Logo von iurratio
Menü
Karriere»Berufsspecials»IP-Recht (Gewerblicher Rechtsschutz und Geistiges Eigentum)

Aus unserem Berufsspecial zu einer Tätigkeit im Bereich Gewerblicher Rechtsschutz: Ein Interview mit Philip Kohl

In unserer Interviewreihe für unsere Berufsspecials haben wir Rechtsanwalt Philip Kohl (BRP Renaud & Partner) hinsichtlich seiner Tätigkeit, den Anforderungen sowie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Gewerblicher Rechtsschutz befragt.

"Es ist eine bunte Welt und alles andere als "trocken". "

Philip Kohl

(BRP Renaud & Partner)

Tätigkeit

Iurratio: Markenrecht, Patentrecht, Wettbewerbsrecht; der gewerbliche Rechtsschutz besteht aus vielen verschiedenen Teilbereichen. Worin liegt Ihr Schwerpunkt?

Philip Kohl: Mein Schwerpunkt liegt im sog. Soft-IP ("Soft Intellectual Property"), vor allem im Markenrecht und Wettbewerbsrecht – letzteres mit besonderem Schwerpunkt auf das Heilmittel- und Lebensmittelwerberecht. Daneben berate und vertrete ich aber auch spezialisiert in design-, urheber- und patentrechtlichen Angelegenheiten. Im Wettbewerbsrecht geht es oft um die Frage, ob marktverhaltensregelnde Normen verletzt sind, die letztlich in jedem Bereich zu finden sind, was das Rechtsgebiet besonders abwechslungsreich und spannend macht. Aber auch im Bereich der Schutzrechte ist man ständig mit neuen Branchen und Hintergründen konfrontiert.

Iurratio: Der gewerbliche Rechtsschutz gehört nicht zu den klassischen Rechtsgebieten, die in der Juristenausbildung auftauchen. Wie haben Sie sich für diesen Bereich begeistern können?

Philip Kohl: Während des Studiums erhielt ich durch einen Studienbesuch beim ZDF in Mainz einen ersten Einblick in das Medienrecht, über das ich dann zu dem damit eng verwandten gewerblichen Rechtsschutz kam. Mich hat gleich begeistert, dass es meiner Ansicht nach ein unheimlich anschauliches Rechtsgebiet ist – es geht um Produkte, Marken, Werbekampagnen und Medien, also Dinge, die man aus dem Alltag kennt. Es ist eine bunte Welt und alles andere als "trocken". Deshalb bin ich dem gewerblichen Rechtsschutz treu geblieben und habe meine Praktika, meinen Schwerpunkt in der universitären Ausbildung und meine Referendariatsstationen entsprechend gewählt und bin nun seit fünf Jahren als Rechtsanwalt in diesem Bereich tätig.

Iurratio: Inwieweit ist ihre Erwartungshaltung an das Fachgebiet Gewerblicher Rechtsschutz erfüllt worden? Was waren die größten Überraschungen?

Philip Kohl: Meine Erwartungshaltungen wurden voll erfüllt. Im Alltag begegnen mir immer wieder Produkte oder Anzeigen, in Bezug auf die ich beratend tätig war oder ich sehe Marken, die wir verwalten und verteidigen, das macht großen Spaß. Darüber hinaus ist es ein sehr forensischer Bereich, d.h. ich bin häufig vor Gericht und ständig mit einstweiligen Verfügungs- und Klageverfahren beschäftigt. Überrascht war ich letztlich darüber, wie viel man bei der täglichen Arbeit an "Außerjuristischem" lernt – seien es medizinische Zusammenhänge, die Wirkweise von neuen kosmetischen Produkten oder die Funktionsweise von Spielautomaten. Man taucht bei fast jedem neuen Fall in eine andere Welt ein und hat mit unterschiedlichen, spannenden Personen zu tun; der Blick über den Tellerrand ist quasi garantiert. Offenheit, Neugier und Interesse an einer Vielzahl an unterschiedlichen Themengebieten muss man von sich aus mitbringen.

