichnet sich durch eine hohe Spezialisierung der einzelnen Referate aus. Die eigene Weiterbildung ist ausdrücklich erwünscht. Wir unterstützen und gewähren daher die Teilnahme an Fortbildungen, Seminaren, Symposien, etc. in jeder Hinsicht. Gleiches gilt selbstverständlich auch für den Erwerb des Fachanwaltstitels. Die hierfür anfallenden Kosten werden vollständig von der Kanzlei übernommen. Wer sein Englisch auffrischen oder ausbauen möchte, kann an Englischkursen teilnehmen, die regelmäßig in den Kanzleiräumen stattfinden.

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