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Aus unserem Berufsspecial zu einer Tätigkeit im Bereich Investmentaufsichtsrecht - Interview mit Rechtsanwalt Lennart Lorenz von SMP

In der Interviewreihe für unsere Berufsspecials haben wir Rechtsanwalt und Partner bei SMP, Lennart Lorenz,​​​​​​​ hinsichtlich seiner Tätigkeit, den Anforderungen sowie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Investmentaufsichtsrecht befragt.

Es geht häufig darum, schwierige Dinge erst einmal selbst zu begreifen & diese dann konkret & verständlich zu erklären

Rechtsanwalt Lennart Lorenz

SMP, Partner

Tätigkeit

Iurratio: Von außen scheint das Investmentaufsichtsrecht ein komplexes und schwer durchschaubares Gebiet zu sein. Wie würden Sie als Spezialist das Rechtsgebiet beschreiben?

Lennart Lorenz: Auch mit umfassenderer Berufserfahrung bleibt das Gebiet des Investmentaufsichtsrechts komplex. Vor allem die „Regelungstiefe“ ist nicht zu unterschätzen. Verschiedene Vorschriften greifen ineinander, starke europarechtliche Bezüge und eine teilweise stark ausdifferenzierte Verwaltungspraxis sind zu beachten. Das alles lässt sich mit dem juristischen Handwerkszeug gut durchdringen und begründet den besonderen Reiz dieses Rechtsgebiets. Dabei helfen in manchen (unklaren) Situationen auch klassische Auslegungsmethoden weiter. Für Juristinnen und Juristen, die sich besonders gern fachlichen Herausforderungen gegenübersehen, ist die Materie also gut geeignet. Hierbei kann man sich schon als Berufsanfängerin oder Berufsanfänger viele Aspekte systematisch gut erschließen.

Iurratio: Warum haben Sie sich für eine Tätigkeit im Bereich des Investmentaufsichtsrechts entschieden? In welchem Karrierestadium fiel die Entscheidung, anwaltlich in diesem Bereich tätig zu werden?

Lennart Lorenz: Aus den eingangs genannten Gründen und auch weil sich dieser Bereich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt hat, habe ich mich für die Spezialisierung entschieden. Die Materie bleibt in Bewegung und ist in vielen Bereichen noch relativ „jung“, beispielsweise das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) oder Themen rund um Kryptowerte. Hier besteht nach wie vor die Möglichkeit, schon in den Anfängen mit dabei zu sein und Entwicklungen zu begleiten. Ich habe mich bereits als Associate dazu entschieden, meinen Schwerpunkt im Bereich der Investmentfonds bzw. des Investmentaufsichtsrechts zu setzen. Während des Studiums hatte ich allerdings noch keine Berührungspunkte mit dem Bereich.

Iurratio: Womit muss der Anwalt an einem typischen Arbeitstag im Bereich des Investmentaufsichtsrechts rechnen?

Lennart Lorenz: An typischen Arbeitstagen übersetze ich komplexe juristische Vorschriften in für meine Mandanten verständliche Schriftsätze. Ich berate sie beispielsweise dabei, bestimmte Dokumentationserfordernisse und Voraussetzungen tatsächlich erfüllen zu können, um bestimmte Genehmigungen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu erhalten. Ich agiere dabei insbesondere als Vermittler zwischen Behörde und Mandantschaft. Hierbei nehme ich häufig Kontakt zur BaFin auf und stimme mich mit der Sachbearbeitung oder Ressortleitung ab. Obwohl es also um eine komplexe Materie geht, die viel selbstständige Einarbeitung erfordert, ist der Alltag stets sehr kommunikativ.

Iurratio: Welche Auswirkungen hatte die Finanzkrise auf die heutige anwaltliche Beratung im Bereich des Investmentaufsichtsrechts?

Lennart Lorenz: Die Aufsichtsbehörden sind etwas vorsichtiger geworden, was mitunter dazu führt, dass bestimmte Dinge teils sehr streng interpretiert werden. Hier müssen wir in unserer Funktion vorsichtig „gegensteuern“ und dürfen Diskussionen über die Auslegung bestimmter Vorschriften nicht scheuen. Auch die Regelungsdichte insgesamt hat deutlich zugenommen. Dadurch sieht man sich auch als erfahrene Beraterin oder erfahrener Berater mit neuen Herausforderungen konfrontiert und muss offen und neugierig bleiben.

Anforderungen

Iurratio: Welche Qualifikationen bzw. welche Soft Skills sind für eine anwaltliche Tätigkeit im Bereich des Investmentaufsichtsrechts vorteilhaft bzw. notwendig? Auf welche Anforderungen der Branche müssen sich Bewerber hier einstellen?