Iurratio: Womit muss der Anwalt an einem typischen Arbeitstag im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes rechnen?

Philip Kohl: Vor allem mit Tempo! Es kommt immer wieder vor, dass sich ein Mandant plötzlich meldet und mitteilt, er habe eine Abmahnung erhalten oder ihm sei gar eine im Beschlussweg erlassene einstweilige Verfügung zugestellt worden, die für sein Unternehmen gravierende Folgen haben könnte. Dann heißt es schnell reagieren, da die Fristen im Hinblick auf den Eilrechtsschutz oft kurz bemessen und nicht verlängerbar sind. Außerdem ist man im gewerblichen Rechtsschutz weniger mit großen Projekten befasst, die über Wochen hinweg mehr oder weniger ausschließlich betreut werden, sondern eher mit vielen unterschiedlichen Angelegenheiten, die parallel bearbeitet werden müssen.

Anforderungen

Iurratio: Welche Qualifikationen bzw. welche Soft Skills sind für eine anwaltliche Tätigkeit im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes vorteilhaft bzw. notwendig? Auf welche Anforderungen der Branche müssen sich Bewerber hier einstellen?

Philip Kohl: Aus den genannten Gründen ist Neugier und Offenheit für neue Hintergründe wichtig. Darüber hinaus ist aufgrund des manchmal hohen Tempos gutes Zeitmanagement und Selbstorganisation unerlässlich. Da der Bereich sehr international ist – Mandanten verfolgen meist internationale Schutzrechtsstrategien – sind darüber hinaus gute Englisch- und sonstige Sprachkenntnisse für den Austausch mit internationalen Mandanten oder Kollegen im Ausland wichtig. Englischunterricht und Soft-Skills-Training (z.B. Kommunikations-Coaching und Verhandlungstraining) bieten wir jedoch auch in der Kanzlei an. Darüber hinaus pflegen wir im Rahmen unseres INTERLAW-Netzwerks Kontakte zu unseren internationalen Partnerkanzleien aus der ganzen Welt: beispielsweise haben junge Anwältinnen und Anwälte im Rahmen des INTERLAW NextGen-Programms die Möglichkeit sich bei Retreats oder auf Konferenzen kennenzulernen und zu netzwerken.

Iurrtio: Welche Anforderungen stellen Sie an Referendare für eine Stage bzw. an Berufsanfänger für eine Tätigkeit in Ihrer Kanzlei?

Philip Kohl: Wünschenswert sind natürlich Vorkenntnisse im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes; zwingend ist dies jedoch nicht. Im Übrigen freuen wir uns über überdurchschnittliche Examina, gute Englischkenntnisse und Zusatzqualifikationen. Vor allem aber müssen wir bei Bewerbern das Gefühl haben, dass sie gut zu uns passen, da wir in der Kanzlei ein vertrautes Miteinander pflegen und dadurch eine sehr angenehme Atmosphäre haben.

Iurratio: Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach die Erlangung des Fachanwaltstitels im gewerblichen Rechtsschutz?

Philip Kohl: Da der gewerbliche Rechtsschutz nicht zum Pflichtstoff der universitären Ausbildung gehört, ist der Fachanwaltstitel meiner Meinung nach in diesem Bereich ein wichtiger Qualifikationsnachweis – gerade auch gegenüber Mandanten. Bei BRP fördern wir die Spezialisierung und übernehmen die anfallenden Kosten für den Fachanwaltslehrgang.

Weiterbildung

Iurratio: Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gewährt Ihre Kanzlei?

Philip Kohl: Neben den schon erwähnten Soft-Skills-Trainings, den regelmäßigen Englischkursen und der Übernahme der Kosten für den Fachanwaltslehrgang, fördern wir bei BRP gezielt Maßnahmen, die zur Spezialisierung beitragen. Dies können individuelle Weiterbildungskurse oder auch die Teilnahme an Seminaren, Symposien oder Branchentreffen sein.

Empfohlene Artikel

Weitere Artikel