Lennart Lorenz: Bewerberinnen und Bewerber sollten einerseits dazu in der Lage sein, sich die komplexe Materie zu erschließen, indem sie auch Kenntnis über die Inhalte längerer Regelungswerke, Verwaltungsanweisungen oder -merkblätter sowie die zugehörige Kommentierung aneignen. Andererseits sollte man jedoch auch kein „Stubenhocker“ sein und die Kommunikation mit den Kolleginnen und Kollegen, Mandanten und Behörden nicht scheuen. Es geht häufig darum, schwierige Dinge erst einmal selbst zu begreifen und diese dann konkret und leicht verständlich zu erklären. Dazu sind Geduld und Durchhaltevermögen wichtig, aber auch ein hohes Maß an Spontanität und Offenheit. Man muss geistig flexibel bleiben können und darf sich nicht allein auf bestimmte vorgefertigte Wege und Meinungen verlassen.

Iurratio: Erwarten Sie von Anfang an eine starke Spezialisierung im Investmentaufsichtsrecht zusätzlich zu breiten Kompetenzen im Zivilrecht? Oder findet hier auch ein „training on the job“ im Sinne eines Heranführens von kleinen zu großen Aufgaben statt?

Lennart Lorenz: Gerade weil die Materie, wie zuvor beschrieben, sehr systematisch aufgebaut ist und sich viele Dinge laufend ändern, ist sie auch für Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger ohne spezifische Vorkenntnisse geeignet. Es gibt stets viel zu lernen. Ein „training on the job“ bietet sich daher im Investmentaufsichtsrecht sehr gut an.

Iurratio: Beratung im Investmentaufsichtsrecht findet häufig im internationalen Rahmen statt. Gute Englischkenntnisse gelten vermutlich als selbstverständliche Anforderungen an Ihre Bewerber und Mitarbeiter. Wie wichtig sind Kenntnisse weiterer Sprachen und anderer Rechtssysteme, z.B. über Zusatzqualifikationen wie einen LL.M.?

Lennart Lorenz: Wie in anderen Rechtsbereichen auch ist es wünschenswert, dass Bewerberinnen und Bewerber bereits unterschiedliche Perspektiven einnehmen konnten und verschiedene Dinge gelernt und gesehen haben. Es lässt sich aber nicht pauschal sagen, dass weitere Fremdsprachen (neben Englisch) oder ein LL.M. eine unabdingbare Voraussetzung sind. Es kommt tatsächlich mehr darauf an, wie motiviert und neugierig Bewerberinnen und Bewerber sind und ob sie klar kommunizieren können. Das merkt man in persönlichen Gesprächen schnell. Alles andere ist eher nützliches Beiwerk.

Weiterbildung

Iurratio: Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gewährt Ihre Kanzlei?

Lennart Lorenz: Mit unserer hauseigenen SMP Academy fördern wir Aus- und Weiterbildung in drei elementaren Säulen: Basic Consulting Readiness, Fachausbildung im Schwerpunktbereich sowie fachübergreifende Ausbildungsthemen wie beispielsweise Berater- und Führungspersönlichkeit oder Unternehmenswerte und -kultur. Vom Online-Training, über regelmäßige Lunch&Learns, bis hin zu Inhouse-Seminaren bieten wir für jedes Thema das passende Format und fördern dabei ganz nebenbei und senioritäts-unabhängig den Austausch zwischen Praxisgruppen und Standorten. Während des Onboarding-Prozesses nutzen wir verschiedene Hilfsmittel, um neue Kolleginnen und Kollegen zielgerichtet zu integrieren und fit für den Job zu machen: Digitale Wikis, Prozessbeschreibungen oder Hilfestellungen für die Mandatsbearbeitung helfen bei der schnellen Einarbeitung und leisten ihren Beitrag für einen gelungenen Start bei SMP.

Iurratio: Was würden Sie Bewerbern raten, die sich für eine Karriere im Investmentaufsichtsrecht interessieren? Welche Schwerpunkte sollten sie bei ihrer Ausbildung setzen, auf welche fachübergreifenden Fähigkeiten Wert legen?

Lennart Lorenz: Praktische Erfahrungen, wie Praktika oder eine studentische Mitarbeit, sind wertvoll und ermöglichen es Bewerberinnen und Bewerbern im Arbeitsalltag herauszufinden, ob der Bereich als Spezialisierung für sie tatsächlich infrage kommt. Wenn dazu die Zeit und Möglichkeit besteht, lohnt es sich, möglichst früh erste Berührungspunkte mit dem Rechtsgebiet zu suchen. Daneben ist es hilfreich, Angebote der Universitäten anzunehmen, die eine weitere Spezialisierung ermöglichen. Dazu zählen beispielsweise die Wahl entsprechender Schwerpunkte oder Zusatzkurse. Fächerübergreifend gibt es keine starren Empfehlungen oder Vorgaben. In der Ausbildung sollten insbesondere die individuellen Interessen gestärkt werden, sodass die Versteifung auf ein bestimmtes Berufsbild den Blick auf die vielfältigen Möglichkeiten nicht verstellt.

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